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Hanfried Haring - der leise Sport- und Pferdeversteher wurde 75 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Freitag, 16. Dezember 2016 um 15:38

 

Dr. Hanfried Haring mit Gattin Kristin

(Foto: HP Viemann)

Sassenberg. Er war Generalsekretär des deutschen Verbandes, seit 2010 ist er Präsident der Europäischen Föderation (EEF), an diesem 16.12.2016 wurde er 75 und sagte morgens, älter werden gehöre nunmal zum Alter: Dr. Hanfried Haring, auch Mitglied im Präsidium des Weltverbandes (FEI). Dem Protestbrief des Springreiter-Clubs widersprach er…

 

An seinem 70. Geburtstag fuhr er mit seiner Frau Kristin irgendwohin, fünf Jahre später sagt er: „Der 75. wird für mich ein normaler Tag sein. Es ist nichts geplant.“ Dr. Hanfried Haring war mal der höchstplatzierte und bestbezahlte Angestellte der Deutschen Vereinigung (FN). Dort verwaltete er am Ende auch seine eigene Personalakte und entdeckte eines Tages  bei seinen Unterlagen auf einer Seite handschriftlich notiert: „Richtiges lernt man über Pferde am eigenen Portemonnaie.“ Die Randbemerkung hatte Burchard Müller verfasst, der Vorsitzende der Abteilung Zucht der FN in Warendorf. Haring wurde am 1. März 1972 sein Nachfolger. Geholt hatte ihn der Hesse Wolfgang von Scharfenberg, der schlug den Agrarstudenten und – nebenbei - auch Pferdehändler als „brauchbaren Kerl“ in Warendorf vor.

 

Nach 36 Jahren nahm der ehemalige FN-Zuchtchef als Generalsekretär der deutschen Föderation - u.a. ausgezeichnet mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold und dem Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland - seinen Abschied von der Zentrale des deutschen Reitsports. Nachfolger wurde Sönke Lauterbach, „der macht wirklich einen guten Job, und wie er mit Präsident Breido Graf zu Rantzau bei der letzten Generalversammlung des Weltverbandes die Ansichten der deutschen FN in Tokio auftrat, da kann ich nur sagen: Chapeau. Wenn die beiden etwas sagten, da herrschte Stille im Saal, das Duo war auf alles bestens vorbereitet.“

 

Er könne verstehen, dass der Springreiter-Club gegen die Dreierregel in den Teams bei Olympia nun aufbegehre, „in einem sehr gut gehaltenen Brief“, aber bereits vor einem Jahr sei alles offen gelegt worden. Dass die Springreiter nicht eingebunden gewesen wären, wie nun in seiner Brandrede der Schweizer Olympiasieger Steve Guerdat beim Turnier in Genf behaupte, stimme so nicht, „das Schreiben des Springreiter-Clubs traf drei Tage vor Beginn der Generalversammlung bei der FEI ein“. Er sagte auch klipp und klar, gegen die Dreierregel wären am Anfang fast alle starken Nationen gewesen, doch dann wären viele reihenweise umgefallen, „zum Schluss stimmten nur Frankreich und Deutschland dagegen, außerdem die Schweiz und die Niederlande“. Zu den Umfaller-Verbänden zählen z.B. Kanada, die USA, Großbritannien und Irland.

 

Im Pass kein Hanfried als Vorname…

 

Alle Welt nennt ihn Hanfried, aber im Pass steht Hans-Joachim-Friedrich als Vorname. Haring, geboren in Halle/ Saale, zwischen 1962 und 1964 bei der Bundeswehr in Lüneburg, am Ende Oberleutnant, zwischen 1966 und 1969 Student der Landwirtschaft in Kiel, danach bis 1972 Assistent am Institut für Agrarökonomie in Göttingen mit Promotion („Ökonomische Bewertung von Zuchtprogrammen der Rinderzucht“), sollte als älterer Tweeny mit 31 erst einmal etwas Praktisches leisten. Die deutsche FN als späterer Arbeitgeber schickte ihn 1972 nach München zu den Olympischen Spielen, er sollte mal etwas aus und in der Praxis lernen. Die Internationalen Pferdepässe waren gerade eingeführt worden, und er hatte die in den Papieren eingetragenen Abzeichen der Tiere zu kontrollieren. Heute noch ist er irritiert über die als braune Stute in der Öffentlichkeit bekannte Venetia, die in München Josef Neckermann zu Silber in der Equipe und Bronze in der Einzelwertung trug:  „Sie war völlig bunt, mit vielen Abzeichen, so wurde sie mir gezeigt.“ Als er meinte, das könne doch nicht jenes Pferd sein, das er kenne, fuhr ihn Neckermann an: „Wissen Sie denn nicht, dass die Stute vor den Wettkämpfen eingefärbt wird, um anscheinend ungleiche Bewegungsabläufe aufgrund der unterschiedlichen Beinfarben zu kaschieren?“

 

Und noch an etwas erinnert sich Hanfried Haring gut. Der Springreiter, der auch beim damaligen Bundestrainer Hans-Heinrich Brinckmann trainierte und Springen in der schwersten Klasse bestritt, fuhr im Zug zum damaligen Schneeturnier nach Davos, in Bundeswehrunifiorm. „Da kam kurz vor dem Grenzübergang zur Schweiz eine Dame auf mich zu und bat mich, ich möchte doch die Fahrkarte knipsen und entwerten. Sie hatte gemeint, er wäre ein Schaffner…

 

Angebot aus Uganda ausgeschlagen

 

Der Sohn eines Professors für Tierzucht, der bereits ein Angebot vom Staat in Uganda als Start ins Berufsleben hatte („Ökonomie und Tierzucht“), der in der Vielseitigkeit und im Springen bis zur schwersten Klasse antrat, auch erfolgreich züchtete, betätigte sich in seinen Anfängen in Warendorf „vor allem als Brandbekämpfer. Zu Sitzungen der einzelnen Ausschüsse habe nämlich auch jeder Reiter zusätzlich seinen Anwalt mitgebracht, sagt er.  Als Leiter Zucht arbeitete er zunächst daran, die Gräben zwischen den einzelnen nationalen Zuchtverbänden zuzuschütten, aber er kämpfte auch für Gespräche mit Vertretern der holländischen, belgischen und französischen Zucht. Er ist der Schöpfer des Begriffs „Deutsches Reitpferd“, was zwar bei vielen Züchtern manchmal noch zum Naserümpfen führt, „doch so konnten die einzelnen Verbände gegenseitige Errungenschaften, Erfahrungen, Erkenntnisse nutzen, ohne das Gesicht zu verlieren oder etwas aufgeben zu müssen“.

 

Neben der Einigung der deutschen Zuchtverbände setzte Hanfried Haring ein weiteres Zeichen, denn auf seinen Ideen beruht die Erfindung des Bundeschampionats des deutschen Reitpferdes“, das zunächst etwas ruckartig und stolpernd Fuß fasste, inzwischen aber alljährlich in Warendorf die Glanzprodukte deutscher Zucht ins Schaufenster stellt, ohne Beispiel,  beneidet überall dort, wo Pferde und Zucht zuhause sind. Hengstleistungsprüfungen gehen auf ihn zurück, ohne dass er sich in den Vordergrund schieben wollte, aber vieles beruht auf dem ruhigen und zweckorientierten Schaffen des Dr. Hanfried Haring.