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Beerbaums Ratina nun 28 Jahre alt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Freitag, 02. Oktober 2009 um 10:57

Riesenbeck. Im Hause Ludger Beerbaum in Riesenbeck wurden zwei Geburtstage gefeiert. Zunächst wurde Ludgers Sohn Alexander 18 Jahre alt, einen Tag darauf die großartige Pferdedame Ratina gar 28. Die Hannoveranerin ist sicher nicht das gewinnreichste Springpferd der Welt – aber das erfolgreichste mit Sicherheit.

 

Die Karriere der wahrlich königlichen Hannoverin Ratina sollte anders verlaufen. Auf sie hatte zunächst Paul Schockemöhle gierig geblickt. Für sie war ab Herbst 1992 bereits eine Box im Turnierstall des Pferdemoguls in Mühlen reserviert. Doch unmittelbar nach dem CSIO von Spruce Meadows  vor den Toren Calgarys endete die Reise nicht in Südoldenburg, sondern im beschaulichen Allgäu-Städtchen Buchloe. Dorthin hatte es nämlich Ludger Beerbaum verschlagen, unmittelbar nach seinem Weggang von Paul Schockemöhle. Beerbaums neuer Gönner und Mäzen hieß nun Rodo Schneider.

 

Rodo Schneider gehörte die Stute Classic Touch, auf der Beerbaum 1992 in Barcelona Olympiasieger geworden war. Sein Vorsprung im Finale auf dem Sand des Real Club de Polo de Barcelona auf den Niederländer Piet Raymakers: 0,25 Zeitfehlerpunkte im zweiten Umlauf. Raymakers Pferd: Ratina Z, in Besitz des Gestüts “Zangersheide“ im belgischen Lanaken. Gestütsherr: Leon Melchior, ein ehemaliger belgischer Bauunternehmer, der in großem Stil Flughafengebäude wie zum Beispiel das in Köln-Bonn oder Kliniken in Rekordtempo hochzog. Bei Melchior war Raymakers damals Angestellter und Chefbereiter.

 

Für Classic Touch kam Ratina Z

 

Classic Touch wiederum, die Rodo Schneider sah und kaufte („ohne zu probieren“),  war seinem Sohn Ralf Schneider versprochen, der auch bereits nach Höherem strebte. Pferdenarr Schneider wiederum, einer der drei Vorstandsmitglieder des Fleischimperiums Moksel, wollte seinen Vorzeigereiter Ludger Beerbaum aber nicht im Regen stehen lassen. Und da kam ihm Ratina Z gerade recht. Ratina vom Vererber Ramiro, der dem München-Team-Olympiasieger und Züchter Fritz Ligges gehört hatte, stammte aus einer Mutter namens Heureka, auf der der ehemalige Bundestrainer und Olympiasieger Hermann Schridde 1970 den Großen Preis von Aachen gewinnen konnte. Heureka kaufte Leon Melchior unmittelbar nach dem Aachen-Triumph.

 

Ehe Ratina Z unter Ludger Beerbaum erfolgreich jumpte, 1993 den Weltcup gewann, 1994 in Den Haag Mannschafts-Gold bei den zweiten Weltreiterspielen, 1996 in Atlanta zu Team-Gold bei Olympia sprang und den Reiter zu Doppelgold bei der EM in Mannheim 1997 trug, hatte sie bereits zwei Fohlen, war aber auch mit Piet Raymakers schon zu Mannschafts-Gold bei der Europameisterschaft 1991 und vor Einzel-Silber bereits zuvor zu Mannschafts-Gold in Barcelona bei Olympia geflogen.

 

Scheck über 2,1 Millionen Mark

 

Rodo Schneider schrieb Leon Melchior einen Scheck über 2.126.000 Mark aus. Ihren letzten sportlichen Auftritt hatte Ratina am 20. Juni 1999 beim CHIO von Deutschland in Aachen mit einem fünften Platz im Großen Preis. Nach Ende der sportlichen Karriere sollte die Stute – Lebensgewinnsumme: 1.799.316 DM - zurück ins Gestüt Zangersheide nach Belgien. So war das auch ausgemacht mit Rodo Schneider. Dagegen aber wehrte sich Ludger Beerbaum. Mit Erfolg. Vor dem Amtsgericht in Münster – Beerbaum-Anwalt: Michael Klimke – einigte man sich am 13.Juni 2002 gütlich. Ratina durfte bei Ludger Beerbaum in Riesenbeck bleiben und genießt dort ihr Dasein ohne Sport und möglicherweise ständige Besamung. In Bronze gegossen und im Ansatz zu einem Sprung steht die herrliche Stute in Lebensgröße nun als Denkmal  vor der Reitanlage Beerbaums - wie übrigens auch in "Zangersheide".

 

 

 

 

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