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Deutschlands Trabrennsport vor weiterer düsterer Zukunft PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Jürgen Gaßner (Traber-News)/ DL   
Dienstag, 27. Juni 2017 um 18:04

 

Gelsenkirchen. Noch vor wenigen Jahren gab es allein in Nordrhein-Westfalen jeden Abend in einer Stadt eine Trabrennveranstaltung, doch inzwischen sind fast alle Bahnen geschlossen, kaum noch Pferde im Trainingsbetrieb, und  Rennen dann mal, wenn gerade wieder Prämien ausgeschüttet werden konnten. Der Niedergang des Trabbrennsports in Deutschland scheint unaufhaltsam.

 

 

Wer den seit Jahren anhaltenden schleichenden Verfall der deutschen Traberzucht fast in die Bedeutungslosigkeit verfolgt, kommt um eine Frage nicht umhin: Quo vadis deutsche Traberzucht? Die Antwort hierauf sollte man eigentlich vom Zuchtverband (HVT) erwarten, der aber scheint ratlos. Eines ist aber klar, ohne eine ausreichende Anzahl Fohlengeburten besitzt keine Pferdezucht eine realistische Überlebenschance. Ohne lukrative Gewinnmöglichkeiten für junge Pferde ebenfalls nicht.

Schauen wir nach Frankreich, das vielen als Vorbild dient. Der französische Trabrennsport offerierte 2016 insgesamt 120 Gruppe I und Gruppe II-Rennen, von denen 33 den zwei- und dreijährigen Pferden vorbehalten waren. 31 davon ausschließlich der nationalen Zucht. Das sind 27 Prozent der gehobenen Rennen.

Ein anderes Beispiel: Schweden

In Schweden kann jedermann ohne Schwierigkeiten Einblick in die Trainingslisten der dort ansässigen Trainer nehmen. Schauen wir uns die aktuelle Trainingsliste von Conrad Lugauer an, der sicherlich nicht im Verdacht steht, speziell auf junge Pferde ausgerichtet zu sein. Von 85 Pferden auf seiner Trainingsliste sind derzeit 17 Pferde zwei Jahre alt (20 %), 19 dreijährig (22 %), 14 vierjährig (17 %) und 12 fünfjährig (14 %). 73 Prozent der Pferde seines Stalles haben ein Alter zwischen zwei und fünf Jahre. Der Nachwuchs bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Ausführliche Jahresstatistiken gibt es seit langem nicht mehr. Eine diesbezügliche Verpflichtung des Zuchtverbandes wurde auf der jüngsten Mitgliederversammlung aus der Satzung gestrichen. Das sind Fakten, an denen das Präsidium in Zukunft gemessen wird. Der Trabrennkalender Nr. 52 von 2016 zeigt überdies die Zahlen bis 30.11. Korrekte Jahresendzahlen kennt anscheinend nicht einmal der Verband selbst.

Versuchen wir es trotzdem

Der U.E.T. hat der deutsche Zuchtverband folgende Zahlen für 2016 übermittelt: 1.613 Rennen, 2.344 Startpferde und 5.862.643 Euro Preisgelder. Eine andere HVT-Statistik für das Jahr 2016 (TRK 52) zeigt 2.000 Siege und 7.322.793 Euro Preisgelder. Diese Zahlen sind offenbar mittels im Ausland stationierten deutschen Pferden geschönt.

Von Hans Frömming stammt das Zitat, „Rennbahnen sind kein Asyl für Pferde“. Unser ehemaliger Meistertrainer wusste, wovon er sprach, hatte er doch wie kein anderer deutscher Professional die Rennbahnen beider Kontinente besucht und das Wesen und den Sinn der Pferdezucht begriffen. Was Hans Frömming ausdrücken wollte, ist: Eine Traberzucht kann nur Gedeihen, wenn jungen Pferden ausreichend Verdienstmöglichkeiten geboten werden.

Es besteht Handlungsbedarf

Von keinem Rennveranstalter und auch von keinem Vermarkter darf erwartet werden, dass er sein Angebot vornehmlich zum Wohl der Traberzucht ausrichtet. Für einen Rennveranstalter hat in der Regel das eigene, kurzfristige Wohlergehen Priorität. Das war immer so und wird auch so bleiben. Daher ist es Aufgabe des Zuchtverbandes, ein nationales Zuchtprogramm zu konzipieren und ein Budget zu schnüren, das die Zucht junger Pferde fördert. Dieses wichtige Instrumentarium darf man nicht Rennveranstaltern und auch nicht einem Vermarkter überlassen.

Zwar besitzt der HVT mit den sogenannten gehobenen Rennen bereits ein Zuchtprogramm, dennoch gehen die Fohlengeburten stetig zurück und haben mittlerweile einen alarmierenden Tiefstand erreicht. Offenbar läuft hier etwas falsch. Möchte man eine Trendwende herbeiführen, muss sich etwas ändern.

Junge Pferde müssen deutlich mehr verdienen

Es müssen Basisrennen für zwei- und dreijährige Pferde ausgeschrieben werden, die zwischen 4.500 und 12.500 Euro wert sein können (150 Rennen). Die Rennen der Dreifachen Krone sollten mit 50.000 Euro je Prüfung aufgewertet werden. Trials gehören abgeschafft. Das alles müsste auf Dauer garantiert werden.

 

Falls die strikte Durchführung von Jahrgangsrennen angesichts eines stets schrumpfenden Pferdekontingents nicht gewährleistet sein sollte, könnte man darüber nachdenken, jüngeren Pferden einen Bonus zu verleihen und ältere Pferde in gewissen Klassen mit einem Malus zu versehen. Zwei- und dreijährige Pferde könnten in Alltagsrennen einen Bonus von z.B. 3,0 auf jeden gewonnenen Rennpreis erhalten, während Pferde ab sechs Jahren unter Umständen einen Malus von bis zu 0,5 des Rennpreises hinnehmen müssten.

Der Hang, früher als ausjährig geltende Traber für den Rennbetrieb weiter zu aktivieren, ist in Deutschland, im Vergleich zu anderen Trabersport-Nationen, einzigartig. In Italien beispielsweise sind ca. fünf von neun Rennen für die zwei-, drei- und vierjährigen Pferde reserviert, die dazu noch die eindeutig besseren Rennpreise erhalten. Ältere Pferde hingegen müssen sich mit weniger Rennen begnügen, wobei die Lebensgewinnsumme keine Rolle spielt. Einzig entscheidend ist das Leistungsvermögen des älteren Pferdes.

In Frankreich ist es ähnlich. Bis einschließlich vier- oder fünfjährig laufen die Pferde strikt innerhalb ihres Jahrgangs. Ab sechsjährig werden für gute Dotationen nur noch die Besten zusammengeführt, der Rest kann abtreten oder sich in der Provinz um kleineres Geld bemühen.

Französische Traber züchten

Immer wieder hören wir von klugen Menschen, kauft französische Traber! Der französische Traber kann in Deutschland trainiert werden, er kann hier ohne Probleme qualifiziert oder gestartet werden - und wenn er gut genug ist, an Frankreichs lukrative Fleischtöpfe herangeführt werden. Der deutsche Traber hingegen benötigt 10 Siege, um den Wert der kleinsten Siegprämie in Frankreich zu erreichen. Und dann darf er in Frankreich immer noch nicht starten, dazu fehlt ihm die notwendige Gewinnsumme.

Noch klügere Menschen möchten den französischen Traber sogar in Deutschland züchten und ihn mit dem deutschen Traber gleichsetzen. Das kann man so machen, nachdem man die deutsche Traberzucht offiziell für Bankrott erklärt hat.

Die Zahlen (lt. HVT)

Fohlengeburten (Trend negativ!)

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

427

437

466

525

566

556

599

624

630

687

Gestartete Traber (Trend negativ!)

2016

2015

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2.344

2.497

2.806

2.894

2.960

3.062

3.194

3.490

3.643

3.823