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Der Traum eines kleinen Mädchens...(194) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Donnerstag, 17. April 2014 um 14:51

 

Polly trickst die Mobber aus...

 


Polly war tatsächlich über ihren Schatten gesprungen. Die Sechszehnjährige hatte in einer wichtigen Trainerstunde extra überflüssige Fehler eingebaut, damit ihre Kameradinnen sich ihr überlegen fühlen sollten, das war so geheim beschlossen worden. Es hatte geklappt. Polly machte Fehler und sofort hörte das Mobbing auf. Wie geplant, präsentierte sich ihre größte Konkurrentin Brigitta mit Stolz geschwellter Brust in allen Stallgassen des Reitstalles Hubertus, weil sie diese Fehler nicht gemacht hatte. Es war nicht zu übersehen, dass sich Brigitta als die Überfliegerin ihrer Altersklasse betrachtete. Somit zeigte sie sich, wie erwartet, äußerst großzügig und generös zu Polly. In Gnaden wieder in die Clique aufgenommen, verschwand das Mobbing.

 

Polly hatte ihr Ziel mit Taktik erreicht. Der gute Rat der Nachbarin war Gold wert gewesen. Doch alles musste zuerst eingeübt werden. Zuhause hatte Polly im Spiegel daran gearbeitet, auf ihrem Gesicht Demut aufkommen zu lassen. Pure Bescheidenheit dazu. Sie orientierte sich dabei an Fotos von Prinzessin Diana aus England, die auf fast allen Fotos so unnatürlich von unten nach oben schaute. Schon immer hatte Polly diesen blöden Blick uncool gefunden. Aber nun erschien er ihrer Sache nützlich und erfolgreich.

 

Einen ganzen Nachmittag hielt Polly diese Demutshaltung noch aus. Innerlich lächelnd darüber, dass sie ihren Kameraden etwas vorgemacht hatte, um an ein Ziel zu kommen. Manipulation nennt man das. Im Fernsehen hatte sie schon oft dieses Wort gehört. Jetzt wusste sie aus eigener Erfahrung, was es bedeutete, andere Menschen zu einer bestimmten Handlung zu manipulieren. Allein durch eigenes Verhalten.

 

Hauptsache, es hatte funktioniert. Sie war Bestandteil der Gemeinschaft wie früher auch. Dass sie ihr Pferd weiterhin von Reitlehrer Joachim bereiten ließ, einmal in der Woche nur, aber immerhin, war unter ihren Freunden kein Thema mehr.

 

Für die Osterferien hatte sie mit dem Reitlehrer abgesprochen, dass sie an einigen Tagen morgens früh, noch bevor die „Kochlöffel-Abteilung“ ihre Reitstunde hatte, bei ihm Unterricht bekam. Das hieß für Polly, an diesen Tagen morgens um sieben Uhr aufzustehen. Und das in den Schulferien! Aber sie wollte unbedingt besser werden. Es war ihr Ziel, dass sie in kürzester Zeit den Beritt von Florian nicht mehr benötigte. Sie wollte unbedingt selbst als Ausbilderin ihres eigenen Pferdes auftreten können. Sie wollte eigene Lorbeeren ernten.

 

Diese Einzel-Reitstunden bei Joachim waren überaus anstrengend. Nicht allein des körperlichen Einsatzes wegen. Sondern die ununterbrochene Konzentration wurde zur höchsten Anstregung. Joachim duldete keinen Moment, in dem Polly ihrem Pferd freies Handeln erlaubte. Zu jeder Zeit sollte sie bestimmen, was getan werden sollte, immer sollte das Pferd unter Kontrolle sein. Auch wenn sie am Anfang der Reitstunde die Zügel noch lang lassen sollte, verlangte Joachim, dass sie sofort reagierte, am besten schon bevor es geschah, wenn Florian den Kopf hochnehmen wollte oder sogar mit dem Kopf zu schlagen versuchte. Für Polly waren das absolut keine entspannten  Lösungs-Momente.

 

Beim Leichttraben setzte sich das fort. Sie sollte sofort eingreifen, wenn sie spürte, dass das Pferd Ungehorsam zeigen wollte. Eine ganz besonders schwere Lektion war immer das Durchparieren und das Antraben. Jedes Mal nahm Florian unwillkürlich den Kopf hoch, er hob sich heraus. Polly wusste das. Aber es war so unglaublich schwierig, jedes Mal sofort zu reagieren, um das zu verhindern. Sie sollte im Antraben die Zügel leicht anstehen lassen und, sobald sie merkte, dass das Pferd den Kopf hoch nehmen wollte, kleine Paraden geben in Verbindung mit Vorwärts-Hilfen. Jedes Mal!

 

Joachim ließ nicht locker. Dauernd befahl er Übergänge zu reiten. Polly kam überhaupt nicht dazu, einmal zu entspannen. Sie musste die ganze Zeit aufpassen und jedes Mal bei dieser Lektion das Pferd gegen dessen Willen durch das Genick reiten. Ganz schön anstrengend.

 

In den ersten Stunden stellte sich nur Frustration ein. Nicht ein einziges Mal schaffte es die ehrgeizige Reiterin, das Pferd am Zügel zu behalten. Die erste Ferienhälfte war schon fast um. Und erst heute morgen schaffte sie es die ersten Male, ihr Pferd in den Paraden durchs Genick zu halten. Sie fühlte richtig, wie sich die Hinterhand des Pferdes gegen die Zügelparaden schob. Es fühlte sich so an, als ob das Pferd kürzer würde, der Hals wurde runder und kürzer, die Halsmuskulatur sprang irgendwie nach oben. Ein tolles Gefühl. Polly hatte es selbst geschafft. Joachim hatte Florian nicht vorher abgeritten. Polly hatte das selbst getan. Schönes Gefühl!

 

Dieser kleine Erfolg war eine Sache zwischen ihr und dem Reitlehrer. Keiner hatte das gesehen. Es war noch keiner von ihren Freunden so früh im Stall. Aber für sie war es ein enormer Fortschritt. Wenn sie das nun immer, bei allen Lektionen, so hinkriegen würde… Nach diesen Osterferien würde sie einen ganzen Schritt weiter sein in der Ausbildung ihres jungen Wallachs.

 

Später, als dann die anderen nach und nach im Reitstall eintrafen, kostete es Polly große Mühe, nicht von ihrem kleinen  Erfolg am Morgen zu erzählen. Sie war ganz nahe dran, Anne davon zu berichten. Ließ es dann aber sein, weil sie fürchtete, dass diese doch das Maul nicht halten würde. Ein erneutes Einsetzen von Mobbings wäre damit vorprogrammiert.

 

Wenn die Stimmung in ihrer Clique nun so blieb, wie sie gerade war, hatte sie eine traumhafte zweite Ferienwoche vor sich. Sie genoss die Situation, den ganzen Tag mit ihren Freunden im Stall verbringen zu können. Die Jugendlichen chillten auf dem Parkplatz vor dem Stall. Die Sonne verbreitete schon Wärme und immer wieder flitzte der eine oder andere zum Kiosk in der Nachbarschaft, um dort ein Eis zu kaufen. Ferien eben!

 

Dann erschien der alte Reitlehrer van Hopps im großen Tor und rief diejenigen herein, die immer an den Schulstunden teilnahmen. Polly wusste, was anstand. Diese Reiter sollten sich nämlich in der Sattelkammer versammeln, um einmal gründlich alles Sattelzeug der Schul-Pferde und –Ponys zu putzen. In den vergangenen Jahren hatte Polly immer daran teilgenommen. Aber seitdem sie ein eigenes Pferd besaß, sah sie darin keine Notwendigkeit mehr. Aber es kam einmal wieder alles ganz anders: Der Reitlehrer rief  auch Polly zu sich.

 

„Was ist den nun schon wieder?“, fragte Polly ungehalten, wo sie doch gerade mal mit ihren Kumpels nichts tun wollte, nur abhängen. „Du weißt doch, wie`s geht!“, sagte Herr van Hopps zu ihr. „Zeig doch mal den Schul-Leuten, wie man Sattelpflege macht. Die haben doch keine Ahnung, und Du kannst es ihnen doch zeigen“, bat er sie. „So ein Mist“, flüsterte  Polly so leise, dass der Reitlehrer nichts hören konnte. Polly sah keine Möglichkeit aus der Nummer herauszukommen, ohne die nächste Verstimmung im Stall auszulösen. Wenn der alte Reitlehrer etwas wollte, konnte man einfach nicht „Nein“ sagen. Ob sie wollte oder nicht, sie musste in die fensterlose Sattelkammer und den Anfängern zeigen, wie man die Ledersachen erst mit Sattelseife und dann mit Wolllappen oder Lederfett bearbeitete.

 

Seufzend begab sich Polly an den Ort, an dem sich schon etwa acht Personen eingefunden hatten. Polly kannte sie alle, es waren Kinder, die regelmäßig zum Ponyreiten in den Reitstall kamen. Aber Polly hatte eine Idee. Sie holte alle ihre eigenen Ledersachen aus ihrem Spind. Ein kleines Mädchen, von dem Polly schätzte, dass es höchstens neun Jahre alt war, mogelte Polly ihre eigenen Sachen unter. Nachdem sie allen gezeigt hatte, was sie zu tun hatte, beobachte sie nun hauptsächlich diese kleine Reiterin, wie sie Pollys Sattelzeug sauber machte. Dabei unterbrach Polly sie immer wieder und korrigierte das Putzen. Um ehrlich zu sein, Polly führte sich ein bisschen auf wie ein Gefangenen-Wärter. Es war ihre heimliche Rache für das entgangenen Rumhängen in der Sonne mit ihren Freunden. Wenigstens hatte es den Vorteil, dass sie ihr Zeug nicht selber reinigen musste. Keine Sattelseife zwischen ihren Fingern, kein Fett, das sie mühsam aus den Ritzen der Nagelbetten kratzen musste. Sollten sich doch die Anfänger ihre „Pfötchen“ dreckig machen. Hauptsache sie hatte keinen Streit mit dem alten Reitlehrer und Hauptsache, ihr Sattelzeug war ordentlich gepflegt. Und das war heute der Vorteil des ansonsten entgangenen schönen Sonnennachmittag.

 

Sie freute sich schon auf die Osterfeiertage, da wurden mit Sicherheit keine Sattelpflege oder sonstiger Stalldienst anberaumt. An diesen Tagen wollte sie ausgiebig mit den anderen nur rumhängen. Wenn sie Glück hatte, bekam sie vom „Osterhasen“ sogar etwas fürs Reiten geschenkt. Heute nach der Beaufsichtigung der Kinder erhielt sie wenigstens ein Mars und eine Cola spendiert. Immerhin…

 

Langsam schlenderte sie durch die Stallgasse nach draußen, da sah sie Joachim mit Herrn Neureich, Brigittas Vater, und Brigitta vor der Futterkiste im Gespräch. Gerade als Polly an der Gruppe vorbeiging, hörte sie Joachims Worte: „…war sehr gut heute morgen.“ Im selben Augenblick schleuderte Brigitta Polly einen wütenden Blick entgegen. „Was hatte Joachim jetzt angerichtet?“, dachte Polly bestürzt. Der hatte doch sicherlich sie gemeint und ihre Reitstunde. Der hatte doch keine Ahnung! Jetzt würde das Mobbing von neuem losgehen“, dachte Polly entsetzt. Die ganzen Ferien waren versaut! Wie konnte der nur?

(Fortsetzung folgt…)