Olympiastarter Lutz Gössing verstorben Drucken
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Sonntag, 27. September 2026 um 17:54

Brockhagen. Im Alter von 88 Jahren ist der bekannte frühere Military- und Springreiter Lutz Gössing verstorben, fast 15 Jahre nach seiner Frau Christa, einer ehemaligen Springreiterin und Mäzenin. Nach einem Schlaganfall hatte er sich stark zurückgezogen, zuletzt umsorgte ihn die frühere deutsche Meisterin der Springreiterinnen, Susanne Behring.

An diesem Sonntagmorgen, 27. September 2026, 06 Uhr, hat sich ein nicht nur ein erfolgreicher Military- und Springreiter von dieser Welt verabschiedet, auch ein angenehmer Mensch, der gerne lachte, nie aneckte oder den Besserwisser heraushängte, Lutz Gössing. Er starb zuhause, bei ihm war Susanne Behring, die sich zuletzt sehr um ihn kümmerte, ihn auch chauffierte, denn nach einem Schlaganfall war er nicht mehr ganz fit. Die letzten Tage wurde er palliativ in der gewohnten Umgebung betreut, wie er es gewollt hatte.

Lutz Gössing stammte aus Dortmund, wurde Landwirt von Beruf und begann seine reiterliche Laufbahn im „Busch“, in der Vielseitigkeit, die damals noch Military hieß und von der Schwierigkeit her nicht mit den jetzigen Anforderungen zu vergleichen ist. Wie er hatten früher fast zwangsweise Große des Reitsports angefangen, Hans Günter Winkler, Fritz Thiedemann, Dr. Reiner Klimke oder Alwin Schockemöhle zum Beispiel in Deutschland, ein Paul Weier in der Schweiz.

Und wie bei fast allen wurde auch Warendorf auf Gössing aufmerksam, Warendorf war das Sammelbecken der Talente. 1963 holte ihn das Deutsche Olympiadekomitee für Reiterei (DOKR) in die damalige deutsche Reitersport-Metropole. Mit dem Wallach Rebell stand er bereits für die olympische Military in Tokio in enger Wahl, doch dann war für ihn in der gemischten deutsch-deutschen Mannschaft aus Reitern der DDR und der Bundesrepublik kein Platz. Er wurde gestrichen. Ein Jahr danach in Moskau belegte er auf Rebell den elften Rang bei der Europameisterschaft, er wurde Deutscher Meister 1966 und 1967, die Nominierung für Olympia in Mexiko 1968 war fast logisch. Doch dort zog sich Rebell vor Beginn einen Sehnenschaden zu, so dass Lutz Gössing auf das Ersatzpferd Arwad umsatteln musste. Im tropischen Regen des Geländetages in Avandaro, 150 km nordwestlich von Mexiko City, schied Gössing aus, mit ihm neun andere auch.

Höhepunkt als Buschreiter hätte für ihn München 1972 werden können. Doch der englische Schimmel Chicago vermasselte ihm alles bereits in der Dressur. Schon das „Einreiten, Halten,Grüßen“ klappte nicht in Riem. Der in England gezogene Wallach verspannte sich und verweigerte die Gefolgschaft. Glück, dass er nicht abgeläutet wurde, vorletzter Platz in der Auftaktprüfung. Aber auf dem Geländekurs – 32 km lang, davon 8,1 km als Cross - war Chicago in seinem Element. Keines der 36 Hindernisse war ihm zu hoch, zu breit. Er galoppierte wie befreit durch die Landschaft vor rund 100.000 Zuschauern. Als Sechstbester des Tages stand er auf der Ergebnisliste. Nach dem Springen als Schlusspunkt der Konkurrenz wurde er zusammen mit Karl Schultz, Harry Klugmann (†) und Horst Karsten mit Bronze dekoriert. 30 durchaus erreichbare Zähler mehr in der Dressur – der Goldmedaillengewinner hätte Lutz Gössing geheißen. Nach München setzte er die Militarykappe nicht mehr auf und startete nur noch im Springparcours.

Ab 1973 widmete sich Lutz Gössing vor allem auch der Zucht. Als bisher einziger in der Geschichte des deutschen Pferdesports gewann er mit einem Pferd eigener Zucht, in eigenem Besitz und als Reiter das Deutsche Bundeschampionat gleich zweimal: Mit der Stute Rosella 1985 und 1986. Zusammen mit seiner Ehefrau Christa unterhielt er einen eigenen Springstall von 1969 bis 2010, blieb dem Springsport jedoch zusätzlich auch weiter verbunden und begleitete oftmals eine Equipe als Teamchef auf Auslandsreisen oder Europameisterschaften für Junioren oder Junge Reiter. Für seine Verdienste um den Pferdesport wurde Lutz Gössing, der auch 13-Mal für Deutschland einen Nationen-Preis ritt, mit dem Friedensreiterpreis des Westfälischen Verbandes und mit dem Deutschen Reiterkreuz in Silber ausgezeichnet.

Zusätzlich mit seiner Ehefrau, die am 28. Dezember 2011 in Heildelberg  aufgrund von Bauchspeicheldrüsenkrebs`s gestorben war, versorgte er seine Bereiter Heinrich-Wilhelm („Kaiser“) Johannsmann, Susanne Behring und Mylene Diederichsmeier mit dem notwendigen Pferdematerial zur Vorstellung auf Turnieren. Nach einer Bandscheibenoperation 1993 spielte er vor allem Golf in Ostenfelde, wo man ihn auch zum Präsidenten gewählt hatte…

 

 

 

 

 

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