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Das Herpesvirus bedroht die Zukunft des Pferdesports PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Donnerstag, 18. März 2021 um 18:00

Wassenberg. Tote Pferde, erkrankte Pferde – das Herpesvirus ist der Horror in der Branche. Ein Ende ist längst nicht absehbar, eine gewisse Hilflosigkeit des Menschen wird offensichtlich, und Impfstoff erst wieder Mitte April zu erwerben…

 

Springreiter Sven Schlüsselburg (39) war 2019 erstmals am Start beim Internationalen Offiziellen Reit- und Fahrturnier (CHIO) von Deutschland in Aachen und gleich die große Überraschung. Auf seinem Schimmelwallach Bud Spencer begeisterte er die Zuschauer, wurde im Großen Preis von Aachen am Schlusstag augenfällig Achter, bekam den Stilpreis für feines Reiten und wurde in den Perspektivkader des Deutschen Olympiadekomitees für Reiterei aufgenommen. Bundestrainer Otto Becker notierte den Schwaben und Turnierstallbetreiber aus Ilsfeld bei Heilbronn gar als möglichen Teilnehmer bei der Europameisterschaft im gleichen Jahr in Rotterdam. Er hatte alle die zunächst gesteckten Ziele erreicht.

Nun schrieb Sven Schlüsselburg Mitte Februar ein ganz anderes Kapitel in seinen Lebenslauf. Wie Agenturen und andere  Medien berichteten, hatten beim Turnier in Valencia einige seiner Pferde das Herpesvirus eingefangen. Und die hochansteckende Krankheit schleppten sie in den heimischen Stall ein, wohin er vor dem Abflug nach Doha zur Global Champions Tour noch rasch vorbeigekommen war.Vom Ausbruch der Seuche erfuhr er erst in Katar. Nach dem in Doha erfolgten  positiven Test von Bud Spencer und seinem zweiten Pferd, mussten beide Tiere sofort in Quarantäne, die bisher noch nicht beendet ist. Er selbst konnte bei der Global-Tour nicht mehr starten. Am 13. Februar ließ er verlauten: „Wir haben sechs tote Fohlen, zwei tote Pferde, eines hängt in den Seilen", von 60 Pferden auf seinem Hof seien 21 positiv getestet, „wir sind traurig und bangen weiterhin um unsere Pferde."

Valencia der Seuchen-Ausgang

Herpes bei Pferden war immer schon bekannt, aber in Mitteleuropa kaum als todbringende Infektion im Gedächtnis so verhaftet, um  entsprechend Vorsorge walten zu lassen, wie beispielsweise eine termingebundene Impfung. Am 20. Februar erst wurde der Weltverband (FEI) aus Valencia von der CES Springtour informiert, dass elf Pferde an Fieber litten, die Zahl erhöhte sich rasch auf 20 Tiere, bei vier Pferden, die den Veranstaltungsort bereits verlassen hatten, kam der Verdacht auf den Herpesvirus EHV-1 auf.

In die breite deutschsprachige Öffentlichkeit gelangte die Kunde von der oft, wenn auch nicht immer tödlichen Seuche durch den deutschen Pferdebesitzer, Turnierveranstalter („Löwen Classics Braunschweig“) und Präsident des Landesverbandes Hannover, Axel Milkau (57). Der ehemalige Springreiter gab der Seuche und dem teilweise damit verbundenen Elend der Tiere eine Stimme, und er und Springreiter Hilmar Meyer ließen in Fernsehen und anderen Medien ihren Ärger raus, wenn auch kontrolliert. Nach Milkaus Meinung sei die FEI erst elf Tage nach dem Ausbruch der Pandemie in Valencia offiziell tätig geworden, „aber erst, nachdem wir uns selbst bereits geholfen haben“. Er nennt die Haltung des spanischen Verbandes: „Totalversagen.“ Inzwischen gingen mehr als zwölf Pferde an der Erkrankung ein. Die wahren Zahlen bleiben wahrscheinlich im Dunklen wie vieles andere auch. Kein Wunder, werden doch viele Verbände und vorneweg die FEI inzwischen von Bürokraten regiert, die echten Pferdeleute wurden geschasst.

Mittlerweile ist auch bekannt, dass vorneweg der Valencia-Veranstalter zur Gegenoffensive bläst. Dort will man von Schuld nichts wissen. Dazu sagt Axel Milkau, der sich inzwischen ebenfalls mit belegten Beweisen seiner laut gesagten Auffassung gewappnet hat: „Für mich bleibt Fakt, dass die örtliche Präsenz der FEI unbedingt hätte früher erfolgen müssen. Jetzt wird es spannend, welche Rückschlüsse die FEI in Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Vorkommnisse in Valencia ziehen wird. Zum Beispiel dafür, den Nachweis zu erbringen, professionell sei das Turnier aufgezogen worden. In Valencia waren an vielen Schlüsselpositionen wie z.B. Turnierbüro oder Stallteams und anderswo nur echte Amateure am Werk. Mein Fazit: Der Unterbau einer Veranstaltung muss auf operativer Ebene unbedingt mit Profis besetzt werden.“

Keine Übertragung durch Hund oder Katze

Im Rückblick auf das Desaster von Valencia erwartet Otto Becker (62), Team-Olympiasieger, zweimaliger Gewinner des Großen Preises von Spruce Meadows und deutscher Bundestrainer seit 2009, von der FEI eine verpflichtende Aufforderung zur Impfung gegen das Herpesvirus mit nachfolgender Zweitimpfung nach dem vorgegebenen zeitlichen Abstand, die Forcierung der Forschung des Herpesvirus und auch für Turnierveranstalter das Anlegen eines Notfallfahrplans bei Ausbruch einer Seuche oder anderer Krankheit, und weiter sagt der 57-malige Nationen-Preisstarter: „Das sollte gelten für nationale und internationale Organisatoren.“

Björn Nolting (60), Chef der Tierklinik in Leichlingen, sagt, er sei überrascht, „dass die Erkrankung so vieler Pferde in Valencia nicht erkannt wurde“. Nachweisen lässt sich die Krankheit durch Tupferproben in der Nasenschleimhaut oder im Blut. Er sieht in Valencia einen ähnlichen Ausgangspunkt der Herpes-Pandemie wie im chinesischen Wuhan der Beginn der Corona-Seuche bei Menschen. Er rät dazu, Pferdetransporte  möglichst zu vermeiden, um Infektionsketten zu unterbrechen. Er sagt, Stressfaktoren, viele Pferde sehen z.B. ja wochenlang die heimische Box nur noch ganz selten, erhöhten das Risiko einer Erkrankung beim Pferd, und er steht positiv dem Impfen gegenüber, bis Mitte April ist jedoch kein Impfstoff in Europa mehr zu haben. Übertragen werde das Virus von Pferd zu Pferd oder vom Pferd über den Menschen auf das Pferd, das heißt also zum Beispiel von Schmied oder Tierarzt und dann auch noch von Stall zu Stall. Dass Hunde oder Katzen das Virus verbreiten, das sei bisher nicht bewiesen, so Björn Nolting.

Für Pferdetransporte sind auch bestimmte Richtlinien vorgegeben. So sagt der bekannte Transporteur Friedrich Johannsmann („ob nah und fern – mit Johannsmann fährt auch Ihr Pferd gern“), dass für den Rücktransport der Pferde von den Turnieren im Süden Spaniens und Portugals über rund 1.700 km von staatlichen Stellen genaue Routen vorgeschrieben sind, über Frankreich, „wo für die Pferde insgesamt zwei Stationen zum Ausruhen und Tränken angefahren werden können. Und in Deutschland kommen die Pferde zunächst in Quarantäne, wo sie nochmals wie vor Antritt der Reise eingehend untersucht werden.“ Die Ladeflächen seiner Fahrzeugflotte müssten zudem vor Beginn einer Fahrt jeweils gereinigt und desinfiziert werden. 

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Und das raten Prof. Dr. Lutz Göhring, Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians Universität München,
Prof. Dr. Klaus Osterrieder, Veterinärmedizinische Fakultät der Freien Universität Berlin, um ein Ausbreiten im Stall zu vermeiden:

  • Stalleinheiten abgrenzen, Pferdebewegungen und Kreuzungsmöglichkeiten einschränken, ‚Aktivitäten„ auf ein Minimum beschränken.
  • Unnötigen Personenverkehr zwischen Stalleinheiten vermeiden.
  • Strategischer Einsatz von Stallpersonal (getrennte Teams, Arbeiten von ‚Sauber„ nach ‚Schmutzig„
  • Strategisches Platzieren von Desinfektionsmatten zur Schuhdesinfektion zwischen Stalltrakten.
  • Wenn Pferde in Einzelboxen gehalten werden, dann muss für jedes Pferd ein individueller Kittel sowie Einmalhandschuhe zur Verfügung gestellt werden. Der Kittel wird am besten am Eingang der Box aufgehängt.
  • Bei jedem Kontakt mit dem Pferd muss ein neues Paar Handschuhe angezogen werden.
    Im Besonderen der Kontakt mit dem Kopf und den Nüstern des Pferdes sollten auf ein Minimum beschränkt werden (größte Ausscheidungsquelle).
    Nach Verlassen der Box mit den Schuhen direkt über eine Desinfektionsmatte gehen oder in ein Desinfektionsbad (vgl. Liste der DVG) steigen.
  • Händewaschen zwischen jedem Pferdekontakt ist Pflicht!
  • Bei der neurologischen Verlaufsform kann es auch zeitgleich zu EHV-1-assoziierten Aborten kommen. Plazenta, Fruchtwasser, Fruchthüllen und das abortierte Fohlen enthalten große Mengen an infektiösem Virus. Stuten scheiden Virus noch bis zu 5 Tage nach dem Abort mit den Lochien aus.

 


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