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Dr. Angelika Trabert - erfolgreich mit Behinderung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Montag, 14. Juni 2010 um 18:43

 

 Herbstein. Dr. Angelika Trabert kam mit Fehlbildungen beider Beine auf die Welt, sie wurde eine der erfolgreichsten Handicapreiterinnen der Welt. Sie hofft auf eine Nominierung für die Weltreiterspiele in Lexington, wo die Behindertenreiter erstmals nicht als Anhängsel wie bei Olympia ihre Wettkämpfe bestreiten. In einem Interview gibt sie kleine Einblicke in das „andere Leben“ einer Reiterin.



 

Von Championaten brachte sie 13 Silber- und zwei Goldmedaillen mit. Sie wurde als Aktivensprecherin im Weltverband gewählt, sie erzählt von den Schwierigkeiten für Reiter mit Behinderung, und sie vermisst teilweise die Unterstützung von Offiziellen und Zuchtverbänden. Bei der Deutschen Meisterschaft in Bochum (9. bis 11. Juli) will sie die Flugkarte für Lexington  holen.

 


 Angelika Trabert mit dem Trakehner Ghazim, ihrem ersten eigenen Pferd (Foto: Julia Rau)

 

Wie sind Sie zum Pferdesport gekommen? Haben Sie schon als Kind reiten gelernt?

 

Dr. Angelika Trabert: „Mit sechs Jahren saß ich zum ersten Mal auf einem Pferd, auf einem Pony. Da mein Interesse an Pferden weiterhin bestehen blieb, bemühten sich meine Eltern um eine Möglichkeit, das Reiten zu erlernen, was sich damals als sehr schwierig herausstellte. So begann ich mittels der Hippotherapie, der Krankengymnastik auf dem Pferd. Dann nahm ich erstmals Kontakt zum Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten auf. Es folgte ein unregelmäßiges Reiten bei den unterschiedlichsten Reitlehrern und Reitlehrerinnen auf den verschiedensten Pferden.

 

1985 war ich erstmalig bei einer Familie namens Price in den USA für fünf Wochen. Die Familie hat eine Tochter namens Michelle, die durch Knochenkrebs mit acht Jahren ihr rechtes Bein verlor. Sie bat mich, auf ihrem sensiblen Pferd namens "Prince" ohne Prothesen zu reiten – wie sie selbst. Das war eine ganz neue Erfahrung, ohne größere Schmerzen wurde nun das korrekte Reiten möglich.

 

Zu Hause setzte ich das Reiten im Westernsattel fort, der mir ohne Prothesen wesentlich mehr Halt gab, bis ich 1989 mit Hilfe von Pfr. von Dietze den ersten Spezialsattel bekam. Jetzt begann für mich Dressurreiten. So erwarb ich 1990 das Reiterabzeichen der Klasse IV und der Klasse III, es folgten die Prüfungen zum Reitwart, Trainer C, und zum Ausbilder im Reiten als Sport für Behinderte. 1999 dann auf dem eigenen Pferd machte ich das Reiterabzeichen der Klasse II, 2001 legte ich die Prüfung zum Trainer A – Amateurreitlehrer -  im Landgestüt in Dillenburg ab, dazu die Prüfung zum Richteranwärter.

Mein erstes eigenes Pferd "Ghazim" kaufte ich 1992. Der Trakehner-Wallach und ich haben Höhen und Tiefen durchgestanden.“


 

Wann begann der Übergang zum Wettkampfsport?

 

A.T.: „International bin ich seit 1991 aktiv, auf vier  Paralympics, vier Weltmeisterschaften und drei Europameisterschaften errang ich insgesamt 13 Silber und zwei Goldmedaillen.
1996 in Atlanta wurde ich als Athletensprecherin in den Vorstand der IPEC, das International Paralympic Equestrian Committee, gewählt und 2000 in Sydney und auch 2006 in meinem Amt bestätigt. So habe ich den Auftritt der internationalen Webseite initiiert und betreute diese bis 2009 unter www.para-equestrian.info.  

Zehn Jahre unterrichtete ich Kinder und Jugendliche mit Handicap, und hoffe, ihnen damit etwas Einblick in die Möglichkeiten mit dem Pferd gegeben zu haben. Für viele ist es eine ganz neue Erfahrung, einmal selbst entscheiden zu müssen ... wohin sie reiten, wie man sich gegenüber dem Lebewesen Pferd durchsetzt etc.!“


Mit welchem  Pferd begann alles? Woher bekamen Sie die Pferde, mit denen Sie im Sport soweit gekommen sind?

 

  A.T.: „ Mit 22 war es endlich soweit. Einen  Teil Geld hatte ich selbst gespart, einen größeren Teil erhielt ich von meiner Oma und meinem Großonkel. Damit kaufte ich mir den damals dreijährigen Trakehner "Ghazim" von Anduc aus einer Kastillo-Tochter. Viele erklärten mich für verrückt, mir ein solch` junges Pferd zu kaufen. Mit Geduld und fachkundiger Hilfe schafften wir es jedoch gemeinsam bis zum Reitabzeichen der Klasse II und dem Amateurreitlehrer. Derweil begann schon 1991 meine Karriere im internationalen Behindertensport, als ich von der zweiten WM mit zwei Silbermedaillen heimkehrte. Damals fand dies alles noch auf Leihpferden statt, die vom Gastgeberland zur Verfügung gestellt wurden. Dies änderte sich nach den Paralympics in Sydney. Seit 2002 dürfen auch wir auf unseren eigenen Pferden starten und damit zeigen, was wir wirklich können, oder haben Sie schon mal versucht, auf einem "Hunter und Jumper" eine Dressuraufgabe zu reiten? Das passierte mir bei den ersten Paralympics, an denen wir teilnehmen durften, 1996 in Atlanta.

 

Nachdem Ghazim 2003 auf Grund eines Fesselträgerschadens aus dem Leistungssport ausschied, suchte ich über ein Jahr nach einem neuen Pferd, welches ich in Form von Walmorel durch Heinrich Brähler im Frühjahr fand. Die damals neunjährige Hannoveraner Stute von Wolkenstein II, aus einer Pik Bube Mutter, besticht durch ihren Arbeitenseinsatz und ihre Feinfühligkeit. Mich hat sie noch nie im Stich gelassen, und sie hat mir neue Dimensionen in der Reiterei eröffnet. So durfte ich 2009 mit ihr meine erste S- Dressur gehen.

In 2007 verletzte sie sich, und da ich dann mal wieder „nichts zum Reiten hatte“, durfte ich die siebenjährige Londria - von Londonderry aus einer Weltmeyer Mutter -  mitreiten. Glücklicherweise gab es dank des Teams Rheinland-Pfalz eine adäquate Förderung, so dass es mir möglich war, die Stute zu kaufen und auch weiter zu finanzieren. Sie ist keine einfache Stute, wird aber auf Grund ihrer Taktsicherheit und ihrer Sensibilität sehr geschätzt. Leider verletzte sie sich vor Beginn der Saison 2010, so dass ich nochmals nach einen Leihpferd Ausschau hielt.


Walmorel  mit Fohlen (Foto: Angelika Trabert)

Denn auch Walmorel ist derzeit nicht einsatzbereit, da sie ihr erstes Fohlen bekam. Auch dieses Mal war Stallbesitzer Heinrich Brähler - www.braehler-sportpferde.de -  derjenige, der eine Lösung fand. Er setzte mich auf die siebenjährige Alabaster-Tochter Ariva-Avanti! Nach nur `fünf  Wochen gewann sie mit mir die ersten beiden Ausscheidungsprüfungen für Kentucky auf dem Mannheimer Maimarkt-Turnier.


Walmorel 2006 auf dem Mannheimer Maimarkt (Foto: Julia Rau)

Nun bin ich gespannt, wie sie sich weiter entwickelt und hoffe sehr, dass auch Londria bald wieder top fit ist. Froh bin ich, dass es mir mit kompetenter Hilfe immer wieder gelingt, neue Pferde an den Start zu bringen. Dank meiner Vierbeiner durfte ich schon viel erleben, was ich nicht missen möchte.“


  

Unterstützt Sie die FN, an ein geeignetes Pferd zu kommen, wenn ja, auf welche Weise? Oder spielt das Kuratorium für therapeutisches Reiten hierfür eine Rolle? Wer hilft grundsätzlich einem behinderten Reiter, ein zu ihm passendes Pferd zu finden?

 

A.T.: „Leider ist man bei der Suche nach einem geeigneten Pferd hauptsächlich auf sich selbst gestellt. Es obliegt der Eigeninitiative und Kreativität, ein passendes Pferd zu finden. Hier wünschte ich mir seitens der Verbände und der Offiziellen etwas mehr Offenheit und Mut. Denn ich glaube, dass es häufig mit der Angst vor dem Unbekannten zu tun hat, uns Pferde erst gar nicht anzubieten.

Aber wäre es nicht vielleicht auch eine gute Werbung für eine Rasse, wenn sich das Pferd durch kleinste Hilfen unbeirrt im Turniergeschehen präsentiert? Daher geht meine Bitte an dieser Stelle auch an die Zuchtverbände: Reitsportler mit Handicap zu unterstützen und ggf. Verbindungen mit Züchtern herzustellen, denn nur so wird es auch in Zukunft möglich sein, mit dem internationalen Niveau Schritt zu halten.

Nur wenn wir insbesondere auch Nachwuchssportlern diese Unterstützung bieten, wird es uns auf Dauer gelingen, bei den großen Championaten die Nase weiter vorne zu haben. Die Konkurrenz ist groß, und nicht selten müssen wir uns mittlerweile Vollprofis stellen!“

 

Europa-Meisterschaft Norwegen 2009 mit Londria (Foto: Feli Hammerschmidt)

 

Welche Behinderung haben Sie, welchen Grad und dementsprechend welche Eigenschaften muss das für Sie passende Pferd, abgesehen vom Beherrschen der geforderten Lektionen, haben?

 

A.T.: „Ich wurde mit einer Dysmelie, einer Fehlbildung beider Beine, geboren, weshalb ich mich mittels zweier Oberschenkelprothesen fortbewege. Für längere Strecken nutze ich einen Rollstuhl. An meiner rechten Hand fehlen mir zwei Finger und die jeweiligen Mittelgelenke. Dies behindert mich jedoch so gut wie nicht. Damit bin ich "Profile 11“, und das ist wiederum Grade II zugeordnet.

Aus diesem Grund benötige ich ein sensibles Pferd, das so charakterstark und mutig ist, dass es nicht bei jeder Kleinigkeit die Flucht ergreift. Es darf keine Angst vor Gerten haben, denn diese benötige ich für meine Hilfengebung. Der Rest lässt sich den meisten Pferden mit etwas Geduld beibringen.“


 

 Wie halten Sie Ihr Pferd auf dem hohen Leistungs-Niveau und wer hilft Ihnen dabei?  Wie stark muss ein eigener Trainer/Bereiter dabei mitwirken? Wie oft kommt der Bundestrainer, um Training und Leistungsstand zu begutachten?

 

 A.T.: „Alle Pferde von mir stehen im Vogelsberg. Nicht, weil es im Rhein-Main-Gebiet keinen Stall gäbe,  sondern, weil sie in Herbstein die entsprechende Betreuung und das entsprechende Training bekommen. Nur dadurch ist es mir möglich,  trotz meines Jobs - ich bin Anästhesistin - auf diesem Niveau zu reiten. Den Stallbesitzer, Heinrich Brähler, kenne sich seit über zehn Jahren. 2004 hat er mir die Hannoveraner Stute Walmoral verkauft. Auf Grund des Sattelzwangs war sie für mich alleine nicht händelbar. So blieb ich erst einmal dort... dabei ist es geblieben und heute kann ich mir kaum noch vorstellen, aus "meinem" Stall wegzugehen. So wird Heinrich wohl auch weiterhin mit mir leben müssen.

 Ein Bereiter ist in sofern immens wichtig, als dass er meines Erachtens für den Ausgleich beim Pferd verantwortlich ist. Hierzu ein Statement von Heinrich Brähler, welches mich anfänglich sehr getroffen hat: `Das Pferd wird auch nicht besser, wenn Du es öfter reitest!` Mein erster Gedanke war: Da reitet man nun schon so lange und dann soll das Pferd nicht besser werden?

Aber mit einem Handicap fordert man das Pferd extrem. Psychisch wie physisch. Es muss auf kleinste Hilfen reagieren und soll auch noch differenzieren, welche Hilfe vielleicht auf Grund der Handicaps ungenau gegeben wurde und welche Hilfe dann doch so gemeint war. Außerdem muss es mit Schwierigkeiten wie, in meinem Fall, der Unfähigkeit des Leichttrabens, leben, das heißt auch mangelnde Entspannungsmöglichkeit des sowieso schwer beanspruchten Pferderückens, denn die Hilfengebung erfolgt eben hauptsächlich über Gewicht und Kreuz.

 

Am Mikro: Uta Gräf, Landestrainerin von Rheinland-Pfalz (Foto: Julia Rau)

 

Das Mitwirken eines Trainers oder Bereiters ist von zentraler Bedeutung, denn nicht nur der Ausgleich des Pferdes muss ggf. über ihn laufen, sondern auch das Erlernen neuer Lektionen muss mit ihm besprochen werden. Wie ist z.B. die Hilfengebung bei einem fliegenden Wechsel? Wo ist die Gerte einzusetzen, was kann ich dem Pferd vielleicht noch beibringen, damit mein Reiter die Lektion bei dem Pferd abrufen kann und dies für beide von Erfolg gekrönt ist. Allerdings sollte diese Frage  sich ein Bereiter oder Trainer viel häufiger stellen, denn schließlich soll nicht der Bereiter, sondern der Reiter, ob mit oder ohne Handicap, mit dem Pferd klarkommen. So glaube ich, dass alles wie beim normalen Reiter abläuft, jedoch müssen Lektionen und Ziele genauer definiert und besprochen werden.

 

Was den Bundestrainer betrifft, der kommt in der Regel nicht zum Heimatstall, vielmehr fahren wir, auf Einladung, zum Kadertraining nach Warendorf. Dort verschafft sich der Bundestrainer ein Bild vom derzeitigen Leistungsstand.“


Angelika Trabert mit Londria (Foto: Julia Rau)

 

 

Haben Sie noch andere Tiere, die mit Ihnen zusammenleben?

 

A.T.: „Ja! Ich habe noch einen Hund. Es ist ein Australian Sheperd namens Keanu. Seinem hawaianischen Namen "Keanu" - frische Brise, die über die Hügel weht -macht er alle Ehre. Er ist immer hoch motiviert und voller Freude, wenn sich jemand mit ihm beschäftigt. Da ich ihn erst mit einem Jahr übernommen habe, er war ein `Scheidungskind`, hat er auch heute noch Schwierigkeiten. Bei Pferden geht schon mal sein Hüteinstinkt mit ihm durch, was Reiter auf einem Abreitplatz nicht unbedingt schätzen. Eines ist jedoch sicher: Langweilig wird uns mit ihm nie!“

 

 

 

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