| Wie Bruder Gilbert nun Frederic Tillmann Derbysieger in Hamburg |
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| Geschrieben von: Dieter Ludwig |
| Sonntag, 17. Mai 2026 um 18:22 |
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Hamburg. Das Blaue Band als Zeichen für den Sieger des Deutschen Derbys hängt nun zusätzlich in der Reithalle des Vaters Friedhelm Tillmann auf Gut Neuhaus in Grevenbroich bei Neuss, 13 Jahre nach dem Sieg von Gilbert trug sein Bruder Frederic Tillmann die begehrte Schärpe als sichtbaren Orden des Triumphes. Zum 95. Mal seit 1920 ertönte die Startglocke für das Deutsche Springderby in Hamburg-Klein Flottbek, als 14. ritt Frederic Tillmann (Grevenbroich) auf dem 12-Jährigen Wallach DSP Comanche in den nicht schwierigsten, doch ungewöhnlichsten Parcours der Welt ein. Zum fünften Mal seit 2022 mit Comanche. Souverän meisterte das Paar den seit Jahren lediglich ein wenig veränderten Parcours von den Höhen der Hindernisse, doch alles blieb unverändert seit 1920, als der Kaufmann und Reiter Eduard Pulvermann seine Ideen verwirklichte. 17 Hindernisse auf einer Länge von 1230 m, die der Holsteiner Landschaft nachempfunden sind, erdachte sich der Kaufmann Pulvermann. Keines dieser Art steht noch sonst auf einem Parcours der Welt. Nur eben in Hamburg, wo vielleicht endlich mal das Preisgeld entsprechend angehoben werden sollte, um die großen Stars des Springsports zu locken, sie zu animieren, Pferde auch entsprechend auf ein solches Ereignis zu trainieren, um dem Derby den verdienten Glanz alter Zeiten zurückzugeben.So war der Große Preis am Vortag mit 250.000 Euro dotiert, das Derby als Hauptereignis jedoch "nur" mit 120€, und es gibt kaum jemenden der sagt, wenn er das Turnier meint, er fahre zum Großen Preis nach Klein Flottbek, aber zum Derby... Für das 95. Deutsche Springderby seit 1920 standen 32 Starter auf der Liste, als 14. Teilnehmer musste Frederic Tillmann (46) in die Bahn, 20.000 Zuschauer sahen seinen Ritt auf dem hochmotivierten Wallach DSP Comanche, fehlerlos kehrten sier zurück zur Lichtschranke, die Statistik vermeldete: 166. Ritt ohne Fehler. Und danach begann vor allem für den Rheinländer das Warten. Immer wieder sein Gesicht von der TV-kamera eingefangen, wie er unruhig wartete, bangte, nicht unbedingt ein Stechen brauchte. Die Zeit verstrich, Stangen fielen, fehlerfreie Ritte blieben aus, die Zuschauer beklatschten jeden Ritt, die Reiter freuten sich, unbeschadet ans Ziel gekommen zu sein. Dann steigerte sich bei Frederic Tillmann doch langsam eine gewisse Unruhe. Der TV-Reporter ließ nach ihm suchen, er hatte nämlich auch langsam mitbekommen, dass die Stunde der Wahrheit nahte, Stechen oder nicht, platziert unter den besten Drei oder nicht, das wurde zur Frage. Jetzt wurde auch Tillmann unruhig, er vergrub sein Gesicht. Als großer Favorit versemmelte Andre Thieme im Sattel des 12-Jährigen Wallachs Paule die Möglichkeit, zum fünften Male das Derby zu gewinnen. Das Paar kam unsicher zu den irischen Wällen ziemlich am Anfang, „ich habe dem Pferd da bereits nicht geholfen, ich spürte zwar eine gewisse Unsicherheit, überließ aber dem Wallach die Entscheidung“. Ein Fehler später war fast abzusehen, der Rhythmus war verschwunden, „ich bin frustriert über mich selbst“, sagte der sympathische Mecklenburger danach, „ich bin geritten wie ein Weihnachtsmann…“ Am Ende belegte er mit Paule S den dritten Platz als schnellster Teilnehmer mit einem Abwurf. Mit Thiema war der Wettbewerb jedoch noch nicht zu Ende, als letzter Starter ritt Simon Heineke (33) ein, auf Cordillo ebenfalls ein Mitfavorit, mit guten Tipps vom früheren Derbysieger Achaz von Buchwaldt. Und er verließ zur Freude der zuschauer abwurffrei die Bahn, ein Stechen stand nun an. Tillmann rannte erhitzt zu seinem Pferd, er hatte nämlich im Stechen vorzulegen. Und das wurde zu einem Paradebeispiel für schnelles, schönes und zielgerichtetes Reiten. Der Brandenburger Wallach Comanche flog federleicht über die vorgegebenen Hürden, so, als müsste er auch noch bewusst eine gute Zeit vorlegen. Hätte er sich sparen können. Das Paar Heineke und Cordillo war plötzlich völlig von der Rolle, nach einem Abwurf kam noch einer dazu, Strafpunkte für Zeitberschreitung wurden unwichtig. Frederic Tillmann danach: „Auf den Tag genau nach meinem Bruder Gilbert vor 13 Jahren habe ich mein Ziel auch erreicht, dafür habe ich gearbeitet und gelebt…“
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