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Sprachlehre und Sprachleere - und alles mal ohne Thema "Pferd"... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Hans Eiberle im Magazin des Verbandes Deutscher Sport-Journalisten (VDS)   
Freitag, 07. Juli 2017 um 15:25

München. Die deutsche Sprache hat es schwer. Sie gilt als nicht so hip und cool wie Englisch. Liegt es auch daran, wie Journalisten heutzutage schreiben? Eine Annäherung.



Ob ich heute schon „performed“ habe? Die Tage sind rar, die nicht damit beginnen, dass mir beim Radiohören und gleichzeitigem Lesen der Süddeutschen Zeitung schmerzlich mein Bildungsdefizit bewusst wird. Und ich zum Fremdwörterlexikon greife, einem Geburtstagsgeschenk meiner Tochter aus der Vor-Google-Zeit („Schau’ ganz oft rein“). Ob den studierten Nachwuchs schon damals Mitleid mit Eltern befallen hat, die zwar eine Ausbildung aber wenig Bildung genossen haben?

Vor allem mit dem Vater: bloß Mittlere Reife, Kaufmann gelernt. Aber trotzdem ein Arbeitsleben lang Redakteur der Süddeutschen Zeitung gewesen in einer Zeit, da der Journalismus fast allen eine Chance bot, wenn sie mit der deutschen Sprache nicht auf Kriegsfuß standen und lesenswerte Texte schreiben konnten. Von wegen DJS!

So schlage ich also nach und bin mir nicht sicher, welche der sieben Bedeutungen von „performed“ gemeint sind: aus-, auf-, vorgeführt, verrichtet, erbracht, wahrgenommen. Immerhin erfahre ich, das etwas geheim ist, wenn er die Bezeichnung „klandestin“ verwendet. Übrigens: Das Wort ist veraltet – wie ich. Ich weiß jetzt, dass Empathie auch für Einfühlsamkeit stehen kann, Narratismus nichts mit dem Rottweiler Narrensprung (Narri-Narro) zu tun hat, Eskapismus Flucht aus der Wirklichkeit bedeutet.

Wie reich ist doch die deutsche Sprache – aber sie verarmt

Jüngst hat mich der geschätzte SZ-Kollege Claudio Catuogno im Zusammenhang mit Oliver Kahn mit dem Begriff phänotypisch vor den Kopf gestoßen. Im (gedruckten) Duden steht: „Der Phänotyp (griechisch φαίνω phaíno ‚ich erscheine’ und τύπος týpos ,Gestalt’) oder das Erscheinungsbild ist in der Genetik die Menge aller Merkmale eines Organismus.“ Er bezieht sich nicht nur auf morphologische, sondern auch auf physiologische Eigenschaften und auf Verhaltensmerkmale. Inwieweit der Phänotyp durch Umwelteinflüsse beinflussbar ist, hängt von der Reaktionsnorm ab. Deshalb war Kahn Torhüter!

Aus der Süddeutschen Zeitung vom 6. Februar 2017: Das Munich Indoor leidet unter der Absenz zahlreicher heimischer Top-Leichtathleten, die bei besser besetzten Meetings an den Start gehen oder gerade im Trainingslager sind. Die Organisatoren wollen deshalb den Fokus in der Werner-von-Linde-Halle in den kommenden Jahren wieder mehr auf den Leistungssport legen.

So geht es auch: Das Münchner Hallensportfest leidet unter der Abwesenheit zahlreicher heimischer Spitzenleichtathleten, die bei besser besetzten Veranstaltungen an den Start gehen oder gerade im Trainingslager sind. Die Veranstalter wollen deshalb ihr Augenmerk in der Werner-von-Linde-Halle in den kommenden Jahren wieder mehr auf den Leistungssport legen.

Die Tennisspielerin Angelique Kerber hat auf den Einstieg von Maria Scharapowa ins Stuttgarter Turnier nach ihrer Sperre wegen Betrug (Doping) erklärt, das finde sie „strange“. Was wollte sie uns damit sagen? Das Wort hat im Deutschen vielerlei Bedeutungen: außergewöhnlich, außerordentlich, seltsam, merkwürdig, auffallend, eigenartig, sonderbar, absonderlich, befremdlich, fremdartig, eigentümlich, unüblich, mysteriös, skurril, komisch und so weiter und so fort.

Wie reich ist doch die deutsche Sprache! Aber sie verarmt. Der zwölfjährige Enkel fragt, wenn er Durst hat: „Kann ich O-Saft?“ Und wenn der Opa sagt, das heißt „Kann ich bitte einen Orangensaft haben?“, erfährt er, bei Twitter seien 140 Zeichen das Maximum. Trump lässt grüßen!

Englische, aber auch Wörter lateinischen und altgriechischen Ursprungs erfreuen sich wachsender Beliebtheit in den Redaktionen. Folgen die Kolleginnen und Kollegen dem Zeitgeist, befördern sie ihn? Steht das auf der Agenda und damit im Fokus?