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Einmal Gold und zweimal Silber für deutsche Vielseitigkeitsreiter bei EM PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Sonntag, 20. August 2017 um 16:33

 

Strzegom. Die 33. Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter im polnischen Strzegom endeten mit einer Gold und zwei Silbermedaillen für die deutschen Teilnehmer. Ihren ersten Einzeltitel gewann die zweimalige Team-Olympiasiegerin Ingrid Klimke.

 

 

Nun ist Ingrid Klimke (Münster) endlich am Ziel. Die Reitmeisterin gewann erstmals bei einem Championat ihren ersten großen Einzeltitel, nach der Team-Weltmeisterschaft bei den Weltreiterspielen 2006 und zweimal Olympia-Gold bei den Olympischen Spielen 2008 und 2012 sowie drei EM-Erfolgen in einem Team. Mit einem fehlerlosen Umlauf im abschließenden Springen auf dem Oldenburger Wallach Hale Bob sicherte sie sich zum Abschluss der 33. Europameisterschaft im polnischen Strzegom nicht weit entfernt von Breslau den Titel mit 30,30 Punkten vor ihrem Teamgefährten und Titelverteidiger Michael Jung (Horb) auf Rocana (32,80), der ebenfalls fehlerlos im Pracours geblieben war. Bronze ging die Britin Nicola Wilson auf Bulana (35,50). Dahinter frolgten aus Großbritannien Kristina Cook auf Billy The Red (38,20) und Rosalind Canter auf Allstar (40,20) sowie Einzelstarter Kai Rüder (Fehmarn) auf Colani Sunrise (40,3) als Sechster. Überschattet wurde der Crosstag vom Sturz des Polen Michal Knap mit dem Wallach Bob the Bilder, das Pferd erlitt einen irreparablen Trümmerbruch in der Vorderhand und wurde nach einer eingehenden Untersuchung in einer Tierklinik eingeschläfert.

 

20. Mannschaftsgold für Briten

 

Team-Gold holte zum 20. mal seit 1953 die Vertretung von Großbritannien in der Besetzung Nicola Wilson auf Bulana, Kristina Cook auf Billy The Red, Rosalind Canter auf Allstar und Oliver Townend auf Cooley (113,90 Punkte), Silber ging an Titelverteidiger Deutschland (123,0), das Ingrid Klimke, Michael Jung, Julia Krajewski (Warendorf) auf Samourai du Thot und die im Gelände – nach Bestmarke in der Dressur -  durch Sturz ausgefallene Bettina Hoy (Rheine) auf Seigneur Medicott nominiert hatte. Bronze nahm das schwedische Quartett (148,4) entgegen. Deutsche Mannschaften ritten bisher fünfmal zum Titel, erstmals 1959 – mit u.a. Dr. Reiner Klimke auf Fortunat, dem Vater von Ingrid Klimke, dem späteren fünfmaligen Dressur-Olympiasieger…

 

Im Vergleich zur anstehenden Springreiter-Europameisterschaft in den kommenden Tagen in Göteborg stehen die Preisgelder in der Vielseitigkeit geradezu keusch in der Ecke. Für Gold gab es 8.000 Euro, an das Silberteam gingen 6.000 und an Schweden 4.000 €, Ingrid Klimke (49) als Einzelgewinnerin erhielt 20.000, Michael Jung 15.000 und Nicola Wilson als Dritte 10.000 €. Zum Vergleich: Der Europameister im Springreiten kassiert als Titelprämie – neben den Preisgeldern in den drei Prüfungen – 108.000 Euro.

 

Ingrids Dankeschön an Chris Bartle

 

Zwischen 2001 und 2016 gehörte der Brite Chris Bartle zum Bundestrainerstab in Deutschland. Nach dem Erfolg bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 ging er zurück auf die Insel und betreut nun die britischen Vielseitigkeitsreiter. In einem Brief an ihn drückt Ingrid Klimke ihren Dank an ihn aus.

 

Lieber Chris,

es brannte mir schon sehr lange auf der Seele, Dir ein paar Zeilen nach unseren 16 gemeinsamen Jahren zu schreiben. Dieser Brief ist mir sehr wichtig und ein paar Zeilen hätten nicht ausgereicht, unsere letzten 16 Jahren zu beschreiben.
Du hast schon immer an meinem Gesicht gesehen, wie es mir geht und wenn Du mich jetzt sehen könntest, würdest du ein Gesicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen.

Als wir uns kennen lernten, war der Name Chris Bartle in meiner Familie ein Begriff für einen erfolgreichen, englischen Dressurreiter. 1984 hast Du mit meinem Vater bei den Olympischen Spielen in Los Angeles zusammen in der Dressur um die Medaillen im Einzelfinale gekämpft und warst Fünfter. Damals berichtete mein Vater, dass er sehr gerne mit Dir zusammengearbeitet hat. Umso schöner, dass unsere Wege sich dann wieder kreuzten, als Du Bundestrainer für die Vielseitigkeitsreiter in Deutschland geworden bist.
Mit Freude erinnere ich mich an unser erstes Geländetraining, bei dem Du mir versucht hast zu erklären, dass ich mit einem deutlich längeren Zügel („Hände unter den Augen“!) im Gelände reiten sollte. Das war für mich sehr ungewohnt, da ich bis dahin die Tendenz hatte, im „luftleichten Sommersitz“ zu galoppieren. Die Hände hatte ich entweder an den Pferdeohren oder hinter den Trensenringen. Immer mit der Gefahr, dass ich bei Tiefsprüngen – besonders ins Wasser – eine deutliche „vorwärts abwärts Nickbewegung“ im Oberkörper hatte und auch schon mal in „Wohnungsnot“ geraten bin. Ich sehe uns noch  am Teich von Luhmühlen – von allen Seiten rein und raus springend – immer mit den Worten: „Open your fingers and let the reins slip through!“ Gleichzeitig durfte ich nicht mehr ins Wasser gucken, sondern sollte dahin schauen, wo ich rausspringen wollte. Der Oberkörper sollte dabei senkrecht sein und Deinen Kommentar „Your head must touch his tail!“ habe ich heute bei jedem Tiefsprung oder Wassereinsprung im Ohr.
Mein 5-jähriges Probepferd musste damals unzählige Male diese Übung wiederholen, doch das Erlernen des Sicherheitssitzes hat sich gelohnt!

Deine bewährte Zügelbrücke im Gelände habe ich gerne übernommen und fühle mich auch heute noch in schwierigen Situationen viel sicherer.

Gerne erinnere ich an die Video-Analyse der Europameisterschaft in Blair. Wir mussten beide schmunzeln, als du mich als Beispiel für den zu weit vorne liegenden Oberkörper gezeigt hast – dabei hatte ich insgeheim gehofft, als positives Beispiel gezeigt zu werden…

Viele lustige Momente haben wir auch bei den unzähligen Testrunden mit Probepferden erlebt. Von wilden Hengsten, die Du nicht von der Longe abmachen wolltest, bis über das Finden von Braxxi war alles dabei. Dein häufigster Kommentar beim Probereiten war: „There are plenty more fishe in the sea!“

Von Dir habe ich auch den flotten „Chris-Bartle-cross-country-walk“ lernen müssen, denn keiner ist schneller und unermüdlicher mit seinen Reitern bei der Geländebesichtigung unterwegs als Du. Dabei hast Du mir immer wieder wesentliche Details im Gelände eröffnet, an denen ich alleine vorbeigelaufen wäre. Von Dir habe ich gelernt, den Geländekurs immer aus den Augen des jeweiligen Pferdes zu analysieren. Das Zählen der Galoppsprünge rückte in den Hintergrund, der „preperation-point“ rückte mehr und mehr in den Vordergrund!

Einer der schwersten Kurse, den ich je geritten bin, war Burghley 2013. Ohne Deine Unterstützung hätte ich mich sicherlich nicht getraut, dort zu reiten. Nach der Prüfung war es mir immer besonders wichtig, meine brennendste Frage loszuwerden: „What can I do better?“ Wenn wir beide zufrieden waren hatte ich mein Ziel erreicht, auch wenn es nicht die goldene Schleife war.

Besonders geschätzt habe ich auch Deinen Dressurunterricht. Du kannst Dich auf jedes Pferd einstellen und reitest von unten mit. Egal ob Headshaker, „heißer Ofen“ oder Sensibelchen – Du hast es geschafft alle Pferde vertrauensvoll zum Strahlen zu bringen.

Für uns gab es nie sprachliche Barrieren, sondern immer wieder Situationen zum Lachen. „He looks like a Hirsch!“

Die Arbeit mit Dir hat mit so viel Freude gemacht, dass ich keinen Lehrgang und keine Unterrichtseinheit mit Dir verpasst habe. Immer gab es neue Anregungen, z.B. das Reiten mit Halsring. Jeden Herbst war ich wehmütig, da ich wusste, dass die nächste Unterrichtsstunde erst nach der Winterpause stattfinden wird – das war manchmal ganz schön lang.
Eine Situation werde ich nicht vergessen! Als wir zum abschließenden Galopptraining für die Weltreiterspiele in Kentucky in Brochterbeck ohne Carmen die Pferde sattelten, wolltest Du Braxxi festhalten. „I hold him like a racehorse“ waren noch Deine letzten Worte, bevor Braxxi mit dem Sattel unter dem Bauch versuchte, Peter und Dibo einzuholen, die schon am Berg galoppierten. Nachdem wir ihn wieder eingefangen hatten und ich erneut versucht habe aufzusitzen, konntest Du den wilden Braxxi wieder nicht festhalten. In diesem Moment habe ich ernsthaft befürchtet, dass Du uns in Kentucky vielleicht lieber doch nicht dabeihaben wolltest.

Aber wahrscheinlich hast du in diesem Moment nur wahrgenommen, wie schnell Braxxi galoppieren kann und deshalb in London vor unserem Start ins Gelände gesagt: „He is fast like a rabbit, let him run like he wants!“
Aber es gab auch traurige Momente und große Enttäuschungen für mich. Braxxis Springen war immer wieder eine große Enttäuschung, und ich war oft haltlos und am Boden zerstört. In diesen Momenten hast Du an uns geglaubt, auch wenn nicht mehr viele an uns geglaubt haben. Keiner hätte schöner über Braxxi sprechen können als Du bei seiner Aufnahme in die Hall of Fame und Verabschiedung in Luhmühlen.

Bei jedem Lehrgang habe ich mich immer auf die abendlichen Videoanalysen gefreut. Deine Analysen waren bis ins letzte Detail durchdacht und Deine so plausiblen und anschaulichen Erklärungen haben mich sehr begeistert, und ich konnte so viel davon lernen. Ich werde mein von Dir gelerntes Wissen weitergeben, damit möglichst viele Reiter davon profitieren können.

Bei den Championaten war es Tradition, dass Du mit einer Rede Dein Team eingeschworen hast. Bei unseren ersten gemeinsamen Olympischen Spielen in Athen hast Du alle Reiter damit überrascht und dem Teamgeist eine neue Bedeutung gegeben.
Lieber Chris, die Jahre mit Dir als Trainer waren für mich etwas sehr Besonderes! Ich werde Dir immer dankbar sein, dass ich so viel von Dir lernen durfte und ich freue mich jetzt schon darauf, wenn Du – dann in einer blauen Jacke – in die „Villa Klimke“ kommst und den ein oder anderen Milchkaffe mittrinkst.

Ich wünsche Dir viel Freude bei Deinen neuen Aufgaben und Herausforderungen. Deine Entscheidung kann ich gut nachvollziehen — wenn auch schweren Herzens.

Ingrid