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Prinzessin Haya - die Frau mit den zwei Gesichtern PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Montag, 03. Mai 2010 um 09:36


Lausanne. Sie gilt als Frau mit den zwei Gesichern, die Prinzessin Haya von Jordanien, Präsidentin des Reitertweltverbandes, FEI. Widerspruch lässt sie nicht gelten, oder nur meist unwillig. Sie verbreite eine Schreckensherrschaft im von ihr der FEI zur Verfügung gestellten Haus in Lausanne, andere wieder sagen, nie wäre eine FEI-Präsidentin so nahe am Sport gewesen wie sie. Am heutigen 3.Mai wurde sie 36 Jahre alt.

Am 1.Mai 2006 wurde Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Haya Bint Al Hussein von Jordanien in Kuala Lumpur zur neuen Präsidentin des Weltverbandes gewählt. Frank Kemperman (Niederlande), Vorstandsvorsitzender des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), inzwischen auch Mitglied im Präsidium der FEI, sagte damals: “Sie lieferte eine starke Präsentation ab. Ich glaube, sie wird frischen Wind in die FEI bringen, denn sie kommt ja auch aus dem Sport.” Die neue Chefin sagte, sie werde alles in ihrer Kraft unternehmen, um den Pferdesport weiter zu bringen, ihn aber auch vor Angriffen zu schützen. Ihr Amt endet in diesem Jahr, sie will jedoch nochmals kandidieren. Ihre Vorgängerin, Dona Pilar de Borbon,  Schwester des spanischen Königs Juan Carlos, stand zwölf Jahre der Internationalen Föderation vor.

In dem Buch “Das Pferd im zwanzigsten Jahrhundert – 100 Jahre in 100 Interviews” erzählt Prinzessin Haya: “Mein Vater sagte immer zu mir: Wenn endlich Frieden im Mittleren Osten sein wird, entsteht ein Vakuum. Das Vakuum muß gefüllt werden. Es wird endlich Platz sein für den professionellen Sport. Und für ein Aufblühen der Kultur. Dann mußt Du Vorbild für unser Land sein. Jordanien kennt keine professionellen Athleten. Und schon gar keine weiblichen. Ich kann keine Vorbildfunktion für mich beanspruchen, aber ich hoffe, dass die Menschen in Jordanien mich doch so sehen werden.” Ihre Mutter Alia Al Hussein kam 1977 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben, sie war gerade drei Jahre alt.

 

Mit 14 erstmals beim CHIO von Deutschland

 

Mit 14 erlebte sie erstmals den deutschen CHIO in Aachen. Sie fand die Veranstaltung „phantastisch“. Sechsjährig saß sie auf einem Pony, mit zwölf bestritt sie bereits Wettkämpfe. Ihr Vater begeisterte sie für diesen Sport. Als erste Frau der arabischen Welt trat sie im Reitsport auf. 1994 gewann sie bei den Pan-Arabischen Reiterwettkämpfen Bronze im Springen. Sie besuchte das Gymnasium in Bristol und studierte in England mit Examen Politik, Philosophie, Geschichte und Wirtschaftswissenschaft. Dann intensivierte sie das Reittraining. Zunächst zwei Jahre bis 1997 bei Paul Darragh in Irland, dort ritt sie auch Galopprennen. Sie merkte, um etwas im Turniersport zu erreichen, „musste ich auf  das Festland.“

Sie hatte zwei Trainer im Auge, den Niederländer Hans Horn und den Deutschen Paul Schockemöhle aus Mühlen in Oldenburg. „Ich ging zu Schockemöhle. Er arbeitete viel im Mittleren Osten, er kennt unsere Kultur.“ Und weiter sagt sie: „Die Pferde, die ich bei Paul Schockemöhle kaufte, hatten alle eines gemeinsam: Sie wollten springen, sie hatten Herz und Seele.“  Den wunderbaren Schimmelhengst Come On leaste sie von Ludger Beerbaum und dessen früherem Geschäftspartner und Reiterkollegen Ralf Schneider, mit dem sie mehr als befreundet war. „Ich fühlte mich geehrt, auf einer solchen Pferde-Persönlichkeit reiten zu dürfen“, meinte sie damals. Auf Come On nahm sie 1998 beim CHIO von Deutschland  teil. Sie gab keine schlechte Figur ab.

 

Leben im Ein-Zimmer-Appartement

Die Prinzessin lebte während ihrer Mühlener Zeit bescheiden in einem Ein-Zimmer-Appartement in Steinfeld bei Mühlen. Dort wollte sie Ralf Schneider mal etwas brutzeln. Am Herd hatte sie jedoch vorher nie gestanden. Also versuchte sie, Ratschläge zuhause zu holen, wo jedoch niemand wusste, was man in Europa so in die Pfanne haut. Zuletzt rief sie ihren Vater in den USA an, der dort wegen seiner Krebserkrankung gerade behandelt wurde. König Hussein hatte dann diesen Spruch parat: „Eine Königstochter muss nicht kochen können.“ 1998 war der König selbst in Mühlen. Paul Schockemöhle: „Ein ganz bescheidener Mann. Er saß mit uns in der Kantine des Turnierstalles.“ Ein Jahr später starb er.

 

Konzentration ist alles

Schon als Kind interssierte sie sich „wie Spitzenathleten ganz nach oben kommen“. Sie kam zur Überzeugung: „Durch Konzentration in erster Linie.“ Auf  Reiten umgesetzt:  „Die Spitzenreiter übertragen die Konzentration auf ihr Pferd.“ Eines wurde ihr auch bewusst, “reines Lesen kluger Bücher bringt einen nicht unbedingt weiter, man muss sich sein eigenes Konzept ausarbeiten.”

Der Start bei Olympia war der Wunschtraum ihres Vaters, ihn zu erfüllen, wurde für sie fast Gesetz. Sie schaffte es, wenn auch ein bisschen mit Goodwill anderer. Obwohl sie die offiziellen Auflagen der FEI nicht erfüllte, konnte sie in Sydney 2000 starten. Wie Olaf Petersen, Parcoursbauer und damals Vorsitzender des Spring-Komitees erklärte, habe man „sportpolitische Gründe gelten lassen, da die vom Internationalen Olympischen Komitee zugestandenen Plätze nicht voll genutzt wurden“.

Ohne Olympia-Qualifikation - doch am Start

Bei der für sie festgelegten Qualifikation in Falsterbo (Schweden) war die Königstochter mit 52,5-Fehlerpunkten aus dem Parcours gekommen und hatte das Limit um 44,5 Fehlerpunkte übertroffen, doch dann beim Juli-Turnier hatte sie sich auf der Stute Lucilla im Großen Preis in San Patrignano bei Rimini kurz vor dem absoluten Nennungsschluss für Sydney platziert, „so dass man sagte, sie habe den Befähigungsnachweis für Olympia erbracht“ (Petersen). Prinzessin Haya, die vor dem Abflug in Paris trainierte, quartierte ihr Pferd im als Quarantäne-Station ausgewiesenen Aachener CHIO-Stadion ein.  In einer normalen Frachtmachine wurde das Pferd am 2.September nach Sydney geflogen. „Alles war nicht so einfach“, wie der auf den Flugdienst für Pferde spezialisierte Ire Martin Atock erklärte, „denn viele Botschaften schalteten sich ein. Haya war eben keine normale Person.“ Die Kosten in einer Linien-Frachtmaschine musste die Prinzessin selbst tragen, so um die 30.000 Euro.

Auf der anderen Seite der Erde schied sie auf der Holsteiner Landgraf-Tochter Lucilla in der dritten Qualifikation nach Sturz aus, doch schlecht sah sie keineswegs im olympischen Parcours aus. Es gab hässlichere Bilder.

 

Medienstar bei den Asienspielen `94

Bei den Asienspielen 1994 in Hiroshima war die Prinzessin der absulote Medienstar. Sie knallte im Einzelspringen zwar in einen Oxer und brach eine Rippe, doch sie ging nach der Behandlung im Krankenhaus sofort zurück zum Turnierplatz, ergriff das Mikrofon und sprach die Dankesworte der Reiter für die Organisation.

Ihren ersten sportlichen Auftritt in Deutschland hatte die zweimalige jordanische „Sportlerin des Jahres“ 1995 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyerhalle. Sie ritt mit dem Österreicher Hugo Simon die Shownummer „Profi und Amateur“. Erstmals „im Geld“ war sie 1997 beim Turnier in Rostock, “wo ich erstmals nicht zuzahlen musste”, den ersten Sieg in einer schweren Prüfung feierte sie am 1.Mai 1999 in Kirchdorf bei Celle, als sie auf dem Wallach Mustafa erfolgreich war.

 

Ehrungen nicht zählbar

Ihre Ehrungen und Auszeichnungen sind nicht auswendig zu lernen. Nur um einige zu nennen:  Fünfmal wurde sie jordanische Landesmeisterin im Springreiten, die spanische Föderation ehrte sie als „Reiter-Persönlichkeit des Jahres 1996“, sie erhielt von der „Tourismus-Gesellschaft“ Jordaniens den “Goldenen Helm” 2000 für ihre Werbung um deutsche Gäste, und sie wurde geehrt als „legendäre weibliche Persönlichkeit“, sie sitzt in der Athleten-Kommssion des Internationalen Olympischen Komitees, sie ist Mitglied der von Prof. Dr. Arno Gego und Olaf Petersen gegründeten „Aachen School of Course Design“ und des Internationalen Olympischen Komitees, Präsidentin des jordanischen Sportbundes, Mitglied des Präsidiums für Kinder „Recht zum Spielen“ und inzwischen auch Erste Vorsitzende im Dubai Equestrian Club, und sie führt in ihrem Land die “Kampagne gegen das Rauchen” an.

Neben ihrer Muttersprache spricht sie Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und auch ein wenig Russisch. Auch ein paar Brocken Deutsch. Als einzige Frau Jordaniens besitzt sie einen LKW-Führerschein. Sie schreibt Gedichte, läuft Ski, segelt und schwimmt gerne, sie gärtnert und nennt Fotografieren als Hobby. Am 20.April 2004 heiratete sie in Amman den Scheich Mohammad Ibn Rashid al Maktoum von Dubai, einen leidenschaftlichen Distanzreiter, der immer die Nummer 7 trägt. Auf diese Disziplin sattelte Prinzessin Haya inzwischen ebenfalls um. Sie gewann in England im Sommer 2005 bereits einen Wettbewerb über 160 km. Am 2.Dezember 2007 wurde sie Mutter einer Tochter.

 

 


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