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Stuttgart. An diesem 28. September 2026 veröffentlichte R-haltenswert den BeEQC-Report zum ersten Praxiseinsatz während der Weltmeisterschaften in Aachen 2026. Bei BeEQC handelt es sich um eine Beteiligungs-App, mit deren Hilfe die Wahrnehmung der Weltmeisterschaften in Aachen untersucht wurde. Mit BeEQC sollte nicht bewertet werden, ob der Pferdesport in Aachen „gut“ oder „schlecht“ war.
Gestellt war die Frage: Was sehen Menschen eigentlich, wenn sie Pferdesport sehen – und unterscheiden sich diese Wahrnehmungen zwischen Community, Fachpersonen und Expertinnen und Experten?
Aachen war dabei ausdrücklich ein erster Praxistest unter realen Veranstaltungsbedingungen – keine wissenschaftliche Studie, keine neue Richterinstanz und keine abschließende Bewertung der Weltmeisterschaften. Der Einsatz hat jedoch gezeigt, dass sich Wahrnehmungen strukturiert erfassen und wiederkehrende Muster sichtbar machen lassen.
Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, sämtliche Ergebnisse in Form von Prozentwerten, Rankings oder zugespitzten Einzelbefunden zu veröffentlichen. Nicht, weil es an Ergebnissen fehlt, sondern weil Zahlen ohne ihren Kontext Debatten schnell weiter anheizen können.
Unser Ziel ist nicht, zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen.
Unser Ziel ist, besser zu verstehen:
Wo lohnt es sich, genauer hinzusehen? Welche Fragen sollten fachlich weiter geprüft werden? Und was lässt sich daraus für die Entwicklung des Pferdesports ableiten?
Ein Beispiel zeigt, warum diese Einordnung wichtig ist: In der Dressur wurden rund 66 Prozent der zum Kriterium Kopf-Hals-Position abgegebenen Beobachtungen kritisch eingeordnet. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass 66 Prozent der beobachteten Pferde als problematisch einzustufen wären. BeEQC erfasst Beobachtungen und Wahrnehmungen – keine Prävalenz und keine veterinärmedizinische oder fachliche Diagnose.
Auch insgesamt ergibt sich ein differenziertes Bild. Die Vielseitigkeit wurde besonders positiv wahrgenommen; bemerkenswert ist dabei gerade die Dressur innerhalb der Vielseitigkeit. Losgelassenheit sowie sichtbare Konfliktzeichen gehörten insbesondere in Dressur und Springen zu wiederkehrenden Themen. Gleichzeitig wurden vergleichsweise wenige Situationen als deutliche Überforderung eingeordnet.
Für Fahren, Para-Dressur und Voltigieren war die Datengrundlage aus diesem ersten Einsatz kleiner. Deshalb möchten wir daraus keine weitreichenden Aussagen ableiten. Der erkennbare Trend war eher positiv – für belastbarere Aussagen braucht es jedoch weitere Daten.
Für uns ist Aachen deshalb vor allem ein Ausgangspunkt.
Gerade mit Blick auf die deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in München wird die Frage gesellschaftlicher Akzeptanz des Sports noch konkreter. Pferdesport möchte Teil dieser Zukunft sein. Dafür reicht es nicht, intern von der eigenen Praxis überzeugt zu sein. Verantwortungsvolles Handeln muss auch nach außen sichtbar, nachvollziehbar und glaubwürdig sein.
BeEQC soll deshalb künftig nicht nur bei Veranstaltungen eingesetzt werden. Denkbar sind unter anderem Befragungen und Wahrnehmungsanalysen zu neuen Regeln, Blood-Rule-Anpassungen, Schlaufzügeln, Gebissen, Nasenriemen, Jungpferdeprüfungen, Stewarding, Kontrollsystemen oder öffentlich kontrovers diskutierten Videos. Der Report beschreibt diese Weiterentwicklung ausdrücklich als Möglichkeit für wiederkehrende Erhebungen und ein langfristiges Wahrnehmungsmonitoring.
Weitere Ergebnisse und Beobachtungen aus Aachen werden wir in einer neuen Podcastfolge von „R-haltenswert im Gespräch“ gemeinsam mit André Hascher fachlich einordnen.
Den vollständigen BeEQC-Report finden Sie ab heute auf unserer Website: https://www.r-haltenswert.de/news https://www.youtube.com/watch?v=GIi73Tg41MQ
Für Rückfragen, Hintergrundgespräche oder weitere Informationen stehen wir selbstverständlich gerne zur Verfügung.
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Today we are publishing the BeEQC Report on its first practical application during the 2026 World Championships in Aachen.
With BeEQC, our aim was not to judge whether equestrian sport in Aachen was “good” or “bad”. We were interested in a different question:
What do people actually see when they watch equestrian sport – and do these perceptions differ between the community, professionals and experts?
Aachen was explicitly a first practical test under real event conditions – not a scientific study, not a new judging body, and not a final assessment of the World Championships. The application did, however, show that perceptions can be captured in a structured way and that recurring patterns can be identified.
We deliberately decided not to publish all results in the form of percentages, rankings or sharply framed individual findings. Not because there are no results, but because figures taken out of context can quickly intensify already heated debates.
Our aim is not to add more fuel to the fire.
Our aim is to understand more clearly:
Where is it worth looking more closely? Which questions should be examined further from a professional perspective? And what can we learn from this for the future development of equestrian sport?
One example shows why this distinction matters: in dressage, around 66 percent of the observations submitted for the head-and-neck position criterion were classified as critical. This expressly does not mean that 66 percent of the horses observed were considered problematic. BeEQC captures observations and perceptions – not prevalence, and not veterinary or professional diagnoses.
Overall, the picture is also more differentiated than individual figures may suggest. Eventing was perceived particularly positively; the dressage phase within eventing was especially noteworthy in this respect. Relaxation and visible conflict behaviours were recurring themes, particularly in dressage and jumping. At the same time, comparatively few situations were classified as clear overload.
For driving, para dressage and vaulting, the data basis from this first application was smaller. We therefore do not want to draw far-reaching conclusions from these disciplines. The emerging trend was rather positive, but more data are needed for more robust statements.
For us, Aachen is therefore above all a starting point.
Especially in view of Germany’s bid for future Olympic and Paralympic Games in Munich, the question of social acceptance of equestrian sport is becoming increasingly concrete. Equestrian sport wants to be part of that future. For this, it is not enough to be internally convinced that current practices are right. Responsible action must also be visible, understandable and credible to the outside world.
BeEQC is therefore intended to be used not only at events in the future. Possible applications include surveys and perception analyses on new rules, Blood Rule adjustments, draw reins, bits, nosebands, young-horse competitions, stewarding, control systems or publicly debated videos. The report explicitly describes this further development as a basis for repeated surveys and long-term perception monitoring.
Further results and observations from Aachen will be discussed and professionally contextualised in a new episode of “R-haltenswert im Gespräch” together with André Hascher.
The full BeEQC Report is available from today on our website: https://www.r-haltenswert.de/news https://www.youtube.com/watch?v=GIi73Tg41MQ
For questions, background discussions or further information, please feel free to contact us.
R - H A L T E N S W E R T BeEQCWAHRNEHMUNG VERSTEHEN. ENTWICKLUNG MÖGLICH MACHEN.
BeEQC wurde während der Weltmeisterschaften in Aachen 2026 erstmals unter realen Bedingungen eingesetzt.
Die hohe Beteiligung und die Vielzahl strukturierter Beobachtungen haben gezeigt: Es gibt einen klaren Bedarf, Wahrnehmung im Pferdesport nicht länger nur punktuell, anlassbezogen oder über offene Social-Media-Debatten abzubilden. Wahrnehmung lässt sich strukturieren. Sie lässt sich differenzieren. Und sie lässt sich über Zeit beobachtbar machen. Aachen war bewusst der erste Praxistest – kein wissenschaftliches Forschungsprojekt und keine abschließende Bewertung der Weltmeisterschaften. Der Einsatz diente dazu, BeEQC unter realen Veranstaltungsbedingungen zu erproben und zu zeigen, welchen Erkenntnisgewinn ein strukturiertes Wahrnehmungs- und Stakeholdermonitoring leisten kann. Allen Teilnehmenden, die ihre Beobachtungen eingebracht haben, danken wir ausdrücklich.
Die in Aachen erhobenen Daten werden intern ausgewertet und fließen in die Weiterentwicklung von BeEQC ein. Insbesondere innerhalb der gezielt zugelassenen Expertengruppe liegt eine breite Grundlage fachlich eingeordneter Beobachtungen vor, aus denen sich in mehreren Bereichen wiederkehrende und klar erkennbare Wahrnehmungsmuster ableiten lassen.
Die Ergebnisse lassen sich differenziert nach Themenfeldern, Disziplinen und Beobachtergruppen auswerten und darstellen. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, diesen ersten Einsatz auf einzelne Prozentwerte, Rankings oder zugespitzte Befunde zu reduzieren. Nicht, weil es an Erkenntnissen fehlt. Sondern weil der Pferdesport inzwischen genug darüber weiß, wo seine Konfliktfelder liegen. Die entscheidende Frage ist längst eine andere: Was folgt daraus? Kritik allein verändert noch nichts.
Wer Entwicklung will, muss Ursachen verstehen, fachliche Perspektiven zusammenführen und daraus konkrete Handlungsoptionen ableiten. Genau dort setzt BeEQC an. Unser Anspruch ist größer: aus Beobachtung Erkenntnis und aus Erkenntnis Entwicklung möglich zu machen. Es geht nicht um ein einzelnes Turnier. Es geht um die Zukunft des Pferdesports.
1. R-haltenswert – konsequent auf der Suche nach Lösungen R-haltenswert arbeitet von Beginn an daran, Kritik am Pferdesport nicht nur zu benennen, sondern daraus Formate zu entwickeln, die Erkenntnis, Reflexion und Veränderung ermöglichen. Den Anfang machte der Einsatz von EQC am Abreiteplatz beim Weltcup-Finale in Basel. Dort wurde erstmals systematisch erfasst, was im unmittelbaren sportlichen Geschehen sichtbar wird und wie sich Beobachtungen strukturiert festhalten lassen. Darauf folgten das Reflection Panel in Stuttgart, der Social Media Reflection Report und schließlich BeEQC. Unser wichtigstes Ziel bleibt dabei immer dasselbe: nicht nur Probleme sichtbar zu machen, sondern Lösungen zu finden, die den Pferdesport tatsächlich weiterbringen.
Unsere Projekte sind keine voneinander getrennten Einzelmaßnahmen, sondern aufeinander aufbauende Entwicklungsschritte. Durch alle zieht sich eine zentrale Frage: Wie kann der Pferdesport besser verstehen, was sichtbar wird, wie es wahrgenommen wird – und was daraus für seine Weiterentwicklung folgt? Der Pferdesport steht unter gesellschaftlicher Beobachtung. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Bilder oder Debatten, sondern um grundlegende Fragen von Tierwohl, Transparenz, Glaubwürdigkeit, Verantwortung und gesellschaftlicher Akzeptanz.
R-haltenswert entwickelt stetig Instrumente, mit denen sich Wahrnehmung systematisch erfassen, unterschiedliche Perspektiven vergleichen und Entwicklungen über Zeit nachvollziehen lassen. Das Interesse an dieser Arbeit ist groß. Hunderttausende Zugriffe auf unsere Kanäle zeigen, dass diese Themen weit über einzelne Fachdebatten hinaus Resonanz erzeugen.
R-haltenswert arbeitet unabhängig.
Diese Unabhängigkeit ermöglicht es uns, mit Verbänden, Veranstaltern, Fachinstitutionen, Aktiven und anderen Akteuren auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten – ohne unterschiedliche Interessen und Perspektiven künstlich auflösen zu müssen.
Gerade dort, wo Sichtweisen auseinandergehen, entsteht Erkenntnis nicht durch Anpassung, sondern durch die Möglichkeit, auch unbequeme Beobachtungen, abweichende Einschätzungen und offene Fragen klar zu benennen. Kooperation bedeutet für uns deshalb nicht Übereinstimmung. Sie bedeutet, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und daraus tragfähige Entwicklungen zu ermöglichen.
BeEQC ist die konsequente Weiterentwicklung dieses Weges: Wahrnehmungen werden strukturiert erfasst, Perspektiven vergleichbar gemacht und Entwicklungen über Zeit sichtbar.
Der Anspruch von BeEQC ist, dem Pferdesport ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem er seine eigene Wirkung besser verstehen, relevante Entwicklungen früher erkennen und Veränderung gezielter gestalten kann. 2. Wahrnehmung ist Teil der Wirklichkeit des Pferdesports Wer über die Zukunft des Pferdesports spricht, muss verstehen, wie sichtbares Geschehen auf Menschen wirkt.
Der Pferdesport wird heute nicht mehr nur innerhalb seiner eigenen Regeln, Traditionen und fachlichen Maßstäbe betrachtet. Livestreams, Fernsehen und soziale Medien machen sportliche Situationen innerhalb weniger Sekunden weit über die eigentliche Veranstaltung hinaus sichtbar. Diese Bilder erreichen Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Kenntnissen und Erwartungen. Und sie erzeugen Wirkung.
Gerade dort, wo ein Lebewesen nicht nur Teil des Geschehens ist, sondern für sportliche Leistung genutzt wird, gelten besondere Maßstäbe an Verantwortung, Nachvollziehbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz. Diese Wirkung lässt sich nicht allein kommunikativ steuern. Ein Bild, das Irritation auslöst, wird nicht automatisch unproblematisch, nur weil es innerhalb des Systems anders erklärt wird.
Deshalb braucht es eine präzise Betrachtung: Was wird beobachtet? Wie wird das Beobachtete eingeordnet? Was wird als positiv, kritisch oder unklar wahrgenommen? Und wo unterscheiden sich Perspektiven? Neben die sportinterne Frage „Entspricht das, was wir sehen, unseren Regeln und fachlichen Maßstäben?“ tritt deshalb zwangsläufig eine zweite: „Welche Wirkung erzeugt das, was wir sehen, bei den Menschen, die damit in Berührung kommen?“ Beide Fragen sind relevant. Sie beantworten aber nicht dasselbe.
3. Wahrnehmung ist nicht Social Licence – kann sie aber beeinflussen Die gesellschaftliche Akzeptanz des Pferdesports wird häufig unter dem Begriff der Social Licence to Operate diskutiert. Dabei ist eine klare Unterscheidung wichtig: Wahrnehmung ist nicht identisch mit Social Licence. Sie ist weder gesellschaftliche Zustimmung noch Vertrauen, Legitimität oder Glaubwürdigkeit selbst. Gesellschaftliche Akzeptanz entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren: persönlichen Werten und Erfahrungen, öffentlicher Diskussion, medialer Darstellung, Vertrauen in Institutionen und der Frage, ob Entscheidungen nachvollziehbar, verantwortungsvoll und glaubwürdig erscheinen. Wie sichtbares Geschehen wahrgenommen wird, ist ein Teil dieses Gesamtbildes.
Wahrnehmung entscheidet deshalb nicht allein über gesellschaftliche Akzeptanz. Sie beeinflusst aber, wie Vertrauen entsteht, wie Entscheidungen eingeordnet werden und welche Haltung Menschen gegenüber dem Pferdesport entwickeln. Wer Social Licence verstehen und langfristig sichern will, muss deshalb auch verstehen, was Menschen wahrnehmen, wie sie es einordnen – und an welchen Stellen Vertrauen entsteht oder verloren geht.
4. Wissenschaftliche Erkenntnis und gesellschaftliche Wirkung Dass gesellschaftliche Wirkung zunehmend als eigenständige Dimension von Pferdewohl und entsprechenden Standards verstanden wird, zeigt auch die aktuelle Arbeit des CHIO Aachen Scientist Circle.
Neben der wissenschaftlichen Erfassung von Pferdewohl beschäftigt sich das interdisziplinäre Gremium ausdrücklich mit der Akzeptanz und Wirkung entsprechender Standards im Pferdesport in der Gesellschaft. Auch Transparenz, Kommunikation und soziale Verantwortung sind damit Teil der Betrachtung.
Damit wird deutlich: Für die Zukunft des Pferdesports müssen zwei unterschiedliche Fragen beantwortet werden. Was lässt sich über Pferdewohl, Belastung und sportliche Praxis fachlich und wissenschaftlich feststellen? Und: Wie werden sichtbares Handeln, Standards und Veränderungen von Menschen wahrgenommen und eingeordnet?
Die eine Ebene ersetzt die andere nicht. Sie ergänzen sich. BeEQC setzt gezielt an der zweiten Ebene an: Es strukturiert Wahrnehmung und macht sichtbar, wo gesellschaftliche Wirkung, fachliche Einordnung und bestehende Standards übereinstimmen – und wo Unterschiede entstehen. Genau diese Verbindung wird für die Weiterentwicklung des Pferdesports zunehmend entscheidend.
5. Subjektive Wahrnehmung ist keine fachliche Wahrheit Der Pferdesport verfügt über etablierte Systeme, mit denen sportliche Leistung, Regelkonformität und Aspekte des Umgangs mit dem Pferd beurteilt werden. Richterinnen und Richter bewerten sportliche Leistung. Stewards überwachen Regelkonformität. Veterinärinnen und Veterinäre beurteilen medizinische Aspekte. Regelwerke und Leitlinien definieren Anforderungen an Training, Ausrüstung und Wettkampf.
BeEQC setzt bewusst auf einer anderen Ebene an: Welchen Eindruck erzeugt sichtbares Geschehen bei den Menschen, die es beobachten? Diese Wahrnehmung ist keine objektive Tierwohlbewertung. Sie ersetzt weder veterinärmedizinische Untersuchung noch fachliche Analyse und entscheidet nicht darüber, ob Verhalten regelkonform oder regelwidrig ist. Aber subjektive Wahrnehmung ist deshalb nicht bedeutungslos. Im Gegenteil: Jeder Mensch ordnet das, was er sieht, auf Grundlage eigener Erfahrungen, Werte, Kenntnisse und Erwartungen ein. Aus der Summe dieser individuellen Wahrnehmungen entsteht das gesellschaftliche Bild eines Sports. Genau deshalb darf kritische Wahrnehmung weder als bloßes „subjektives Gefühl“ abgetan noch automatisch als Beweis für ein fachliches oder tierwohlbezogenes Problem verstanden werden. Die entscheidende Aufgabe liegt dazwischen: Wahrnehmung erfassen. Unterschiede erkennen. Muster verstehen. Fachlich einordnen. Die richtigen Fragen ableiten. Denn gesellschaftliche Wirkung entsteht nicht erst dort, wo alle Beobachtenden zum gleichen fachlichen Urteil kommen. Sie entsteht aus dem, was Menschen sehen, wie sie es verstehen und welche Haltung sie daraus entwickeln.
6. Unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen Zwischen sportinterner Bewertung und gesellschaftlicher Wirkung liegt ein Bereich, der für die Zukunft des Pferdesports zunehmend relevant wird. Eine sportliche Situation kann regelkonform sein und dennoch bei Beobachtenden Irritationen auslösen. Umgekehrt kann eine öffentlich kritisierte Situation bei fachlicher Betrachtung differenzierter eingeordnet werden.
BeEQC entscheidet deshalb nicht, wer recht hat. Das Instrument macht sichtbar: Wo entstehen unterschiedliche Wahrnehmungen? Wo ähneln sich Einschätzungen? Wo besteht Unsicherheit? Und an welchen Stellen lohnt sich eine genauere fachliche Betrachtung? Der Wert von BeEQC liegt darin, unterschiedliche Perspektiven strukturiert erfassen und – dort, wo es für die Fragestellung sinnvoll ist – miteinander vergleichen zu können. Welche Gruppen dabei unterschieden werden, richtet sich nach der jeweiligen Anwendung.
Bei den Weltmeisterschaften in Aachen wurde bewusst zwischen Community, Fachpersonen sowie gezielt zugelassenen Expertinnen und Experten differenziert. Diese Trennung ist jedoch kein starres Modell.
Bei anderen Fragestellungen kann es sinnvoll sein, nur einzelne Gruppen einzubeziehen, andere Stakeholder gezielt anzusprechen oder eine einfache Befragung durchzuführen, bei der eine Gruppendifferenzierung gar nicht erforderlich ist.
Die Methodik folgt der Frage – nicht umgekehrt.
a) Community Die Community bildet die Perspektive derjenigen ab, die sich dem Pferdesport verbunden fühlen, ohne für die jeweilige Fragestellung zwingend über eine definierte fachliche Qualifikation zu verfügen. Relevant ist dabei nicht, ob diese Wahrnehmung „richtig“ oder „falsch“ ist, sondern wie sportliches Geschehen verstanden und eingeordnet wird. Welche Situationen erscheinen positiv oder nachvollziehbar? Wo entstehen Irritationen? Welche Kriterien werden unterschiedlich verstanden? Und welche Bilder prägen den Eindruck vom Sport?
b) Fachpersonen Fachpersonen ordnen sich dieser Gruppe selbst zu und geben ihre jeweilige Qualifikation, Ausbildung, berufliche Tätigkeit oder praktische Erfahrung an. Damit bleibt sichtbar, aus welchem fachlichen Hintergrund eine Einschätzung erfolgt. Die Gruppe ist bewusst nicht homogen. Unterschiedliche Ausbildungswege, Tätigkeitsfelder und Erfahrungen können zu unterschiedlichen Bewertungen führen. Gerade diese Unterschiede können zeigen, wie stark fachlicher Hintergrund die Wahrnehmung desselben oder vergleichbaren Geschehens prägt.
c) Expertinnen und Experten Die Expertengruppe unterscheidet sich grundsätzlich von der Gruppe der Fachpersonen. Die Zuordnung erfolgt nicht durch Selbsteinschätzung. Expertinnen und Experten werden von R-haltenswert entsprechend der jeweiligen Fragestellung gezielt ausgewählt und zugelassen. Entscheidend sind nachvollziehbare fachliche Qualifikationen und Erfahrungen –beispielsweise aus Veterinärmedizin, Ausbildung, Sportpraxis, Biomechanik, Ethologie, Regelwerk oder Richterwesen. Mit der Zusammensetzung unserer Expertenkreise gehen wir transparent um. Viele der beteiligten Expertinnen und Experten sind öffentlich bekannt und auf unserer Website mit ihrem jeweiligen fachlichen Hintergrund vorgestellt. Welche Expertise für eine konkrete Erhebung relevant ist, richtet sich nach der Fragestellung. Ziel ist ausdrücklich nicht, eine einheitliche „Expertenmeinung“ zu erzeugen. Der Wert liegt darin, unterschiedliche fachlich begründete Perspektiven strukturiert nebeneinanderzustellen und sichtbar zu machen, wo sie übereinstimmen, voneinander abweichen oder zusätzliche Fragen entstehen.
d) Der Mehrwert unterschiedlicher Perspektiven Der Mehrwert einer differenzierten Betrachtung liegt nicht darin, aus verschiedenen Gruppen eine vermeintlich objektive Gesamtnote oder eine Hierarchie der Perspektiven zu errechnen. Er liegt darin, gezielt die Perspektiven miteinander zu vergleichen, die für eine konkrete Fragestellung relevant sind.
In Aachen waren dies Community, Fachpersonen sowie Expertinnen und Experten. Bei anderen Anwendungen können es Veranstalter, Aktive, Zuschauer, Sponsoren, Funktionsträger oder andere definierte Stakeholdergruppen sein. Und manchmal ist ein solcher Vergleich gar nicht notwendig. BeEQC ist deshalb kein starres Drei-Gruppen-Modell, sondern ein modulares Instrument, dessen Aufbau sich an der jeweiligen Fragestellung orientiert.
7. Nicht jede Differenz bedeutet einen Konflikt Wenn unterschiedliche Gruppen zu verschiedenen Einschätzungen kommen, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Perspektive „richtig“ und eine andere „falsch“ ist. Unterschiede können viele Ursachen haben: Erfahrungen, Fachwissen, Beobachtungssituation, Kameraperspektive, verwendete Begriffe, Bewertungsmaßstäbe oder tatsächlich unterschiedliche Einschätzungen dessen, was gesehen wurde. Entscheidend ist deshalb, diese Unterschiede nicht nur festzustellen, sondern zu verstehen, wo sie entstehen und was sie bedeuten.
BeEQC unterscheidet dabei zwischen vier Ebenen: Beobachtung – Was wurde gesehen? Interpretation – Wie wird das Gesehene verstanden? Bewertung – Wird es positiv, kritisch oder neutral eingeordnet? Wirkung – Welche Bedeutung kann diese Einordnung für Haltung, Vertrauen oder gesellschaftliche Wahrnehmung haben?
Diese Ebenen dürfen nicht miteinander vermischt werden. Denn erst diese Trennung macht sichtbar, wo ein Unterschied tatsächlich entsteht: bereits in der Beobachtung, in der Interpretation des Gesehenen, in seiner Bewertung oder erst in der Wirkung, die daraus folgt. BeEQC zeigt dadurch nicht nur, dass Wahrnehmungen voneinander abweichen. Es macht sichtbar, warum sie abweichen, auf welcher Ebene der Unterschied entsteht und welche Bedeutung daraus entstehen kann.
8. Praxisbeispiel: Was aus einer Beobachtung werden kann Wie diese Ebenen zusammenspielen, lässt sich an einem konkreten Beispiel aus Aachen zeigen. In der Dressur gehörte die Kopf-Hals-Position zu den Merkmalen, die besonders deutlich wahrgenommen wurden. 66 Prozent der hierzu abgegebenen Beobachtungen ordneten die wahrgenommene Kopf-Hals-Position kritisch ein. Dabei ist die Bezugsgröße entscheidend: 66 Prozent der Beobachtungen bedeutet nicht 66 Prozent der Pferde. BeEQC erfasst Wahrnehmungen. Die Zahl beschreibt deshalb ausschließlich, wie die innerhalb dieses Kriteriums abgegebenen Beobachtungen eingeordnet wurden. Gerade daraus entsteht die weiterführende Frage. Auf der Ebene der Beobachtung kann zunächst festgehalten werden, dass ein Pferd in einer deutlich engen Kopf-Hals-Position wahrgenommen wurde. Die Interpretation kann bereits unterschiedlich ausfallen: Die eine Person sieht eine konkrete Trainingssituation, eine andere eine starke reiterliche Einwirkung, eine weitere zunächst lediglich ein auffälliges sichtbares Bild oder einen Hinweis auf ein mögliches Ausbildungsproblem.
Darauf folgt die Bewertung: Wird das Gesehene positiv, neutral, kritisch oder unklar eingeordnet? Und schließlich die Frage nach der Wirkung: Was bedeutet ein solches Bild dafür, wie Dressur, Ausbildung und der Umgang mit dem Pferd wahrgenommen werden? Die fachliche Bedeutung einer konkreten Kopf-Hals-Position muss anschließend eigenständig eingeordnet werden – biomechanisch, veterinärmedizinisch und ausbildungsfachlich. BeEQC macht sichtbar, dass bestimmte Situationen wiederkehrend Aufmerksamkeit erzeugen, wie sie von unterschiedlichen Gruppen eingeordnet werden und an welcher Stelle daraus eine fachliche Frage entsteht. Genau dort wird aus einer einzelnen Beobachtung ein Erkenntnisinteresse. Und genau dort beginnt der nächste Schritt: fachlich einordnen, mögliche Ursachen prüfen und – wo erforderlich – Entwicklung ermöglichen.
9. Aachen 2026 – was der Praxistest gezeigt hat Während der Weltmeisterschaften in Aachen 2026 wurde BeEQC erstmals unter realen Veranstaltungsbedingungen eingesetzt. Aachen war ausdrücklich kein wissenschaftliches Forschungsprojekt und keine abschließende Bewertung der Weltmeisterschaften, sondern der erste Praxistest eines digitalen Beobachtungs- und Beteiligungsinstruments. Die zentrale Frage lautete deshalb nicht: „War Aachen gut oder schlecht?“ Sondern: „Lassen sich unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven im Livebetrieb strukturiert erfassen – und welchen Mehrwert kann ein solches Instrument für die weitere Entwicklung des Pferdesports schaffen?“ Die Antwort darauf ist klar: Ja.
Der Einsatz hat gezeigt, dass sich Wahrnehmungen auch unter realen Veranstaltungsbedingungen strukturiert erfassen, auswerten und differenziert darstellen lassen. Insbesondere aus der bereits aus anderen Formaten erfahrenen Expertengruppe liegt eine breite Grundlage fachlich eingeordneter Beobachtungen vor. Auf dieser Basis lassen sich wiederkehrende Wahrnehmungsmuster erkennen und analysieren. Die Stärke des Praxistests liegt deshalb nicht allein in der Menge der erhobenen Daten, sondern darin, dass sich aus ihnen klar erkennbare Wahrnehmungsmuster, konkrete Fragestellungen und klare Entwicklungsschritte ableiten lassen. Gleichzeitig hat Aachen gezeigt, wie BeEQC für zukünftige Anwendungen noch gezielter eingesetzt werden kann.
Dazu gehören beispielsweise stabile Situations- oder Paarzuordnungen, wenn mehrere Gruppen gezielt dasselbe Geschehen vergleichen sollen, pseudonyme Nutzer-IDs zur besseren Einordnung von Nutzungsmustern, eine noch klarere Trennung unterschiedlicher sportlicher Phasen sowie die weitere Präzisierung einzelner Kriterien und der Nutzerführung. Diese Weiterentwicklungen eröffnen zusätzliche Möglichkeiten: gezielte Gruppenvergleiche, wiederkehrende Erhebungen, differenziertere Verlaufsbeobachtungen und die Analyse von Entwicklungen über Zeit. Aachen hat damit beides geleistet: relevante Muster sichtbar gemacht und die Grundlage für die nächste Entwicklungsstufe von BeEQC geschaffen.
10. Von der Momentaufnahme zum Monitoring Der besondere Wert von BeEQC liegt nicht in der Betrachtung eines einzelnen Ereignisses, sondern in der Möglichkeit, Wahrnehmung strukturiert, wiederholt und anlassbezogen zu erfassen. Eine einzelne Erhebung zeigt, wie bestimmte Situationen oder Themen von den jeweils erreichten Teilnehmenden zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeordnet werden. Sie erlaubt keine pauschale Aussage darüber, wie „die Öffentlichkeit“ oder „der Pferdesport“ insgesamt denkt. Ihre Stärke liegt woanders: Sie macht sichtbar, welche Wahrnehmungsmuster innerhalb klar beschriebener Gruppen entstehen, wo sich Perspektiven unterscheiden – und wie sich diese Muster im Zeitverlauf verändern. Je nach Fragestellung kann BeEQC sehr unterschiedlich eingesetzt werden.
a) Ereignisbezogene Beobachtung Bei Championaten, Turnieren oder einzelnen Prüfungsformaten kann untersucht werden, welche Situationen besonders auffallen, welche Kriterien positiv, kritisch oder uneinheitlich wahrgenommen werden und wo sich die Perspektiven verschiedener Gruppen unterscheiden oder ähneln. So wird sichtbar, an welchen Stellen Wahrnehmung Aufmerksamkeit erzeugt – und wo daraus fachlicher Prüf- oder Entwicklungsbedarf entstehen kann.
b) Thematische Erhebungen und Umfragen BeEQC ist nicht an ein Turnier oder die Beobachtung konkreter Situationen gebunden. Das Instrument kann ebenso für gezielte, auch einfachere Befragungen eingesetzt werden – etwa zu Einstellungen, Erwartungen, Erfahrungen oder aktuellen Entwicklungen innerhalb unterschiedlicher Stakeholdergruppen. Damit lassen sich sowohl komplexe Beobachtungsformate als auch klar fokussierte Umfragen abbilden. Mögliche Themen reichen von Ausrüstungsregeln, Nasenriemen, Gebissen und Schlaufzügeln über Jungpferdeprüfungen, Prüfungsformate und Kontrollsysteme bis zu Stewarding, Bewertungsverfahren, Kommunikation oder anderen Fragen rund um Pferdewohl und gesellschaftliche Akzeptanz. Die Methodik folgt dabei der Fragestellung: Es wird gezielt festgelegt, welche Gruppen einbezogen, welche Kriterien erhoben und welche Perspektiven miteinander verglichen werden.
c) Regelungsfeedback Neue Regeln entfalten ihre Wirkung nicht allein dadurch, dass sie beschlossen und formal umgesetzt werden. Ebenso relevant ist, wie sie verstanden, wahrgenommen und im sichtbaren Geschehen erlebt werden. BeEQC kann diese Ebene strukturiert abbilden: Wird eine Regel verstanden? Wird sie akzeptiert? Wird ihre Wirkung im sichtbaren Geschehen wahrgenommen? Und unterscheiden sich diese Einschätzungen zwischen verschiedenen Stakeholdergruppen? BeEQC ergänzt damit die formale Evaluation einer Regel um eine zweite, strategisch wichtige Ebene: Welche Wirkung entfaltet eine Veränderung tatsächlich bei den Menschen, die sie erleben und beobachten? d) Öffentliche Kontroversen strukturiert erfassen Gerade dann, wenn öffentlich diskutierte Vorfälle eine hohe Dynamik entwickeln, zeigt sich die Stärke eines strukturierten Wahrnehmungsinstruments. Offene Social-Media-Debatten erzeugen in kurzer Zeit große Mengen an Reaktionen – aber nur selten Klarheit darüber, was tatsächlich wahrgenommen wurde, welche Aspekte Irritation auslösen und wo sich unterschiedliche Perspektiven voneinander trennen. BeEQC ist dafür ausgelegt, solche Situationen strukturiert zu erfassen. Dabei kann untersucht werden: Was wird konkret wahrgenommen? Welche Aspekte werden als problematisch, erklärungsbedürftig oder unklar eingeordnet? Wo stimmen Gruppen überein? Wo unterscheiden sie sich? Und welche Fragen müssen anschließend fachlich geprüft werden? Der entscheidende Unterschied zu einer offenen Debatte liegt in der Struktur. Rückmeldungen werden nicht zufällig nebeneinandergestellt, sondern entlang definierter Fragen und Kriterien erfasst, nach relevanten Gruppen ausgewertet und dadurch vergleichbar gemacht. Damit kann BeEQC helfen, eine emotional oder medial stark aufgeladene Diskussion wieder auf die entscheidenden Fragen zurückzuführen. Nicht: Wer ist dafür oder dagegen? Sondern: Was wird gesehen? Wie wird es verstanden? Wo liegt der eigentliche Konflikt – und was folgt daraus? e) Entwicklungen über Zeit sichtbar machen Der strategische Wert eines Monitorings entsteht durch Wiederholung. Dann lautet die Frage nicht mehr nur: „Wie wird dieses Thema heute wahrgenommen?“ Sondern: „Wie verändert sich diese Wahrnehmung im Zeitverlauf?“ Welche Themen bleiben stabil? Wo entstehen neue Irritationen? Welche verlieren an Bedeutung? Welche verfestigen sich? Und werden Veränderungen innerhalb des Sports von unterschiedlichen Stakeholdergruppen überhaupt wahrgenommen? Gerade für Verbände, Veranstalter, Partner und andere Institutionen ist diese Perspektive entscheidend. Denn eine Veränderung innerhalb eines Systems ist nicht automatisch eine Veränderung, die außerhalb dieses Systems wahrgenommen wird. Ein kontinuierliches Wahrnehmungsmonitoring kann deshalb zeigen, ob Maßnahmen tatsächlich ankommen, ob Vertrauen entsteht oder verloren geht und ob sich Wahrnehmung in die gewünschte Richtung verändert. Je nach Fragestellung kann BeEQC mit gezielter Rekrutierung, definierten Panels oder wiederkehrenden Teilnehmergruppen arbeiten, wenn langfristige und stabilere Vergleiche erforderlich sind.
So wird aus einzelnen Erhebungen ein Instrument, das nicht nur auf Entwicklungen reagiert, sondern sie früh sichtbar macht, begleitet und überprüfbar macht.
11. Vom Beobachten zum Handeln Wahrnehmungsdaten allein lösen kein Problem. Ihr Wert entsteht dort, wo aus ihnen eine strukturierte fachliche Auseinandersetzung und daraus konkrete Entwicklung möglich wird. BeEQC folgt deshalb einem mehrstufigen Vorgehen: a) Wahrnehmung erfassen Was wurde beobachtet? Wie wird das Beobachtete eingeordnet? b) Muster erkennen Wo zeigen sich wiederkehrende Auffälligkeiten? Wo unterscheiden sich Gruppen? Wo stimmen ihre Einschätzungen überein? c) Fachlich einordnen Welche Wahrnehmungen lassen sich fachlich nachvollziehen? Wo besteht zusätzlicher Prüf- oder Klärungsbedarf? d) Expertise und vorhandenes Wissen einbeziehen Welche Erkenntnisse aus Veterinärmedizin, Biomechanik, Ethologie, Trainingswissenschaft, Welfare Assessment, Ausbildung und Regelwerk sind für die jeweilige Fragestellung relevant? e) Mögliche Ursachen prüfen Welche sportlichen, strukturellen, organisatorischen oder kommunikativen Faktoren könnten eine Rolle spielen? Dabei gilt: Aus einer Wahrnehmungsdifferenz allein lässt sich keine Ursache ableiten. f) Handlungsoptionen ableiten Welche Konsequenzen ergeben sich aus der fachlichen Einordnung? Sind Anpassungen in Ausbildung, Kommunikation, Regelsetzung, Kontrolle oder Veranstaltungsorganisation sinnvoll? Oder zeigt die Analyse, dass zunächst bessere Information, weitere Daten oder eine präzisere Fragestellung erforderlich sind? g) Entwicklung erneut beobachten Wenn Veränderungen vorgenommen wurden, kann anschließend geprüft werden, ob und wie sie von den jeweiligen Gruppen wahrgenommen werden – und ob sich Wahrnehmungsmuster tatsächlich verändern. So wird aus Wahrnehmung ein Ausgangspunkt für Entwicklung: nicht als Ersatz für fachliche Bewertung, sondern als zusätzliche Grundlage für bessere Entscheidungen.
12. Was BeEQC leistet – und wo seine Rolle endet Der Pferdesport muss zwei Ebenen gleichzeitig betrachten können. Er muss fachlich begründet entscheiden, was verantwortungsvoller Pferdesport ist. Und er muss verstehen, wie sichtbares Handeln von unterschiedlichen Menschen wahrgenommen wird. Diese Ebenen sind nicht identisch. Kritische Wahrnehmung bedeutet nicht automatisch, dass ein Regelverstoß vorliegt oder das Wohlbefinden eines Pferdes beeinträchtigt ist. Regelkonformität bedeutet umgekehrt nicht automatisch, dass jedes sichtbare Bild für Menschen außerhalb der jeweiligen Fachlogik nachvollziehbar ist. Wenn jede kritische Wahrnehmung automatisch als Problem des Sports verstanden wird, verliert ein solches Instrument seine Differenzierungsfähigkeit. Wenn kritische Wahrnehmung grundsätzlich als Unwissen abgetan wird, verliert der Sport dagegen möglicherweise wichtige Hinweise darauf, wie seine Praxis tatsächlich wirkt. Genau deshalb braucht es eine Ebene zwischen vorschnellem Urteil und reflexhafter Verteidigung. BeEQC misst nicht, wie viel Kritik es gibt. Es macht sichtbar, wo Wahrnehmung auseinandergeht, wo sie übereinstimmt und welche Fragen daraus für den Sport entstehen. BeEQC ist dabei keine zusätzliche Richterinstanz. Es ersetzt weder sportliche Bewertung noch veterinärmedizinische Diagnostik und bewertet keine einzelnen Reiterinnen, Reiter oder Pferde öffentlich. Es geht nicht darum, Personen an den Pranger zu stellen oder permanent nach Fehlverhalten zu suchen. Es geht darum, Wahrnehmung so zu strukturieren, dass aus ihr Erkenntnis entstehen kann. Ebenso erhebt nicht jede BeEQC-Erhebung automatisch den Anspruch, repräsentativ für „die Öffentlichkeit“, „die Community“ oder „den Pferdesport“ insgesamt zu sein. Entscheidend ist die transparente Einordnung: Wer wurde gefragt? Was wurde gefragt? In welchem Kontext wurde beobachtet? Welche Gruppen wurden einbezogen? Und welche Aussage lässt sich daraus tatsächlich ableiten? Genau diese Klarheit macht Wahrnehmungsdaten sinnvoll nutzbar. Der Wert von BeEQC bemisst sich deshalb nicht daran, möglichst viele kritische Befunde zu produzieren. Er bemisst sich daran, ob es gelingt, Wahrnehmungen präziser zu verstehen, Unterschiede sichtbar zu machen, fachliche Fragen klarer zu stellen und daraus tragfähige Entwicklungen abzuleiten. BeEQC soll nicht darüber entscheiden, wer recht hat. Es soll sichtbar machen, was verstanden werden muss, bevor sinnvoll entschieden werden kann.
13. Ein unabhängiges Instrument für Verbände, Veranstalter, Institutionen und Partner BeEQC ist als modulare Infrastruktur für unterschiedliche Fragestellungen und Akteure im Pferdesport angelegt. Das Instrument kann für Verbände, Veranstalter, Championatsformate, Sponsoren und Partner ebenso eingesetzt werden wie für interne Qualitäts- und Reflexionsprozesse, Regelungsfeedback, Stakeholderdialoge, Kooperationen mit Fachinstitutionen sowie für Fragestellungen rund um Pferdewohl und gesellschaftliche Akzeptanz. Entscheidend ist dabei eine klare Rollenverteilung. Kooperation setzt Transparenz, Unabhängigkeit und Ergebnisoffenheit voraus. Fragestellungen, Zielgruppen und Auswertungslogik müssen nachvollziehbar definiert sein. Ergebnisse dürfen weder vorgegeben noch kritische oder unerwartete Erkenntnisse ausgeblendet werden. Gerade darin liegt der Wert eines unabhängigen Instruments. Ein Verband oder Veranstalter kann damit nicht nur fragen: „Entspricht das sportliche Geschehen unseren Regeln und fachlichen Maßstäben?“ Sondern zusätzlich: „Wie wird unser Handeln wahrgenommen – und welche Erkenntnisse ergeben sich daraus für die weitere Entwicklung?“ Für Sponsoren und Partner kommt eine weitere Dimension hinzu. Wer seinen Namen mit dem Pferdesport verbindet, investiert nicht nur in Sichtbarkeit und sportlichen Erfolg, sondern auch in Werte, Glaubwürdigkeit und Reputation. BeEQC kann sichtbar machen, welche Bilder und Entwicklungen mit einer Veranstaltung, einem Format oder dem Sport insgesamt verbunden werden – und wie diese Wahrnehmung zu den Werten passt, für die ein Partner stehen möchte. Damit ergänzt BeEQC die sportinterne Bewertung um eine strategische Perspektive auf Wahrnehmung, Außenwirkung und Veränderung. Es macht sichtbar, wo interne Bewertung und äußere Wahrnehmung zusammenfinden, wo sie auseinanderliegen – und wo daraus konkreter Entwicklungsbedarf oder neues Entwicklungspotenzial entsteht.
14. Aus Wahrnehmung kann Entwicklung entstehen R-haltenswert bringt BeEQC als unabhängiges Instrument in den Austausch mit Verbänden, Veranstaltern, Sponsoren, Fachinstitutionen, Wissenschaft und Aktiven ein. Wahrnehmung ist keine fachliche Wahrheit. Aber sie ist Teil der Wirklichkeit des Pferdesports. Entscheidend ist deshalb, Wahrnehmung nicht vorschnell in Urteil zu übersetzen, sondern sie mit fachlicher Expertise, bestehenden Regeln, wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus Ausbildung und Sport zusammenzuführen. Genau dort liegt der Anspruch von BeEQC: die richtigen Fragen früher zu stellen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und aus Beobachtung Erkenntnis entstehen zu lassen. Denn die Zukunft des Pferdesports entscheidet sich nicht allein daran, was innerhalb des Systems für richtig gehalten wird. Sie entscheidet sich auch daran, ob verantwortungsvolles Handeln sichtbar, nachvollziehbar und glaubwürdig wird.
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