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Von Scheinheiligen und Warmduschern... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Leiß   
Mittwoch, 06. Januar 2010 um 10:35


Stuttgart. Das Jahr 2009 wurde zur Stunde Null für die Dressur in Holland und in Deutschland. Holland hat die Führung in der internationalen Dressurszene übernommen und beginnt eine neue Zeitrechnung.


Kommentar in Dressur Aktuell

Nach mehr als 25jähriger Vorherrschaft mussten die Deutschen diese an ihre Nachbarn abgeben. Warum? Noch immer haben die Deutschen die größte Pferdezucht was Dressurpferde angeht. Noch immer gibt es in Deutschland mehr Dressurtrainer als irgendwo anders in der Welt. Noch immer finden in Deutschland die meisten Dressurturniere statt. Deutschland hat die besten und meisten Dressurrichter. Die Liste der herausragenden Dressurreiter, seien es Amateure oder Berufsreiter in Deutschland ist lang.

Erfolge machten Deutsche satt

Warum also dieser vermeintliche Absturz? Oft wurde der Ausverkauf der guten Dressurpferde oder die Entwicklungshilfe der deutschen Trainer im Ausland als Grund herangeführt. Doch das aktuell beste Dressurpferd Totilas ist aus holländischer Zucht und wird nicht von einem deutschen Trainer trainiert.
Vielmehr haben die Jahrzehnte anhaltenden Erfolge der Deutschen, die Deutschen satt gemacht und die Vielzahl der talentierten Pferde und Reiter haben dazu verleitet, dass nach dem Auswahlprinzip gehandelt wurde und nicht die vorhandenen Talente gefördert wurden.

Ein Indiz, dass dem so ist, ist die Tatsache, dass eine Reiterin wie Karen Tebar als Französin bis zur Weltspitze aufsteigen konnte, als Deutsche wohl nie die Chance bekommen hätte, ihr Potential überhaupt zu zeigen.

Die Stunde Null in der Dressur, sollte den neuen Dressurausschuss dazu bewegen, sich von dem Auswahlprinzip abzuwenden und zu einer Förderung überzugehen. Dazu benötigt man Konzepte, geeignete Personen und finanzielle Mittel. Es bleibt zu hoffen, dass der Ausschuss die Weitsicht, die Kraft und die Mittel hat, eine Änderung herbeizuführen. Zu befürchten ist, dass gehofft wird, dass durch einige wenige Familien, die den Dressursport der letzten Jahrzehnte getragen haben, neu Impulse kommen. Damit wäre die Chance vertan, die ein solcher Absturz in sich birgt.

Ausnahmepferd Totilas

Verbunden mit dem Führungswechsel in der Dressur, war auch das Auftauchen eines Ausnahmepferdes namens Totilas bei den Europameisterschaften in Windsor Castle. Wie immer in Deutschland, kann man sich über Außergewöhnliches nicht einfach nur freuen, sondern man sucht zwanghaft Negatives. So geschehen, nachzulesen in den einschlägigen Medien. Jeder der Totilas live erleben durfte, hat mitbekommen, dass dies ein besonderes Pferd ist, sicher nicht perfekt, aber wirklich besonders. Man darf hoffen, dass es uns noch lange erfreuen wird, denn es ist eine Augenweide diesen Hengst zu sehen. Solange es immer wieder solche Pferde gibt, und es wird auch in Deutschland immer wieder solche Ausnahmepferde geben, macht es Spaß, diesem Sport anzuhängen.

Doping – tragische Komponente

Dass das Jahr 2009 auch eine tragische Komponente hatte, muss leider auch erwähnt werden. Die Ikone der deutschen Dressurszene, Isabell Werth, die derzeit erfolgreichste Dressurreiterin der Welt, wurde des Dopings überführt. Tragisch deshalb, weil sie als Reiterin die Verantwortung für diesen Vorfall übernehmen musste und auch die Konsequenzen tragen musste, obwohl andere mindesten die gleiche Schuld an diesem Vorfall hatten. Dies kann und muss auch als Folge eines jahrelangen Verdrängen eines Problems erklärt werden. Schon immer haben sich die Reiter beim Thema Doping auf andere verlassen. Sie haben gehofft, dass die Funktionäre der FN und der FEI, die Tierärzte, die Veranstalter und die Pferdebesitzer alles schon im Sinne der Reiter regeln werden. Nun muss man konstatieren, dass sich die FN und die FEI nicht als Interessenverband der Reiter verhalten, sondern als Kontrollinstanz, die hinter jedem Reiter einen potentiellen Doper sieht, dass die Tierärzte sich fein raushalten und - nachdem das Malheur passiert ist - ihre Hände meist in Unschuld waschen, dass die Veranstalter bis vor Kurzem die Reiter noch zu Starts unter allen Umständen drängten und sich nun als Saubermacher darstellen wollen, weil sie Angst haben, dass ihnen die Zuschauer und das Fernsehen weglaufen. Die Reiter haben es bis heute nicht geschafft ihre Interessen zu formulieren, geschweige denn einzubringen. Die Ereignisse um Isabell Werth und andere sollten die Reiter wachrütteln und zum gemeinsamen Handeln veranlassen.

Millionen-Umsatz mit Buta-Ersatz

Fazit ist, und das zeigen auch die Vorkommnisse um die Progressive List der FEI, dass die Dopingproblematik noch lange nicht gelöst ist. Je länger dies dauert, um so länger trägt unser Sport Schäden davon. Reden tun wir ja hier, wie fast immer nur, von den wenigen Turnierreitern. Was ist mit der Vielzahl von Nichtturnierreitern, die nach den derzeit gültigen Regeln des Turniersports täglich dopen? Mit dem Medikament Metacam z.B., das als Ersatz für Buta-Produkte schmerz- und entzündungshemmend eingesetzt wird, macht die Pharmafirma Böhringer-Ingelheim im Jahr allein 70 Mio. € Umsatz. Wie viele Pferde kann man damit behandeln? Sicher mehr als es Turnierpferde gibt.

Dauerbrenner-Thema Rollkur...

Auch in 2009 hat uns dieses Dauerbrenner-Thema weiter beschäftigt, nicht zuletzt deshalb, weil es schön einfach ist, erfolgreiche Personen, ob Reiter oder Trainer, damit zu diskreditieren. Vieles was da vorgebracht wird, kann auf dieses Konto der medienwirksamen Reaktion verbucht werden. Auf der anderen Seite gibt es immer noch Reiter, die nicht begriffen haben, dass ein sensibler, pferdegerechter Umgang oberstes Gebot darstellt. Dass die Grenzen dabei nicht eindeutig gezogen werden können, das ist das große Problem. Auch weil immer wieder Birnen mit Äpfeln verglichen werden. Sprich, man schert alle Reiter über denselben Kamm, sei es ein Freizeitreiter oder ein Grand Prix Reiter. Solange es Reiter gibt, und es sind nicht wenige, die ein Hannoversches Reithalfter für ein Marterinstrument halten, braucht man mit Kandare oder Schlaufzügel gar nicht erst anzutanzen. Freizeitpferde, die vielleicht 2-3 mal in der Woche geritten werden und Hochleistungs-Sportpferde, die eine rundum Betreuung, mit mehrmaliger Bewegung am Tag erhalten, kann man nicht in einen Topf schmeißen. Fehler werden hier und da gemacht. Man darf aber nicht, weil es populistisch ist, nur den im Rampenlicht stehenden Hochleistungssportler mit Maßstäben eines Koppelpferdes angreifen.

Propagierte Formel: Erfolg = Tierquälerei

Zu wünschen wäre, dass die Scheinheiligkeit, die in unserem Sport in weiten Teilen vorherrscht, abgelegt wird. Anfangen könnte man da z.B. mit der Bloßstellung ehemaliger Dressurgrößen, die heute als Warmduscher auftreten und ihre Arbeitsmethoden alter Tage im senilen Vergessen begraben möchten. Die propagierte Formel: Erfolg = Tierquälerei, die oft von erfolglosen Turnierreitern entwickelt wurde, ist in gleichem Maße scheinheilig, denn nur wer nicht reitet, macht keine Fehler beim Reiten.

Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Vor Jahren war ich geschockt, als Freizeitreiter mich, der ich Vielseitigkeitsreiter war, als Tierquäler bezeichnet haben, obwohl meine Pferde bis ins hohe Alter eingesetzt werden konnten. Das hat mich lange und bis heute beschäftigt und immer wieder dazu geführt, dass ich mein Verhalten und meinen Umgang mit Pferden immer aufs Neue überdacht habe. Als ich aber diese Freizeitreiter damals auf den Umstand angesprochen habe, dass sie alle 2-3 Jahre ihre Pferde austauschen müssten, weil sie verbraucht waren, kam die Antwort, dass sie einfach nur Pech bei der Auswahl der Pferde gehabt hätten....

Wenn wir einige unserer guten Vorsätze realisieren können, haben wir für unsere Pferde viel erreicht.

In diesem Sinne alles Gute für Sie und Ihre Pferde für das Jahr 2010!
 

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