| Steve Guerdat oder fünf Ritte für die Ewigkeit |
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| Geschrieben von: Dieter Ludwig |
| Sonntag, 23. August 2026 um 19:10 |
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Aachen. Der neue Weltmeister der Springreiter heißt Steve Guerdat, als erster Schweizer in der Geschichte, und er schaffte Einmaliges. Die vier Deutschen im Finale konnten ihre Chancen nicht in Medaillen umsetzen, nach Gold in der Teamwertung hatten 40.000 Besucher in Aachen ein bisschen mehr erwartet. In fünf Runden im Sattel der Stute Dynamix de Belheme ritt der Schweizer Steve Guerdat in Aachen bei der Springreiter-Weltmeisterschaft in die Geschichtsbücher und gleichzeitig in die Einmaligkeit. Nie vor ihm und auch nie nach ihm wird wohl einer aus der Sattelzunft ähnliches vollbringen wie der Eidgenosse aus Elgg unweit des Bodensees: Nationaler Meister, Weltcupsieger dreimal, Europameister 2023, zweiter Einzel-Olympiasieger der Eidgenossen 2012 in London nach Alphonse Gemuseus 2024 von Paris und nun erster Weltmeister des Alpenlandes. Der so ausgeglichen wirkende Reiter (44), dem nach zwei Bandscheibenoperationen gar ein Leben als Querschnittsgelähmter drohte, war die alles überragende Persönlichkeit seiner Gilde im Springparcours. In fünf Runden fiel kein einziges Mal eine Stange aus der Halterung in den Rasen des Aachener Stadions, und die Latten hingen am Ende gar 1,68 m hoch. Doch er saß auf einem Pferd, das am Ende von allen am frischesten wirkte. Das Paar hätte sich gar am Ende auch einen Abwurf leisten können und wäre dennoch erfolgreich aus der Arena marschiert. Silber mit einem Abwurf insgesamt ging an den früheren Fußball-Profi des belgischen Erstligavereins KV Mechelen, er beendete freiwillig seine mögliche andere Karriere zugunsten Turniersport, „weil man im Reitsport öfter als im Fußball gewinnen kann“. Der 25 Jahre Ex-Kicker sicherte sich in dem mit 500.000 Euro dotierten Titelkampf 65.000 Euro als Prämie. Bronze ging an den Briten Harry Charles (27), in Paris vor zwei Jahren mit der Equipe Goldmedaillengewinner. Charles, dessen Vater in London 2012 bereits Gold bei Olympia gewann, hatte auf der Schimmelstute Holst Freda in fünf Runden auch nur einen einzigen Abwurf neben 3,17 Zeitfehlerpunkten aus der Konkurrenz gegen die Uhr zum Auftakt der WM. Im deutschen Lager hatte sich durchaus berechtigt Hoffnung auf weitere Medaillen nach dem großen Jubel mit Blick auf den Mannschaftserfolg breit gemacht. Zumal alle vier deutschen Starter das Finale um die Einzelmedaillen erreicht hatten. Die Hoffnung zerstob rasch. Vor allem, als der als Favorit offen gehandelte Europameister Richard Vogel mit dem Hengst United Touch S an der Mauer "parkte", wo kein anderes Paar Schwierigkeiten hatte. Für das Paar war die Reise vorzeitig beendet. Vogel war mit dem14 Jahre alten Westfalen zur letzten Aufgabe angetreten, mit insgesamt 15,38 Strafpunkten wurde er am Ende an 22. Position geführt. Bester war als Sechster (8,86 Strafpunkte) der Hesse Daniel Deußer auf dem zwölfjährigen Hengst Otello de Guldenboom, der in den beiden Finalrunden mit zwei Abwürfen sich selbst aus der Medaillenwertung nahm. Der Wallach Coolio unter Marcus Ehning verlor im ersten von zwei Durchgängen ein Eisen, rutschte auf dem seifigen Boden weg und patzte fast zwangsläufig am danach kommenden Hindernis, Platz sieben am Ende. Sophie Hinners, ohne Abwurf in die Schlussrunden eingezogen mit dem Wallach Sinclair, sammelte am Ende insgesamt 13 Miese und beendete die Weltmeisterschaft mit insgesamt 14,84 Strafpunkten auf dem neunten Platz. Es gab schon schlechtere Championate für die deutschen Springreiter. Festzuhalten bleibt zudem: Aachen war auch eine Qualifikation zur Teilnahmeberechtigung an den Olympischen Sommerspielen in zwei Jahren in Los Angeles. Dafür erritten in der Aachener Soers die Startgenehmigung Teams aus Deutschland, Belgien, Großbritannien, Italien, der Schweiz, Irland und Frankreich. Die USA haben als Gastgeberland automatisch Startrecht.
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