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Erinnerungen des ehemaligen Weltcup-Direktors Max Ammann PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Max E.Ammann in PferdeWoche / DL   
Freitag, 11. November 2016 um 14:32

Ittigen/ Bern. In loser Folge schreibt Max Ammann (78) in der Schweizer PferdeWoche über Erlebnisse und Begegnungen aus der Welt des Springsports. Ammann, der inzwischen mit seiner Sammlung von Kunstgemälden um die Welt reist, war der Erfinder des Springreiter-Weltcups und 20 Jahre lang Weltcupdirektor.

 

 

Während meiner Jahre als Weltcupdirektor begann ich zu realisieren, dass die eigentlichen Richter des Springsports die Parcoursbauer waren. Nicht zuletzt aus dieser Erkenntnis heraus versuchte ich, den grenzüberschreitenden Austausch von Parcoursbauern zu fördern.

Dies schaffte ich bei den Weltcupfinals, wo die Autorität bei der Bestimmung der Offiziellen beim Weltcupkomitee lag. Es gelang weniger bei den vielen Weltcupturnieren. Bei diesen hatten sich fast überall Resident-Parcoursbauer etabliert, die ihren CSI-W fast als Erbturnier betrachteten. Immerhin, so erinnere ich mich, durfte der österreichische Parcoursbauer Robert Puskas, nach dem erfolgreichen Final von 1983 in der Wiener Stadthalle, einmal im belgischen Antwerpen bauen.
Mein erster Versuch eines Parcoursbaueraustauschs scheiterte allerdings. Für das erste Weltcupfinale, 1979 in der Scandinavium Arena von Göteborg, hatte das Weltcupkomitee den damals hochgeachteten Deutschen  „Micky“ Brinckmann nominiert. Kurze Zeit vor dem Finale erlitt er jedoch einen leichten Herzinfarkt und muss­te absagen. So baute der lokale Parcoursbauer Roland Nilsson das erste Weltcupfinale -  ziemlich einfaltslos…

«National Horse Show»

Zu jener Zeit, also Ende der 70er- anfangs der 80er-Jahre, bauten Parcoursbauer in Europa kaum je über der Grenze – in den USA und Kanada dagegen war es üblich, dass Europäer eingeladen wurden. Den Anfang hatte der CSIO New York, die «National Horse Show» im Madison Square Garden, gemacht. 1971 bauten gleich zwei europäische Größ­en: Hans-Heinrich Brinckmann und Pamela Carruthers. Auch die South­erns in Spruce Meadows in Calgary (CAN) holten immer wieder europäische Parcoursbauer…

Paul Weier in Göteborg

Wie Sponsoren auf das Geschehen im Parcours reagieren, zeigte sich 1986 beim Weltcupfinale in Göteborg. Paul Weier (Schweiz) baute. Die letzte Linie im finalen Springen am Sonntag, vor der Tribüne mit den VIPs, war schwierig. Es gab Stürze, und weitere Pfer­de, so auch McLain, das Pferd der Siegerin dieses Finals, Leslie Burr-Lenahan, hatten Probleme mit den Distanzen. Neben mir saß Pehr Gyllenhammar, Präsident von Volvo und gleich doppelter Sponsor bei diesem Final: des Volvo-Weltcups und des Turniers in der Scandinavium Arena. Pehrs Bemerkung nach einem der Stürze bleibt im Gedächtnis: «We don’t want to see that» – so etwas möchten wir nicht sehen...


Einige Jahre später erlebten wir bei den Weltreiterspielen von 1990 in Stockholm und den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona, wie ein Technischer Delegierter (TD) als Gesamtverantwortlicher der FEI und als «defacto» Chef des Parcoursbauers unterschiedlich reüssieren kann. TD war beide Male der Venezolaner Noel Vanososte. In Stockholm hatte er als Parcoursbau­er den erfahrenen Deutschen Olaf Petersen, um dessen Arbeit er sich nicht zu kümmern brauchte. Dafür machte sich der Architekt Noel nützlich bei den tempo­rären Einrichtungen im Olympiastadion und in den königlichen Gärten. Zwei Jahre später in Barcelona, mit seinen permanenten, bewährten Bauten, war der Architekt Vanososte nicht gefragt. Umso mehr brauchte man ihn als führende Hand des unerfahrenen Parcoursbauers Nicolas de Bohorquez. Diese Kenntnisse fehlten Vanososte und so erlebte man in Barcelona – auch als Folge wenig durchdachter Qualifikationsreg­lemente – die katastrophalsten Qualifikationsprüfungen der olympi­sch­en Reitsportgeschichte.

Die schwierige Berechnung der Nuller

Ebenfalls anfangs der 90er-Jahre hatten wir bei Weltcupspringen gleich dreimal hintereinander zu viele Reiter im Stechen. In der Weltcupsitzung am Tag vor dem Springen wurden jeweils acht Reiter (bei 35 Startern) als ideal fürs Stechen erwähnt. Beim CSI-W Bologna verstand der Parcoursbauer, Marcello Mastronardi, diciotto (18) statt otto (8) und protestierte. Wir beruhigten ihn: acht sei ideal. Es wurden tags darauf 18. Die darauffolgende Woche, in Dortmund, baute Olaf Petersen. Als er von den fast 50 Prozent Nullern von Bologna hörte, beruhigte er: Das werde ihm nicht passieren. Olaf hatte 20 Nullfehlerritte. Wieder eine Woche später, in Hertogenbosch (NED), reagierte der junge Henk-Jan Drabbe, als ihm das Geschehen von Bologna und Dortmund erzählt wurde, mit den Worten: «Ach, die alten Herren.» Drabbe hatte 19 Nuller. 18 – 20 – 19 hintereinander. Er baute anfangs der 90er-Jahre auch in Ams­terdam. Dort blieben einmal nach dem dritten Reiter die nächsten acht fehlerfrei. Drabbe war nirgends mehr zu sehen: Er habe sich im WC eingeschlossen hieß es, was natürlich nur ein Gerücht war. Nach einer weiteren Handvoll Nuller der nächs­ten Reiter brach die Serie: Aber wir hatten über ein Dutzend Nuller bei den ersten eineinhalb Dutzend Reitern. Von den restlichen 20 schafften es nur noch drei oder vier. Henk-Jan Drabbe tauchte wieder auf.


Und da war noch die Angelegenheit beim Weltcupfinal Leipzig 2002. Am Donnerstag zirkulierte das Gerücht, die acht qualifizierten deutschen Reiter hätten bei einem Vorbereitungslehrgang über Hindernisse und Parcours von Frank Rothenberger ge­übt – dem Parcoursbauer des Finals. In der Treibhausatmosphäre eines Weltcupfinals war es nicht möglich, den Sachverhalt objektiv abzuklären. So wurde vom Weltcupkomitee entschieden, dass Frank Rothenberger für die verbleibenden Final Springen neue Parcours entwerfen müsse. Dies geschah und der Final ging weiter – mit dem heutigen deutschen Bundes­trainer Otto Becker als Sieger…