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Erschreckende Hilflosigkeit in deutscher Dressur PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Montag, 10. August 2009 um 00:00

Wassenberg. Im deutschen Dressurlager herrscht Resignation. Oder: Mit einer so chancenlosen Equipe reiste der deutsche Verband noch nie zu einem kontinentalen Championat wie in den nächsten Tagen zur Europameisterschaft ins englische Windsor, wo eine Bronzemedaille in der Mannschaftswertung wie Gold gefeiert werden müsste. Jetzt rächen sich die Fehler der letzten zehn Jahre. Die besten Trainer gingen ins Ausland, Talente wurden gar nicht oder kaum gefördert. Jetzt muss ein Schnitt  erfolgen.

 

Zwischen 1965 und  2007 ungeschlagen

Seit 1965 gewann eine deutsche Dressur-Equipe bei einer Europameisterschaft der Senioren 21 Goldmedaillen, nämlich bis auf 2007 in Turin jede. Vor zwei Jahren triumphierte erstmals die Niederlande. Das Team von Bondscoach Sjef Janssen mit seiner Ehefrau Anky Van Grunsven auf  dem am Karriere-Ende stehenden Wallach Salinero und Edward Gal auf dem herrlichen Hengst Totilas sowie Ardelinde Cornelissen auf Parzival übernahm die Führungsrolle in dieser Welt der Ordnung, Disziplin und angeblichen Leichtigkeit des Reitens. Für Holland liegt die goldene Plakette bereits wieder auf dem Tablett.

Als Kemmer, Salzgeber und Capellmann ausfielen...

Der Dressur-Ausschuss nominierte in Verden/ Aller – nach den zusätzlichen Ausfällen von Nadine Capellmann (Aachen), Ulla Salzgeber (Bad Wörishofen) und Heike Kemmer (Isernhagen) wegen Verletzung ihrer Pferde - den bereits gesetzten deutschen Kür-Meister Matthias-Alexander Rath (Kronberg) auf dem Oldenburger Wallach Sterntaler, die Rallyefahrerin für Oldtimerrennen aus der Modebranche, B-Kadermitglied Susanne Lebek (38) aus Bissingen, auf dem 14 Jahre alten Hengst Potomac, und die dreimalige Mannschafts-Olympiasiegerin Monica Theodorescu (Füchtorf) auf dem elfjährigen Wallach Whisper.

Mögliche vierte Teamreiterin wird wohl Ellen Schulten-Baumer (Rheinberg) auf Donatha S sein, doch nach ihrem Sturz von einem jungen Pferd im Training hat sie am kommenden Mittwoch nochmals vor Bundestrainer Holger Schmezer einen reiterlichen Gesundheitstest abzuliefern, was Coach Jan Bemelmans (Krefeld) zu der Frage verleitete: „Verstehe nicht, warum sie nochmals vorreiten muss, sie hat doch gute Runden bei den letzten Turnieren gedreht. Und gesund ist sie doch auch, zumal sie ja schon wieder trainiert. Man kann sich auch zu Tode sichten...“ Die Equipe bezieht in unmittelbarer Nähe zu Windsor in den nächsten Tagen ein Trainingslager.

Rallyefahrerin erstmals in Equipe

Erfahrendste Reiterin im deutschen Team ist sicher die 46 Jahre alte Monica Theodorescu, Student Rath – er wurde gerade 25 Jahre alt - ist erstmals dabei, wie auch Susanne Lebek, Ellen Schulten-Baumer ritt in der Silber-Equipe von Turin 2007. Inzwischen wäre der Gewinn der Mannschafts-Silbermedaille schon utopisch, Bronze hinter den Briten vielleicht vor Spanien oder Dänemark zu erwarten. Kein Wunder, dass Ann Kathrin Linsenhoff, 49, Mannschafts-Olympiasiegerin 1988 und Team-Weltmeisterin 1990, klagte: „Was ist aus dem geworden, was unsere Eltern aufgebaut haben. Alles nur noch traurig.“

Ihre Mutter Liselott Linsenhoff, gestorben 1998, war in München 1972 auf dem Hengst Piaff erste weibliche Dressur-Olympiasiegerin der Geschichte. Klaus-Martin Rath, Ehemann von AK Linsenhoff, Vater von Matthias-Alexander Rath, sagte es drastischer, aber sicher ehrlicher dazu: „Der Karren steckt im Dreck.“ Und er sagte: „Reiner Klimke, Josef Neckermann oder auch meine Schwiegermutter haben sich garantiert schon dreimal im Grabe gedreht...“

Kein Ersatz für Isabell Werth...

Mehr als schmerzlich vermisst wird natürlich die wegen Dopings ihres Nachwuchspferdes Whisper an Pfingsten in Wiesbaden zunächst von allen Turnieren suspendierte fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (40), eine Siegreiterin und Mitreißerin. Als sie 20-jährig 1989 in Mondorf les Bains/ Luxemburg auf Weingart zu ihrer ersten Mannschafts-Goldmedaille bei einer EM ritt, hatte sie Anlehnung bei den damals schon etwas mehr gestandenen Turnierreiterinnen Monica Theodorescu, Nicole Uphoff und Ann Kathrin Linsenhoff.

Nun soll der junge Matthias Alexander Rath die Richtung vorgeben, „das kann er doch gar nicht, welcher Druck liegt auf diesem Jungen bei seinem ersten Championat. Aber er wird bestens betreut von Klaus Balkenhol, der ist für mich der beste Trainer nach wie vor.“ Das Ausland erkannte schneller die Fähigkeiten des ehemaligen Polizeireiters (69) und engagierte ihn auch, in Deutschland schmiss er gemobbt den Job eines Bundestrainers hin.   

Kritik an Bundestrainer Holger Schmezer

Inzwischen richtet sich harte Kritik gegen Bundestrainer Holger Schmezer, der eine schwere Erkrankung hinter sich hat. Doch wenn aus dem B-Kader-Lager Aussagen kommen, um uns kümmere er sich gar nicht, und der große Meistermacher Dr. Uwe Schulten-Baumer sagt, bei uns war er die letzten 15 Monate nicht, muss die Frage nach der Aufgabenstellung des Coachs in der Verbandszentrale Warendorf überdacht und auch diskutiert werden.

Weltreiterspiele ebenfalls ohne Medaillenhoffnung

Im Hinblick auf die anstehenden Weltreiterspiele in den USA im nächsten Jahr hat Deutschland zunächst kaum Hoffnungsspielraum. Dort gesellen sich auch noch die Amis mit ihrem aus Wesel stammenden Weltcupgewinner und großen CHIO Aachen-Sieger Steffen Peters dazu, das heißt noch ein Platz rückwärts auf der Ergebnisliste. Was in den letzten neun Jahren verschlammt wurde, ist in wenigen Monaten nicht aufzuholen. Das meint auch Klaus Balkenhol, man müsse jetzt in Deutschland die Olympischen Spiele 2012 in London anvisieren. Schlimmer war`s nimmer.

Gipfelgespräch nach der EM

So wird es zum großen Schnitt nach der Europameisterschaft kommen. Klaus Martin Rath, auch Vize im deutschen Dressur-Ausschuss meint, „wir haben in Deutschland die beste Zucht, Talente und auch Eltern, die der Dressur positiv gegenüberstehen und auch investieren wollen. Man muss sie nur alle ansprechen, reden mit ihnen und ihnen allen das Gefühl geben, man lasse sie mit ihren Problemen gleich welcher Art nicht im Stich.“

Nach seiner Meinung wären von den Jüngeren nur Ellen Schulten-Baumer und sein Sohn kontinuierlich nach oben geführt worden, „viele Eltern aber haben entmutigt aufgegeben, weil sie keine Unterstützung mehr vom Verband erhielten, alleingelassen wurden.“ So sollen vor allem wieder die besten Trainer Deutschlands in die Trainingsarbeit eingebunden werden. Nach der Europameisterschaft wird es zu einem Gipfelgespräch des Dressurausschusses kommen. Thema: Neuanfang.