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Corona oder das lange Warten auf einen Hoffnungsschimmer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 14. Januar 2021 um 18:39

Wassenberg. Der Corona-Pandemie können auch Reiter nicht davon galoppieren. Der Pferdesport steckt wie das ganze öffentliche Leben in einer schweren Phase oder Krise. Offen äußerten sich dazu auf vier Fragen sechs kompetente Pferdeleute, die Fragen und Antworten im Wortlaut:

 

 

 

Fritz Johannsmann (66), auch begeisterter Motorradfahrer

(Foto: privat)

Gründete 1975 mit von seiner Tante Hilde „gepumpten“ 5.000 Deutsche Mark das Unternehmen „Transport für Reit- und Zuchttiere“, nachdem er ein Jura-Stadium abgebrochen hatte. Arbeitete in der Freizeit während seiner Bundeswehrzeit bei seinem bekannten Bruder und Springreiter Heinrich-Wilhelm („Kaiser“) Johannsmann als Pfleger auf Turnieren, „wo ich sah, was alles falsch gemacht wurde zum Beispiel beim Verladen der Pferde“. Inzwischen der in Europa bekannteste Spediteur für Pferdetransporte.  

Wie könnte der Reitsport in Zukunft aussehen, weniger Turniere möglicherweise? Könnte der große Turniersport möglicherweise stark ins abseits gedrückt werden?

Fritz Johannsmann: „Reitsportveranstaltungen werden weiter bestehen solange es Reitsportler gibt. Nicht jeder Veranstalter wird es schaffen, sein Turnier auf diesem Niveau zu halten, andere werden sich steigern.“

Welche finanziellen Verluste sind bereits zu verzeichnen, was meinen die Sponsoren dazu, halten sie weiter zum Turnier oder Veranstalter,. mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt oder gar entlassen werden?

FJ.: „Wir haben erhebliche Verluste als Spedition im Bereich Partner des Pferdesportes“ zu verzeichnen. Einiges konnte mit einer erheblichen Steigerung von Transporten durch An- und Verkauf kompensiert werden. Kurzarbeit oder gar Entlassungen waren bis jetzt noch nicht von Nöten.“

Welche Möglichkeiten bleiben einem Veranstalter generell, kann er selbst Vorschläge bei den entscheidenden politischen Stellen einbringen oder ist er machtlos?

FJ.: „Veranstaltern können wir keine Tips geben. Nur soviel von unserer Seite: Ständiger Austausch mit den Kontrollbehörden, Umsetzung und Beachtung aller aktuellen und noch so unsinnig wirkenden Vorschriften!  Weil die Kontrollen verschärft wurden – und:  „Der größte Feind im ganzen Land,  das ist der....“

Die ganz persönliche Meinung: Was hat Corona mit dem Turnier- und Reitsport gemacht?

FJ.: „Wie in den meisten Bereichen des Lebens in unserer westlichen Welt; Corona hat vieles zum Erliegen gebracht. Demjenigen, der ein sicheres Gehalt bezieht, fällt es natürlich leichter damit umzugehen, als demjenigen, dem unverschuldet die Aufträge ausbleiben. Wir jedenfalls stellen uns auf ein nur langsames Erwachen der Turnier Szene ein.“  

 

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Frank Kemperman (65)

(Foto: Kalle Frieler)

Grundschule, Realschule, Sprachkurse in Deutsch, Englisch, Französisch,  Seminare im Sportmanagement, Pferdepfleger, Gestütsmanager auf „Zangersheide“ in Lanaken, Geschäftsführer des Forschungsinstituts und der Hengststation des Landwirtschaftsministerium Brunssum, NL, Manager des holländischen Erstliga-Fußballvereins MVV Maastricht, Direktor der Trabrennbahn Schaesberg in Holland, Turnierchef in Modena beim CSIO von Luciano Pavarotti, eingebunden in Weltreiterspiele vor Aachen 2006 und danach, bei Olympischen Reiterspielen und Turnieren in s`Hertogenbosch und Maastricht. In Aachen beim Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) von 1993 bis 2009 Geschäftsführer, ab 2009 Vorstandsvorsitzender, seit 2009 Ausschussvorsitzender für Dressur beim Weltverband (FEI).

Wie könnte der Reitsport in Zukunft aussehen, weniger Turniere möglicherweise? Könnte der große Turniersport möglicherweise stark ins abseits gedrückt werden?

Frank Kemperman: „Ich denke und hoffe, dass die Pferdewelt im Laufe des Jahres wieder „normal“ wird. Das heißt, ich hoffe auch, dass wir beim kommenden Weltfest des Pferdesports, CHIO Aachen, wieder miteinander den tollen Sport und insbesondere die außergewöhnliche Atmosphäre genießen können.“

Welche finanziellen Verluste sind bereits zu verzeichnen, was meinen die Sponsoren dazu, halten sie weiter zum Turnier oder Veranstalter,. mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt oder gar entlassen werden?

FK.: „2020 war für viele Veranstalter ein schwieriges Jahr und wird hier und da sicherlich auch Konsequenzen haben. Aber wir sollten positiv nach vorne schauen und kreativ an neuen Konzepten arbeiten.“

Welche Möglichkeiten bleiben einem Veranstalter generell, kann er selbst Vorschläge bei den entscheidenden politischen Stellen einbringen oder ist er machtlos?

FK.: „Die Gesundheit der Menschen ist uns allen wichtig, und wir haben wenig Einfluss auf die Politik und können da auch wenig tun. Verbandsintern (FEI) haben wir internationale Veranstalter eine Stimme und sind in den verschiedenen Gremien vertreten, die letztlich über die Covid 19-Maßnahmen entscheiden.“

Die ganz persönliche Meinung: Was hat Corona mit dem Turnier- und Reitsport gemacht?

FK.: „Es war für viele Pferde und Reiter ein ruhiges Jahr. Viele Pferden hatten ein wohlverdiente Pause. Wir haben alle erlebt, dass es zu Hause bei der Familie gar nicht so schlecht ist. Und hoffentlich wird in Zukunft weniger hin und her gereist und werden stattdessen mehr Meetings digital abgehalten.“

 

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Ulli Kasselmann (73)

(Foto: Kalle Frieler)

Gelernter Hufbeschlagschmied, Dressurreiter, Züchter, Turnierveranstalter auf seinem Hof in Hagen am Teutoburger Wald. Seit 2006 Turniermacher von „Horses and Dreams“ und weiterer alljährlicher Pferdesport-Veranstaltungen, vor allem für die Jugend auf dem Kasselmann-Hof. 2005 übernahm er die in Moskau abgesagte Dressur-Europameisterschaft bei nur wenigen Tagen der Vorbereitung und bewarb sich erfolgreich für die kommende Dressur-EM Anfang Juli in Hagen. Seit 1981 zusammen mit Paul Schockemöhle Organisator der bedeutendsten und größten Sportpferde-Auktion „PSI“ weltweit.

Wie könnte der Reitsport in Zukunft aussehen, weniger Turniere möglicherweise? Könnte der große Turniersport möglicherweise stark ins abseits gedrückt werden?

Ulli Kasselmann: „Ich glaube, dass es weiterhin Großveranstaltungen geben wird. Ob in Zukunft besondere Bestimmungen hierzu herausgegeben werden, muss man abwarten. Wir, damit meine ich Reiter, Funktionäre und Veranstalter, müssen uns zusammen Gedanken machen, wie der Reitsport mit neuen Formaten in der Zukunft aussieht. Es muss darum gehen, den Reitsport noch interessanter zu machen. Wir haben zum Beispiel vor einigen Jahren den Reitbiathlon der Sparkasse Osnabrück mit in unser Programm aufgenommen, dieser hat sich mittlerweile zu einem Publikumsliebling entwickelt. Der Spitzensport wird sich auf einzelne Veranstaltungsorte fokussieren, die auch in der Lage sein werden, mehrere Veranstaltungen durchzuführen.“

Welche finanziellen Verluste sind bereits zu verzeichnen, was meinen die Sponsoren dazu, halten sie weiter zum Turnier oder Veranstalter,. mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt oder gar entlassen werden?

U.K.: "inanzielle Verluste sind bereits spürbar, doch in welchem Ausmaß sich diese bewegen, können wir aktuell noch nicht benennen. Die Veranstalter, die zurzeit kein geeignetes Geschäftsmodell haben, sind hart getroffen.

Für die Organisationskomitees stellt sich die Frage, ob sie schnell genug wieder am Markt sind, um gegen andere europäische OK`s zu bestehen, die zum Teil fortschrittlichere Rahmenbedingungen aufweisen unter diesen schwierigen Bedingungen.

Wir haben die positive Erfahrung gemacht, dass gerade in dieser schweren Zeit, unsere Sponsoren uns zur Seite stehen und sind sehr dankbar dafür, aber sie erwarten im Gegenzug auch neue Ideen und alternative Konzepte."

Welche Möglichkeiten bleiben einem Veranstalter generell, kann er selbst Vorschläge bei den entscheidenden politischen Stellen einbringen oder ist er machtlos?

U.K.: „Im Grunde können wir nur versuchen durchzuhalten und abzuwarten, wie sich 2021 entwickeln wird. Das ist aktuell die einzige Möglichkeit. Wichtig scheint mir, dass wir der Politik unseren Sport näherbringen und aufzeigen, wie wichtig der internationale Reitsport ist. Insbesondere für die junge Generation und den Breitensport müssen Möglichkeiten geschaffen werden. Wir haben zum Beispiel eine Ponyschule mit einer Reitakademie gegründet, die Nachfrage der Eltern ist enorm.“

 

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Volker Wulff (63)

(Foto: Kalle Frieler)

Diplomierter Agrarwissenschaftler, gründete 1992 die Vermarktungs-Agentur En Garde (Sitz in Uthlede/ Kreis Cuxhaven). Ritt Springen bis zur Klasse M, begeisterter Hobby-Fußballer. Turnierchef in Paderborn, München (Olympiahalle), beim Deutschen Derby in Hamburg und in Leipzig bei „Partner Pferd“.

Wie könnte der Reitsport in Zukunft aussehen, weniger Turniere möglicherweise? Könnte der große Turniersport möglicherweise stark ins abseits gedrückt werden?

Volker Wulff: „Ich sehe generell für den großen Turniersport unterschiedliche Auswirkungen. Die Traditionsturniere werden auch weiterhin Bestand haben, und es wird einen großen Zuspruch für diese Veranstaltungen geben. Die Pferdesportfreunde sind hungrig und vermissen den Reitsport und das gesellige Miteinander. Auch die Sponsoren werden sich vermehrt auf die großen Veranstaltungen konzentrieren, da sie auch besonders im Bereich Hospitality ihren Kunden etwas Besonderes bieten möchten. 

Im Allgemeinen wird das Veranstalten von Events jedoch teurer werden. In der Zeit nach Corona wird es ein ganz anderes Konkorrenzaufkommen an Veranstaltungen aller Art geben. Alle Künstler, gleich welchen Genres, wollen wieder auftreten und ihre neuen Programme, Alben und Shows ‚live‘ den Fans präsentieren. Die wahrscheinlich zusammengeschrumpfte Branche der Eventdienstleister, die verschiedenen Eventlocations sowie die Caterer werden nach Corona die Preise anziehen. Das wird einige Veranstalter, gerade von nicht sonderlich lukrativen Turnieren, erstmal in die Knie zwingen.

Von den Konsumenten wird jedoch die Nachfrage hoch sein,  daher sehe ich den Turniersport auch nach der Krise, wenn auch mit kleinem Zeitversatz, in einer guten Position mit hohem Potential - wenn die Qualität stimmt !“


Welche finanziellen Verluste sind bereits zu verzeichnen, was meinen die Sponsoren dazu, halten sie weiter zum Turnier oder Veranstalter,. mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt oder gar entlassen werden?

VW.: „Die finanziellen Verluste bei den Veranstaltern sowie der gesamten Sport-, Show- und Eventbranche sind natürlich immens hoch. Wenn ich z.B. unsere Veranstaltung in Hamburg betrachte, ist der Verlust erheblich. Wir waren im März 2020 in der Endphase der Vorbereitungen für den 100. Geburtstag des Deutschen Spring- und Dressurderbys. Da waren bereits Kosten in Höhe von mehr als 700.000€ aufgelaufen. Hinzu kamen die Fixkosten für Platzmiete, Grundsteuern, Instandhaltung und laufender Kosten in Höhe von knapp 200.000 €. Dem gegenüber standen 0€ wirtschaftlicher Ertrag aus der Durchführung des Derbys. Da ist Kreativität gefragt. An diesen Stelle muss ich unseren Sponsoren einen großen Dank aussprechen, dass viele von ihnen uns auch in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden haben und uns bei bestimmten neuen Projekten unterstützten.

Wir haben bereits seit März vergangenen Jahres einige Mitarbeiter in Kurzarbeit und haben dadurch Einsparungen im Bereich Personalkosten. Auch die Überbrückungshilfen des Bundes und regionale Unterstützung helfen, die Verluste zum Teil zu kompensieren.“ 

Welche Möglichkeiten bleiben einem Veranstalter generell, kann er selbst Vorschläge bei den entscheidenden politischen Stellen einbringen oder ist er machtlos?

VW.: „Politisch lässt sich aus meiner Erfahrung wenig machen. Wenn es Chancen gibt, corona-konform Veranstaltungen mit geeigneten Hygienekonzepten durchzuführen, ist die Politik in unseren Fällen immer sehr offen gewesen. Wenn jedoch die Situation extrem wird und die entsprechenden Insidenzien hohe Werte erreichen, dann kann auch die Politik nichts machen. Es kann und es wird kein unnötiges Risiko eingegangen - aber das haben wir auch nie erwartet und nie verlangt. Wenngleich wir in den letzten Monaten auf verschiedensten Wegen für jede einzelne Veranstaltung gekämpft und abgewogen haben.

So konnten wir zumindest in Paderborn im vergangenen September eines unserer Turniere in etwas abgesteckter Form durchführen.“

Die ganz persönliche Meinung: Was hat Corona mit dem Turnier- und Reitsport gemacht?

VW.: „Die Pandemie hat der gesamten Welt eine gewisse Machtlosigkeit demonstriert - so auch dem Reitsport. Fast alle großen Events, Serien und Championate sind in den vergangenen zehn Monaten ausgefallen oder mussten verschoben werden. Das hat es in dieser Form zu meinen Lebzeiten zum Glück noch nie gegeben. Auf der anderen Seite gab es viele neue Initiativen im Reitsport. Es gab eine große Anzahl von Late Entry Turnieren. Es wurden neue digitale Formate entwickelt. So habe ich z.B. mit einem IT-Experten das Format EQUI-League entwickelt, das Reitsportlern, besonders in den Klassen E bis M in Dressur und Springen, Wettkampfbedingungen zu Hause oder im Verein ermöglicht. 

Auf der anderen Seite hat die Pandemie den ländlichen Reitsport stark getroffen. Die ländlichen Turnierveranstalter sind auf die Besucher angewiesen, um das Budget der Veranstaltung zu deckeln. Die Einnahmen aus dem Verzehr von Speisen und Getränken waren raus aus der Rechnung und so konnte kein wirtschaftlich sinnvolles Ergebnis erzielt werden - und das führte zu vielen Absagen. Bei einigen dieser Veranstaltungen sehe ich die Gefahr, dass sie für immer verschwinden. Das mindert auch die Einnahmen der Landesverbände. Zudem sehe ich ein Schwinden der Motivation in vielen Vereinen, wenn mit dem Turnier der jährliche Höhepunkt fehlt und der Vereinsgeist nicht gefordert wird.“

 

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Peter Hofmann

Peter Hofmann (70) wurde 2017 beim deutschen CHIO in Aachen von FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau (links) mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold geehrt

(Foto: Kalle Frieler)

Der Jurist ist seit 1982 Präsident im Reiterverein Mannheim und seit 1981 organisiert er das traditionelle Maimarktturnier. Zweimal holte er die deutschen Titelkämpfe in Springen und Dressur in die badische Metropole und zweimal (1997 und 2007) die Europameisterschaften, dazu war er 2015 mit seinem Team Gastgeber des 100. Internationalen Offiziellen Reitturniers (CHIO) von Deutschland seit 1929. Seit 2005 ist er auch Vorsitzender des Springausschusses des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei (DOKR).

Wie könnte der Reitsport in Zukunft aussehen, weniger Turniere möglicherweise? Könnte der große Turniersport möglicherweise stark ins abseits gedrückt werden?

Peter Hofmann: „Alles ist natürlich davon abhängig, wie sich Corona weiter entwickelt und ob das Impfen zu einer signifikanten Entspannung unseres Lebens führen wird. Ich glaube nicht, dass die großen Turniere, die Leuchttürme unseres Sports, stark ins Abseits gedrückt werden. Alles ist natürlich auch von der wirtschaftlichen Situation abhängig, denn hier entscheidet sich, ob Sponsoren bereitstehen.
Auf der anderen Seite muss man sehen, dass viele Turniere schon vor Corona Probleme hatten und man hier sicher nach Wegen suchen muss, die das schwindende Engagement von Ehrenamtlichen, Probleme mit der Akquisition von Sponsoren und den internationalen Wettbewerbsdruck kompensieren können. Aus diesem Grund wurde ja, und zwar für alle Turniere, eine signifikante Senkung der Veranstaltungsgebühren zwischen FN und der Interessengemeinschaft Turnierveranstalter vereinbart.“

Welche finanziellen Verluste sind bereits zu verzeichnen, was meinen die Sponsoren dazu, halten sie weiter zum Turnier oder Veranstalter,. mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt oder gar entlassen werden?


P.H.: „Da das Maimarkt-Turnier im wesentlichen auf ehrenamtlicher Basis vom Reiter-Verein veranstaltet wird, mussten wir keine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Die Vorbereitungskosten für das Turnier 2021 sind gedeckt, und unsere Sponsoren stehen zum Turnier.“

Welche Möglichkeiten bleiben einem Veranstalter generell, kann er selbst Vorschläge bei den entscheidenden politischen Stellen einbringen oder ist er machtlos?


P.H.: „Das hängt im wesentlichen vom Veranstalter, seiner Persönlichkeit und seiner Vernetzung in Politik und Verwaltung vor Ort zusammen. Ich glaube nicht, dass Veranstalter machtlos sind, wenn sie mit guten Konzepten ihr Anliegen vortragen.“

Die ganz persönliche Meinung: Was hat Corona mit dem Turnier- und Reitsport gemacht?

 
P.H.: „Corona war zunächst natürlich ein schwerer Schlag, gerade für die Turnierszene. Auf der anderen Seite müssen wir sehen, dass wir gegenüber anderen Sportarten im Breitensportbereich schon dadurch privilegiert sind, dass wir uns um unsere Pferde kümmern müssen. Aus Tierwohl, Tierschutz und Unfallverhütungsgründen. Bei Einhaltung entsprechender Vorkehrung und Beachtung der Hygienekonzepte konnte man zu seinem Pferd, nicht unbedingt reiten, aber betreuen.“

 

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Sönke Lauterbach (47)

(Foto: Raimund Hesse)

Der Bielefelder ist der 11. Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), dem größten nationalen Verband innerhalb der Internationalen Föderation (FEI). Er trat 2009 die Nachfolge von Dr. Hanfried Haring an. Aktiv nahm er an Turnieren in Springen, Vielseitigkeit und Dressur (bis Intermediaire I) teil.

Wie könnte der Reitsport in Zukunft aussehen, weniger Turniere möglicherweise? Könnte der große Turniersport möglicherweise stark ins abseits gedrückt werden?

Sönke Lauterbach: „2020 war ein ganz besonders schwieriges Jahr und das wird sich 2021 fortsetzen. Die meisten Veranstalter im Pferdesport sind auf Besuchereinnahmen und den damit verbundenen Ausstellungsbereich bei größeren Turnieren als Baustein der Finanzierung angewiesen. Das fällt weg, und erst die flächendeckend Impfung wird diese Situation wohl nachhaltig entspannen. Die Veranstaltungsagenturen brauchen also einen ganz langen Atem und müssen durchhalten. Ich erwarte, dass der Pferdesport sich ein Stück weit wieder auf Europa konzentrieren wird, schon allein weil Kosten für Flugreisen von Mensch und Pferd sicher teurer werden. Hinzu kommt die derzeit noch unklare Entwicklung der Weltwirtschaft. Ob also Veranstalter irgendwo in Asien dies stemmen können, müssen wir in Frage stellen. Dadurch können unsere Veranstalter in Deutschland und Europa wieder Marktanteile zurückgewinnen.

Der ländliche Sport lebt auch von Zuschauern, hier kann eine Erholung zum Glück aber schneller gehen, weil wir nicht von zehntausenden Zuschauern reden. Für 2021 haben schon die allermeisten Vereine ihre Turniere angemeldet und wollen alles dafür tun, den Sport wieder ans Laufen zu bekommen. Dieses Engagement ist wirklich bewundernswert und ein Signal für unseren Sport.“

Welche finanziellen Verluste sind bereits zu verzeichnen, was meinen die Sponsoren dazu, halten sie weiter zum Turnier oder Veranstalter,. mussten Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt oder gar entlassen werden?

S.L.: „Veranstalter berichten mir, dass ihre Partner oft treu zur Stange halten und mit ihnen auch mittelfristig weitermachen wollen. Das sind also erstmal gute Anzeichen – wir müssen hoffen, dass sich unsere Wirtschaft schnell wieder erholen kann. Ähnliches erleben wir es bei FN und DOKR. Unsere Partner bleiben bei uns. Wir haben schon 2020 auch Ideen entwickelt, um ihnen Ersatzleistungen für ihr Engagement anzubieten, wenn die eigentlichen Projekte oder Veranstaltungen nicht stattfinden konnten.

Auch für die FN war 2020 finanziell ein schwieriges Jahr, denn mit dem Einbruch des Turniersportes um 50 Prozent hatten wir geringere Einnahmen von ca. 5 Millionen Euro. Durch viele Kosteneinsparungen können wir das voraussichtliche Defizit auf unter eine Million Euro drücken. Dazu gehörte auch anteilige Kurzarbeit oder dass wir einzelne Stellen ausscheidender Mitarbeiter nicht wiederbesetzt haben. Auch für 2021 werden wir Präsidium und Mitgliederversammlung einen sehr konservativ geplanten Haushalt vorlegen.“ 

Welche Möglichkeiten bleiben einem Veranstalter generell, kann er selbst Vorschläge bei den entscheidenden politischen Stellen einbringen oder ist er machtlos?

S.L.: „Veranstalter müssen sich an die Verordnungen der Bundesländer und Kommunen halten, was ein Turnier unter Corona-Bedingungen angeht. Darin ist ein Rahmen für Abstands- und Hygieneregeln, die Zahl der erlaubten Zuschauer oder sonstiger Beteiligter und anderes mehr abgesteckt. Diese müssen in einem Hygienekonzept vom Veranstalter berücksichtigt werden. Bei der konkreten Ausgestaltung gibt es je nach Kommune oder Landkreis – und je nach Fallzahlen vor Ort – schon Spielräume. Veranstalter können ihre Planung mit den lokalen Ordnungsbehörden abstimmen und so in der Praxis schon eine Menge erreichen. Genauso sind wir selber auch für die Turniere in unserem Warendorfer Bundesstützpunkt vorgegangen. Und 2020 hatten wir da auch ganz unterschiedliche Umfänge, von kleinen Late Enry Turniere oder EM-Sichtungen für wenige Dutzend Reiter bis hin zu den Bundeschampionaten mit Hunderten von Teilnehmern. Wir haben es so erlebt, dass die Behörde uns wirklich helfen wollte, etwas auf die Beine zu stellen. Nur muss ich als Veranstalter einfach bereit sein, die Grundbedingungen einzuhalten.

Die FN hat übrigens seit April Leitfäden für Turnierveranstalter und Muster für solche Hygienekonzepte zur Verfügung gestellt und immer wieder aktualisiert. Sie helfen, Veranstaltern sich zu orientieren und die konkrete Planung für ihre Turniersituation anzugehen.“

Die ganz persönliche Meinung: Was hat Corona mit dem Turnier- und Reitsport gemacht?

S.L.: „Auf der einen Seite haben wir einen dramatischen Einbruch im Sport erlebt. 50 Prozent der Turniere mussten ausfallen. Unterricht, Training, Lehrgänge, Ferienaufenthalte waren nicht oder nur eingeschränkt möglich. Produzenten, Handel und Dienstleister, Reitvereine und Betriebe waren und sind großen Einschränkungen ausgesetzt. Und nicht wenige müssen ernsthaft um ihre Existenz fürchten, je länger die Krise andauert. Schon jetzt mussten einige Betriebe und Selbständige aufgeben.

Auf der anderen Seite erlebe ich ein Zusammenrücken in der Szene. Die Pferdeleute wollen ihren Beitrag leisten, damit Corona eingedämmt wird. Die allermeisten halten sich sehr diszipliniert an die Regeln und schränken sich im Stall ein. Sie helfen einander, z. B. als die Zugangszeiten zu Ställen teilweise begrenzt werden mussten. Und das ist essentiell wichtig. Wir alle müssen helfen, die Zahlen zu drücken, damit das gesellschaftliche Leben und eben auch der Sport alsbald wieder geöffnet werden können.

Wir haben in den letzten Jahren öfter darüber gesprochen, dass manche Pferdeleute immer höhere Ansprüche entwickeln, was ehrenamtliche Helfer in ihrem Reitverein oder auf einem Turnier alles leisten sollen.  Als im Sommer Veranstalter wieder Lehrgänge oder Turniere anbieten konnten, wurde ihnen das mit großer Dankbarkeit und Anerkennung für ihr Engagement vergolten. Das ist etwas, worüber ich mich freue. Ich hoffe, dass dieses Miteinander uns länger erhalten bleibt.“

 


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