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Eine Springreiterin will auch im Dressur-Frack ganz nach oben... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Norbert Herbst/ DL   
Montag, 15. Februar 2016 um 16:01

(Foto: Kalle Frieler)

Bernadette Brune

 

Westerstede. Bereits mit drei Jahren setzte sie der Großvater aufs Pferd, sie musste sich am Longiergurt festhalten, nach der Trennung der Eltern kam sie mit der Mutter nach Monte Carlo, sie ritt Springen und ist nun in der Dressur angekommen: Bernadette Brune.

 

 

Multikulti ist für Bernadette Brune kein Zauberwort. Die 41-Jährige ist ein Kosmopolit par excellence. Geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in Frankreich. Sie wohnt in Monte Carlo, besitzt eine Anlage in Vidauban nahe St.Tropez, und da sie auch holländische Wurzeln hat, spricht sie neben Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch auch die niederdeutsche Sprache.

 

Bernadette Brune wird in der Tat vielen Sätteln gerecht.  Einst als Springreiterin gestartet, ist sie vor sieben Jahren in den Dressursattel umgestiegen. Der Wechsel war von Erfolg gekrönt. Inzwischen gehört die sympathische junge Dame zum deutschen des B2-Kader. Darauf ist die gelernte Pferdewirtin stolz. “Ganz ehrlich“, sagt sie, „gerechnet hatte ich damit nicht.“

 

In der Dressurnation Deutschland einen Kaderplatz zu ergattern, ist schließlich auch alles andere als einfach. Dennoch sieht sie sich noch längst nicht am sportlichen Ziel angelangt. „Ich habe zwar keine Pferde, die im Viereck 80 Prozent erringen können, doch für 75 Prozent sind sowohl Spirit of the Age als auch meine Neuerwerbung Lights of Londonderry gut.“ Den hannoversch gebrannten Fuchswallach hat international unter dem Franzosen Alexandre Ayache aufhorchen lassen, unter anderem war er hoch platziert beim Weltcup im tschechischen Brünn, in Nizza und Lipizza/ Slowenien, vor einigen Wochen gewann Bernadette Brune mit Lights in Nizza den Grand Prix. „Spirit und Lights halten sich leistungsmäßig die Waage“, sagt sie und ist froh, zwei Pferde der Güteklasse A im eigenen Stall zu haben. Und auf diesen Turnieren möchte sie demnächst starten: „Doha, eventuell Valencia, Hagen bei Ulli Kasselmann und Hamburg beim Deutschen Derby.“ Auf Turnieren wird sie von Reitmeister Udo Lange unterstützt, "sonst versuche ich, selbst weiterzukommen."

 

Alles begann am Niederrhein…

 

Bernadette Brune war drei Jahr alt, als sie von Großvater Herbert Behlau in Oberkrüchten am Niederrhein auf dessen Gut erstmals auf ein Pferd gesetzt wurde. Caspar hieß der Connemara-Wallach. Dabei achtete der Opa besonders auf den geraden Sitz seiner Enkelin. „Einen Sattel gab's nicht“, erinnert sie sich und lacht, „ich musste mich an einem Voltigiergurt festhalten.“ Dennoch sollte ein Jahrzehnt ins Land gehen, ehe sie ihr erstes Turnier bestritt. In Frankreich war das. Ihre Mutter Barbara, in der Jugend in der Military unterwegs, hatte dazu ein Schulpferd erworben.  Der Erfolg  hielt sich in Grenzen.  „Ich glaube, mein Pferd hat seinerzeit an jedem zweiten Sprung geparkt“, erinnert sie sich an ihre Anfänge als Springreiterin. Der Liebe zum Sport tat  der Misserfolg keinen Abbruch.

 

Auch Erfolge blieben irgendwann nicht aus. Amour du Vicomte hieß ihr Garant für goldene Schleifen. Der Wallach war ein Traber, trotzdem konnte sie mit ihm über 300 Siege feiern. Mittlerweile ist der Trotter 28 Jahre alt und genießt seine Rente auf den fetten Weiden rund um den ehemaligen Stubbenhof, das heutige Gestüt Brune. „Häuser springen“ konnte auch der Call Me Future,  mit der seine Reiterin 56 internationale S-Platzierungen errang. Ebenso war die Capitol-Tochter Eyleen nicht von schlechten Eltern. Vor Barrierespringen über zwei Meter machte sie sich nicht nass, doch in den Großen Preisen war sie nicht vorsichtig genug. „Da hatte sie immer einen Fehler“, hat Bernadette Brune die Schwächen der Stute nicht vergessen.

 

Von Hetzel bis Hafemeister und Robert

 

Als es nach dem Abitur mit dem geplanten Architekturstudium – ihr Vater ist der weltbekannte Architekt Walter Brune (u.a. Düsseldorfer Kö-Center) -  nicht klappte, begann die junge Frau in Deutschland eine Bereiterlehre. Nationenpreisreiter Holger Hetzel war einer ihrer Ausbilder. Später lernte sie viel vom Belgier Eric Wauters und während ihres Italien-Aufenthalts von Gerd Meier, dem ehemaligen Bondscoach der niederländischen Junioren. Als sie höher hinaus wollte, geriet sie an Dirk „Icke“ Hafemeister“, den deutschen Team-Olympiasieger von Seoul 1988. Mit typisch Berliner Schnauze brachte der sich selbst in Stellung: „Nimm den besten Trainer, nimm mich.“ Sie verpflichtete ihn und verheimlicht auch heute nicht, dass  „Icke“ ihr viel beibringen konnte. Wie auch der französischen Großmeister Michel Robert. Er lehrte sie, mit leichter Hand zu reiten, dem Pferd stets ein Partner zu sein. Sie sagt: „Von Dirk und Michel Robert habe ich am meisten gelernt, einerseits die deutsche strenge Schule der korrekten Hilfen und andererseits die französische légereté, die sehr viel mit der Balance des Pferdes zu tun hat.“

 

Davon profitiert Bernadette Brune noch heute. Sie reitet ohne Kraftaufwand. Anders ging's auch gar nicht. Denn die Springstiefel musste sie vor sechs Jahren an den Nagel hängen. Bei einem Turnier in Frankreich hatte sie ein Nachwuchspferd  aufgezäumt. Sie erlitt einen Schlag in den Rücken, als der Wallach völlig überhastet und unorthodox ein Hindernis zu überwinden versuchte. Das kann jedem Reiter passieren, speziell dann, wenn er auf einem jungen Vierbeiner sitzt. Für Bernadette sollte es aber ein Ritt ins Ungewisse werden. Er endete mit einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus. Eine Operation wurde fällig,  die jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. „Ich lahme immer noch“, sagt sie mit Galgenhumor. Ihr rechtes Bein ist immer noch gefühllos. Zweifelsohne ein Handicap, doch, wer es nicht weiß, bemerkt es nicht.

 

Letzter Umzug nach Westerstede…

 

Brunes Leben findet heute zwischen Monte Carlo, dem südfranzösischen Vidauban und Westerstede bei Bad Zwischenahn  im Oldenburgischen statt. Bald soll allein Niedersachsens Norden ihre alleinige Heimat sein. „Das ist mein Traum“,  erklärt sie freimütig. Dann endet ein weiterer Lebensabschnitt, denn bereits mit sieben Jahren zog sie mit der Mutter in Frankreichs Süden um. „Das Gestüt ist voll im Bau. Der Stutenstall ist fertig. Letztes Jahr hatten wir acht tolle Fohlen. Dieses Jahr erwarten wir fünf Fohlen. Jetzt müssen noch die Halle, der Sportstall, die Anreithalle  und der Laufstall gebaut werden. Ich hoffe, Ende des  Jahres sind wir fertig“, sagt sie. Das Areal ist 20 ha groß.

 

Zudem fühlt sie sich im Oldenburgischen pudelwohl. Derzeit pendelt sie noch, wenn alles fertig ist, will sie mit ihrem Lebensgefährten und Tochter Sidney  endgültig  umziehen. Zum Einen, weil die Tochter in die Schule kommt, sie die Ruhe sowie Land und Leute schätzt, und zum Anderen, weil sie es leid ist, die Pferde zwischen Südfrankreich und Westerstede hin- und herzufahren.

 

Dabei geht es den Vierbeinern auf ihrer Anlage in Südfrankkreich alles andere als schlecht. 60 Hektar groß ist das Brune-Land dort. Sieben Reitplätze mit unterschiedlichen Sandböden sind ein Dorado für die Reiter. Zehn eigene Pferde hat sie dort noch stehen, die Mehrzahl aber sind Einstaller. Vidauban war mehr als nur Trainingszentrum. Zehn Turniere pro Jahr hat Bernadette Brune dort seit 2007  veranstaltet. Sie hatte sogar das „O“ von Saumur übernommen und zuletzt  die EM der Junioren und Jungen Reiter ausgerichtet. Damit wurde der Schlusspunkt gesetzt, das Kapitel zugeschlagen.

 

Kein Merci von französischer FN

 

„Brune-Turniere wird es in Frankreich nicht mehr geben“, sagt sie. Ihr Rücktritt aus der Veranstalterszene hat plausible Gründe: Keine Sponsoren, keine Helfer und vom französischen Verband noch nicht einmal ein kleines Dankeschön. „Erst als die Föderation mitbekam, dass wir aufhören, hat sie sich erstmals gemeldet“, klagt Bernadette Brune. „Pardon Messieurs“, hat sie ihre Entschluss jedoch bekräftigt,  „das war's.“

 

Ihr Vater Walter, der am 14. Februar 90 wurde,  hat die Düsseldorfer Königsallee zu dem gemacht , was sie heute ist. Der Architekt ist ein Ideenborn. „Die Gene habe ich wohl von meinem Altvorderen mitbekommen“, sagt sie, denn auch sie beschränkt sich nicht allein aufs Reiten. „Ich bin auch kommerziell auf Sattelhöhe“, verdeutlicht sie, „weil mich alles rund ums Pferd interessiert. Mit ihrer Firma „MHB“ (Monaco Horse Business) ist sie seit sechs Jahren im Pferdehandel  erfolgreich tätig („Pro Anno verkaufe ich um die 20 Pferde“) und die Marke „Equivida“, ein natürliches Produkt mit tollen Gerüchen und kessen Farben, steht seit drei Jahren für Pflegemittel rund ums Pferd. „Stillstand ist Rückgang“ hält sie es mit dem alten Militärstrategen Clausewitz.

 

Auch züchterisch setzt sie als Fan des Millionenhengstes Totilas Akzente. Ein Sohn des holländischen Vererbers mit Trakehnerwurzeln steht in ihrem Besitz:  Tolegro heißt er. Im vergangenen Jahr hat er 165 Stuten gedeckt. 950 Euro kostet ein Sprung. Eigentlich ein Spottpreis. Für die Besitzerin derzeit genug. „Ich möchte zufriedene Kunden haben“, lautet ihr Credo. „Mir ist wichtig, dass alle gerne wiederkommen.“ Der Hengst steht auf der Station Böckmann und ist ein Ebenbild seines berühmten Vaters. „Tolegro war drei Tage alt, als ich ihn auf Facebook entdeckt habe“, erinnert sie sich, „er war fünf Tage alt, da gehörte er mir“.  Sie ist heute noch stolz auf diesen Coup.

 

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