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Der Traum eines kleinen Mädchens...(159) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Uta Ludwig   
Freitag, 15. Februar 2013 um 10:29

Perfekte Lektionen - im Kopf in der Schule...

 


Pollys Trainingseifer war ungebrochen, die vorübergehende einmalige Lustlosigkeit vergessen. Polly bat sogar ihren Vater, einige Dressuraufgaben aus dem offiziellen Aufgabenheft der LPO, der Leitungs-Prüfungs-Ordnung, in seinem Büro zu kopieren. Den Wunsch begründete sie damit, dass das Aufgabenheft im Reitstall nur dreckig und kaputt gehen würde. Sie möchte daher lieber mit Kopien arbeiten, so jedenfalls ihre offizielle Version.

 

Sie hatte jedoch anderes im Sinn. Sie wollte nämlich die Kopien in ihren Schulaufgabenheften deponieren und mit in den Unterricht nehmen. Sollte der Unterricht langweilig werden, könnte sie ja LPO-Aufgaben auswendig lernen, so ganz nebenbei. Aber nicht nur das, sondern sie wollte im Geiste, mental also, die Abfolge der einzelnen Lektionen immer wieder durchgehen. Das hatte sie von anderen Sportlern im Fernsehen gelernt. Ganz besonders von den Skifahrern im Alpinen Skisport. Die sah man im Fernsehen vor dem Start, wie sie da standen, die Augen geschlossen, während sich die Körper leicht bewegten, teils schlangenartig. Die Rennläufer fuhren im Kopf den Kurs ab.

 

Das hatte Polly sehr beeindruckt. Und wenn das bei den Spitzen-Skifahrern funktionierte, warum nicht auch bei ihr ? Die Kopien der Dressuraufgaben verschwanden, zusammen mit Büchern und Heften, in ihrem Schul-Rucksack.

 

Sie hatte es aber fast kommen sehen. Gleich in der ersten Stunde am Mittwochmorgen stand Deutsch auf dem Stundenplan. Nichts war langweiliger als Deutsch. Der Lehrer las irgend so ein blödes Gedicht von einem vor hundert Jahren bereits verblichenen Lyrik-Poeten vor. Die Schüler sollten anschließend ihre eigenen Gedanken dazu niederschreiben. Schon als der Lehrer sich das zweite Mal daran machte, das betreffende Gedicht vorzulesen, war Polly dermaßen gelangweilt, dass sie die erste Dressuraufgabe unauffällig vor sich auf das Pult legte. Sie las in aller Ruhe die Aufgabe erst einmal ganz durch.

 

Polly seufzte und begann nochmals zu lesen. Diesmal aber jede Lektion einzeln. Dabei schloss sie die Augen, wie sie es bei den Skirennläufern gesehen hatte, sie stellte sich dabei vor, wie Beauty unter ihr diese erste Lektion ausführte. Es war das „Einreiten, Halten, Grüßen“. Es fühlte sich toll an. Beauty stand gleichmäßig auf allen vier Beinen, geschlossen sagt man, und kaute zufrieden auf dem Gebiss herum. In der Parade zum Halten hob sie sich keineswegs heraus, sondern blieb völlig korrekt am Zügel.

 

Polly bemerkte nicht, wie ihr erneut ein Seufzer aus tiefster Seele entwich. Es folgten nun die anderen Lektionen der Aufgabe. Schon das Anreiten von „X“ auf „C“ gab ihr ein äußerst gutes Gefühl. Beauty blieb am Zügel und unternahm nicht einmal den Versuch sich herauszuheben. Das war auch in den folgenden Lektionen nicht anders. Polly ritt im Geiste alles durch, eine Lektion perfekter als die andere, bis zum Schluss, Beauty stand wie eine „1“ bei „X“. Jetzt fehlte nur noch eine Benotung durch irgendeinen Richter. Selbst die holte sich Polly in Gedanken ab. Eine satte „8“ für einen perfekten Ritt. So musste das gehen.

 

Ganz in der Ferne nahm sie wahr, wie der Ulrich das langweilige Gedicht noch langsamer als der Lehrer vorher den Klassenkameraden vorlas. Währendessen genoss Polly immer noch ihr erfolgreiches Training. Wenn die Stunde so weiterging, würde sie alle drei Dressuraufgaben auf diese Art und Weise trainieren.

 

Ganz unauffällig, wie beim ersten Mal schon, bückte sie sich zu ihrem Rucksack herunter. Sie schaute dem Lehrer harmlos ins Gesicht, während ihre Finger nach den Kopien angelten. Da es die einzigen losen Blätter in ihrem Rucksack waren, ertastete Polly sie gleich und zog sie Zentimeter für Zentimeter geräuschlos heraus,  bis sie vor ihr lagen. Also Aufgabe zwei.

 

Noch während sie die zweite Aufgabe erst einmal ganz durchlas, hörte sie ganz weit weg im Unterbewusstsein die Aufforderung des Lehrers, die Schüler sollten ihre Gedanken zum Gedicht niederschreiben. Polly fühlte sich gestört. Ihr Blick verließ das Blatt mit der Dressuraufgabe, sie schaute fast verstört in Richtung Lehrer und zu ihren Mitschülern. Sie vernahm das Rascheln von Heften.

 

„Was wollte der Dichter damit sagen?“ stand in großen, schiefen Lettern an der Tafel. Sogleich erkannte Polly die eckige Schrift ihres Deutsch-Lehrers. Sie hasste ihn. Er war so uncool. Was für ein blödes Gedicht!

 

In Pollys Gehirn schwirrten Worte wie „Frühling“, „Blümchen“, „Knospen“, „Antraben“, „Lämmchen“, „Aussitzen“ und „Halten“ herum. Sie brachte keine Ordnung in ihre Gedanken. Die Reihenfolge der Worte kam automatisch. Wie Blitze zuckten Begriffe wie „Zulegen“, Durchparieren“, „süße Düfte“ und „Angaloppieren“ durch ihren Kopf.

 

Es war ihr unmöglich, eine sinnvolle Aneinanderreihung der richtigen Worte zustande zu bringen. Es ergab alles keinen Sinn. So sehr sie sich auch anstrengte, einen Sinn bekamen die auftauchenden Worte nicht. Was sollte sie nur machen. Bisher war ihr Blatt leer. Die anderen schrieben alle. Sie konnte die Stifte deutlich auf den Bögen der Mitschüler hören. Doch bei ihr tat sich nichts.

 

Schließlich kam ihr der Gedanke, alle in ihrem Hirn auftauchenden Worte untereinander zu schreiben. Die Worte, die wohl nicht das Gedicht betrafen,  strich sie durch, Begriffe, die nichts mit Dressurreiten zu tun hatten, gehörten wohl zu der Dichtung, um die es hier ging. Aber es waren viel zu wenige. Außerdem in welchem Zusammenhang sie zu stehen hatten, war Polly völlig untergegangen. Sie versuchte sich zu erinnern, doch der Kopf blieb leer. Es kam nichts.

 

Sie musste selbst anfangen zu dichten. Mit den wenigen Worten, die ihr aus dem Unterbewusstsein zur Verfügung standen, dichtete sie etwas zusammen, was sich um ein Erleben auf einer Frühlingswiese ging. Dabei stellte sie das Naturerlebnis in den Vordergrund und suchte eine Verbindung zu ihre Seele. Eine Wirkung, wie sie dem Dichter unterstellte, um beim Leser etwas hervorzurufen.

 

Ohne sich unmittelbar auf die Worte des Poeten zu beziehen, rankte sie mit ihren eigenen Worten Gefühle um eine Situation, die von jeder Zeit, jedem Ort und jeder speziellen Begebenheit unabhängig sein würden und wahrscheinlich auf so ungefähr jedes Gedicht passen könnten, in dem nur ein Minimum an erblühende Natur vorkam. Polly gab kein leeres Blatt ab.

 

Erleichtert stellte sie beim Einsammeln der Arbeiten, zu dem sie der Lehrer aufgefordert hatte, fest, dass die anderen auch nicht längere Aufsätze geschrieben hatten. Was allerdings deren Inhalte waren, blieb ihr natürlich verborgen. Sie jedenfalls hatte Blut und Wasser geschwitzt, um etwas zu Papier zu bringen. Vielleicht war es doch keine so Gute Idee gewesen, statt zuzuhören, Dressuraufgaben zu lernen.

 

Sie nahm sich fest vor, nur noch in den Freistunden oder in den Pausen „geistig“ zu trainieren. Das an diesem Tag mit der Gedichtsinterpretation war doch zu riskant gewesen und wahrscheinlich war es auch voll in die Hose gegangen. In Zukunft würde sie besser am Unterricht teilnehmen. Sie bereute ihre Aktion aufs Tiefste.

 

 

Das Erlebnis in der Schule sollte nicht das einzige Unerfreuliche an diesem Tag bleiben. Genau in der Reihenfolge, wie sie vormittags die Aufgaben in ihren Gedanken durchgeritten hatte, wollte sie es nachmittags in echt testen. Alles fing ganz gut an. Polly gelang es doch tatsächlich, die erste Aufgabe auswendig und ohne sich zu verreiten auf die Reihe zu bringen. Aber, aber…..Das tolle fehlerfreie Ausführen der Lektionen blieb aus. Beauty stand nicht immer ganz korrekt, die eine oder andere Volte war zu groß und das Angaloppieren nicht am Punkt.

 

Polly musste feststellen, zwischen mentalem Reiten und der Wirklichkeit lagen Welten. Das echte Trainieren war nicht zu ersetzen. Sie musste also weiter hart an sich und mit Beauty arbeiten…

 

(Fortsetzung folgt…)

 

 

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