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Große Turn-Kunst auf dem Rücken eines Pferdes... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Niels Knippertz/ Offz/ DL   
Sonntag, 16. Juli 2017 um 11:12

Dem siegreichen Team gratulieren Wilfried Nellessen, Vorstandsmitglied der Sparkasse Aachen (2.v.l.) und ALRV-Vorstandsmitglied Hans Kauhsen (rechts)

(Foto: CHIO Aachen/ Michael Strauch)

Aachen. Wie im Vorjahr gewann Thomas Brüsewitz im Rahmen des deutschen CHIO die Konkurrenz im Voltigieren der Herren. Janika Derks bei den Damen erstmals in Aachen vorne. Neuss knapp Köln...


Die Entscheidung im Voltigieren der Herren beim CHIO Aachen geriet zu einer rein deutschen Angelegenheit. Am Ende wiederholte Thomas Brüsewitz seinen Sieg aus dem Vorjahr – trotz eines Patzers in der Kür. Mit einem Sieg in der abschließenden Kür war ihm der Erfolg nicht mehr zu nehmen. 8,071 Punkte hatte er nach allen drei Wertungen auf dem Konto. Seine Kür zum Sieg turnte er, als gäbe es so etwas wie Schwerkraft überhaupt nicht. Einen wackeligen Moment hatte er, als er nach einem gewagt hohen Sprung nicht ganz sicher auf dem Rücken seines Bigstar landete. Aber wie Bundestrainerin Ursula Ramge sagt: „Inzwischen ist Thomas mental so stark, dass er sich auf jede Situation einstellen kann.“ So turnte der 23-jährige sein Programm fehlerfrei zu Ende.„Thomas ist ein toller Athlet“, lobte die Bundestrainerin, „bei ihm kommen Kraft und Beweglichkeit zusammen, das ist gerade bei den Männern nicht selbstverständlich.“ Außerdem seien Voltigierer, Pferd und Longenführerin Irina Lenkeit noch stärker zusammengewachsen und zu einer wirklich harmonischen Einheit geworden, sprach Ramge ein Thema an, das beim Voltigieren oft vergessen wird. Das Motto von Brüsewitz‘ Kür war übrigens recht ausgefallen. Als großer Michael Jackson-Fan hatte er eine Musik ausgesucht, die erst nach dem Tod des King of Pop veröffentlicht wurde und eher unbekannt ist: „Blue Gangsta“.

 

Platz zwei in der Kür und in der Gesamtwertung ging an Erik Oese auf Calvador, longiert von Andreas Bäßler. Nach Rang fünf in der Pflicht trumpfte der hochgewachsene Oese, der im September seinen 30. Geburtstag feiert, in der Technik auf. Und seine Kür zu dem Thema „Geist“ war eine Augenweide. So elegant, geschmeidig und ausdrucksstark wie der Gymnasiallehrer aus Radebeul bewegen sich nur ganz wenige. Als er passend zu Knackgeräuschen in der Musik seinen „Geisterkopf“ zurechtrückte, rutschte so manchem Zuschauer kurzfristig das Herz in die Hose. Ist ja glücklicherweise nur Show! 8,501 Punkte erhielt Oese für seine Kür. Zusammen mit den anderen Ergebnissen kam er in Summe auf 7,999 Zähler. Das genügte, um Viktor Brüsewitz auf Don Filippo B mit Longenführerin Lisa Borgmann auf Abstand zu halten. In der Kür wurde es „nur“ Rang fünf für das Kraftpaket im deutschen Aufgebot. Aber mit zwei dritten Plätzen aus Pflicht und Kür im Rücken konnte Viktor Brüsewitz – übrigens der ältere Bruder des Siegers – seine Position verteidigen. Wenn auch knapp.

 

Der Schweizer Lukas Heppler kam auf Cairo (Longe: Petra Cinerova) nach drei vierten Plätzen bis auf zwei hundertstel Punkte an Brüsewitz heran und wurde Vierter. Heppler erreichte 7,798 Zähler, Brüsewitz 7,800. Der vierte Deutsche,  Jannik Heiland, Trainingspartner der Brüsewitz-Brüder, musste sich auf Highlander (Longe: Winnie Schlüter) mit Rang fünf zufrieden geben. Was bitter ist, denn ein Sturz am Ende eines eigentlich tollen Technikprogramms war vor allem Pech. Nach der Pflicht war Heiland noch Zweiter gewesen. Doch nach dem Sturz fiel er auch in der Gesamtwertung nach hinten und konnte den Rückstand trotz der drittbesten Kür nicht mehr aufholen.

 

Janika Derks ohne Ziel  - aber mit Plan

 

2016 turnte sie erstmals bei den Damen, 2017 ist sie Siegerin im Voltigieren der Damen: Janika Derks. Dabei hatte die 27-Jährige sich eigentlich gar kein Ziel gesetzt. Nach den ersten beiden Teilprüfungen hatte sie noch bescheiden gesagt: „Ich nehme mir keine Platzierungen vor. Mein Ziel ist es, mit mir selbst zufrieden zu sein,und ich kann mich freuen, wenn die Noten und mein Turnen übereinstimmen.“ Einen Tag ging ein Traum in Erfüllung: Sieg in Aachen, dem Turnier,auf das sie und ihre Kollegen sich das ganze Jahr über freuen.

 

„Publikum, Organisation, Atmosphäre – hier passt alles!“, so Derks. Umso schöner, wenn das Sportliche dann auch noch läuft: „Ja, mein Gefühl und die Bewertung der Richter passten, ich bin happy.“ Auf Auxerre, longiert von Elisabeth Simon, präsentierte „Das Leben einer Katze“, so ihr Kür-Motto. Dem wurde sie in jedem Sinne gerecht – rekelte sich auf dem Pferderücken als läge sie nie woanders und sprang mit katzengleichem Geschick, um dann so sanft und punktgenau zu landen, als wäre es nichts. Die Kür war eine Augenweide (8,227 Punkte), aber nicht der Sieg.

 

Denn eine war mit 8,671 Punkten noch besser: Sarah Kay auf Sir Valentin an der Longe von Dina Menke. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin hatte sich  einiges vorgenommen: „Die ersten beiden Prüfungen liefen nicht optimal. Da wollte ich heute noch einmal alles geben!“ Kay ist bekannt für ihre Nervenstärke. Wo andere aufgeben, kann sie noch einmal eine Schippe drauflegen. Und so turnte sie eine super Kür, perfekt abgestimmt auf das Thema „Smaug“, der Drache aus dem Kinofilm „Der Hobbit“. Der Sieg in der Kür reichte jedoch nicht, um sich in der Gesamtwertung weiter nach vorne zu schieben, Rang fünf für Sarah Kay.

 

Platz zwei ging an Derks‘ Dauerrivalin an diesem Wochenende: die Italienerin Anna Cavallaro. Die Weltcupsiegerin mimte einen Wolf, wurde dem Paar an der Spitze dann aber doch nicht wirklich gefährlich nach einem Wackler beim Landen im Anschluss nach einem Sprung. Platz fünf in der Kür, die drittbeste Pflicht und der Sieg in der Technik fügten sich zu einem Endergebnis von 8,047 Punkten zusammen.

 

Hinter der Italienerin reihten sich die weiteren Deutschen ein. Das waren neben der fünftplatzierten Sarah Kay Vorjahressiegerin Kristina Boe und die EM-Zweite von 2015, Corinna Knauf. Kristina Boes Kür auf Don de la Mar (Longe: Winnie Schlüter) war gespickt mit Schwierigkeiten, wie beispielsweise einer ganzen Drehung um die eigene Achse im Sprung. Ein Richter sah Boe technisch vorne, der andere auf Rang vier. Zusammen mit der künstlerischen und der Pferdenote bedeutete das Rang drei in der Kür mit 8,629 Punkten und ebenfalls Rang drei in der Gesamtwertung. Corinna Knauf und ihre Schwester und Trainerin Alexandra Knauf klatschten sich zufrieden ab nach dem letzten Abgang von der bewährten Fabiola. Aber bei der starken Konkurrenz in Aachen musste sie sich in der Kür mit 8,348 Punkten und dem sechsten Platz zufrieden geben. In der Einzelwertung wurde sie Vierte.

 

Neuss-Grimlinghausen oder Köln-Dünnwald…

 

Das Gruppenvoltigieren geriet zu einem Zweikampf, wie er spannender nicht hätte sein können.  Am Ende setzten die Neusser sich mit 8,298 Punkten gegen das Kölner Team durch (8,216). Neuss siegte in der Pflicht, Köln in der Kür. Aber der Abstand in der zweiten Runde war gering mit 8,653 bzw. 8,675 Punkten. Platz drei ging wie im Vorjahr an die Gruppe C.I.M. Italy mit Hot Date Tek, longiert von Laura Carnabuci (7,713).

Für Deutschlands Bundestrainerin Ursula Ramge war es ein Festtag mit zwei solchen Gruppen: „Das waren ganz tolle Küren von beiden Teams!“, freute sie sich.  Die Neusser zelebrierten ihre Kür zum Thema „Alice im Wunderland“. Das Team NORKA setzte auf futuristisches Design. Beide turnten mit viel Risiko. Da stockte einem bei der einen oder anderen Hebefigur schon mal der Atem!

Während Neuss-Grimlinghausen mit Madita Schramm, Sophie Hofmann, Lara Schmitt, Mona Pavetic, Leon Huesgen sowie Pauline Riedl mehrheitlich Championatsneulinge an den Start gebracht hatte, turnten für Köln fast ausschließlich Athleten, die auch schon im Einzel oder Pas de deux Medaillen gewonnen haben: Thomas Brüsewitz, Torben Jacobs, Corinna Knauf, Jana Zelesny, Miro Rengel und Justin van Gerven. Das Team Neuss hat dieses Jahr eine komplett neue Besetzung in der Gruppe, aber mit Delia FRH an der Longe von Elisabeth Simon ein erfahrenes Pferd. Beim Team NORKA ist es umgekehrt – bewährtes Team, aber mit Picardo ein neues Pferd.

Angesichts dessen waren beide Mannschaftsführer äußerst zufrieden. Elisabeth Simon vom Team Neuss erklärte mit Blick auf ihr frisch zusammengestelltes Team: „Die Pflicht war super, besser können wir es im Moment noch nicht. Und wenn man den CHIO Aachen gewinnt, dann kann man ja nur happy sein!“ Patric Looser (Schweiz), einst selbst Weltmeister bei den Herren, betonte: „Wir sind sehr glücklich! Mit Picardo haben wir vorher nur ein einziges Mal trainiert. Angesichts dieser Minimalvorbereitung können wir auf unsere Leistung sehr stolz sein!“  Picardo war nicht das einzige Pferd, das heute ganz schön „an“ war.

Kein Wunder! Bis auf den letzten Platz waren die Tribünen besetzt und die Stimmung war großartig. Viele der Zuschauer sind quasi Stammgäste am CHIO-Voltigierwochenende. Fragt man sie, was sie zum Teil seit sechs, sieben Jahren jedes Jahr wieder nach Aachen zieht, kommt die Antwort prompt: „Der CHIO ist ein Muss, wenn man Pferdefreund ist!“