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Abritt - oder aus dem Leben des Tierarztes Dr. Peter Cronau PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter F. Cronau/ dl   
Donnerstag, 04. Januar 2024 um 19:13

 

Auf dem Foto Tage vor Beginn der Olympischen Springreiter-Wettkämpfe in Seoul 1988 (links) Pferdepfleger "Karlchen" vom Stall Hafemeister, international bekannt weltweit, auf der Stute Orchidee und Dr. Peter Cronau auf The Freak, beide Pferde gehörten Dieter Hafemeister. Auf Orchidee wurden Dieter Hafemeisters Sohn  Dirk und Ludger Beerbaum auf dem Ersatzpferd The Freak, da Landlord nicht einsatzfähig war, zusammen mit Franke Sloothaak auf Walzerkönig und Wolfgang Brinkmann mit Pedro Goldmedaillengewinner.

(Foto: privat)

Das Leben des ewigen Pferdedoktors Peter F. Cronau (81) wäre es sicher wert, in einem Buch festgehalten zu werden. 81 Fachbeiträge hat der in Kirchen an der Sieg geborene Fachtierarzt für Chirurgie in 45 Jahren Berfufsleben veröffentlicht, 82 Tierärzte, darunter Dr. Björn Nolting, hat er ausgebildet oder weitergefördert, 1993 erstellte er erstmals in Deutschland digitale Röntgenaufnahmen von einem Pferd, von 1990 bis 1998 war er Präsident der Veterinärkommission im Weltverband FEI, 23 Jahre lang fungierte er als Präsident der Tierazt-Kommission beim deutschen CHIO in Aachen, bei acht Olympischen Sommerspielen war er von verschiedenen Equipen als Mannschafts-Tierarzt engagiert, zwischen 1969 und 2012 operierte er nicht weniger als 11.433 Pferde auf allen Erdteilen, und über 500.000 Röntgenbilder von Pferden begutachtete er in seinem Berufsleben, am 9. August 2019 war er 50 Jahre Tierarzt. Seine von ihm gegründete Tierklinik in Bochum hat er nach 35 Jahren 2007 an seinen Sohn und Tierarzt Dr. Marc Cronau (50) übergeben.

Nachkriegszeit und Schulzeit

Geboren wurde ich am 3. Juli 1942 in Kirchen an der Sieg. Man darf es nicht vergessen, aber das war das Stalingrad-Jahr, in dem über 700.000 Menschen ums Leben kamen. Mein Vater (Dr. agr.) war vor dem Krieg bei einer großen Gartengerätefirma in Betzdorf beschäftigt. Meine Schwester Anne-Marie kam 1939 in Siegen auf die Welt. Wir wohnten in Betzdorf. Meine Mutter war Hausfrau und – was heute eigentlich nicht mehr vorkommt - zwei Jahre auf einer Hauswirtschaftsschule in Blankenburg. Ende des Krieges 1945 kam es zum großen Chaos in Deutschland. Meine Eltern tauschten ihr Auto gegen eine Pferdekutsche mit einem Pony „Ella“. Mit Sack und Pack flüchteten wir nach Neerdar im Upland, dem hessischen Teil des Sauerlandes. Auf dem Treck wurden wir von britischen Tieffliegern beschossen. Wir flüchteten über eine Wiese in einen nahegelegenen Wald. Als wir zurückkehrten, sahen wir Einschüsse um das Pony „Ella“ und die Kutsche herum. Beide blieben unversehrt. In Neerdar wurde ich eingeschult. Wegen überdurchschnittlicher Leistungen übersprang ich die 1. Klasse. Es handelte sich um eine sogenannte und viel zitierte Zwergschule, in der sozusagen alle Klassen in einem Raum Unterricht bekamen.

Mein Vater hatte schon vor dem Krieg eine freundschaftliche Verbindung zu Dr. h.c. Gustav Rau, dem bedeutenden Begründer der ländlichen Reiterei und Landstallmeister des Hessischen Landgestüts Dillenburg. Seinerzeit existierte noch eine weitere Dependance des Hessischen Landgestüts in Darmstadt – das Großherzogliche Hessische Landgestüt Darmstadt - unter Leitung von Dr. Frielinghaus. Das Gestüt wurde 1957 aufgelöst. Meinem Vater wurde die Hengststation Neerdar auf dem Hof der Familie Kiel anvertraut. Wir betreuten zwischenzeitlich zehn Kaltbluthengste. In dem kleinen Neerdar wurde in diesen Jahren auch eine Fohlenschau veranstaltet, und im Landgestüt Dillenburg gab es damals schon eine große Hengstparade. Die Anzahl der Pferde in Deutschland fiel deutlich in den Jahren nach dem Krieg nach unten, wobei bis zu 230 000 Pferde nur noch vorhanden waren. Einerseits wurde das Pferd als Kavalleriepferd nicht mehr gefragt und als Arbeitstier verlor es seine Bedeutung, zumal Traktoren und Maschinen größtenteils die landwirtschaftlichen Arbeiten übernahmen. Ein Pferdesport fand nur reduziert statt. Der langjährige spätere Equipechef der Springreiter Helmuth Krah berichtete später, dass sie damals auf das Turnier nach Aachen mit den Pferden im Zug fuhren. Er berichtete aber auch, dass die Pferde kaum Futter hatten und die Reiter nichts zum Essen.

Halbprofi-Ringer als Melker…

Das Arbeitsfeld für meinen Vater als Hengststationsleiter (Volksmund: Gestüter) wurde reduziert. So kam es zur guten Gelegenheit, dass ein landwirtschaftlicher Verwalter für das Hofgut Falkenhof in Bensheim an der Bergstraße gesucht wurde. Der Hof war im Besitz der Familie Wolf in Betzdorf, für die mein Vater vor dem Krieg schon beschäftigt war. Der Hof sollte als Versuchsgut eingesetzt werden, weil dort Garten- und landwirtschaftliche Geräte ausprobiert wurden. Meine weitere Schulkarriere fand am Gymnasium in Bensheim statt. Als einzige Fremdsprache wurde dort nur Englisch gelehrt. Das Hofgut Falkenhof war ein vornehmlich landwirtschaftlicher Betrieb. Drei Zuchtsauen (Bad Bentheimer Sattelschwein), 28 Milchkühe (Schwarzbunte) bildeten den Tierbereich. Ein Melker war für die Kühe verantwortlich (Berufsbegriff: Schweizer). Dieser Arbeiter war semiprofessioneller Ringer, weswegen er das eine oder andere Mal mit ausgekugelter Schulter seine Arbeit nicht verrichten konnte. Eine Gärtnerin und Imkerin vervollständigten neben Landarbeitern und einer Küchenhilfe das Personal. Der Postbote (Spitzname: Schätzchen) kam jeden Tag zu Fuß, um die Post zu bringen. Geschickt wählte er seine Zeit, er blieb immer zum Mittagessen.

Ein Ostpreuße als Reitlehrer

Dem Hof angegliedert war eine Reitschule, die von einem alten ostpreußischen Reitlehrer Herrn Voigt geleitet wurde. Er brachte mir nicht nur das Reiten bei, auch in die Kunst der Benutzung von Bürste und Kardätsche weiht er mich ein, Stallgasse fegen gehörte neben Hufe auskratzen auch zu seinen gehobenen Lehraufgaben. Bei ihm hatte ich die die Grundregeln der Reiterei sozusagen von der Pike auf gelernt. Ich habe das Jugend Reit- und Fahrabzeichen erworben, Fuchsjagen mitgeritten und beim Winzerfest-Festzug die Tete angeführt. Für uns standen zwei Reitpferde zur Verfügung. Das waren ehemalige Zirkuspferde eines aufgelösten Zirkus`. Ein Einstaller hatte eine wunderbare und elastische Stute namens „Poetin“ untergebracht, in seiner Abwesenheit durfte ich sie bewegen.

Der Falkenhof stand vor einer Nutzungsänderung, eine Tochter der Wolf-Geräte-Fabrik in Betzdorf – die Firma Landbedarf – nutzte die Gebäude, die Landwirtschaft wurde verpachtet. Erneut musste mein Vater einen neuen Arbeitsplatz suchen. Nach abgelehnten Angeboten für die UN als Entwicklungshelfer nach Poona in Indien zu gehen oder als landwirtschaftlicher Verwalter in NRW zu arbeiten, fand er eine neue Aufgabe in Wangen im Allgäu bei der Firma Hölz. Diese beschäftigten sich mit Beregnung, Güllefässern und Stallbauten. Wir wohnten in einem Allgäuerhaus Boelckestraße 15 zur Miete, 130 Mark im Monat.

Für mich tauchte der vorgesehene Schultausch als Hürde auf. Mit Englisch als Hauptfach musste ich auf das Rupert-Ness-Gymnasium in Wangen wechseln. Dort war die erste Fremdsprache Französisch, da Wangen französisch besetzte Zone war. Also galt es französisch nachzuholen. Meine Eltern fanden eine Nachhilfelehrerin, die in der Lage war, mich in Grammatik und Vokabular der französischen Sprache einzuarbeiten. Die Lehrerein bewohnte ein Häuslein im Kreis Bergstraße. Ich musste zwei Mal in der Woche mit dem Fahrrad dort hinfahren. Eine Strecke waren 12 Kilometer und das manchmal bei Schnee und Eis. Meine Französisch-Kenntnisse blieben bescheiden, aber durch meine Vorkenntnis in Englisch konnte ich damit auf dem Wangener Gymnasium brillieren. Das Abitur legte ich am 25. März 1961 ab. Mein Mitschüler Bernd S. war etwas schwach auf der Brust in Englisch. Er übergab mir in der Klasse während der Prüfung einen Zettel mit 29 fehlenden Vokabeln. Ich ging auf die Toilette und schrieb die ihm fehlenden Vokabeln auf, die er dann geschickt verwenden konnte. Seltsamerweise legte die Prüfungskommission den Abiturienten eine falsche Vorlage in Französisch vor. Es war ein Geschichte von einem gewissen Maurice Maeterlinck, Originaltitel: La vie des abeilles (Das Leben der Bienen). Es musste für die übersetzenden Abiturienten nahezu unmöglich sein, einen Sinn aus dem falschen Titel zu konstruieren. Seinerzeit wurden keine Konsequenzen aus dieser Misere kreiert, alle Schüler bestanden das Fach Französisch.

Als Käseverpacker für 1,49 DM

Ich wurde von meinen Eltern finanziell kurzgehalten, was ein gewisses Zubrot meinerseits erforderlich machte. Zunächst bewarb ich mich bei der ERBA in Wangen als Ferienarbeit. Der Job war aber wegen zu hoher Anmeldungszahlen schon vergeben. So heuerte ich bei der Adler-Käsefabrik an. Ich wurde in der Verpackung eingesetzt, wo ich praktisch die dreieckigen Käsestücke manuell in die Kartons verfrachten musste. Für diesen Job gab es 1,49 DM pro Stunde. Käse konnte man frei essen, was aber nach dem dritten Tag auch keinen Appetit mehr machte. Im Jahr darauf nahm ich einen Job im Steinbruch der Firma Rinninger (RIKI) in Kißlegg an. Das war eine anstrengende Tätigkeit, zumal mit bloßen Händen die Steine auf eine Palette geschichtet werden mussten. Zur Fahrt nach Kißlegg benutzte ich mein Moped der Marke NSU Quickly (Kaufpreis: 50 DM). Nach meinem Ferienjob in Kißlegg kaufte ich mir ein anderes Moped der Marke DKW Hummel. Als Beibrot diente auch meine Mitgliedschaft in einer Tanz-Band. Mein Instrument war Gitarre, wir spielten samstags zum Tanz im Hotel Weiß in Hergatz und gelegentlich im Gasthof Adler in Deuchelried.

(Fortsezung folgt)

 

 

 

 

 


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