Sie befinden sich hier: Home Magazin Sostmeier kann Nein von der Militaryreiterin Julia Krajewski zu einer Entschuldigung verstehen

Wer ist Online

Wir haben 808 Gäste und 2 Mitglieder online

Statistik

    Inhaltsaufrufe seit dem
    16.09.2009
: 9683776

Suche

Anzeige

Banner

Anzeige

Anzeige



Anzeigenschaltung

Google Translate

German Chinese (Simplified) Chinese (Traditional) Czech Danish Dutch English French Galician Greek Hungarian Italian Japanese Norwegian Polish Portuguese Romanian Russian Spanish Swedish Turkish Ukrainian

Anzeige

Anzeige: Collagen von Olaf Rutschek

  Olaf Rutschek - mehr als
  ein Fotograf

Newsletter

Anmeldung



Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Banner

Anzeige

Sostmeier kann Nein von der Militaryreiterin Julia Krajewski zu einer Entschuldigung verstehen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 05. Januar 2017 um 16:50

 

Carsten Sostmeier

(Foto: Kalle Frieler)

Wassenberg. Carsten Sostmeier gilt als führender deutscher TV-Kommentator im Bereich Turniersport. Bei den Olympischen Spielen in Rio ging mit ihm jedoch beim Kommentar zum Geländeritt der Warendorferin Julia Krajewski der Gaul durch, dazu äußerte er sich u.a. in diesem Interview.

 

 

Zur Person: 56 Jahre, gebürtiger Hesse, aufgewachsen in Steinau an der Strasse, wohnhaft in Schlüchtern, Abitur am Ulrich von Hutten Gymnasium Schlüchtern, danach Bankkaufmann, später in Spedition und Logistik tätig,

begann mit elf Jahren mit dem Reitsport, ermöglicht durch die Eltern; meist als Autodidakt im Sattel unterwegs, 1978 bei Peter Luther in Ferien zur Reitausbildung; als ländlicher Reiter im Springen auf A-M-Niveau unterwegs mit selbst ausgebildeten Pferden und im letzten Turnierjahr 1981 noch bei den Hessischen Meisterschaften teilgenommen und dort ein S-Springen gewonnen;noch im selben Jahr mit dem Turniersport aufgehört durch verstärkte gesundheitliche Probleme (Rücken und Nieren).

===================================================================

Carsten Sostmeier, der Name Julia Krajewski, brauner Strich in der Hose, das müßte doch Unbehagen bei Ihnen auslösen, was war der Auslöser für diesen bösen Spruch bei Olympia in Rio, Sie haben sich entschuldigt, hat die Reiterin die Entschuldigung angenommen?

 

Carsten Sostmeier: „Ich denke jeden Tag mit Scham an meinen Kommentar des Geländerittes von Frau Krajewski. Der Auslöser war sicherlich das Journalistengespräch mit der deutschen Vielseitigkeitsequipe und DOKR-Chef Dr. Peiler, welches einen Tag vor Wettkampfbeginn auf der Reitanlage in Rio stattfand. Dabei wurde uns die Umbesetzung mitgeteilt, statt Andreas Ostholt sei nun Julia Krajewski im Team. Auf meine Frage an Julia Krajewski, wie sie die Entscheidung aufgenommen habe, sagte sie, dass sie geschockt sei. Eigentlich dachte sie, nur als Ersatzreiterin sich das anzusehen, um Erfahrungen zu sammeln im Hinblick auf eine mögliche EM-Teilnahme 2017. - Ich konnte nicht verstehen, dass jemand geschockt ist, wenn er für sein Land bei den Olympischen Spielen zum Einsatz kommenden würde, was ich der Reiterin auch sagte. Es sei doch zudem eine Auszeichnung in der besten Vielseitigkeitsnationalmannschaft der Welt zu reiten, an der Seite von Auffarth, Jung und Klimke. Hinzu fügte ich bei diesem Gespräch, dass ich ihr wünsche, motiviert dem Ereignis entgegen zu fiebern.

So startete ich meinen Kommentar ja auch damit, dass die Reiterin von ihrer plötzlichen Nominierung geschockt gewesen sei. Sollte sie mit dieser Einstellung den Geländeritt angehen, hätte sie bereits jetzt einen braunen Strich in der Hose. - Was für die mögliche emotionale Einstellung der Reiterin eine andere Formulierung darstellen sollte, als "Schiss in der Bux", die auch mit Humor zu verstehen sein könnte.

Leider verlief der Ritt enttäuschend und ich lies meiner Enttäuschung als Fan dieses Sports, für die deutsche Mannschaft, ungebremst über das Mikro freien Lauf. Das hätte mir niemals passieren dürfen und wird mir auch nicht wieder passieren ! Dass Frau Krajewski meine Entschuldigung bisher nicht angenommen hat kann ich sogar verstehen. Ich kann es mir selbst nicht verzeihen, dass ich mit dieser unabsichtlichen Entgleisung der Reiterin und etlichen TV-Zuschauern so vor den Kopf gestossen habe - dafür schäme ich mich sehr !

Es wird für mich auch noch einige Zeit brauchen, um es hinter mir lassen zu können. Ich hoffe, dass ich es schaffen werde und das Vertrauen der Reitsportfans, soweit verloren gegangen, wieder zurückgewinnen kann im Interesse des Sports.“

 

Wie lange schon kommentieren Sie Reitereignisse, wie waren die Anfänge, war hat Sie gefördert?

C.S.: „Schon mit Anfang 20 begann ich auf regionalen Turnieren als Turniersprecher, welches sich über die Jahre immer mehr ausbaute bis hin zu internationalen Reitsportereignissen. Dabei lernte ich im Frühjahr 1990 Addi Furler kennen, mit dem ich in München eine zweitägige Veranstaltung moderierte. Es war sofort eine Sympathie zwischen uns vorhanden. Für mich allerdings auch ein so starker, lauter Herzschlag, mit dieser Fernsehgröße und tollen Persönlichkeit zusammen arbeiten zu dürfen. Nachdem wir die Zusammenarbeit ein halbes Jahr später bei der gleichen Veranstaltung in München wiederholt hatten, fragte mich Addi Furler nach meiner Telefonnummer und meinte dabei, er würde sich melden. Dies tat er auch Anfang Januar 1991 und holte mich zur ARD, nachdem ich zuvor zwei Monate lang beim Regionalstudio von  RTL in Hessen tätig war. Dort begann, entdeckt und gefördert durch den damaligen Sportchef  Wolfgang Avenarius, meine Tätigkeit im Fernsehgeschäft.“

 

Was würden Sie jedem Anfänger raten, der einen solchen begehrten Job ergattert? Welche Voraussetzungen sollte er haben, was sollte er vor allem in Reportagen vermeiden?

C.S.: „Ich fungiere ungern dazu als pauschaler Ratgeber, da ich selbst zwei Berufe gelernt und in diesen gearbeitet hatte, um dann letztlich mein Hobby zum beruflichen Lebensmittelpunkt zu machen. Es ist die Passion, die antreibt sich jeden Tag mit den Menschen und ihren Pferden zu beschäftigen. Ich empfinde das, was ich berufliche mache nicht als Job, sondern als ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin und welches mich immer wieder fasziniert.

Das Interesse an der Hippologie, gepaart mit eigenen Erfahrungen und eine passable Stimme und Rhetorik sind sicher ganz gute Voraussetzungen. Was in Reportagen vermieden werden sollte, das haben wir in der ersten Frage dieses Gespräches dargelegt.“

 

Welches Turnier begleiten Sie am liebsten, wo fühlen Sie sich wie zuhause, wo ziemlich fremd?

C.S.: „Das Schöne ist der Facettenreichtum der Turniere und anderer Pferdesportveranstaltungen. So hat ein regionales Turnier seinen eigenen, tollen Charakter, genauso wie das Derby in Hamburg, das Schlossparkturnier in Wiesbaden oder der CHIO in Aachen. Sich wohl zu fühlen, hat nichts mit der Liga zu tun, dem die Veranstaltung zuzuordnen ist. Es sind die Menschen, die hinter den Ereignissen stehen. Besonders auch Menschen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich einbringen - mit Freude und Freundlichkeit. Dann nur sind es die Gesamtpakete, die einen individuellen Charme ausstrahlen nach dem Motto "we want to entertain you". Ich habe das Glück, dass ich keine Veranstaltung besuchen muss, auf der ich mich fremd fühlen würde.“


Auf was sollten Turnierveranstalter achten?

C.S.: „Im Buhlen um die besten Reiter und Pferde, die höchsten Preisgelder, sollten Veranstalter darauf  achten, dass sie für alle Seiten über Jahre verlässlich bleiben. Nur wenige Turniere haben die Weltelite am Start. Aber alle Turniere haben für sich die Möglichkeit, Erkennungswerte zu schaffen und sich zu erhalten. Gute Bedingungen für Aktive und Besucher, ein abwechslungsreiches Sport- und Unterhaltungsprogramm. Die Faszination des Sports beginnt schon auf dem Wickeltisch der Hippologie.“

 

Wen interviewen Sie am liebsten von den Reitern? Und wen haben Sie nie interviewt, den Sie aber noch gerne möchten?

C.S.: „In meiner Funktion als Kommentator kommt es eher zu keinen Interviews. Diese mache ich, wenn ich Veranstaltungen moderiere. Dabei habe ich immer wieder interessante Menschen am Mikrofon gehabt. Dazu zählen Hans Günter Winkler, Jeroen Dubbeldam, Ludger Beerbaum, Isabell Werth, Michael Jung, Ingrid Klimke und so viele mehr. Tolle, meist sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Allerdings darf ich sagen, dass, einen  Ludger Beerbaum und eine Isabell Werth zu interviewen, zuweilen etwas Besonderes und auch Spannendes mit sich bringt. Beide haben den Sport geprägt und tun dies immer noch. Sie sind seit Jahrzehnten auf höchstem sportlichen Level erfolgreich. Wenn sie etwas zu sagen haben, dann hört jeder hin. Beide sind Typen, mit Ecken und Kanten, mit Herz und Ausstrahlung, wie sie dem Sport leider mehr und mehr verloren gehen. Ihnen hört man zu im Erfolg und in der vermeintlichen Niederlage. Sie besitzen nicht nur Können, sondern auch Größe, was in Kombination beide zu den Großen des Sports macht.

Aber alle Reiterinnen und Reiter, Fahrer und Funktionäre, die ich in meinem Leben interviewt oder mich mit ihnen unterhalten habe, sind Nichts im Vergleich zu meinem Interviewtraum. Ich würde so gerne die Pferde interviewen und verstehen können. Dann könnte ich in meinen Kommentaren das Dargebotene für den Betrachter besser übersetzen.“


Sportler, Reiter also, sind ja keine Filmmimen, ihr Job liegt außerhalb von Kameras. Was würden Sie dennoch jedem raten, der zu einem Interview gebeten wird?

C.S.: „Wenn es sich nicht um ein Naturtalent am Mikrofon handelt, sich eventuell einer Medienschulung zu unterziehen. Zumindest bei Ausübung des Sports ab überregionalem Level aufwärts. Es gibt viele Faktoren, die vom Aktiven berücksichtigt werden sollten, unabhängig davon, ob es sich um ein TV-, Radio-, Internet- oder Zeitungsinterview handelt. Auf jeden Fall erst einmal kurz durchschnaufen, sich etwas frisch machen und authentisch bleiben und - keine Angst vor der Kamera. Die darf gefühlt gar nicht da sein ,sondern nur der Gesprächspartner, auf den man sich konzentrieren muss.“