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Die Zukunft der Nationen-Preise ist eher düster PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Max E.Ammann/ DL   
Dienstag, 02. Juli 2019 um 18:38

Bern. In einem weiteren Beitrag in der Schweizer „PferdeWoche“ beschäftigt sich Publizist Max Ammann mit der Zukunft der Nationen-Preise. Ein positives Bild kann er nicht gerade zeichnen.

 

Die Zukunft der Nationenpreise, dem Herzstück der Internationalen Offiziellen Turniere (CSIO), war – neben dem guten Sport und dem schönen Wetter – das Hauptthema der Diskussionen während des kürzlichen CSIO der Schweiz in St. Gallen. Dass darüber debattiert wurde, hatte gleichermaßen mit den zahlreichen Veröffentlichungen, die in den letzten Wochen in der Presse erschienen sind, zu tun, wie mit der doch bescheidenen internationalen Beteiligung in St. Gallen.
Von den acht Nationen, die seit über 40 Jahren den Pferdesport in Europa dominieren, waren nur drei mit einer Equipe am Start, und von ihnen trat nur die Schweiz mit der bestmöglichen Equipe an. Frankreich und Großbritannien kamen mit einer A/B- oder B-Auswahl. Irland, die Niederlande, Belgien, Schweden und Deutschland hatten je einen Einzelreiter geschickt. Dafür erlebte man Equipen aus Dänemark, Norwegen und Österreich, die klar zu einer tieferen Stärkeklasse ge­hören. Italien, einst die erfolgreichste Springnation der Welt, dann nach dem Rücktritt der d’Inzeos und von Mancinelli in der Obskurität verschwunden, ist heute wieder nahe an den «großen acht», allerdings nicht immer konstant. In St. Gallen fehlten auch die USA.

Nie gelöster Konflikt

Versucht man, die Gründe für die offensichtliche Krise der Nationenpreise zu ergründen, so erkennt man einen nie gelös­ten Grundkonflikt des internationalen Pferdesports, einen Konflikt, den die FEI für den Sport auf allerhöchstem Niveau – was die westeuropäischen CSIOs ja sind – nie angepackt hat. Es geht um die Frage: Dient der Nationenpreis der Förderung und Weiterentwicklung des Pferdesports? Oder ist der Nationenpreis ein Spitzenprodukt, um den Pferdesport einer breiten Öffentlichkeit zu «verkaufen»?


Bei der Einführung des Dressurweltcups stand die FEI vor einer gleichen Frage: Die Dressurgemeinde sah mehrheitlich im Weltcup eine Möglichkeit der Weiterentwicklung und der Förderung der klassischen Dressur. Reiner Klimke zum Beispiel schlug einen Weltcup unter Einbezug von Jungen Reitern und Junioren vor, basierend auf dem Grand Prix. Die Initianten – aus dem Lager der Organisatoren und Medien – wollten einen Weltcup basierend auf der Musikkür. Der neue Weltcup sollte nicht die Dressur fördern, sondern verkaufen. Beim Aufeinandertreffen der beiden Lager, im Dezember 1994 in Brüssel, kam es dann zum historischen Kompromiss: Qualifikation für den Weltcup durch den Grand Prix, Weltcuppunkte und Entscheidung im Final durch die Musikkür.

So einfach ist eine Lösung für den Nationenpreis nicht, das zeigen, unter anderem, die Diskussionen um den vierten Reiter einer Equipe mit Streichresultat, die Abschaffung vor einigen Jahren der Superliga weil zu restriktiv, und die mächtige Stellung der Global Champions Tour ohne große Einfluss­nahme der FEI. Eine Auflistung der Probleme der Nationenpreise zeigt Folgendes:

Problem 1: Der latente Interessenkonflikt eines Reiters zwischen einem lukrativen Einzelstart und dem Antreten bei einem CSIO.
Es ist offensichtlich, dass bei den Mannschaftssportarten wie Fußball kein Interessenkonflikt besteht. Will ein Fuss­baller international weiterkommen, muss er (neben den Klubspielen) in die Nationalmannschaft. In diesem Sinne ist zu hoffen, dass die FIFA, im Sinne einer «Gewinnoptimierung», nicht auf die Idee kommt, individuelle Meisterschaften einzuführen wie 100 Meter dribbeln (nach Fehler und Zeit) oder Torwart-Paraden (mit Stilnoten). Andere Sportarten mit Mannschafts- und Einzelwettbewerben haben ähnliche Probleme wie der Pferdesport. Man denke an Tennis, wo Roger Federer die Schweizer Davis-Cup-Equipe mehrmals im Stich gelassen hat, um Einzelziele zu verfolgen.

Problem 2: Die Tatsache, dass die CSIO-Orte vom Nationalverband bestimmt werden und nicht – wie im Weltcup – durch die FEI (früher durch das relativ autonome Weltcupkomitee), hat sich in der Vergangenheit vor allem bei der Verpflichtung eines Seriensponsors als massiver Nachteil erwiesen. Anders als im Weltcup, wo die FEI einen Veranstalter, der die Sponsorenbedingung nicht erfüllt, in Zukunft ausschließen kann, weiß der fehlbare CSIO-Veranstalter, dass er den Schutz seiner NF genießt. Oder er verzichtet auf die Gelder des von der FEI verpflichteten Serien-Sponsors und tritt aus der Serie aus. So fehlen heute solche CSIO-Giganten wie Aachen, Calgary oder Rom in der FEI-Nationenpreisserie.

Problem 3: Die Probleme mit dem Überangebot an internationalen Turnieren und die Passivität der FEI bei der Lösung von Datenkonflikten bestehen nicht erst seit der Einführung der Global Champions Tour, obwohl die übersteigerten, dort zu gewinnenden Preisgelder das Problem vervielfacht haben. Schon in den 70er-Jahren zitterte der damalige CSIO Luzern alle zwei Jahre, ob er eine repräsentative Beteiligung erhalten würde bei der Konkurrenz all der gutdotierten CSI`s. Datenkonflikte gab es schon immer. Als vor Jahren im Weltcup Bordeaux aufs Genfer Datum wollte und ein Jahr später Paris auf den Termin von Antwerpen, wurden die betreffenden Organisatoren zu Sitzungen eingeladen, um den Konflikt zu lösen. Dass vor einiger Zeit ein damaliger FEI-Vizepräsident erklärte, ein Schutz der CSIO und Weltcupdaten sei nicht nötig – Konkurrenz sei gut und schön, zeigte damals aufs Absurdeste, wie abgeneigt man bei der FEI war, die eigenen Produkte zu schützen.

Problem 4: Das Hin- und Her in der Festlegung der Formel für die Jahreswertung und den wechselnden Bedingungen beim Finale. Die Nationenpreisserie wurde 1965 vom damaligen FEI-Präsidenten Prinz Philip ins Leben gerufen, bis 1984 hieß die Serie «President‘s Cup». 1985 wurde die Serie in «Prince Philip Trophy» umgetauft, 1987 kam mit Gucci erstmals ein Serien-Sponsor. Als der Modegigant nach drei Jahren ausstieg, stieg für ein Jahr der niederländische Technologiekonzern HCS ein. Dann blieb die «Nations Cup»-Serie ohne Sponsor, bis 1997 Samsung sich engagierte. Seit dem Einstieg von Samsung endet die CSIO-Saison im September mit einem Finale. Bereits hier erlebte man die erste Inkonsequenz. Bei den beiden ersten Finals von 1997 und 1998 in Calgary und Donaueschingen wurden die Zähler in das Endturnier  mitgenommen und dort doppelte Punkte vergeben. Ab 1999 begann man im Finale mit null.


2003 wurde die «Samsung Super­liga» geboren, mit einem festen Finalort in Barcelona, und wieder mit doppelten Punkten addiert zu den in den Qualifikations-CSIOs gewonnenen Punkten. Die acht besten Nationen waren für die Superliga qualifiziert, Punkte gab es auf nur acht CSIO-Plätzen. Die letztplatzier­te Equipe stieg ab in eine Promotionsliga, deren Sieger aufstieg. Dank der Promotionsliga mit immer mehr CSIOs, nicht zuletzt in Osteuropa, stieg die Zahl der jährlichen Nationenpreise radikal. Statt der 14 oder 15 in all den Jahrzehnten zuvor, waren es nun um die 30. Für Europa und Amerika war dieses Zweistufensys­tem ideal. Mit der Superliga konnte man den Nationenpreis als Topevent verkaufen, mit der Promotionsliga den Pferdesport in vielen Ländern fördern.


2007 ging das Samsung-Sponsoring zu Ende. Neu als Sponsor kam vorerst für zwei Jahre Meydan, dann Furusiyya, seit 2018 ist Longines der Sponsor der Nationenpreisserie. Radikal geändert wurde das Reglement. Die Superliga wurde abgeschafft: Sie galt als elitär, als «closed shop». Dass zum Beispiel die Formel 1 seit Jahrzehnten ein «closed shop» ist und damit weltweit Erfolg hat, wurde damals wohl nicht bemerkt.


Die FEI wollte die Nationenpreisserie global machen. Dies war, mit Sponsoren aus einer Gegend ohne bisherigen Zugang zur Nationenpreisserie, eigentlich verständlich. Aber kaum praktisch. Zwar haben Länder außerhalb Europas und Amerikas immer wieder Equipen zu OS und FEI-Championaten entsandt. Japan und Korea, Australien und Neuseeland und - mit dem größten Erfolg _ Saudi-Arabien. Aber die internationale Stärke der Nationen außerhalb Europas und Nord­amerikas lag immer bei Einzelreitern, sehr oft mit Domizil in Europa oder Amerika. In diesem Sinne funktioniert das Ligasys­tem im Weltcup, wo neben den Siegesanwärtern aus Europa und Nord­amerika auch Einzelreiter aus den andern Teilen der Welt dem Weltcupfinal Farbe geben.

Problem 5: Der ewige Streit um das Streichresultat. Die jahrzehntelange Beharrung auf vier Reitern pro Equipe mit einem Streichresultat ist zweifellos das extrems­te Beispiel des Status, dass der Nationenpreis der Förderung des Pferdesports dient und nicht dem «Verkauf». Vier Reiter ermöglichen Experimente bei der Nominierung der Equipe und erlauben den Einbau eines jungen Reiters. Ein verunglückter Parcours kann korrigiert werden.
Aber das Streichresultat ist eine Erschwernis beim Verfolgen der Prüfung. Auch eine perfekte Anzeigetafel oder verbesserte Grafiken im Fernsehen können nicht verhindern, dass der Zuschauer im Stadion oder vor dem Fernsehschirm Mühe hat, den Überblick zu behalten. Drei Reiter pro Equipe, ohne Streichresultat, ist ein Mittel, den Nationenpreis und damit den Pferde­sport einer breiten Öffentlichkeit verständlicher zu machen.

Quintessenz

Weder die Nationenpreisprüfung auf dem Platz noch die heutige Serie mit komischer Punktewertung und läppischen Startres­triktionen sind Produkte, die in der Lage sind, dem Pferdesport neue Kreise zuzuführen. Die Abschaffung der Superliga war ein Fehler. Für die westeuropä­ischen Nationenpreise sollte das Streichresultat abgeschafft werden. Bei CSIOs ausserhalb Europas, ohne das hier gewohnte Zuschauerinteresse, könnte es beibehalten werden.

 

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