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Der mystische Rapp-Hengst Totilas tot aufgrund einer Kolik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Mittwoch, 16. Dezember 2020 um 17:53

 

Edward Gal und Totilas auf dem Abreiteplatz beim CHIO in Aachen 2010

(Foto: Uta Ludwig)

Kronberg. Nie zuvor wurden einem Pferd solche Nachrufe gewidmet, wie nun dem Rapphengst Totilas. Das magische Dressurpferd war nach einer Kolik und Notoperation nicht mehr zu retten gewesen und musste eingeschläfert werden.

 

Als der erfolgreichste Olympia-Springreiter Hans Günter Winkler 1983 über sein Leben parlierte, sagte er stolz: „Wenn ich gestorben bin, wird mein Name auch in den Fernseh-Nachrichten verlesen.“ Dass einem toten Dressur-Pferd solche Aufmerksamkeit zukommt, erlebt die internationale Öffentlichkeit in Europa oder gar weltweit in diesen Tagen. Aufgrund einer Kolikerkrankung konnte der Hengst Totilas trotz Notoperation nicht gerettet werden. Der Rappe, in dessen Adern edles Blut großer Vorfahren aus Trakehnen strömte, musste eingeschläfert werden. Nun ist auf vielen TV-Kanälen noch einmal dieses Bewegungswunder zu sehen. Nicht zu unrecht, denn nie zuvor in der Reitsportgeschichte ging von einem Pferd eine solche Magie aus. Wo er auftauchte, zog er Massen an wie ein Hollywoodstar, er war der George Clooney des Sandvierecks. Der mystische Hengst war das Beste, was der Dressur je passiert ist.

20 Jahre nur wurde der Gribaldi-Sohn alt, in seinem Pedigree steht auch Tempelhüter, jener Trakehner, dem ein Denkmal auf dem Gestüt in Ostpreußen  gesetzt worden war. Und Totilas „tanzte“ lediglich zwei Jahre, 2009 und 2010, glanzvoll  unter dem Niederländer Edward Gal. Er hatte den Hengst ausgebildet und zu dem gemacht, was er wurde, ein Topstar. Sie waren das ideale Paar. 2008 tauchten die beiden erstmals in Aachen beim Internationalen Offiziellen Turnier (CHIO) von Deutschland auf, 2009 gewann Gal mit Totilas die niederländische Meisterschaft, der elegante Reiter holte danach mit dem Ausnahmepferd Team-Gold und ebenfalls Gold in der Kür bei den Europameisterschaften vor Schloss Windsor in London, 2010 wurde Edward Gal Weltcupsieger, in Aachen mit dem damals zehnjährigen Totilas „Champion des CHIO“ nach Erfolgen in allen ausgeschriebenen entsprechenden Konkurrenzen, und der Höhepunkt der beiden folgte danach in Kentucky bei den Weltreiterspielen: Gold in der Teamwertung, im Grand Prix Special und in der Kür. Mehr geht nicht in der Dressur bei einem Championat.

Dann der Verkauf unmittelbar nach den Weltmeisterschaften. Die diskutierten Preisvorstellungen pendelten nur in zweistelligen  Millionenhöhen. Da konnte das Besitzerehepaar Tosca und Cees Visser verständlicherweise nicht widerstehen. Die Niederländer ließen verlauten, man solle das Glück nach den Erfolgen von Kentucky nicht herausfordern. Den Hengst jetzt zu verkaufen, wäre der richtige Zeitpunkt. Und Edward Gal sagte, „bei solchen Summen, wie sie im Gespräch waren, konnten die Besitzer nicht widerstehen“.

Und mitten drin Paul Schockemöhle

Es wäre natürlich wahrlich verwunderlich gewesen, hätte Paul Schockemöhle nicht seine Hände im Spiel gehabt. Doch er war nicht der Erste, der den Hengst erwerben wollte. Bereits ein Jahr davor hatte Österreichs Olympiasiegerin Sissi Max-Theurer für ihr Gestüt den Rappen so gut wie gekauft, doch dann kam der Preis ins öffentliche Gespräch, worauf sie Abstand nahm. Laut einer Augenzeugin, die den Kontrakt sah, habe der Preis für Totilas neun Millionen Euro betragen. Als Käufer gelten Paul Schockemöhle (Mühlen) und Ann Kathrin Linsenhoff (Kronberg), die sich ganz im Hintergrund hielt. An der Front werkelte der dreimalige Springreiter-Europameister, größte privater Züchter und Multiunternehmer Paul Schockemöhle (heute 75). Er sagte, er habe sich immer schon für Dressur interessiert. Im Gegensatz zu seinen damaligen Springreiter-Kollegen habe er sich bei Olympischen Spielen auch die Dressur angeschaut, „weil mich das interessierte“, und er sagte, mit dem Ankauf von teuren Pferden sei er immer am besten gefahren. Er hat mit dem Hengst als Züchter jedenfalls profitiert, so gebe es inzwischen an die 500 Totilas-Nachkommen, sagt er. Und sie hätten von dem Rappen viel an Bewegungstalent mitbekommen. Anfänglich kostete die Portion Samen 8.000 Euro.

Schlau und gewieft wie Paul Schockemöhle nun mal ist, hatte er mit den Besitzern bereits vor den Weltreiterspielen in Kentucky einen Vorvertrag zum Verkauf des Rappen ausgehandelt, der ihm schon einmal eine Provision sicherte, egal, wohin der Hengst auch gegangen wäre. Aber es lief alles in seinem Sinne und seine Richtung und von seiner „Geschäftspartnerin“ Ann Kathrin Linsenhoff, Team-Dressur-Olympiasiegerin. Aber es musste ja auch ein Nachfolger von Edward Gal gefunden werden, der im Sport Totilas weiter vorstellte.  

Isabell Werth hatte abgelehnt

Noch bei den Weltreiterspielen in Lexington hatte Schockemöhle zunächst  natürlich die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt angesprochen, Isabell Werth. Die besprach sich mit ihrer Freundin und Gönnerin Madeleine Winter-Schulze. Danach erteilte sie Schockemöhle eine Absage, „ich reite nur Pferde von Madeleine, das wird auch so bleiben“. In den Sattel durfte dann Matthias-Alexander Rath, der mit der deutschen Equipe in Lexington Bronze gewann, Sohn von Ann Kathrin Linsenhoffs zweitem Ehemann Klaus-Martin Rath.

In der düsteren Schockemöhle-Reithalle wurde am 30. November 2010 mit viel Trara in Mühlen alles offiziell, was eigentlich bereits bekannt war. Reitmeister und Meistermacher Dr. Uwe Schulten-Baumer sagte damals: „Schade für Edward Gal, er und Totilas passten unglaublich zusammen. Da stimmte einfach alles. Egal, wer den Hengst in Zukunft reiten wird – besser werden kann es nicht.“

Matthias Rath wurde wahrlich mit Totilas nicht glücklich. Und so endete mit Edward Gal praktisch nach nur zwei Jahren auch die große und ruhmreiche sportliche Laufbahn dieses Glanzrappen mit den fast übernatürlichen Bewegungen, über den die deutsche Bundestrainerin Monica Theodorescu sagt: „Totilas war ein ganz besonderes Pferd mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Er hat mit seinen Auftritten viele Menschen in seinen Bann gezogen wie kein Pferd jemals davor.“  Und Dressur-Experte und Pferdemann Ulli Kasselmann bemerkte: „Der internationale Dressursport muss dankbar sein, dass Totilas so viele Menschen für die Dressur begeisterte und zu Fans werden ließ…“

Kürauftrit von Gal/ Totilas

 


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