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Erinnerung an einen großen Springreiter und Menschen... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 09. März 2017 um 20:08

 

Grab von Hans-Heinrich Brinckmann auf dem Heidefriedhof in Kolkhagen bei Luhmühlen

(Foto: HG Brinckmann)

Kolkhagen. Auf dem Waldfriedhof des kleinen Ortes Kolkhagen unweit von Luhmühlen in der Lüneburger Heide liegt einer der größten Springreiter der Welt begraben, Hans-Heinrich („Micky“) Brinckmann. An diesem 11. März jährt sich wieder der Todestag eines Künstlers im Sattel und danach als Parcoursgestalter.

Er wollte werden wie er, erzählte mal Hans Günter Winkler. „HGW“ wurde der erfolgreichste Springreiter der olympischen Geschichte, und sein Vorbild war zu Beginn seiner Karriere Hans-Heinrich Brinckmann, der die Welt als Springreiter begeisterte, später als Trainer und großartiger Parcoursbauer. Am 11. März 1991 starb er nach drei schweren Operationen an Kieferkrebs, kurz vor seinem 80. Geburtstag. Seine Frau Elsi sagte damals: „Er hat gekämpft wie ein Galopper auf der Rennbahn, der trotz eines gebrochenen Beins weiter läuft...“ Die ihn als Springreiter erlebten, erzählten gerne, seine Ritte seien wie Musik gewesen, voller Harmonie und Schönheit.

 

Nachts auf der Stallgasse Pferden zuhören

 

Micky Brinckmann, geboren am 14. November 1911 in Ratzeburg, wuchs in Lübeck auf. Seine Schwester Ursula sagte mal über ihn, er sei in Musik aufgewachsen. Er liebte Brahms, Bruckner, versäumte kaum Opernkonzerte. Der spätere Rittmeister entspannte mit Yoga, er träumte von einem Haus in Frankreich, er liebte die dortige Lebensart, „denn Franzosen verstehen zu leben“. Oft setzte er sich nachts zuhause mit einem Stuhl in die Stallgasse und lauschte dem Mahlen der Pferdemäuler, „das tut der Seele gut.“

 

Er war der erfolgreichste Springreiter vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939. Er diente als Offizier beim Reiterregiment 14 in Ludwigslust, er bestritt neben Springkonkurrenzen auch Flachrennen. 1935 wurde er zur berühmten Kavallerieschule Hannover abkommandiert, das Größte, was einem Reiter damals passieren konnte. Für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin wurde er zurückgestellt, doch für Olympia 1940 in Tokio war er vorzeitig gesetzt. Olympia in der japanische Metropole fiel bekanntlich wegen des Krieges aus.

 

Erster deutscher Sieger im Grand Prix von Rom


"Micky" Brinckmann 1937 auf Erle im Derby-Parcours von Hamburg

 

1937 auf Erle und 1939 auf Baron gewann er jeweils den Großen Preis des CHIO von Deutschland in Aachen, 1937 auch als erster Deutscher auf Wotansbruder den begehrten  Grand Prix von Rom auf der Piazza di Siena. Als Regimentskommandeur wurde er an die Ostfront abkommandiert, mit einer schweren Kopfverletzung nach einem Sturz vom Pferd kehrte er vorzeitig aus Russland zurück.

 

Vom großen Sport verabschiedete er sich 1953 in Wiesbaden mit einem Sieg im Großen Preis auf Quoniam. Danach holten ihn die ägyptische Föderation als Coach an den Nil. Er stellte eine Equipe zusammen und besorgte für insgesamt 20.000 Mark drei Pferde, mit denen die Equipe im Preis der Nationen bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom einen weltweit viel beachteten vierten Platz belegte. In der Schweiz trainierte er den damals international bekannten Vielseitigkeitsreiter Anton Bühler, der in Rom Silber gewann, in Warendorf war er zehn Jahre lang Lehrgangsleiter, ab 1969 hieß der erste deutsche Bundestrainer Hans-Heinrich Brinckmann. Am 1. Dezember 1980 wurde der Feingeist mit dem höchsten FN-Orden von Reiter-Präsident Dieter Graf Landsberg-Velen aus seinem Amt verabschiedet, mit dem FN-Ehrenzeichen in Gold mit Lorbeer, Olympischen Ringen und Brillanten, das erhielten bisher lediglich Hans Günter Winkler, Alwin Schockemöhle, Max Habel, Josef Neckermann, Dr. Reiner Klimke und Dieter Graf Landsberg-Velen.

 

Manchmal warf er alles um

 

Micky Brinckmann war immer einen geraden Weg gegangen, rechtschaffen, kontinuierlich. Nie aufbrausend, immer überzeugend in seinen Argumenten. Und er war nie auch Pferdehändler, im Turniersport für viele die eigentliche Einnahmequelle. Er hätte Millionen an Provisionen einstecken können, denn er  verstand etwas vom Pferd, vom Reiten und hatte die entsprechende Kundschaft an der Hand, die sich das Hobby etwas kosten ließ. Doch dazu war er nicht geboren, er wollte auch nicht zum Pferdehändler werden.

 

Dafür wurde jedoch einer der besten Parcoursbauer der Welt. Er dachte bei allen seinen Hindernisgestaltungen jeweils vor allem an die schwachen Reiter, auch sie sollten ein gutes Bild abgeben, „doch das Hauptereignis eines Championats, das müssen immer die Besten bestreiten, und gewinnen darf am Ende nur der Allerbeste“, so sein Mantra. Alles, was in einer Arena später stand, entwarf er nicht auf einem Block, „ich trage alles mit mir im Kopf herum“, gestand er mal. Über den olympischen Parcours 1972 in München habe er ein Jahr lang nachgedacht, über Hindernisse und Linienführung bei der Weltmeisterschaft 1978 in Aachen sechs Monate gebrütet. Er habe immer vor einem Championat vor allem Reiter und Pferde studiert, „um zu vermeiden, dass bei einer Meisterschaft starke Reiter vorzeitig ausfielen“. In Gedanken ritt er selbst die Parcours. Seine Parcours` glichen oft Kunstwerken, auch das Auge sollte sich daran erfreuen, an Blumen sparte er nie. Manchmal ließ er auch plötzlich alle Hindernisse wieder umwerfen, weil ihm etwas anderes eingefallen war.

 

Im Gegensatz zur damals ebenfalls sehr bekannten Hindernisgestalterin Pam Carruthers stand er in krassem Gegensatz. Die knorrige Britin nahm auf Schwache keine Rücksicht, ihre Meinung war, ein Championat müsse die Teilnehmer vor höchste Schwierigkeiten stellen - egal, wie viele am Ende überhaupt übrig blieben…Brinckmann vertrat die Meinung, bei einer Weltmeisterschaft zum Beispiel sollen die vorausgehenden Prüfungen so angelegt sein, dass die Besten das Finale erreichen.

 

Auf den Vorwurf einiger ausländischer Reiter, bei den Spielen 1972 in München habe er zum Vorteil der deutschen Teilnehmer die Parcourslandschaft entworfen, darauf sagte er: „Kein Parcourschef hat die Pflicht, gegen die eigene Mannschaft zu bauen. Aber jeder Parcoursbauer ist an die Richtlinien des Weltverbandes gebunden.“

 

Bis an sein Lebensende träumte er immer davon, auf einer kleinen Anhöhe hinter seinem Hof in Kolkhagen die besten Springreiter der Welt zu einem Turnier einzuladen – mit Lorbeerzweigen statt Geldpreisen. Ein Buch über Springreiten schrieb er nie, und auch die Kisten voller Pokale, Ehrenzeichen, Andenken und Dankesschreiben packte er auch nicht aus...