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Erinnerung an den einstmals besten und erfolgreichsten Trabrennfahrer der Welt - Hans Frömming PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jürgen Gaßner (Traber-News)/ DL   
Donnerstag, 22. Dezember 2016 um 14:54

Gelsenkirchen. Wie jedes Jahr möchte Traber-News.com mit einer Geschichte zu Weihnachten aufwarten, Erinnerungen an glückliche Zeiten dieses Sports, diesmal an den Großen Hans Frömming.

 

Vor 20 Jahren verstarb Hans Frömming, der wohl populärste deutsche Trabrennfahrer. Was liegt näher als aus seinem Buch, „5000 Trabersiege – ein Leben im Sulky“, zu zitieren.

Hans Frömming gewann 15 Mal das deutsche Berufsfahrer-Championat und war seinerzeit der erfolgreichste Sulkyfahrer der Welt. Kein anderer deutscher Trabrennfahrer hat dreimal den Prix d’Amerique gewonnen, viermal den Elitloppet und elfmal das Deutsche Traber-Derby. Trotzdem sind es nicht allein nackte Zahlen, die Hans Frömming unvergessen machen. Vielmehr ist es die Vielzahl bedeutender Rennen, die er in der ganzen Welt gewann, und sein über alle Zweifel erhabener Sportsgeist, der den „Kleinen“ überall zum Sympathieträger machte.

Auszüge aus seinem Buch: „In diesem Jahr gesellten sich seit der „großen Pause“ (Anmerkung zum besseren Verständnis: Hans Frömming war im Januar 1956 in Vincennes schwer gestürzt und war 1957 nach Hamburg zurückgekehrt) wieder einige bedeutende deutsche Rennen dazu.  Mit True full siegte ich im Buddenbrock-Rennen, mit Orissa sicherte ich mir den „Großen Deutschen Traberpreis“, mit Horrido die „Championship von Bahrenfeld“ gegen die große Gelinotte, mit Cora T. den „Großen Preis von Recklinghausen“ und schließlich auch noch den „Großen Preis der Freien und Hansestadt Hamburg“ mit True full.

1958 fanden meine Frau und ich eine wunderschöne Wohnung an der Alster. Jetzt konnten wir unsere Möbel aus dem Lagerhaus holen, in dem sie seit vier Jahren gestanden hatten. Altgewohnte Behaglichkeit zog wieder ein.

Vielleicht war es mir immer zu gut gegangen. Früher hatte ich viel Geld verdient, viel ausgegeben und nach dem Krieg auch viel verloren. So richtig über die Finanzen nachzudenken begann ich aber erst, seit ich die „Durststrecke“, die nach meinem Unfall entstanden war, durchgemacht hatte. Das sollte mir nie wieder passieren, schwor ich mir, und ich begann, hinfort ein wenig kaufmännischer zu denken.

Das beste kaufmännische Denken hätte mir natürlich nichts genützt, wenn ich nicht auch fleißig gearbeitet hätte. In den Jahren 1958 und 1959 konnte ich wieder ganze Serien von Erfolgen buchen. Unter meinen Pferden waren eine Reihe sehr guter Traber: Way Around, mit der ich das Adbell Toddington-Rennen 1958 gewann, Wind, Wasserburg, Jado und Iolcos.

Noch in Italien hatte ich meinen 3500. Sieg erringen können. 1960 näherte ich mich dem vierten Tausender...

Als ich bei Sieg Nr. 3999 angelangt war, startete ich in zwei Rennen, die ich verlor. Dann folgte als nächstes ein Rennen mit dem siebenjährigen Hengst Celsius, dessen Besitzer der Schlagerkomponist Michael Jary war, den ich seit Jahren sehr gut kannte. Michael Jary erschien mit einem ganzen Tross von Freunden auf der Rennbahn, um meinen 4000. Sieg mitzuerleben.

Prompt siegte ich nicht! Rundfunkreporter und Kameraleute des Fernsehens fuhren unverrichteter Dinge wieder davon...

Liselotte Pulver, die auch zu den „Möchtegerngratulanten“ gehörte, sprach mir statt ihrer Glückwünsche lachend ihr herzliches Bedauern zur Niederlage aus.

Eine ganze Menge Blumensträuße, die mir zugedacht waren, wurden wieder nach Hause genommen.

Den 4000. Sieg fuhr ich wenige Tage später mit der Stute Proway in Hamburg-Bahrenfeld im Hunsrück-Rennen.

Das war vielleicht ein Trubel! Bei der Ehrenrunde, die ich mit dem riesigen Lorbeerkranz zurücklegte, den man aufgehoben, entstaubt und mir nun umgelegt hatte, marschierte Proway so selbstbewusst vor meinem Sulky einher, als sei sie sich der Bedeutung der Stunde bewusst. Zu den ersten Gratulanten gehörten nicht nur meine Frau, sondern auch unsere Pudelhündin Tiny, die ein „Männchen“ nach dem anderen machte, weil sie neben Pferd und „Herrchen“ nach ihrer Meinung nicht genug ästimiert wurde.

Wer nun vielleicht glaubte, ich sei so etwas wie der größte Champion aller Zeiten, irrte sich! Charly Mills hatte über 4300 Siege. Wollte ich ihn einholen, musste ich also noch eine ganz stattliche Anzahl Rennen zusätzlich gewinnen.

Der bekannte Hamburger Pferdesport-Journalist Carl Düsterdieck schrieb anschließend unter der Überschrift „Der König der Trabrennfahrer“:

„Gute Nerven und eine starke geistige Konzentration auf den Sieg zeichnen Hans Frömming im besonderen Maße aus. Er ist ein wahrer Meister im Sulky. Die vollkommene Beherrschung der Renntechnik ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Als kluger Taktiker und beherzter Finishfahrer findet er immer wieder die Bewunderung der Rennbahnbesucher. Nun steht Hans Frömming wieder im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, die ihn liebt, wie er sie liebt, der ohne die Kulisse großer Renntage nicht auskommen kann. Mögen auch jüngere Fahrer nachstoßen, so ist doch die überragende Stellung von Hans Frömming als fünfzehnfacher deutscher Meister im deutschen Trabrennsport unangetastet. Die großen Sympathien, die ihm die Rennbahnbesucher, wo immer er an den Start geht, entgegenbringen, sind wohl berechtigt, da er nicht nur ein außerordentlicher Könner, sondern auch ein Sportsmann ist, der niemals das Gebot der Fairness verleugnet...“

Auch der Fach-Journalist Günter Kummetz widmete mir einen liebenswürdigen Artikel unter der Überschrift „Hans Frömming, der Hexenmeister im Sulky“. Dieser „Hexenmeister“ blieb mir übrigens hinfort erhalten.

Er schrieb unter anderem: „Mit 60 Trabern, die in Hamburg unter seiner Obhut stehen, ist Hans Frömming immer noch einer der meist beschäftigsten Trabertrainer in Deutschland. Sein Ehrgeiz liegt heute mehr darin, möglichst gute Pferde zu fahren und aus weniger Rennen mehr Siege herauszuholen. – Selbst im Vergleich zu dem Weltrekord des Amerikaners Johnny Longden, der als Jockey auf 5250 Siege kam, und zu Gordon Richards 4870 Erfolgen, kann sich die Leistung Frömmings sehen lassen...“

In einem anderen Artikel stellte Kummetz eine ganz interessante Rechnung auf: „Zwischen 80 und 100 km beträgt Frömmings normale Tagesration auf dem Sulky. Übers Jahr gerechnet, sind es also gut 30 000 km, die er im Schuckeltrab oder in windender Fahrt zurücklegt. Bei seiner 36jährigen Tätigkeit müssten es also beinahe eine Million Fahrkilometer geworden sein. – Rich Colby, der Amerikaner, den der Hamburger Reeder Eckelmann durch Zufall auf einer Auktion erstand, ist Frömmings große Hoffnung in diesem Jahr. Mit einem Rekord von 1:13,8 ist er der schnellste Traber, der je nach Deutschland kam...“

Walter Eckelmann, der Besitzer von Proway, der auch Vorsitzender des Altonaer Renn-Clubs war, überreichte mir nach meinem 4000. Sieg als Ehrengabe eine bildschöne goldene Armbanduhr. Übrigens hatte Proway meinen 4000. Sieg zu einem ganz überlegenen Erfolg gemacht; wir hatten mit sechs Längen Vorsprung gewonnen!

Am Abend dieses festlichen Tages wurde ich in meiner Wohnung inmitten der vielen Blumen und der Geschenke und Ehrenpreise fotografiert. Ich muss heute noch lachen, wenn ich dieses Bild sehe: „Frömming mit Stoppelbart“. Nachdem ich Michael Jary am vergangenen Sonntag so schwer enttäuscht hatte, musste ich nämlich versprechen, mich nicht mehr zu rasieren, bis ich den 4000. Sieg erreicht hatte...

Die Bundespost setzte an diesem Abend wieder einmal mehrere Telegrammboten ein, die ein regelrechtes Stafettenfahren zu meiner Wohnung unternahmen. In den folgenden Tagen trafen viele offizielle Glückwünsche ein, über die ich mich sehr freute, u.a. von Dr. Pulte, dem Vorsitzenden des Direktoriums für Traber-Zucht und –Rennen e.V. in Bonn. Besonders stolz machte mich ein Satz in den privaten Glückwunschzeilen, die Dr. Pulte dem offiziellen Brief angefügt hatte: „Du hast ungeheuerlich viel zum Ansehen der deutschen Traberzucht und des deutschen Trabrennsports beigetragen...“

14 Tage später traf ein Schreiben von der Obersten Behörde für Traber-Zucht und –Rennen aus Berlin-Charlottenburg bei mir ein:

„Sehr geehrter Herr Frömming! Die OBT hat Ihnen in Anerkennung Ihrer Verdienste für den Trabrennsport im In- und Ausland die „Goldene Ehrennadel“ anlässlich Ihres 4000. Sieges verliehen. Wir dürfen Ihnen hierzu unseren herzlichen Dank aussprechen und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg...“

Der Brief war vom Vorsitzenden der OBT, Herrn Lautenbach, unterzeichnet.

Gerhard Stöck als Direktor des Sportamtes Hamburg gratulierte, ja sogar die Behörde für Ernährung und Landwirtschaft der Freien und Hansestadt Hamburg!

Die übrigen Gratulanten, zu denen vor allem wiederum sämtliche deutschen Trabrenn-Vereine gehörten, die mir schöne Präsente schickten, kann ich gar nicht alle aufzählen. –

In meinen Stallungen befanden sich damals auch einige Pferde des Film-Schauspielers Oskar Sima.

Oskar Sima war nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch ein sehr sparsamer Mensch. Dafür war er bekannt. Mir gegenüber aber hat er stets eine Großzügigkeit an den Tag gelegt, die außergewöhnlich war. Als Public-Trainer hatte ich natürlich häufig eine Menge Außenstände, denn ich musste ja die Futtermittel, Löhne usw. jeweils vorfinanzieren und dann gelegentlich mit den Besitzern abrechnen. Oskar Sima dagegen überwies mir immer im voraus eine große Summe zur Verrechnung.

Als die Olympischen Spiele 1960 in Rom begannen, drehte er in Hamburg gerade einen Film. Die ganze Ateliersarbeit musste seinetwegen, der ein närrischer Sportfreund war, auf den Kopf gestellt werden, da er unbedingt ab 4 Uhr nachmittags mit der Arbeit fertig sein wollte, denn gegen 5 Uhr begannen die Olympia-Sendungen im Fernsehen. Tag für Tag erschien er in unserer Wohnung an der Alster mit der größten Selbstverständlichkeit, um sich die Übertragungen anzusehen.

In unserer Wohnung gab es keinen Türöffner. Wenn unten an der Haustür jemand klingelte, schaute meine Frau zunächst vom Balkon aus nach, wer unten war. An diesem Tage rief sie hinunter: ´Hallo, wer ist da?`

`Julia, dein Romeo steht vor der Tür!` Natürlich Oskar Sima!

Oskar Sima war einer der angenehmsten Besitzer, für die ich je gearbeitet habe. Nie sagte er etwas, auch wenn wir geschlagen waren. Er war immer zufrieden, und das findet man selten.“