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Amerikansches System abgelehnt - Unklarheiten bleiben im Turnieralltag... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sascha Dubach "PferdeWoche"/ DL   
Freitag, 21. April 2017 um 16:39

Lausanne. Das Anpassen internationaler Turniere an amerikanische Gepflogenheiten scheint vom Tisch. Das jedenfalls war das vielleicht wichtigste Ergebnis des Sport-Forums in Lausanne. Doch vieles liegt dennoch im Ungewissen, wie zum Beispiel der Umgang mit Paycards…

 

Nach den Diskussionen um die Zukunft des Nationen-Preises im Springreiten standen danach beim Sport-Forum des Reiterweltverbandes (FEI) in Lausanne  das Einladungssystem und die Nenngeldharmonisierung im Fokus. Zu den weiteren Themen gehörten der Dresscode im Springreiten sowie Risikomanagement und -faktoren in der Vielseitigkeit oder bei Distanzwettbewerben.


In den vergangenen Wochen wurde in Europas Springsportszene vor allem über ein gewichtiges Thema debattiert: Die sogenannte Harmonisierung der Startgelder. Danach sollten nach amerikanischem Brauch die Preisgelder über Nenn- und Startgelder der Reiter erfolgen. Diese Diskussion wurde am diesjährigen noch einmal intensiv aufgenommen. Dabei hielt FEI-Präsident Ingmar De Vos (Belgien) zu Beginn fest, dass die Initiative nicht von der FEI, sondern von der „International Equestrian Organizers Alliance“ (IEOA), der Vereinigung der Turnierorganisatoren, gekommen sei. Zu Beginn kamen noch einmal die Befürworter und Ablehner betreffend des amerikanischen Sys­tems zu Wort. Dabei schweifte die Diskussion dann ab und endete beim Streitpunkt „Paycards“, nämlich sich bei Turnieren einen Starplatz erkaufen zu können. John Madden (USA), erster Vizepräsident der FEI, gab diesbezüglich ein klares Statement ab: „Wir tolerieren keine Paycards, diese sind nicht erlaubt.“

 

Da ging mehrmals ein Raunen durch das Publikum. Wie es denn bei der Global Champions League, also dem neu eingeführten zusätzlichen  Mannschaftsspringen auf der Globak-Tour aussehe (das entsprechende Reglement wurde erst vor Kurzem von der FEI abgesegnet), wollte jemand wissen. Immerhin koste die „Grundgebühr“ für ein Team zwei Millionen Euro. Ob es sich denn dabei nicht um ein „Einkaufen“ handle?  Madden, auch Vorsitzender des Springkomitees in der FEI,  wich aus: „Das Einkaufen in ein Team des jeweiligen Teammanagers ist ein Investment, keine Paycard.“ Er verwies zudem auf die Mehrheits­entscheidung be­züglich Reglemente an der vergangenen Generalversammlung.

 

Alban Poudret, Sportdirektor des CHI Genf und Chefredakteur des Magazins  «Cavalier Romand», empörte sich daraufhin bezüglich Einladungsquoten. „Vergleicht man Genf mit der Global Champions Tour, so können wir maximal über zwölf nicht vorgeschriebene Startplätze verfügen, die GCT aber über deren 40.“ Dieser Aussage schloss sich auch Stephan Conter (Belgien), Eigentümer des Turnierstalls Stephex Stables von Daniel Deußer und Organisator des 5-Sterne-CSI von Knokke, an. Er insis­tierte nach Beendigung der Diskussion bezüglich Paycard noch einmal derart, dass FEI-Präsident Ingmar De Vos aufstand und ihm direkt antwortete: „Es handelt sich um einen freien Markt. Somit kann jeder eine eigene Serie mit einem eigenen Reglement der FEI einreichen“, sagte er. „Wir wissen alle, dass es in der Vergangenheit ‘versteckte’ Paycards gab. Man kauft einen VIP-Tisch mehr als sonst, ist vielleicht auch noch Sponsor, dafür erhält man im Gegenzug einen Start­platz. Doch im Grundsatz toleriert die FEI keine derartigen Machenschaften...“ Ob sich der FEI-Präsident in diesem Moment bewusst war, nicht doch vielleicht die „Büchse der Pandora“ geöffnet zu haben? Tür und Tor geöffnet für verschiedene Planspiele hat er auf alle Fälle.

 

Generell als Fazit kann man sagen, dass zwar viele Fragen gestellt wurden, jedoch keine konkrete Antworten erfolgten. Der Ball liegt nun beim zuständigen Springkomitee. Ein Vorschlag, der allen genehm sein soll, wird nun ausgearbeitet und den nationalen Verbänden präsentiert. Darüber entschieden wird dann auf der Generalversammlung im kommenden November in Montevideo. Eines war am Ende klar; Die Harmonisierung, darüber herrschte Einigkeit, ist in der von der IEOA geforderten Version abgelehnt.

Dresscode und Risiko-Management

 

Die Debatte über den Dresscode im Springsport war kurz. Man war sich einig, dass die Kleidung so bestehen bleiben soll, einzig die Funktionalität (Bequemlichkeit) könnte verbessert werden. Die FEI ist zudem aufgefordert worden, ein Konzept zu entwickeln, um die Nationalität und den Namen eines jeweiligen Reiters sichtbarer zu gestalten. In erster Linie einheitlich.


Das Wohlergehen der Pferde und Athleten stand ebenfalls auf der Agenda. Die FEI hat in umfangreiche wissenschaftliche Forschung investiert, um Risikofaktoren und Risikomanagement vor allem in der Vielseitigkeit und im Distanzreiten zu bewerten.


Diarmuid Byrne und Sam Watson, Mitbegründer der Firma «EquiRatings», mit welchen die FEI einen Vierjahresvertrag abschloss, präsentierten ihre Forschungsergebnisse. Ihr «EquiRatings Quality Index (ERQI)» analysiert die Daten von Pferd und Reiter in der Vielseitigkeit. Dies sei ein Schlüsselelement, um das Risiko zu minimieren. Das irische Unternehmen arbeitet seit längerem auch mit dem heimischen nationalen Verband zusammen. Im vergangenen Jahr wur­de ein Rückgang der Stür­ze um 66 Prozent verzeichnet. „Vergangene Resultate helfen uns, zukünftige Leistungen vorauszusehen und besser zu planen“, so Byrne.

Mitglieder der schottischen Universität Glasgow präsentierten anschließend ihre Studie zu Knochenbrüchen infolge von Ermüdung beim Distanzreiten. Mittels einer beeindruckenden Detail­an­a­lyse kamen sie zum Fazit, dass die Geschwindigkeit und die Nicht-Einhaltung der obligatorischen Ruhezeiten (zwischen den Rennen) die größten Risikofaktoren darstellen. Professor Chris Whitton sprach dar­über, wie zu intensives Training zu einer Anhäufung von Schäden führen kann. „Prävention ist der Schlüssel“, sagte er.

In der Vielseitigkeit soll es möglicherweise ab 2019 eine neue Serie, kombiniert aus Nationenpreis und Weltcup, geben. Der Antrag, dass die Vierspännerfahrer eine Kostenentschädigung für den Transport zu den Weltreiterspielen (WEG) nach Tryon (USA) erhalten, wurde bestätigt. Die Veterinärkommission informierte, dass sie in naher Zukunft einen elektronischen Pass für Pferde ausarbeiten und einführen will. 2019 wird in Tokio als dem Austragungsort der nächsten Olympischen Sommerspiele ein Test für die Vielseitigkeitsreiter angeboten.

 

Ehrenpreise gab es auch. Der saudische Prinz Faissal bin Abdullah Al-Saud erhielt von der FEI den ­„Lifetime Achievement Award“ für sein Lebenswerk aufgrund der Verdienste um den Pferdesport in seinem Land, so gründete er 1990 die nationale Föderation, sechs Jahre später starteten erstmals saudische Springreiter bei Olympia (Atlanta 1996),  2000 in Sydney gab es dann die erste Medaille, Einzelbronze für Khaled al Eid. Zudem unterstütze er über Jahre die Nationenpreisserie. Dr. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, überreichte Ingmar De Vos die „IOC President’s Trophy“ als Anerkennung für die Verdienste der FEI. „Der Pferdesport hat viel, auf das er stolz sein kann“, sagte der Deutsche am Abend vor über 300 Besuchern, „dieser Sport hat nicht nur eine lange olympische Tradition, er war auch immer ein Vorreiter in puncto Geschlechtergleichheit.“