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Der Traum eines kleinen Mädchens...(157) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Mittwoch, 30. Januar 2013 um 11:39

Schadenfreude ist doch die schönste Freude...


 

Zuerst konnte Polly sich nicht erklären, was ihr aufgefallen war. In ihrem  Unterbewusstsein hatte sich etwas festgesetzt. In den letzten Tagen nämlich beobachtete sie aufmerksamer das Training ihrer Konkurrentin Brigitta. Die übte nämlich jeweils die gleichen Lektionen wie sie. Polly bekam den Eindruck, dass sie schon vorher die Lektion benennen konnte, die Brigitta als nächstes reiten würde. Dabei nahm die in ihrer Vollkonzentration auf die übrigen Hallenbenutzer kaum Rücksicht. Schlimmer noch, Brigitta rastete jeweils aus,  wenn jemand es wagte, ihr in die Quere zu kommen, egal ob dieser Jemand „Vorfahrt“ hatte.

 

Einmal – am vergangenen Sonntag – machte Polly die Probe aufs Exempel. Sie ritt Brigitta genau in den Weg, als diese durch die ganze Bahn wechselte. „Hast Du keine Augen im Kopf“, brüllte Brigitta. Polly tat so, als könnte sie überhaupt nicht gemeint sein und ritt eine formvollendete Volte von acht Metern Durchmesser und wechselte danach durch die ganze Bahn.  Sie trug dabei die gleiche konzentrierte Miene zur Schau wie Brigitta die ganzen Tage schon.

 

Das Experiment wiederholte Polly boshafter Weise, als Brigitta auf dem Zirkel trabte und zum Wechseln desselben ansetzte. Polly parierte bei „X“ durch und hielt an, obwohl sie genau wusste, dass Brigitta genau dort reiten wollte. Augenblicklich brüllte Brigitta wieder los. Dumm wie sie war, riss sie vor Wut ihrer eigenen Stute mit dem Zügel im Maul. Polly verkniff sich ein hämisches Grinsen, vor Schreck und aus Mitleid mit Solana erwiderte sie nichts und ritt wieder an.

 

An diesem Sonntagnachmittag erkannte Polly, was ihr schon die ganze Zeit hätte auffallen müssen. Sie hatte die Reitbahn vor Brigitta verlassen. Auch die anderen beendeten einer nach dem anderen ihre Reitstunde, sodass am Schluss Brigitta die Bahn für sich hatte. Sie trainierte immer noch, als Polly bereits ihren gesamten Krempel in die Sattelkammer räumte.

 

Zur Sattelkammer musste Polly an der Box von Solana vorbei. Brigittas Putzzeug lag immer noch davor, mit dem aufgeschlagenen gelben Aufgabenbuches der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Polly fiel es wie Schuppen von den Augen: Brigitta übte heimlich offizielle Dressuraufgaben. Das hätte Polly sich eigentlich denken können. Sie wusste die Lektionen, die Brigitta als nächstes reiten würde, immer schon im voraus, weil diese immer wieder die selbe Aufgabe übte, der Ablauf der Lektionen somit immer der gleiche war. Polly musste über ihre eigenen Dummheit den Kopf schütteln. Warum war ihr das nicht schon früher aufgefallen? Ihren eigenen Pröll stellte sie an Ort und Stelle auf dem Boden ab und griff das Aufgabenbuch von ihrer Konkurrentin. Aha, die Aufgabe E3 war aufgeschlagen. Jetzt wusste sie Bescheid. Keine Minute danach heckte sie einen listigen Plan aus.

 

„Was machst Du mit meinen Sachen?“ herrschte Brigitta sie an. Polly hatte sie nicht kommen hören. Zu tief war sie in ihren heimtückischen Gedanken versunken. Wortlos legte sie das gelbe Buch in Brigittas Putzkoffer zurück. Dann räumte sie fröhlich ihre eigenen Sachen weg. Dabei fing sie an, eine bekannte Melodie zu summen. Ihre Laune war auf dem Höhepunkt.

 

Am Dienstag sattelte Polly ihre Beauty, um genau um achtzehn Uhr in der Reitbahn zu erscheinen. Sie konnte davon ausgehen, das auch Brigitta diese Freistunde am frühen Abend nutzen würde, um das Training mit ihrer Rappstute Solana wieder aufzunehmen. Auch Polly gab sich alle Mühe, Beauty ordentlich zu lösen, um dann mit den Lektionen anzufangen. Hierbei beobachtete sie verstohlen jede Aktion von Brigitta. Sie wollte unter keinen Umständen den Zeitpunkt verpassen, wenn Brigitta mit der Dressuraufgabe begann. Polly wusste genau, wenn etwas nicht gut klappen würde, wiederholte Brigitta die Lektion solange, bis sie zufrieden war.

 

Es dauerte sage und schreibe 20 Minuten, bis Brigitta erstmals „Einreiten, halten, grüßen“ ritt. Natürlich stand Solana nicht geschlossen. Brigitta ritt wieder an, trabte auf der rechten Hand und bog bei „A“ auf die Mittellinie ab. Polly blieb ruhig, sie unternahm noch nichts. Sie war ganz sicher, dass Solana auch beim zweiten Mal noch nicht sauber stehen würde. Sie hatte Recht behalten. Sie selber ließ Beauty derweilen locker traben.

 

Beim dritten Versuch von Brigitta aufzumarschieren, machte sich Polly fertig, trabte ebenfalls erneut  an und ritt bei „C“ auf die Mittellinie, wobei sie sich allerdings auf dem Hufschlag neben der Mittellinie hielt, Auch sie parierte bei „X“ durch zum Halten. Etwas konsterniert schaute Brigitta sie an, sagte aber nichts und fing mit ihrer Aufgabe an.

 

Polly hatte den ganzen vergangenen Montag damit zugebracht, die E3 auswendig zu lernen. Sie konnte sie in- und auswendig. Sie hatte am Montagabend schon die Aufgabe ebenso heimlich geübt wie bis dahin Brigitta. Dabei half ihr, dass Brigitta sich so sehr verspätet hatte, dass sie erst um 21 Uhr gleichzeitig mit ihrem Vater in der Reithalle erschienen war. Sie hatte also von Pollys Aufgaben-Üben nichts mitbekommen.

 

Polly ritt auf ihrer Beauty die E3 genau spiegelbildlich zu Brigitta auf ihrer Solana, wobei sie stets darauf Acht gab, dass sie jeweils genau gegenüber von den beiden blieb, die Lektionen genau gleichzeitig ausführte wie diese. Jedes Mal, wenn Brigitta eine Lektion korrigierte und sich darüber ärgerte, wartete Polly ab und beobachte sie nur, um dann genau wie die Konkurrentin die Aufgabe fortzusetzen.

 

Wie von Hexenhand ging Beauty am Dienstagabend wie ein Glöckchen. Sie kaute zufrieden auf dem Gebiss, dass der Schaum nur so runter tropfte,  und  ließ sich an allen Punkten dahin reiten, wohin Polly sie wollte, beim Aufmarschieren stand sie gleichmäßig auf allen Vieren. Wohlüberlegt hielt Polly Beauty  genau entgegengesetzt und neben Solana an. Nur – dass Solana wieder völlig offen, also kein Bein neben dem anderen, bei „X“ zum Stehen kam. Unwillkürlich schaute Brigitta auf die Beine von Beauty hinab. Nun schäumte sie vor Wut, weil sie es mit ihrer Super-Dressurstute nicht auf Anhieb schaffte, ordentlich zu Halten. Also – auf ein neues. Sie fing die E3 wieder von vorne an.

 

Polly auch. Beim „Aus dem Zirkel wechseln“, trafen sich beide wieder in der Mitte. Polly achtete peinlich darauf, seitlich an Brigitta vorbeizureiten. Es gab also keinen Grund für diese, sich zu beschweren. Dennoch schnauzte sie: „Ar…..“

 

Polly grinste und ritt weiter. Jetzt behielt Brigitta sie argwöhnisch im Auge. Sie schielte dauernd zu Polly herüber, die natürlich weiterhin spiegelbildlich zu ihr die E3 abspulte. Erst als Polly wieder bei „X“ in entgegen gesetzter Richtung neben ihr stand, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Da wusste sie, was vor sich ging. Sie fühlte sich gedemütigt. Nicht nur, dass Polly sie veräppelte, weitaus schlimmer war, dass Beauty, die kleine knubbelige Tinker-Stute, die Lektionen weitaus korrekter ausführte als ihre eigene edle Warmblut-Stute, die ihren Vater sehr viel Geld gekostet hatte.

 

Polly lachte schadenfroh vor sich hin. Dabei konnte sie sich selber nicht erklären, warum ihre geliebte Beauty ausgerechnet in dieser Reitstunde so besonders rittig war. Polly konnte es sich nur erklären, dass sie vielleicht selber gar nicht so verbissen auf das Pferd eingewirkt hatte wie sonst, wenn sie sich besonders viel Mühe gab.  Wahrscheinlich war sie durch die Ablenkung selbstverständlicher in die einzelnen Lektionen hineingegangen. Als die Reitstunde für sie so gut anfing, war sie selber vielleicht viel lockerer und hat diese Entspanntheit auf Beauty  übertragen. Oder – was vielleicht ein kleines Wunder gewesen wäre – Beauty  hatte ihre Aktion gefühlt und sie unterstützt. Vielleicht wollte der Tinker einmal besser als das Warmblut sein…. Polly traute es ihrer Beauty  schon zu.

 

Natürlich ermahnte sich Polly selber, nicht zu spinnen. Ein Pferd konnte nicht nach menschlichen Maßstäben fühlen und denken. Aber bei Beauty hielt sie alles für möglich.

 

(Fortsetzung folgt…)

 

 

 

 

 

 

 

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