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Thomas Frühmann ist nun 60 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 20. Januar 2011 um 16:57

 

Thomas Frühmann auf Genius bei Olympia 1992 in Barcelona - Silber im Preis der Nationen wenige Monate nach dem Weltcupgewinn in Del Mar/ Kalifornien

(Foto: Werner Ernst)

Linz. In der Klasse „U 70“ ritten bisher auf internationalem Parcours ganz oben der Franzose Michel Robert (62) und der für Austria startende Pfälzer Hugo Simon (68). An diesem Sonntag wurde aus dem Duo ein Trio - Thomas Frühmann ist jetzt nämlich 60 Jahre alt.

 

Sich so lange oben zu halten, gelingt nicht vielen, und  auf solchem Niveau - nur wenigen. Thomas Frühmann zählt jetzt dazu. Und das verdankt er einem glücklichen Zufall. Wegen eines Leistenbruchs ließ er sich Mitte Dezember 2009 in eine Linzer Klinik einweisen, „doch dort stellten sie etwas anderes zusätzlich fest: Verengung der Herzkranzgefäße.“ Ihm wurden zwei Stents implantiert, „es hätte alles auch negativ ausgehen können...“

 

„Gott begnadet“ – nennt ihn Alwin Schockemöhle

 

Der das sagt, kennt was von diesem Sport und auch über ihn und alles von ihm, Alwin Schockemöhle (73). Bei ihm „verbrachte ich die schönsten Jahre“. Zwölfeinhalb Jahre lebte er mit Familie nur ein paar Meter getrennt auf dem über 400 Jahre alten Schockemöhle-Hof von dem großen Horseman entfernt.

 

Thomas Frühmann stammt aus Wien. Der Vater war Psychiater, der Sohn sollte ebenfalls Arzt werden, doch die Mutter schlug sich auf seine Seite, er wurde Springreiter. Statt Abitur begann er mit 17 Jahren  in München eine Lehre bei Ottokar Pohlmann, dem Vater von Barbara Pohlmann, ehemals Ehefrau von Paul Schockemöhle und dann auch von Ludger Beerbaum.  Ottokar Pohlmann war selbst Olympiateilnehmer der Vielseitigkeit 1960 in Rom und baute in München 1972 den Cross, der als Lehrstück für Fairness in die Geschichte einging. Über ihn sagt Thomas Frühmann heute: „Er war so streng wie herzlich.“

 

Von  Österreich zu „Brenni“ nach Heide

 

Nach den Pohlmann-Jahren übernahm der Wiener in seiner Heimat zunächst das Gestüt „Andlershof“, doch, „um in diesem speziellen Sport international herauszukommen, da musste ich zurück nach Deutschland.“ Deutschland war das Land, wo auch der Reitsport gemacht wurde. Bei seinem Spezi Georg Ahlmann, Vater des   Doppel-Europameisters von 2003, war er zunächst zweieinhalb Jahre, der vermittelte ihn 1981 weiter zum Gestüt „Römersee“ in Heiden im westlichen Münsterland, kurz vor Holland. Dort hatte  Gerhard Brenninkmeyer das Sagen, der Mitbesitzer von „C&A“.  Brenninkmeyer war stolz, einen solchen Bereiter zu haben. Er zahlte ihm im Monat 3.000 Mark auf die Hand, er durfte die Hälfte der Gewinnprämien einsacken, 30 Prozent betrug die Provision beim Verkauf eines Pferdes, die Wohnung war für lau. „Brenni“, wie man ihn nannte, plauderte damals auch ganz frank und frei darüber,  dass beispielsweise sein Chefbereiter 1982 nicht weniger als 210.000 Mark netto eingestrichen habe. Das momentane monitäre Glück währte gerade mal drei Jahre, dann fällte „Brenni“ ein Herzinfarkt. Der restliche Brenninkmeyer-Clan hatte mit Pferden nichts mehr im Sinn.

 

Ab September 1984 in Mühlen

 

Alwin Schöckemöhle holte Thomas Frühmann ins Oldenburger Land in seinen Turnierstall. Ab 1. September 1984 war Thomas Frühmann ein Mühlener. Beide mussten keinem mehr etwas beweisen, Alwin Schockemöhle nicht als einer der erfolgreichsten Springreiter weltweit, und nicht Thomas Frühmann. Er gehörte nicht nur zur Equipe mit Hugo Simon auf Gladstone, Georg Riedl auf Weekend und Roland Fischer auf Icarus, die 1980 beim so genannten „Ersatz-Olympia“ – anstelle des fast total von den Westreitern gemiedenen Olympia in Moskau - in Rotterdam Bronze hinter den erfolgreichen Kanadiern und den Briten gewann, sondern er war im Preis der Nationen einer von lediglich drei Reitern, der auf der Stute Donau zweimal ohne Fehler aus den beiden Umläufen herauskam.

 

Thomas Frühmann war auch wie ein Geschenk für die Medien, immer gut für einen losen Spruch wie während des Weltcup-Finals 1990 in den Dortmunder Westfalen-Hallen, als er meinte: „Tolles Turnier. Die Pferde hatten zu fressen – und wir Reiter zu saufen...“

 

Nicht stilvoll – aber erfolgreich

 

Er galt nie als der große Stilist, doch er ritt erfolgreich, „und meine Pferde sind alle weich im Maul“ (Frühmann). Das weiß vor allem der Fachmann zu schätzen. Seine Erfolgsserie kann sich ebenfalls sehen lassen. Auf dem Hengst Grandeur gewinnt er dreimal das Deutsche Derby in Hamburg und wurde Sieger im Großen Preis von Aachen, auf Genius holt er 1992 im kalifornischen Del Mar zunächst den Weltcup und  wenige Monate kommt im Sattel des Hannoveraner Schimmels Olympisches Team-Silber mit Boris Boor auf Love Me Tender, Jörg Münzner auf Graf Grande und Hugo Simon auf Apricot D hinter der Niederlande dazu.

 

Frühmann baut in Maria Alm bei Salzburg ein Haus und zieht dort mit der Familie im April 1995 ein. Gleichzeitig tritt er von der Weltbühne des Springsports ab, die zweite Ehe zerbricht, Scheidung im Jahre 2.000, Österreichs einziger gebürtiger Vorzeigereiter scheint irgendwo als Provinzreitlehrer sein Talent zu verschludern.

 

2004 acht Große Preise gewonnen

 

Im November 2002 heiratet er zum dritten Mal, Anfang 2003 kommt sein zweiter Sohn auf die Welt, und er selbst feiert sportlich ein Comeback im März 2004. Auf dem Westfalen-Wallach The Sixt Sense, der mal Zeno hieß und Zorro T als Vater hat, tritt er einen einmaligen Siegeszug an. Thomas Frühmann: „Ich war lange schon hinter dem Wallach her, aber der Besitzer wollte ihn nicht verkaufen.“ Das Pferd irgendwann im Parcours vorzustellen, wurde für Frühmann eine fast krankhafte Sucht. Der bayerische  Besitzer erlag irgendwann dem Werben, sicherlich auch dem finanziellen Angebot. Käuferin war Serena Hamberg, mit der Frühmann mal für ein paar Wochen verheiratet war. Sie gab den Westfalen in seinen Beritt. 2004 gewinnt Thomas Frühmann, dessen Leben wahrlich in jeder Beziehung teilweise einer Achterbahn gleicht, nicht weniger als acht Große Preise.

 

Kein Championat mehr für Österreich

 

Nach 13 Jahren kam er erstmals wieder 2005 zum deutschen CHIO nach Aachen, wo er 1978 und 1986 bei den Weltmeisterschaften antrat, zuhause legte er sich mit der damaligen Springausschussvorsitzenden an, er beschloss, nach 76 Einsätzen in Nationen-Preisen keinen weiteren mehr für Österreich zu reiten und auch kein Championat mehr. Seine Begründung: „Ich habe doch mehrmals erlebt, dass Pferde, die beispielsweise bei einer Weltmeisterschaft gingen, danach monatelang nicht mehr im Sport eingesetzt werden konnten, weil sie nervlich am Ende waren. I)ich habe nun mal nur ein Spitzenpferd, das muss ich hegen und pflegen.“ Und er sagte: „Championate sind für alle jene gemacht, die über mehrere so genannte Kracher verfügen oder sich ausrechnen können, dass sie ganz vorne sind.“

 

Er weiß auch, „ein Pferd wie The Sixt Sense werde ich nie mehr haben. Der Wallach wollte nie einen Fehler machen, und einiges regelte er manchmal im Parcours auch von sich aus.“ Der neunmalige Landesmeister, der  achtmal an Europameisterschaften teilnahm, dreimal an Olympischen Spielen und viermal an Weltmeisterschaften, ritt den Westfalen-Wallach ganz nach oben,  dass die Internationale Züchtergemeinschaft ihn zum erfolgreichsten „Springpferd 2006“ wählte. Denn: Bei der ersten Global Champions Tour sprang das Paar insgesamt 212.500 Euro ein,  im Dezember 2006 wurde Thomas Frühmann in München außerdem zum Abschluss der Riders Tour als erster Nicht-Deutscher  „Springreiter des Jahres“, was eine Gewinnprämie von 250.000 Euro zusätzlich zu den Gewinngeldern der einzelnen Springen brachte. Alwin Schockemöhle: „Thomas blieb dennoch ganz normal, er ist anspruchslos, er braucht kein dickes Auto, um von A nach B zu kommen. Er ist vor allem einer, für den das Wort Freundschaft wirklich etwas bedeutet.“

 

Mit The Sixt Sense höre ich auf

 

Frühmann hat nur noch wenige Pferde in den Stallungen am Turniergelände in Linz, wo der alljährliche CSIO von Österreich ausgetragen wird, „und wenn für The Sixt Sense  die Pension ansteht, dann höre ich auch auf.“ Der Wallach ist jetzt 15 Jahre alt, ein Jahr lang laborierte er immer wieder an verschiedenen Wehwehchen, zur Zeit wird er wieder antrainiert.

 

Und was ist, wenn The Sixt Sense dem Turnierstress nicht mehr standhält? Thomas Frühmann: „Dann ist auch für mich die Laufbahn beendet.“ Eine große Geburtstagsparty hat er übrigens für Sonntag nicht geplant.