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Geschrieben von: Peter F.Cronau /DL   
Mittwoch, 19. Dezember 2018 um 12:26

Argenbühl/ Allgäu. Nach dem Millionenspektakel zum Abschluss der Global Champions Tour für 16 Einzelspringreiter und dem Finale der 16 Teams der Global Champions League um insgesamt rund zwölf Millionen Euro in Prag sah sich der ehemalige Team-Veterinär vieler internationaler Equipen und Mitglied des Präsidiums des Weltverbandes (FEI), Dr. Peter Cronau, praktisch zu einem Kommentar dazu gezwungen. Hier seine Meinung.

Goldrausch (Originaltitel: The Gold Rush) ist eine Stummfilm-Komödie von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1925. Der Film thematisiert den Klondike-Goldrausch. Chaplin nutzt das im Film auf die Spitze getriebene Glücksrittertum der Goldsucher als Metapher für eine nur an materiellen Werten orientierte Welt, in der er aber, trotz aller Tollpatschigkeit, am Ende sein persönliches Glück in Form von Liebe findet. Das wäre mein Wunsch, wenn der Pferdesport wieder dorthin käme, wo er einmal war und eine der schönsten Nebensachen im Leben war.

Das Global Champions Finale in Prag hat in Richtung Geldumlauf im Springpferdesport neue Grenzmarken gesetzt. Die Global Champions Tour (GCT) wurde im Jahr 2006 gegründet, der Gründer ist „Jan“ Tops. Jan Tops war selber aktiver Reiter, hatte sich u.a. bereits als Junger Reiter (EM Wolfsburg) und auf den Olympischen Spielen in Barcelona als Mannschafts-Olympiasieger profiliert. Auffallend war sein ihm eigener Reitstil, der mit immer offenem Mund reitend und stilistisch nicht gerade an den klassischen Sitz zum Beispiel von Exmeister Peter Schmitz erinnerte. Viele Reiter haben einen eigenen Stil, wenn man nur an den Australier Kevin Bacon oder Yves Bost („Bosti“) aus Frankreich denkt. Wie immer man das nach der klassischen Reitweise zu beurteilen pflegt, die Insider sagen einfach: egal wie der Reiter stilistisch drauf sitzt, er darf nur das Pferd im Sprungablauf nicht stören.

Natürlich ändern sich der Zeitgeist und desgleichen die Umstände im Leben aber auch im Sport. Der legendäre Hans-Heinrich „Micki Brinkmann – Rittmeister und Oberstleutnant  a.D. – erzählte mir 1979 bei einem abendlichen Spaziergang am Strand von Tripolis in Libyen,  sein Traum wäre es, bei ihm zu Hause ein Turnier zu veranstalten, als Preis gäbe es einen Lorbeerkranz. Er war sich sicher, „es kommen alle“. So ändern sich die Zeiten.

Die Entwicklung des Preisgeldes muss für den Breitensport ein Schlag ins Gesicht darstellen. Die Differenz zwischen Spitzensport und Breitensport stellt eine völlig andere Fragestellung dar. Ohnehin nur maximal 50 Reiter partizipieren aus dem Geldtopf. Die Elitereiter vergessen mehr und mehr, wo sie herkommen. Der Reitsport entstammt der ländlichen Reiterei, das Pferd ging tagsüber vor dem Pflug und am Wochenende oft auf einem auf einem ländlichen Turnier.

Es ist ja alles gut und recht, wenn jetzt für die Hochleistung bezahlt wird. Die Summen, die im Profisport hingelegt werden, erreichen Milliardennähe. Die Tennisprofis unter den ersten Zehn der Weltrangliste haben teilweise die 100 Millionen Preisgeld erreicht, von den Werbeeinnahmen einmal abgesehen. Seinerzeit war „E.T.“ von Hugo Simon das gewinnreichste Springpferd, der über 3,6 Millionen DM eingesprungen hatte, er löste den sagenhaften „Deister“ von Paul Schockemöhle ab, der es immerhin in der damaligen Zeit auf immerhin über 1,5 Mio DM brachte.

Es existieren in der Historie zahlreiche Beispiele, dass Größenwahn immer irgendwo zu einem unglücklichen Ende führte. Die Macht des Mammon führte zum Turmbau zu Babel. Phädrus: (erster lateinischer Fabeldichter bis 50 n. Chr.) erzählt vom Frosch, der immer weiter aufgeblasen wird (aus Neid oder Größenwahn) bis zur Größe eines Ochsen und dann platzt. Und auch Cicero zitierte bereits „pecunia nervus rerum“, was so viel bedeutet wie „Das Geld ist der Nerv der Dinge“. Auch ein Zitat von Bas Kast (Wissenschaftsautor) soll nicht unerwähnt bleiben: „Geld macht tendenziell asozial. Wer in einem Experiment viel Geld zugesteckt bekommen hat, wird danach weniger hilfsbereit - und es fällt ihm auch schwerer, Menschen an sich heran zu lassen“.

Ich behaupte, dass ungezählte Beispiele existieren, dass in sämtlichen Bereichen unserer Politik, Kultur und Gesellschaft eine kritikbereite Personenschicht fehlt, die man VISIONÄRE nennt. Das sind Menschen, die vorausschauen und reale Entwicklungen voraussehen und nicht nur wie in der Politik Absichtserklärungen abgeben. Wer die Entwicklung der Wahrnehmung des Reitsports realistisch bewerten will, muss auch erkennen, dass in den 80er Jahren beispielsweise die Dortmunder Westfalenhalle bis zum letzten Platz ausverkauft war, und die begeisterten Zuschauer jedes mal, wenn „Schorsch“ Ahlmann mit seinem Pferd „Almhirt“ im Mächtigkeitsspringen gegen die Mauer ritt, nicht nur seine Fans in den Kasematten (obere Ränge), sondern auch die ganze Halle „Hopp Schorsch“ schrie. Das ist alles weg. Heute füllen nicht einmal Eltern, Verwandte und Mitglieder der umgebenden Reitervereine die mittleren und oberen Ränge, die sind nämlich zugehängt.

     So sage ich, nicht nur die Gigantomie des Spitzensports, dessen Entwicklung potentiell auch zum Sargnagel der Wahrnehmung des Reitsports führt, sondern auch fehlende Visionäre in den Sportverbänden, aber auch die Reiter selber, die permanent und wiederholt in den Dopingergebnissen zu finden sind, negieren die Entwicklung und halten einfach nicht dagegen. Kein Wunder, dass sich auch Sponsoren und Mäzene zurückziehen. Im deutschen Fernsehen existiert außer dem CHIO von Deutchland in Aachen schon lange keine Präsenz mehr, Aachen ist natürlich die Ausnahme. Dort wird der langjährige Stadion- und TV-Sprecher Hans-Heinrich Isenbart zwar nicht mehr zitiert, aber sein Spruch ist jedem in Erinnerung: „Und vergessen Sie die Pferde nicht…“

 

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