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"Equidope" - die bisher einzige Initiative zum Dopingschutz von Reiter und Pferd PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 19. Oktober 2017 um 14:19



Olaf Optenplatz - er hatte die Idee für das in Europa bisher einzigartige Unternehmen "Equidope" mit dem grünen D als Siegel zum Schutz vor möglicher Verfolgung wegen Medikation oder Dopings

(Foto: privat)

Brüggen. Zur Leistungssteigerung wird im Pferdesport vermehrt  zugefüttert - und Hersteller werfen bewusst über 1000 Produkte auf den Markt. Was alles bringen soll, steht auf der Verpackung, was möglicherweise an verbotenem Stoff drin ist – steht nirgendwo auf dem Beipackzettel. Doch jetzt glaubt einer, einen Schutzwall aufbauen zu können, eine Schranke – Olaf Optenplatz, der bekannte Schmied und Unternehmer aus dem niederrheinischen Brüggen.

 

 

Am 17. Mai 2015 endete in La Baule das Offizielle Internationale Springreiterturnier (CSIO) von Frankreich mit dem Großen Preis. Als Sieger ritt  der smarte Schweizer Steve Guerdat im Sattel seines damaligen Erfolgswallachs Nino des Buissonnets im versammelten Galopp die Ehrenrunde in unmittelbarer Nähe zum angeblich längsten und schönsten Strand des Atlantik. Fünf Wochen später erhielt der Olympiasieger von London 2012 und Weltcupgewinner Post vom Weltverband FEI. Bei der obligatorischen Dopingkontrolle nach dem Grand Prix waren bei dem Hengst Spuren der verbotenen Substanzen Codein und Oripavin sowie die Controlled-Medication-Substanz Morphin gefunden worden, einen Tag zuvor hatte Guerdat auf Nasa im Derby von La Baule den dritten Rang belegt, auch bei der Stute hatte das Labor die gleichen Stoffe, doch in so geringem Maße gefunden, dass von einem positiven Befund abgesehen wurde.

 

Guerdat (35) bestritt jede Schuld und verwies auf Zusatzfutter. Nach dem Reglement konnte die FEI nicht anders, denn jeweils der Reiter ist für alles die verantwortliche Person. Sie sperrte ihn für zwei Monate, er hatte das Preisgeld von 66.000 Euro und die Ehrengaben zurückzugeben. Und besonders getroffen wurde die Schweizer Equipe, sie musste ohne Steve Guerdat bei der Europameisterschaft in Aachen im August antreten. Wie sofort eingeleitete Untersuchungen ergaben, hatte Guerdat recht, die verbotenen Substanzen waren in einem Ergänzungsfutter enthalten.

 

Capsaicin und die unendliche Geschichte

 

Die schlimmsten und auch schmerzlichsten Momente als Reiter und Mensch durchlitt der deutsche Springreiter Christian Ahlmann (42)  bei den Olympischen Reiterspielen 2008 in Hongkong und danach zuhause bei der Rückkehr. Bei Ahlmanns Wallach Cöster war das die Durchblutung fördernde Mittel Capsaicin entdeckt worden, vom Weltverband (FEI) kurz vor Olympia ganz plötzlich  als Medikation eingestuft, nicht als Doping. Ahlmann, der eine frei erwerbliche Paste mit Capsaicin gegen Verspannungen bei Pferden davor angewandt hatte und nach eigenen Worten zwölfmal in Kontrollen geraten war, ohne beanstandend zu werden, wurde von der deutschen Teamleitung sofort nach Hause geschickt. Dort warteten Mikrofone und Kameras auf ihn, er schlich sich wie ein Dieb durch einen Hintereingang ins Haus

 

Die deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) schloss Ahlmann für  zwei Jahre von internationalen Turnieren aus, während der Weltverband (FEI) ihn nur für vier Monate sperrte. Dagegen gingen die Verbandsoberen in Warendorf an. Auf Drängen der deutschen Föderation wurde Capsaicin zum Doping hochgestuft – Ahlmann stand somit als Doper in der Öffentlichkeit. Er wehrte sich mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln, ging bis zum höchsten internationalen Sportgericht, CAS. Doch auch dort unterlag er. Obgleich auch der International Court of Arbitration for Sport, kurz CAS, keinen Beleg von  Doping oder zu einer künstlich herbeigeführten Überempfindlichkeit der Haut durch Einreiben mit Capsaicin erkannte. Christian Ahlmann ist seither stigmatisiert, die gesamten Prozess- und Anwaltskosten beliefen sich auf rund 250.000 Euro.

 

Der international sehr bekannte Schweizer Jurist Dr. Ulf Walz (58) aus Basel, der auch Ahlmann juristisch begleitete in allen Verfahren, sagt: „Wer als Reiter, vor allem in der internationalen Spitze, allein unter Dopingverdacht gerät, muss um seine Existenz bangen, dass ihm die Besitzer die Pferde wegnehmen, sich Sponsoren zurückziehen, vor allem aber, dass man mit dem Finger auf ihn als Doper zeigt. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob es sich um Verdacht, ob um Medikation oder echtes Doping handelt, so subtile Unterschiede kennen auch viele Journalisten nicht, noch weniger das breite Publikum.“

 

TÜV-Station für Futtermittel

 

Wer dopt oder mit quälerischen Mitteln ein Pferd zu Leistungen zwingen möchte, das es von der natürlichen Gabe gar nicht zu bringen vermag, ist im Reitsport fehl am Platz. Doch bisher gibt es kein Gesetz oder Vorgaben, dass Futtermittel und Pflegemittel einer Kontrolle unterliegen, wonach sich ein Reiter richten kann, um mit seinem Pferd im offiziellen Sport nicht bei einer Kontrolle positiv getestet zu werden. Und Kontrollen gehören inzwischen nicht nur bei den ganz großen Turnieren automatisch ebenfalls zur Veranstaltung. Die Liste mit verbotenen Stoffen beinhaltet international oder national über 1.300 Substanzen. Und die Kladden  werden immer länger. Eine offizielle Kontrollstation ähnlich dem TÜV sucht der Reiter bisher jedoch vergeblich.

 

Muss der Reiter auch Chemiker sein?

 

Olaf Optenplatz (47), ein Unternehmer aus Brüggen am Niederrhein, beschäftigt sich mit seinen Firmen schon lange mit dem Thema Produktentwicklung und Produktsicherheit. "Der Markt muss grundsätzlich aufgeräumt werden, dass Reiter selbst die Produktdeklaration lesen und analysieren sollen, ist kein Zustand. Schließlich ist nicht jeder Chemiker und kann Produkte auf Dopingrelevanz einschätzen. Genau das wird aber vom Anwender verlangt." Und der Reiter ist immer der Verantwortliche, nicht der Pfleger und nicht der Besitzer.

 

In seinen Firmen, wie Sportstätten, Hufbeschlagsschmiede und Fortbildungsstätten für Produktanwendung und –sicherheit, sind zur Zeit über 80 Personen beschäftigt. „Wir sind so nah am Kunden und haben Umfragen gestartet, doch das Ergebnis war, dass nur ein geringer Teil der Befragten mit der jetzigen Situation zur Dopingprävention zurecht kommt. Nach Aussage der Institute, mit denen wir zusammen arbeiten, führen bis zu 30 Prozent aller Futtermittel zu einem positiven Dopingbefund. Hier besteht Handlungsbedarf. Aus diesem Grund gründeten wir Equidope, die internationale Initiative im Sinne des Tier- und Verbraucherschutzes, denn das im letzten Jahr verabschiedete Anti-Doping-Gesetz stellt Hersteller, Handel und auch Reiter vor immer mehr Herausforderungen. Überfordert sind sie eigentlich alle. Auch der Handel steht beim Vertrieb von Produkten mit dopingrelevanten Inhaltsstoffen in Verantwortung“, so Optenplatz.

 

Equidope möchte vorausschauend Hilfestellung gegen einen Sturz in die Dopingfalle leisten. In Zusammenarbeit mit der deutschen Föderation (FN) und dem Weltverband, FEI, der nationalen (NADA) und internationalen Anti-Doping-Doping-Agentur (NADA) soll das Risiko minimiert werden, dass Pferde aufgrund von Futter oder Pflegemittel zum Beispiel positiv getestet werden. Allein in Futtermitteln können bis 3.000 dopingrelevante Stoffe enthalten sein. Ziel von Equidope: Zusammenschluss von Firmen, die sich der Idee verbunden fühlen und den Richtlinien unterwerfen. Die Hersteller wiederum lassen ihre Ware über Equidope auf verbotene Substanzen checken, liegen keine Verdachtsmomente vor, kann die Firma auf die Verpackung des Produkts einen großen grünen Buchstaben „D“ anbringen lassen, die TÜV-Plakette im Pferdesport (www.Equidope.de)

 

Die neue "TÜV-Plakette"

 

Im einzelnen sieht die Kontrolle folgendes vor: Der Hersteller schickt sein Produkt mit einer Liste der Inhaltsstoffe an Equidope, ein anerkanntes Institut kontrolliert die angegebenen Substanzen auf möglicherweise positive Resultate bei einer Dopingkontrolle. Equidope wiederum schlägt in Absprache mit Experten in gegebenem Falle eine entsprechende Karenzzeit vor, in der die Substanz im Körper des Pferdes abgebaut sein müsste, wenn erforderlich.

 

Außerdem werden ohne Vorankündigung stichprobenartig Produkte der angeschlossenen Fair-Sport-Partnern (Firmen, die mit Equidope zusammen arbeiten und den strengen Kontrollen des D-Siegels unterliegen) aus dem Handel bezogen und in akkreditierten Instituten geprüft. Nicht alle Firmen schließen sich bisher den Prüfverfahren an, warum nicht, ist offen.

 

Ab Mitte 2018 soll das grüne „D“ bei Futtermitteln, Pasten, Sprays, Gels, Cremes, Belohnungswürfeln oder Fellpflegepräparaten und vielen anderen Produkten als Qualitätssiegel gelten – für den Reiter oder Fahrer das Dopingrisiko mindern, oder praktisch ausschließen…

Und hier die Liste verbotener Substanzen - wer möchte sich da noch auskennen wollen...