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Der Traum eines kleinen Mädchens...(154) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Mittwoch, 02. Januar 2013 um 15:37

 

Ein Reh als gutes Omen für die Zukunft...

 

 

 

Polly nutzte jeden Tag der Weihnachtsferien, um in den Reitstall zu gehen, zu ihrer Stute Beauty. Der Reitstall Hubertus bildete seit nunmehr fast sieben Jahren ihren Lebensmittelpunkt. Nicht nur räumlich, sondern auch in ihren Gedanken, unabhängig, wo sie sich sonst aufhielt. Beim Schuhe kaufen oder während einer Mathematik-Klassenarbeit schweiften ihre Gedanken immer wieder ab in den Reitstall und zu ihrem Pferd. Sie war beseelt von dem Gedanken, eines Tages eine große Reiterin zu werden.

 

Diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen verfolgte sie nach wie vor zielstrebig. Alles, was man in so einem örtlichen Reitverein lernen konnte, sog sie in sich auf. Die Olympiasieger im Springen und im Dressurreiten kannte sie alle aus dem Fernsehen. Ihre Namen wusste sie auswendig und war in der Lage, sie sofort aus ihrem Gedächtnis abzurufen.

 

Polly war das gar nicht bewusst gewesen. Aber ihre Klassenlehrerin hatte sie im vergangenen Jahr einmal vor der ganzen Klasse bloßgestellt. Dabei tat sie so, als ob es nur ein Scherz sei und forderte Polly auf, die bekanntesten Reiter aufzuzählen. Sofort sagte Polly: „Ludger Beerbaum, Isabel Werth, Christian Ahlmann,  Helen Langenhanenberg, Daniel Deußer, Nadine Capellmann, Holger Wulschner, Ulla Salzgeber..“ Sie wollte gerade Luft holen, um mit den ausländischen Reitern fortzufahren, da unterbrach die Lehrerin sie abrupt und sagte halb ironisch, halb vorwurfsvoll: „Könntest Du mal die Vokabeln so gut wie die Reiter….“ Die Klasse lachte. Polly schaute verdutzt und fühlte sich vorgeführt.

 

Im Nachhinein betrachtete sie den Vorwurf aber als Kompliment. Keiner aus der Schule kannte die großen Reiter so genau wie sie. Wollte sie doch eines Tages dazugehören. Dann würde die blöde Lehrerin in Pollys Leben keine Rolle mehr spielen.

 

Ihre Kameraden, die auch an der diesjährigen Weihnachts-Quadrille mitgeritten hatten, und sie selber waren noch irgendwie in Euphorie, als sie sich bewusst wurden, dass Weihnachten schon vorbei war und Sylvester vor der Tür stand. Man überlegte sogar, ob sie die Quadrille am ersten Januar noch einmal vorführen sollten. Aber man befand, die Luft war `raus. Außerdem befürchtete man, dass nur wenige Zuschauer den Weg in den Reitstall finden würden, weil man möglicherweise den Rausch ausschlafen müsste.

 

Obwohl Polly mit ihren Freunden erstmalig in diesem Jahr eine Sylvester-Party in der Tränke veranstalten durfte, schaffte sie es, am folgenden Vormittag recht früh aufzustehen. Wie viele andere Erwachsenen waren Pollys Eltern auch in der Tränke des Reitstalles erschienen, um auf das neue Jahr anzustoßen. Daraus wurde am Ende eine Party für die Jugend und die älteren. Viele Einstaller waren auch gekommen, um aufzupassen, dass durch Feuerwerkskörper im Stall nichts passierte. Alles ging gut. Die Letzten verließen die Tränke morgens um halb sechs. Pollys Eltern und sie gehörten auch dazu.

 

Umso erstaunlicher, dass Polly bereits wieder um zehn Uhr im Stall stand, um erst einmal ihre Beauty zu reiten. In der Nacht zuvor, genau zum Jahreswechsel, hatte sie sich vorgenommen, das erste Mal auf einem offiziellen Turnier eine Prüfung zu gewinnen. Dafür wollte sie trainieren. Bereits um halb Elf saß sie auf dem Pferd.

 

Ganz alleine ritt sie in der Bahn. Konsequent begann sie die Lösungsphase mit Leichttraben. Dann ging sie zur Arbeitsphase über, indem sie aussaß  und das Arbeiten mit Lektionen begann. Dazu gehörten korrekte Hufschlagfiguren, das genaue Treffen der Zirkelpunkte sowie das korrekte Halten. Polly wusste, dass die Vorderbeine und die Hinterbeine jeweils genau parallel nebeneinander stehen mussten. Das Pferd durfte nicht quer zum Hufschlag stehen und musste vor allem genau an dem Punkt anhalten, an dem Polly es vorgesehen hatte. Gleichzeitig durfte Beauty zu keiner Zeit die Anlehnung verlieren, sie musste durchgehend am Zügel bleiben. Polly hatte sich also viel vorgenommen. Das merkte sie erst, als sie die Lektionen in Angriff nahm. Die Stunde war schneller vorüber, als gedacht. Polly wusste nun, dass sie in diesem Jahr noch viel lernen musste.

 

Das Wetter war für die Jahreszeit viel zu warm. Das hatte aber etwas Gutes: Sie konnte mit ihrer Beauty nach draußen. Polly legte ihrer Stute eine Decke über die Nierenpartie und ging durch das Tor auf den Platz. Noch immer war sonst keiner im Stall erschienen. Es war still wie sonst nur um Mitternacht. Polly ritt über den Platz und bog auf den Feldweg ein, der hinter den Gärten der letzten Häuserreihe in die Felder führte. Sie beobachtete im Vorbeireiten die vielen munteren Vögelchen. Viele Leute hatten Futterhäuschen in ihren Gärten stehen, andere Meisenknödel aufgehängt. Polly wunderte sich doch, wie viele Menschen an die Wildtiere im Winter dachten. An dem verwunschenen Garten der mysteriösen Nachbarin verlangsamte sie den Schritt ihres Pferdes. Sie bemerkten den zerfallenen Rundballen Heu zwischen den kahlen schwarzen Winter-Obstbäumen. Erst als sie die andere Seite des Gartens einsehen konnte, fiel ihr Blick auf ein einsames Reh. Dort stand es wie eine Skulptur. Es schaute Polly an. Die ritt langsam weiter den Weg entlang und entfernte sich still. Das Reh blieb im Garten stehen. So stimmungsvoll war der Moment, dass Polly für sich stumm ein Gebet sprach. Sie dachte an ihren großen Traum, den zu verwirklichen, sie nahm diesen besonderen Moment als gutes Omen. Sie trabte an und ritt glücklich ein Stück auf dem Feldweg entlang.

 

 

Auf dem Rückweg parierte sie an dem Obstgarten der geheimnisvollen Nachbarin zum Schritt durch. Diesmal wollte sie anhalten und das Reh in Ruhe beobachten. Es war nicht mehr da. Das Törchen stand auf, die Nachbarin kippte gerade eine Karre Mist der Kaninchen aus. „Gutes neues Jahr, Polly“, sagte sie.  Polly ihrerseits wünschte der Nachbarin das Gleiche. Sie hielt Beauty an und reichte der Nachbarin die Hand. Polly erzählte von der Begebenheit, die sich kurz vorher hier ereignet hatte. „Ich weiß“, sagte die Frau, „ich bekomme öfter Besuch von dem Reh.“ Polly sagte der Dame, dass sie alles als gutes Omen für ihre Zukunft betrachte.

„Die guten Zeichen der Natur überhaupt zu erkennen, überhaupt zu sehen, ist etwas ganz besonderes“, erklärte die Nachbarin. Nie hatte Polly Worte mit so einer Ernsthaftigkeit vernommen wie diese Worte der snst etwas seltsamen Dame. Dabei klang deren Stimme so weich und voller Güte, dass Polly irgendwie gerührt war. Sie nahm sich vor, die Nachbarin nie mehr als Hexe zu bezeichnen. In Zukunft würde sie diese Frau vor den anderen immer in Schutz nehmen.

 

„Komm doch gleich zu mir eine Tasse Tee trinken. Ich hab auch noch selbstgebackene Plätzchen“, sagte sie zu Polly. Polly nickte, sagte Danke und meinte, sie müsse erst noch schnell Beauty versorgen.

 

Im Stall herrschte immer noch Ruhe. Von der Clique war noch keiner da. Polly hing einen Zettel an ihre Spindtür mit der Nachricht, wohin sie sich begeben hatte. Dann freute sie sich auf den herrlichen Tee und die Kekse. Sie rannte bis zum Gartentörchen der Nachbarin. Beim Betreten des Gartens lief ihr zwar ein Schauer über den Rücken, aber die Freude überwog.

 

(Fortsetzung folgt…)

 

 

 

 

 

 

 

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