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Liebevolle Worte zum Tod seines Ausnahmepferdes The Sixt Sense... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Thomas Frühmann/ DL   
Montag, 03. Oktober 2022 um 19:39

"Eine Legende ist nicht mehr!
Mein Held, mein Kumpel, mein Kämpfer und Freund ist jetzt mit seinen Kollegen auf der ewigen Weide! Danke liebe Elisa und Karin für die liebevolle und fürsorgliche Pflege in seinen letzten Jahren!❤ Bei euch war er glücklich!
Danke für ALLES " Senserl" - see you in Heaven"

Ein kleiner Blick zurück auf den Springreiter Thomas Frühmann

Thomas Frühmann – Mit „The Sixt Sense“ Ende der Sattelkarriere

„Gott begnadet“, sagte er. Und der das sagte, kennt was von diesem Sport und auch über ihn. Alwin Schockemöhle (85) fällte das „Gottesurteil“ über Thomas Frühmann, den bisher nach wie vor echten und einzigen Österreicher in der Weltspitze des Springreitens. Er braucht keine Lederhosen und keinen Trachtenjanker, auch keinen Pass vorzulegen, er muss als Beweis nur zu reden. Da kommt der wahre Austrianer zum Vorschein. Thomas Frühmann (71) stammt aus Wien. Der Vater war Psychiater, der Sohn sollte ebenfalls Arzt werden, doch die Mutter schlug sich auf seine Seite, er wurde Springreiter.

Statt Abitur begann er mit 17 Jahren in München eine Lehre bei Ottokar Pohlmann, dem früheren Militaryreiter und Parcoursgestalter der Querfeldeinstrecke bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Nach den Pohlmann-Jahren übernahm der Wiener in seiner Heimat zunächst das Gestüt „Andlershof“, doch, „um in diesem speziellen Sport international herauszukommen, da musste ich zurück nach Deutschland.“ Deutschland war früher das Land, wo große Springreiter gemacht wurden. Sein alter Spezi Georg Ahlmann vermittelte ihm 1981 einen Job zum Gestüt „Römersee“ nach Heiden, wo Gerhard Brenninkmeyer das Sagen hatte, einer der Mitbesitzer von „C&A“. Brenninkmeyer war stolz, einen solchen Bereiter zu haben. Er zahlte ihm im Monat 3.000 Mark auf die Hand, er durfte die Hälfte der Gewinnprämien einsacken, 30 Prozent kamen von der Verkaufssumme ihm zu, wurde ein Pferd veräußert. und für die Wohnung war auch keine Miete zu zahlen. „Brenni“, wie man ihn nannte, sagte damals auch ganz frank und frei, dass Thomas F. 1982 nicht weniger als 210.000 Mark netto eingestrichen habe. Doch das momentane Glück dauerte gerademal drei Jahre, dann wurde „Brenni“ von einem Infarkt gefällt.

Alwin Schöckemöhle holt daraufhin Thomas Frühmann ins Oldenburger Land in seinen Turnierstall. Ab 1. September 1984 war Thomas Frühmann ein Mühlener. Beide mussten sich gegenseitig nichts mehr beweisen. So gehörte Frühmann auf Donau, was ja fast bereits in Vergessenheit geraten ist, zur Equipe mit Hugo Simon auf Gladstone, Georg Riedl auf Weekend und Roland Fischer auf Icarus, die 1980 beim sogenannten „Ersatz-Olympia“ in Rotterdam Bronze hinter den erfolgreichen Kanadiern und den Briten gewann, und er war einer von lediglich drei Reitern, die beide Umläufe fehlerlos absolvierten.Thomas Frühmann war auch ein Geschenk für die Medien, immer gut für einen losen Spruch wie während des Weltcup-Finals 1990 in den Dortmunder Westfalen-Hallen, als er meinte: „Tolles Turnier. Die Pferde hatten zu fressen – und wir Reiter zu saufen...“

Er war vielleicht nicht der große Stilist, aber er ritt eben erfolgreich, „und meine Pferde sind alle weich im Maul“ . Seine sportliche Serie kann sich nach wie vor sehen lassen. Auf dem Hengst Grandeur gewinnt er dreimal das Deutsche Derby in Hamburg und wurde Sieger im Großen Preis von Aachen, auf Genius holte er sich 1992 im kalifornischen Del Mar den Weltcup, wenige Monate danach kam Olympisches Silber mit dem Team in Barcelona dazu. Privat lief alles nicht mehr rund, und ebenfalls sportlich nicht mehr. Doch er kam zurück, als Springreiter feiert er 2004 ein Comeback. Auf dem Westfalen-Wallach The Sixt Sense tritt er einen einmaligen Siegeszug an, Käuferin des Pferdes war Serena Hamberg, Frühmanns erste nicht gerade unvermögende Ehefrau für ein paar Wochen, 2004 gewinnt Thomas Frühmann, dessen Leben wahrlich in jeder Beziehung einer Achterbahn gleicht, nicht weniger als acht Große Preise, Er sagt über The Sixt Sense: „So ein Pferd werde ich nie mehr haben. Der Wallach will keinen Fehler machen, und einiges macht er sich manchmal im Parcours auch selbst passend. Er hat grenzenloses Vermögen.“

Thomas Frühmann, der 66 Mal für Österreich einen Nationen-Preis ritt, achtmal an Europameisterschaften teilnahm, dreimal an Olympischen Spielen und viermal an Weltchampionaten, ritt im letzten Jahr seinen Westfalen derart nach oben, dass die Internationale Züchtergemeinschaft nicht anders konnte, als den Wallach zum erfolgreichsten „Springpferd 2006“ zu wählen. Bei der ersten Global Champions Tour im letzten Jahr sprang das Paar insgesamt 212.500 Euro ein, und er wurde als erster Nicht-Deutscher „Springreiter des Jahres“, was eine Gewinnprämie von 250.000 Euro zusätzlich einbrachte. Alwin Schockemöhle damals: „Thomas ist dennoch ganz normal geblieben, er ist vor allem einer, für den das Wort Freundschaft wirklich etwas bedeutet.“

Beim deutschen CHIO in Aachen – wo Hunde keinen Zutritt haben - trat er nie mehr an. Frühmann hatte seinen geliebten Schäferhund 2005 dennoch mitgebracht, weil er zuhause niemanden gefunden hatte, der das Tier bis zu seiner Rückkehr betreuen sollte. Der damalige Aachen-Geschäftsführer Frank Kemperman drohte ihm daraufhin, er werde ihn nach Hause schicken. Frühmann: „Kemperman ließ nichts gelten, nicht mit sich reden.“ Daraufhin bat Frühmann einen Verwandten, er möge den Hund in Aachen abholen, „und der fuhr deshalb in einem Rutsch 1.700 Kilometer und holte den Hund ab.“ Danach war der CHIO in Aachen für Thomas Frühmann gestorben.

DL

 

 

 


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