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Dressurrichter der besonderen Art: Heinz Schütte wurde 90 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 12. Januar 2017 um 12:02

(Foto: Raimund Hesse)

 

Braunschweig. 90 Jahre alt wurde an diesem 12. Januar 2017 Heinz Schütte, einer der bekanntesten und auch renommiertesten Dressurrichter weltweit. Der Wirtschaftsjurist, der selbst in der Vielseitigkeit, im Springen und Dressur startete, war u.a. einer der Olympia-Juroren in Los Angeles und Seoul.

 

 

Heinz Schütte gehört sicherlich zu den ganz wenigen Dressurreitern, die in allen drei Disziplinen starteten, in der Vielseitigkeit, im Springen und der Dressur. Er wusste immer, wovon und worüber er redete, und er war dazu immer offen für Fragen. Von ihm stammt auch die Aufforderung, auch an die Reiter selbst, nachzufragen, wie die oder jene Note zustande kam. Er selbst duckte sich nie, er hinterfragte sich auch selbst. Das unterschied ihn oft von vielen seiner Kollegen.

Publikum kann unterscheiden

In einem Interview mit der „Reiter-Revue“ sagte er mal, das Publikum könne sehr wohl zwischen einer guten und nicht so guten Leistung unterscheiden und auch beurteilen, aber der Zuschauer registriere eher die negative als die gute Seite eines Rittes in einer Vorstellung, „hier hat der Richter einen klaren Vorteil: Im Notenbogen muss sich die schlechte Leistung einerseits und die gute Leistung andererseits durch die entsprechende Notengebung klar ausdrücken, und diese Noten werden in Deutschland bis mindestens zur Note 6, oftmals auch bei der Note 7 und darüber, schriftlich begründet“. Er sprach damals auch bereits über die Schwierigkeit des Richtens aus dem Blickwinkel eines Richters heraus: „Was ist fleißig oder bereits eilig, schwunghaftes Vorwärts oder schon Spannung? Schon enger Hals oder noch Selbsthaltung?“ Wenn nun ein Richter konsequent eine „6“ gebe, ein anderer aber genauso konsequent eine „7“, habe man bereits erhebliche Unterschiede im Gesamtergebnis. Das Problem sei nicht „hier eine 4 und dort eine 8, sondern tatsächlich die Differenz von nur einer Note bei der jeweiligen Lektion“. Darüber hinaus gebe es Pferde, die sich von der Seite besser oder schlechter ansehen als von der Kopfseite.

Der Job eines Dressurrichters sei deshalb nicht einfach, „weil im beurteilenden Richtverfahren, also nach freier Ermessung zu richten ist. Leider können wir als Richter eben nicht auf die Stoppuhr oder das Zielband zurückgreifen, sondern müssen die Leistung in eine Bewertung umsetzen. Und zwar direkt.“

Meinung zum Dressurpferd – und Dressurreiter

Für das Buch „Von roten Röcken und goldenen Käfern“ - Turniersport in Wolfsburg in den Jahren zwischen 1966 und 2004 – antwortete Heinz Schütte auf die Frage, wie er sich einen Reiter wünsche: „Ausbalanciert und in aufrechter Haltung, sitzend im tiefsten Punkt des Sattels, harmonisch mit der Bewegung des Pferdes, mit unauffälligen Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen, mit Gefühl für das Pferd.“ Und das Dressurpferd stellt er sich so vor: „Sicherer Takt in allen drei Grundgangarten, losgelassen, sichere Anlehnung an das Gebiss, schwungvoll mit aktiver Hinterhand und mit federndem Rücken, durchlässig und mit Ausdruck.“ Von einem guten Richter fordert er „Erfahrung durch eigenes Reiten in den entsprechenden Klassen“. Man müsse beim Richten nicht nur mit der gebotenen Sachkunde, sondern auch mit dem eigenen Gefühl im Po zu den Entscheidungen kommen.

Schickte McLain Ward vom CHIO nach Hause

Beim CHIO von Deutschland 1999 war Heinz Schütte „Präsident der Jury“. Es war jenes Offizielle Turnier von Deutschland, bei dem der US-Amerikaner McLain Ward gleich am ersten Tag durch sogenanntes „unreiterliches Benehmen“ auffiel. Zum Eröffnungsspringen hatte der später zweimalige Team-Olympiasieger  seinem Wallach Benetton spitze Plastikteilchen in die eigentlich vor Verletzung schützenden Gamaschen der Vorderbeine einwickeln lassen, um das Pferd vorsichtiger zu machen, wie es in der Branche gerne hieß. Grund: Beim Anschlagen an Hindernisstangen wird Schmerz erzeugt, das Pferd zieht am Sprung die Beine aus Angst noch höher. Bei der damaligen Gamaschenkontrolle durch Chefsteward Hansi Wallmeier nach dem Ritt kullerten die Plastikteilchen heraus. Das Präsidium des Aachen-Laurensberger Rennvereins als CHIO-Veranstalter  beschloss in Übereinstimmung mit Jury-Präsident und Pferdemann Heinz Schütte die lebenslange Verbannung des mehrmals bereits vorher und danach erneut international missliebig aufgefallenen Amerikaners vom Gelände der Aachener Soers. Nach vier Jahren wurde die Sperre aufgehoben - ohne Wissen von Heinz Schütte, der später sagte, alles sei mit dem damaligen Generalsekretär des Weltverbandes abgesprochen und fotografiert worden, „denn wir wollten keinen Prozess in den USA“.

Schwerer Unfall in Südafrika

Heinz Schütte, eingesetzt als Richter bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles und vier Jahre später in Seoul, dazu bei den Olympia-Ersatzspielen – für Moskau -  der Dressur 1980 in Goodwood, bei fünf Weltmeisterschaften und vielen Europachampionaten, Ehrenmitglied im Dressurausschuss, Mitentwickler des Dressur-Weltcups und Träger des Deutschen Reiterkreuzes in Gold, wäre vor  vor fast genau 27 Jahren fast vorzeitig ums Leben gekommen. Beim Urlaub in Südafrika wurde er von einem Militärfahrzeug beim Überqueren der Straße in Kapstadt brutal angefahren. Er zog sich mehrere Brüche am ganzen Körper zu und wurde nach Deutschland ausgeflogen. Erst nach vielen Monaten erholte er sich einigermaßen.