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20 ungeborene Fohlen brachten bei der 1. Embryo-Auktion fast 500.000 Euro PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 16. Februar 2017 um 18:26

 

 

Retorten-Stutfohlen des 2011 im Parcours eingegangenen Hengstes Hickstead - ein Tag alt, geboren in Europas größtem Animal Transfer Centre in Maria Hoop/ Niederlande, nach Schweden verkauft

Maria Hoop/ Niederlande. Bei der ersten Auktion noch ungeborener Fohlen in Sharjah bei Dubai belief sich der Umsatz für 20 Embryonen bester Blutlinien auf 499.000 Euro. Ein belgischer Interessent bezahlte die Hoffnung mit 100.000 €, das Fohlen von For Pleasure und der Mutterlinie u.a. Pilot und Quito de Baussy soll im August fallen…

 

 

Der großartige kleine Hengst Hickstead brach unter seinem kanadischen Reiter Eric Lamaze, heute 48, am 9. November 2011 während des Weltcupspringens in Verona zusammen und ging noch im Parcours ein. Die Prüfung wurde sofort abgebrochen, als Todesursache des Olympiasieger-Pferdes von Hongkong 2008 gaben die Tierärzte Riss der Aorta an. Nun wurde Mitte Februar 2017 im „Animal Embryo Centre“ im niederländischen Maria Hoop eine Tochter des niederländischen Vererbers geboren -  über fünf Jahre nach seinem Tod, die Technik machte es möglich, und die Zauberformel heißt ICSI, Intrazyptoplasmatische Spermieninjektion, eine künstliche Befruchtung wie in der Humanmedizin. Nach diesem Verfahren können einer Stute zu jedem gewünschten oder gewollten Zeitpunkt Eier entnommen und gelagert werden. In der Retorte wird dann ein Ei der Stute mit dem Samen eines Hengstes befruchtet, nach einem geheim gehaltenen Verfahren wächst ein Embryo heran,  der einer Amme zum Austragen eingepflanzt wird. Ton Vullers (60), Gründer des Embryo Centre in Maria Hoop, arbeitet seit Jahren mit dem Humanmediziner Prof. Dr. John Dumoulin von der Universität Maastricht zusammen, dadurch gelang der Durchbruch auch auf dem Pferdesektor.

 

Vullers kam gerade zurück aus Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten, von der ersten Auktion von 20 Embryonen, die für insgesamt 499.000 Euro versteigert wurden. Der Durchschnittspreis lag bei 24.950 €. Das Höchstgebot erzielte das für 15. August erwartete Fohlen von For Pleasure als Vater und der Mutter Adeline von Power Light - Pilot - Quito de Baussy. Der Hannoveraner Fuchs For Pleasure war das Erfolgspferd von Lars Nieberg und danach von Marcus Ehning, eingegangen am 18. Februar 2011. Auf Quito de Baussy wurde der Franzose Eric Navet bei den ersten Weltreiterspielen Einzelweltmeister der Springreiter. Einem Belgier war die kommende Fohlen 100.000 Euro wert. Zwei Embryonen aus Maria Hoop fanden ebenfalls neue Besitzer, ein Scheich ersteigerte für 30.000 € den nach rund elf Monaten zu erwartenden Nachwuchs von Cornet Obolensky und der Befruchtung des Eis der belgischen Stute Melina de Regor mit Blut von Diamant de Semilly und Dobels Cento, ein Portugiese legte 19.000 € an für den Embryo aus For Pleasure und mütterlichseits von Quidam de Revel und Montender, mit dem Marco Kutscher Doppel-Bronze bei Olympia 2004 in Athen gewann und nun im Gestüt Bois Margot (Frankreich) deckt.

 

Ton Vullers: „Es wird verstärkt auf Qualität Wert gelegt, und wie im Vollblutsport spielt die Mutterlinie eine immer wichtigere Rolle.“ Und er sagt: „Die Zucht auch im Reitsport wird immer globaler.“

 

Beginn vor über 35 Jahren…


Ton Vullers

(Fotos: U.Ludwig)

1980 begann der niederländische Landwirt Anton Vullers in Maria Hoop unweit von Aachen mit Embryotransfer bei Kühen, 2003 eröffnete er das bis dahin erste „Embryo Transfer Centre“ in Europa auf dem Pferdesektor, vor zwei Jahren wurde dort auf dem Diergaerderhof das weiter entwickelte „Equine Fertility Centre“ vorgestellt, Start einer neuen Aera in der Pferdezucht, Hengst und Stute können in einer Schale mit der Pipette gepaart werden, nach der ICSI-Technik, was im Vollblutsport nach wie vor verboten ist.

Der Embryo-Transfer bei Pferden scheint bereits Historie, schon Vergangenheit, obwohl noch jung. Ein befruchtetes Ei wurde einer Stute entnommen und einer Amme in die Gebärmutter eingepflanzt. Man griff auf Kaltblutstuten zu, weil die kaum noch auf dem Acker eingesetzt wurden und auch als Reitpferde nicht gerade attraktiv waren. „Doch die Schwierigkeit lag darin, für die Mutterstute eine andere Stute im gleichen Empfänglichkeitszustand parat zu haben, alles musste synchron ablaufen. Daran scheiterte meist das Vorhaben.“ Doch in Zusammenarbeit mit Veterinären  gelang es, winzige Embryos einzufrieren. Die später aufgetaute Eizelle wurde einer rossigen Stute zur gegebenen Zeit implantiert, das Risiko einer Erkrankung war damit fast ausgeschlossen. Zum Patent wurde das Verfahren nicht angemeldet, damit hätte man zu viele Einzelheiten veröffentlichen „und eigenes Wissen“ (Vullers) preisgeben müssen.

Dem Viehzüchter Vullers, für den der Embryotransfer bei Kühen längst kein Thema mehr war, so ließ er von normalen Kühen beispielsweise die Embryos von Wagyu-Kälbern austragen, deren Fleisch sich Feinschmecker etwas kosten lassen (Kilopreis: Um die 300 Euro), kam bei der wundersamen Vermehrung der Rinder mit den blauen Zungen der Gedanke, „warum nicht auch Embryotransfer bei Pferden“. Die Kühe schaffte Vullers ab, er wechselte in die nicht gerade natürliche Pferdevermehrung und wurde auf diesem Gebiet Europas Größter und bahnbrechend.

 

Einfrier-Erfinder nahm sich das Leben…

 

Und auch der Zufall stand Pate. Über Beziehungen kam er in Kontakt mit dem Kolumbianer Pedro Jou, der galt als Experte im Embryoverpflanzen bei Polopferden in Argentinien und entwickelte als Erster die Einfriermethode von Embryonen, an der viele davor gescheitert waren. Aber die Koryphäe jagte auch die Mafia, er floh mit seiner Familie nach Toronto, arbeitete in einem Forschungsinstitut, nahm sich aber aus nicht bekannten Gründen das Leben. Sein Sohn Daniel forscht inzwischen auf dem Sektor Bienen, er sah nämlich das Bienensterben voraus und versucht dagegenzuwirken.

Der geschäftstüchtige Niederländer findet vor allem bei jenen ein überaus positives Echo, deren wertvolle Stuten beispielsweise Probleme mit der Gebärmutter aufweisen, noch aufnehmen können, aber kein Fohlen mehr zur Welt bringen. Wertvolles Gen-Material kann auch gerettet werden, dass einer Stute nach einem tödlich verlaufenen Unfall oder Eingehen aufgrund des Alters die Gebärmutter nachträglich entnommen wird, „innerhalb eines halben Tages sollte dann die Gebärmutter uns jedoch gebracht werden“, sagt Ton Vullers.

Ein nur 0,018 mm großer Embryo und lediglich unter dem Mikroskop sichtbar wird in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad tiefgefroren, ein Verfallsdatum gibt es bisher nicht, kann jedoch nur einmal aufgetaut werden. Pro Jahr vermag man einer Stute aufgrund dieses Verfahrens bis sechsmal ein Ei zu entnehmen.

Die ersten Embryo-Fohlen waren auf dem „Z-Festival“ im Juli 2002 auf dem Gestüt „Zangersheide“ im belgischen Lanaken zu besichtigen, Quinara Z als auch C`est La Vie von Caretano Z hatten als Mutter die Coriander-Tochter Naomie, aber ausgetragen wurden sie von fremden Stuten, wobei Vullers großen Wert legt „auf gute Leihmütter, weil die ersten vier Monate nach der Geburt für das ganze Leben des Pferdes prägend sind“. Die meisten Trägerstuten holt er („alle vier- bis siebenjährig und mit gutem Charakter“) in der Normandie, „aber inzwischen werden mir auch welche von hier angetragen.“

Zur Zeit stehen 300 Stuten auf dem Diergaerderhof in Maria Hoop, darunter auch ehemalige Weltklassepferde aus dem Dressur- und Springsport, die selbst nicht mehr tragend werden, aber noch Eier produzieren. Dazu gesellen sich die Ammen, alle Pferde sind in luftigen Stallungen untergebracht und kommen täglich auf Paddocks oder Weiden. Das Unternehmen, dazu gehören auch vier Tierärzte, die Ehefrau, zwei Söhne und eine Tochter sowie anderes Personal, will auch von den Kosten her durchkalkuliert sein. Legt man allein 10 Euro pro Pferd und Tag an (Vullers: „Etwas weniger“), fallen im Monat allein für die Tiere an die 100.000 € an. Ton Vullers: „Man muss eben wissen, wie es geht. Dann geht alles.“ Und weiter sagt er: „Das Bestreben ist doch, immer noch bessere Sportpferde zu züchten. Und jeder Züchter denkt und hofft, dass sein Pferd einmal in Aachen startet…“

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