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Der Traum eines kleinen Mädchens...(158) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Donnerstag, 07. Februar 2013 um 10:47

Polly hat keine Lust zu reiten...


Polly gehörte zu den eifrigsten Reitern des Vereins, dessen aktives Mitglied sie schon seit viele Jahren war. Sie gehörte zum festen Bestandteil der Gemeinschaft im Reitstall Hubertus. Von Anfang an bildete sie mit ungefähr 20 anderen Kindern und Jugendlichen die Stall-Clique. Manchmal kamen sogar an die 25 Leutchen zusammen, die sich in der Tränke am Jugendtisch drängelten. Für die Erwachsenen wurden solche Zusammenkünfte eine arge Herausforderung. Denn die Jungen wurden immer lauter und vergaßen dabei, dass auch ältere Herrschaften kamen, um sich dort zu treffen und ein „kleines Getränk“ zu sich zu nehmen. Diese allerdings wollten ihre Ruhe haben.

 

Es gehörte manchmal schon eine Menge Disziplin dazu, sich von den Freunden zu lösen, um sein Pferd aus der Box zu ziehen, es zu putzen und zu  satteln. Besonders in der kalten Jahreszeit war es ein Angang, aus der Tränke in den kalten Stall zu gehen, während die anderen im Warmen  weiter spielten.

 

An diesem Montag war es anders für Polly. Es fiel ihr einfach schwer, Beauty zum Reiten fertig zu machen. Ihr fehlte der Drang, die Stute aus der Box zu holen. Auf dem Weg durch die Stallgasse fragte sich Polly selbst, was mit ihr los sei. Warum sie nicht mit Freude das Training aufnehmen wollte. Ja nicht einmal das Striegeln von Beautys langem weichen Winterfell machte ihr Spaß. Sie holte nicht erst einmal – wie sonst – den Putzkoffer aus der Sattelkammer, sondern schlenderte durch die Gänge langsam auf Beautys Box zu. Mit den Händen kramte sie in den beiden Taschen des Anoraks, um Zückerchen zu finden. Sie fand nur noch klebrige Krümel. Aber Polly kehrte nicht um, um Leckerli aus ihrem Spind zu holen. Lustlos trat sie an die Gitterstäbe der Box heran. Nur zögernd schob sie die schwere Tür beiseite, um Beauty zu begrüßen und zu streicheln. Polly war traurig. Sie wusste allerdings nicht warum.

 

Nachdenklich stand sie da, ihre Hände strichen gedankenverloren über das verstaubte Fell der Stute, sie hatte einfach keine Lust zu reiten. Das war ihr noch nie passiert. In den vielen Jahren, in denen sie regelmäßig zum Reiten ging, vor allem, nachdem sie Beauty erhalten hatte, hatte sie immer freudig die Ponys und Pferde zum Reiten fertig gemacht. Diesen Montag war es anders. Einfach keine Lust! Sie musste es sich eingestehen. Ein völlig neues Gefühl für sie. Aber es war so.

 

Mit dieser neuartigen Erkenntnis schob sie die Boxentüre wieder zu und holte nun doch Zückerchen aus der Sattelkammer. Sie reichte sie ihrer Stute auf der flachen Hand, wie sie es als kleines Mädchen damals gelernt hatte, durch die Stäbe. Heute würde sie nicht reiten, beschloss sie. Sollte das Pferd Pferd bleiben und heute einmal einen „Stehtag“ haben. Polly hatte einmal gehört, dass in den großen Turnierställen jede Woche ein „Stehtag“ anberaumt war mit Rücksicht auf das Personal. Es sollte einen freien Tag in der Woche haben.

 

In einem öffentlichen Reitstall mit Schulbetrieb und Reitern, die meist nach der Arbeit und vor allem am Wochenende den Sport betrieben, gab es keinen freien Tag. Der Reitstall Hubertus hatte immer geöffnet. Außerdem sollten die Privatpferde-Besitzer jederzeit zu ihren Tieren kommen können, fand Polly.

 

Irgendwie fühlte Polly sich erleichtert. Nachdem sie beschlossen hatte, an diesem Montag nicht zu reiten, fühlte sie sich frei. Die Zeit, die sie sonst mit Putzen und Reiten verbrachte, konnte sie nun anders ausfüllen. Skatspielen kam nicht in Frage. Die richtigen Mitspieler waren nicht da. Die Kumpels, die an dem Jugendtisch saßen, sagten Polly in dem Moment auch nicht zu. Eigentlich wollte sie mit sich alleine sein.

 

Während sie so grübelte, ging sie aus dem Stall. Im Moment war es trocken, konnte aber jederzeit wieder zu regnen anfangen. Das war ihr schon klar, aber wie ferngesteuert lenkte sie ihre Schritte weiter in Richtung Feldweg. Ihre Gedanken trugen auch nicht gerade dazu bei, ihre Stimmung aufzuhellen. Sie kreisten darum, ob der Zustand der Lustlosigkeit normal war, ob er wiederkommen würde. Was würde mit ihr geschehen, wenn sie immer häufiger keine Lust zum Reiten hätte? Könnte es sogar passieren, dass sie ihre Beauty eines Tages nicht mehr so lieben würde, dass sie sie überhaupt noch reiten wollte? Wenn es zum Äußersten käme mit so einer Lustlosigkeit, wenn ihre Eltern dahinter kämen, würden sie dann sogar das Pferd verkaufen? Polly verstand sich selber nicht mehr.

 

Mit jedem Schritt, der sie weiter den Feldweg entlang der Gärten anderer Leute führte, wollte sie sich zur Umkehr zwingen. In Gedanken sah sie sich den Reitstall wieder betreten, die Sachen aus der Sattelkammer zu holen und Beauty zu satteln. Sie sah sich, wie von oben, ihr Pferd in die Reithalle führen und aufsteigen. Jeden Handgriff kannte sie, wusste  wie er sich anfühlte. Ihre Füße trugen sie weiter auf dem weichen Untergrund des mit Gras bewachsenen Weges.

 

Wie aus einem Traum aufwachend, stand sie auf einmal an dem hinteren Gartentörchen, dort an jenem Haus, wo die Nachbarin nur mit Tieren lebte. Unbewusst hatten sie ihre Füße dorthin getragen. Es war wohl kein Zufall, dass sie nun dort stand. Im Sommer, wenn sich alle gerne draußen aufhalten, hatte sie öfter nette Gespräche am Gartenzaun mit der Hausbesitzerin geführt. Polly vom Pferd aus, die Nachbarin am Zaun stehend. Polly fand diese Frau irgendwie interessant.

 

Polly stieß das Törchen leicht an. Es gab quietschend nach, Polly dachte an den Zahnarzt bei dem Geräusch, an das unangenehme Bohren. Sie ging durch das kleine Tor, sie bemerkte eine Bewegung hinter den Gardinen des Fensters. Die Nachbarin war also da. Vorsichtig ging Polly weiter. Sie hustete etwas laut, um auf sich aufmerksam zu machen. Natürlich konnte man im Haus das nicht hören. Das wusste sie schon.

 

Die Nachbarin kam heraus, sie hatte trockenes Brot in der hand für die Hühner. Etwas verwundert schaute sie auf Polly. „Wo kommst Du denn her? Komm herein“, forderte sie Polly auf. Gerne nahm Polly die Einladung an.

 

Sie beobachtete, wie die Nachbarin mit ruhigen Bewegungen erst Wasser aufsetzte, die Dose mit Tee aus dem Schrank nahm  und Zucker und Milch auf den Tisch stellte. Polly fand es schön, wie die Frau sich bewegte, so sicher, so ruhig. Bei ihrer Mama ging alles immer ganz hektisch vor sich. Schnell, schnell hier der Zucker, da die Milch… Mama hatte es immer eilig, nie hatte sie Zeit. Alles musste immer ganz rasch gehen. Hier bei der Nachbarin spielte anscheinend Zeit keine Rolle. Aber Polly hatte nicht das Gefühl, auf den Tee warten zu müssen. Im Gegenteil, sie hätte stundenlang der Nachbarin zuschauen können, wie sie die Tassen aus dem Schrank holte, wie sie die Keksdose öffnete und vor Polly hinstellte.

 

Polly schaute sich in der Küche um. Die Schränke, aus denen die Nachbarin die Dinge geholt hatte, waren keine Hängeschränke. Überhaupt gab es in diesem Raum keine Einbauküche mit glänzender Lackoberschicht. Nur die Elektrogeräte und der Kühlschrank befanden sich unter einer modernen Arbeitsplatte. Aber die war nicht steril, wie in einem Labor, sondern voll gestellt mit Dingen des alltäglichen Gebrauches. Auch die Ablagen der Holzschränke und des Buffets waren voller Utensilien, die man dauernd benötigte. Vor Polly lagen diverse Zeitungen und Papiere auf dem Tisch. Sogar ein aufgeschlagenes Buch, mit den offenen Seiten nach unten, lagen vor ihr. Sie konnte den Titel lesen.

 

Auf den  Stuhl neben ihr lag zusammengerollt eine Katze und schlief tief und fest. Dabei konnte Polly sie atmen hören. Sie lächelte das schlafende Tier an und schaute zur Nachbarin. Auch die lächelte. Sie goss den Tee ein.

 

Die Nachbarin schob einen Stuhl zurecht und setzte sich so an den Tisch, dass sie Polly genau gegenüber saß und gerade ins Gesicht schauen konnte. Sie sprach nicht. Nippte aber an dem noch viel zu heißen Getränk.

 

Polly fing an zu reden. Vorsichtig wählte sie die Worte. Sie wollte nicht lächerlich erscheinen. Dennoch war es ihr wichtig, jemandem zu erzählen, wie es ihr heute im Reitstall ergangen war. Jemand, von dem sie erhoffte, sie zu verstehen, sollte ihr seine Meinung sagen. „Ist es normal, dass ich keine Lust hatte zu reiten? Habe ich meinen Spaß verloren? Für immer?“ fragte sie fast klagend. Erwartungsvoll schaute sie die Frau an.

 

Das gütige Gesicht der Nachbarin wurde ernst. Sie stellte Polly Fragen, „Was ist Dir wichtig? Was wünscht Du Dir für Deine Zukunft? Was willst einmal werden? Und vor allem, was war bisher das Schönste, was Du gefühlt hast?“

 

Während die Nachbarin eine zweite Tasse Tee eingoss, hatte Polly Zeit sich die Antworten zu überlegen. Alle Antworten hatten mit den Pferden und vor allem mit Beauty zu tun. Ihren Berufswunsch konnte sie allerdings nicht so sicher nennen. Das schönste Erlebnis allerdings würde sie nie vergessen: Als Beauty im Reitstall angeliefert worden war, vom Transporter geführt wurde und Polly zum ersten Mal ihr eigenes Pferd am Strick führte und mit der Hand über sein weiches Fell strich. Das war das schönste Gefühl, das sie jemals erlebt hatte.

„Siehst Du“, sagte die Nachbarin freundlich. „Alle Antworten haben mit den Pferden zu tun.“

 

Die Nachbarin streichelte die Katze, die nun auf ihrem Schoß lag. Sie sagte, es sei ganz normal, dass man auch zu den schönsten Sachen einmal keine Lust verspüre. Natürlich käme mit dem täglichen Training eine gewisse Routine auf. Das sich immer Wiederholende würde nun einmal zur Gewohnheit werden. So gerne man also reitet, so natürlich sei es, auch einmal mehr Lust für etwas Anderes zu haben. Polly solle sich keine Sorgen machen.

 

Dann fügte die Nachbarin noch lachend hinzu, wenn man einmal von dem „Virus Pferd“ infiziert sei, käme man sowieso nicht mehr davon los.

 

Seltsamerweise zog es jetzt Polly ganz kräftig in den Stall zurück. Sie rannte den Feldweg entlang. Wenn sie sich beeilen würde, konnte sie Beauty gerade noch zur Freistunde gesattelt bekommen. Polly hatte plötzlich wieder Freude am Rieten. Voller Ehrgeiz und Enthusiasmus nahm sie verspätet das Training am Montagabend auf.

 

(Fortsetzung folgt…)

 

 

 

 

 

 

 

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