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Pferde können den Schmerz nicht herausschreien... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Marianne Fankhauser-Gossweiler/ DL   
Mittwoch, 17. Oktober 2018 um 20:43

Wassenberg. Das 103. Internationale Offizielle Turnier (CHIO) von Deutschland endete in Aachen am 22. Juli. Doch im Internet läuft der CHIO immer noch, vor allem wegen eines Videos über das Abreiten in der Dressur, das aufwühlt. Die frühere große Schweizer Dressurreiterin Marianne Fankhauser-Gossweiler schrieb zur gesamten Problematik ihre Meinung in einem Offenen Brief.

 

 

Aachen ist passe. Der Zuschauer ist bei verschiedenen Anlässen nicht nur unbeteiligter Zuschauer oder Beobachter, auch Kritiker, vor allem, wenn er gequälte Tiere sieht. Und dazu muss niemand selbst Reiter sein. Die Zeit ist vorbei, dass sich der mündige Bürger vor allem im Sport als Dummkopf verkaufen lässt. Über die modernen Medien hat er die Möglichkeit, indirekt Einfluss zu nehmen. Und wenn plötzlich Tausende das im Netz verbreitete  Thema vehement aufgreifen, hilft kein Wegducken mehr. Bilder lügen nicht. Dann ist ein Video ein großes Thema, und das griff nun auch Marianne Fankhauser-Gossweiler auf, als sie schrieb:

„Zu meiner Zeit, in den 60er und 70er Jahren haben auch wir unsere Pferde wie man so sagt zurechtgestellt. Auch am Zügel, mit und ohne Kandare, herum- und den Pferde-Kopf vor die Brust gezogen. Auch wir haben die Sporen nicht nur als verlängerter Schenkel eingesetzt. Oft haben wir uns hinterher geschämt über unser unbeherrschtes Verhalten, versprachen Besserung und fielen doch wieder dem Trugschluss zum Opfer, dass man mit Gewalt zu Harmonie gelangen könne. Es ist das Los der Pferde, von denen ist hier die Rede sein soll, dass sie vieles über sich ergehen lassen müssen und dies auch tun. Sie sind sehr leidensfähig, und dieser Eindruck verstärkt sich, weil sie sich nicht geräuschvoll zu wehren wissen. Man kann sie nicht hören und deshalb werden sie überhört...

Wie gesagt, das war immer schon so. Es war eine Reaktion des Reiters auf das Verhalten seines Pferdes, auf dessen Unwilligkeit, Ungehorsam, Faulheit, Weglaufen unter dem Reiter, nicht nachgeben im Genick, sich nicht biegen wollen oder können und dergleichen mehr. Es gäbe noch Einiges aufzuzählen, weshalb solche Aktionen vorkamen. Dies waren aber kurze oder kürzere Reaktionen des Reiters und haben sicher, vor allem bei guten Reitern, oft auch ihre Wirkung gezeigt. Nachher ging es dann mit `normalem Reiten und Einwirken` weiter...

Aber was heute vielfach auf Dressurplätzen und, je länger je öfter im Internet zu sehen ist, hat gar nichts mit Pferd einmal zurechtstellen,  allfälligem Bestrafen desselben wegen vermeintlichen Ungehorsams, nachdrücklicher Hilfen-Gebung oder Ähnlichem zu tun. Es hat auch mit reiterlicher Einwirkung auf das Pferd absolut nichts zu tun. Sicher nicht alle, aber viele Reiter/innen sind ständig am Geraderichten, Bestrafen und am Herumziehen des Pferdekopfes zugange.. Man bekommt den Eindruck, als hätten sie es nicht anders gelernt, und ich jedenfalls gehe davon aus, dass solche Reiter/innen nichts anderes gelernt haben. Und man bekommt den Eindruck, als würde ihnen jegliches Gefühl für das Reiten, für richtige, reiterliche Einwirkung und für das Pferd abgehen. Ich frage mich, was solche Reiter/innen denken, wenn sie einen Film von sich und von ihrem Pferd, aufgenommen auf einem Abreiteplatz, sehen? Ob sie sich schämen, oder ob sie es gar nicht beurteilen können, wie sie wirken? Sie merke es nicht. Wahrscheinlich ist eher Letzteres der Fall. Sie wissen nicht, was sie tun.  Es ist langsam aber sicher normal geworden. Auf dem Abreiteplatz und bei der Arbeit wird grob und ohne Gefühl das Pferd nicht gearbeitet, sondern gehorsam gemacht so, dass es dann im Viereck froh ist, dass es ein bisschen zum Laufen gelangt und so der Reiter einigermaßen über die Runden kommt. Jedenfalls mein Eindruck.

Das Schlimme ist, dass diese Verrohung im Dressursport, auch bei den Verantwortlichen, normal geworden scheint. Die Hemmschwelle ist bei ihnen wie auch bei den Reitern gesunken. Der Zeitpunkt, etwas gegen solche Zustände zu unternehmen, scheint vorbei. Zu lange wurde schöngeredet, immer wieder wurden die Augen verschlossen, man schaute hin und weg. So nach dem Motto:  Man kann doch nicht plötzlich alles wieder umkrempeln. Einiges rückgängig machen, das würde nicht gehen, weil es schon zu lange so ist, wie es ist. Ausweichend wird überall drum herum geredet, man muss ja allen irgendwie gerecht werden. Den Reitern, den Sponsoren, den Zuschauern, den Richtern usw. Es wird eine Tür zu-,  aber gleichzeitig ein Tor aufgemacht...

Ja, es ist wie es ist - peinlich, eigentlich zum Fremdschämen für Reiter, Stewards, Richter und sonstige Verantwortliche, diese Reiter/innen zu sehen, welche ungeniert auf eine solche Art und Weise ihr Können  vorführen - dürfen.

Es ist absurd und grotesk wenn, wie zu hören oder zu lesen ist, sogenannte Richtlinien erarbeitet werden müssen darüber, wie weit man beim Training mit einem Pferd gehen darf, damit es nicht zu großen Schaden nimmt. Wenn man Überlegungen anstellt, wann der Reiter in  der Zusammenarbeit mit dem Pferd in einen roten Bereich kommt. Wenn Studien und Berechnungen darüber angestellt werden, Zeit vorgegeben  wird, wie lange man ein Pferd in einer bestimmten Haltung reiten darf, ohne ihm Schmerzen zuzufügen. Das ist, meiner Meinung nach, einfach nicht mehr normal. Und wenn Reiter und Verantwortliche meinen, Erklärungen abgeben zu müssen, warum sie auf diese Weise reiten und weshalb das erlaubt ist, kommt der Gedanke auf, dass es mit der so oft erwähnten Pferdeliebe nicht so weit her sein kann…“  

Dazu passt vielleicht auch das Wort des großen Pferdemalers und Pferdeverstehers Klaus Philipp, der mal vor Jahren in einem Interview sagte:

Stilvoll reiten kann man nur, wenn die Balance stimmt zwischen Pferd und Reiter, körperlich wie seelisch. Sonst muss man sagen: Das Beste, was dem Menschen begegnen konnte, war das Pferd, aber das wiederum war nicht gut -  für das Pferd.“

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Zur Person:

Die aus Schaffhausen stammende Marianne Fankhauser-Gossweiler ist die erste Sportlerin der Schweiz, die an Olympischen Spielen teilnahm, 1964 in Mexiko City. Zusammen mit den Uniformträgern Henri Chammartin und Gustav Fischer kehrte sie mit Team-Silber zurück. 1968 in Mexiko City holte sie wiederum mit der Mannschaft und im Sattel des Schimmels Stephan Bronze, dort lernte sie auch ihren Ehemann Urs Fankhauser kennen, den Olympia-Ruderer von Mexiko und München 1972. Ihre Laufbahn beendete sie 1971 und heiratete den 24-maligen nationalen Meister, sie selbst war fünfmal Schweizer Titelträgerin, außerdem Team-Zweite bei den Weltmeisterschaften 1966 sowie Mannschafts-Zweite 1965 und Team-Dritte 1967 bei den Europameisterschaften. Sie ist immer noch sehr nahe dran am Dressursport und ist als Dressurtrainerin weiter sehr gefragt.

 

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