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Heinz Schütte gestorben - er war Reiter und geschätzter Dressurrichter PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Dienstag, 12. Mai 2020 um 10:09

 

Heinz Schütte

(Foto: Raimund Hesse)

Braunschweig. Wie jetzt erst bekannt wurde, starb am 6. Mai der bekannte Dressurrichter Heinz Schütte im Alter von 93 Jahren. Er saß bei Olympia und Weltmeisterschaften am Richtertisch. Eine kleine Erinnerung an den Braunschweiger Wirtschaftsjuristen.

 

Heinz Schütte zählte sicher zu den renommiertesten Dressurrichtern in diesem geschlossenen Zirkel, er kannte auch selbst den Sport aus eigener Erfahrung, war er doch in der Vielseitigkeit, in Springen und Dressur an den Start gegangen. Er wusste immer, wovon und worüber er redete, und er war immer ansprechbar. Von ihm stammt auch die Aufforderung, auch an die Reiter selbst, „fragt die Richter, worum eine bestimmte Note herauskam“. Er selbst duckte sich nie, er stellte sich Fragen.

Publikum kann unterscheiden

Vor 30 Jahren sagte er in einem Interview mit der „Reiter-Revue“, nach seiner Meinung wäre ein Richter bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin zurecht vom Publikum laut kritisiert worden, und er sagte, das Publikum könne sicher zwischen einer guten und schlechten Leistung unterscheiden und auch beurteilen, aber der Zuschauer registriere eher die negative als die gute Seite eines Rittes in einer Vorstellung, „hier hat der Richter einen klaren Vorteil: Im Notenbogen müssen sich die schlechte Leistung einerseits und die gute Leistung andererseits durch die entsprechenden Noten klar ausdrücken, und diese Noten werden in Deutschland bis mindestens zur Note 6, oftmals auch bei der Note 7 und darüber, schriftlich begründet.“ Er sprach damals auch bereits über die Schwierigkeit des Richtens aus dem Blickwinkel eines Richters heraus: „Was ist fleißig oder bereits eilig, schwunghaftes Vorwärts oder schon Spannung? Schon enger Hals oder noch Selbsthaltung?“ Wenn nun ein Richter konsequent eine „6“ gebe, ein anderer aber genauso konsequent eine „7“, habe man bereits erhebliche Unterschiede im Gesamtergebnis. Das Problem sei nicht „hier eine 4 und dort eine 8, sondern tatsächlich die Differenz von nur einer Note bei der jeweiligen Lektion“. Darüber hinaus gebe es Pferde, die sich von der Seite besser oder schlechter ansehen als von der Kopfseite.

Der Job eines Dressurrichters sei deshalb nicht einfach, „weil im beurteilenden Richtverfahren, also nach freier Ermessung zu richten ist. Leider können wir eben nicht auf die Stoppuhr oder das Zielband zurückgreifen, sondern müssen die Leistung in eine Bewertung umsetzen“.

Meinung zum Dressurpferd – und Dressurreiter

Im Buch „Von roten Röcken und goldenen Käfern“ - Turniersport in Wolfsburg in den Jahren zwischen 1966 und 2004 – antwortete Heinz Schütte auf die Frage, wie er sich einen Reiter wünsche: „Ausbalanciert und in aufrechter Haltung, sitzend im tiefsten Punkt des Sattels, harmonisch mit der Bewegung des Pferdes, mit unauffälligen Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen, mit Gefühl für das Pferd.“ Und das Dressurpferd stellt er sich so vor: „Sicherer Takt in allen drei Grundgangarten, losgelassen, sichere Anlehnung an das Gebiss, schwungvoll mit aktiver Hinterhand und mit federndem Rücken, durchlässig und mit Ausdruck.“ Von einem guten Richter fordert er „Erfahrung durch eigenes Reiten in den entsprechenden Klassen“. Man müsse beim Richten nicht nur mit der gebotenen Sachkunde, sondern auch mit dem eigenen „Gefühl im Po“ zu den Entscheidungen kommen.

Schickte US-Ami Ward nach Hause vom CHIO

Beim CHIO von Deutschland 1999 in Aachen war Heinz Schütte Präsident der Jury. Es war jenes Offizielle Turnier von Deutschland, bei dem der US-Amerikaner McLain Ward gleich am ersten Tag unangenehm auffiel. Zum Eröffnungsspringen hatte der spätere zweimalige Team-Olympiasieger  seinem Wallach Benetton spitze Plastikteilchen in die eigentlich vor Verletzung schützenden Gamaschen der Vorderbeine einwickeln lassen. Bei der Kontrolle von Chefsteward Hansi Wallmeier nach dem Ritt kullerten sie heraus. Das Präsidium des Aachen-Laurensberger Rennvereins als CHIO-Veranstalter  wurde in Übereinstimmung des Pferdemannes Heinz Schütte die lebenslange Verbannung des mehrmals bereits international unangenehm – und danach erneut -  aufgefallenen  Amerikaners vom Gelände der Aachener Soers beschlossen und durchgesetzt, wenn auch nach vier Jahren wieder aufgehoben – ohne Wissen von Heinz Schütte, der später sagte, alles sei mit dem damaligen Generalsekretär des Weltverbandes abgesprochen und fotografiert worden, „denn wir wollten keinen Prozess in den USA.“

Schwerer Unfall in Südafrika

Heinz Schütte, eingesetzt als Richter bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles und vier Jahre später in Seoul, dazu bei den Olympia-Ersatzspielen der Dressur 1980 in Goodwood, dazu bei fünf Weltmeisterschaften und vielen Europa-Championaten, Ehrenmitglied im Dressurausschuss, Mitentwickler des Dressur-Weltcups und Träger des Deutschen Reiterkreuzes in Gold, wäre bereits 1990 bereits ums Leben gekommen, als er beim Urlaub in Südafrika von einem Militärfahrzeug beim Überqueren der Straße in Kapstadt angefahren wurde. Er zog sich mehrere Brüche am ganzen Körper zu und wurde nach Deutschland zurückgeflogen. Erst nach vielen Monaten erholte er sich einigermaßen.

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Die deutsche Föderation schreibt zu seinem Tode:

In jungen Jahren selbst erfolgreich in Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsprüfungen, war Heinz Schütte bis 1998 rund 25 Jahre lang Internationaler Offizieller Dressurrichter. Er saß nicht nur bei den olympischen Ersatzspielen 1980, sondern auch bei Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 und Seoul 1988 am Richtertisch. Fünf Weltreiterspiele, mehrere Europameisterschaften im Senioren- und Nachwuchsbereich, das Weltcup-Finale 1993, 36 Weltcup-Qualifikationen und nicht zuletzt 25 Deutsche Meisterschaften sowie zahlreiche Einsätze bei den Bundeschampionaten zählen ebenso zur herausragenden Bilanz.

Seit 1972 Mitglied des Dressurausschuss des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), wurde Heinz Schütte 2005 zum Ehrenmitglied ernannt. Besondere Verdienste erwarb sich der Jubilar nicht nur am Richtertisch. Von 1981 bis 1985 und 1989 bis 1993 war er mit Mitglied des Dressurkomitees der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI). In dieser Zeit entwickelte er den Dressur-Weltcup mit. Viele Jahre war er zudem national wie international in der Richteraus- und -fortbildung engagiert. So organisierte er für die Deutsche Richtervereinigung, die Deutsche Reiterliche Vereinigung wie auch für die FEI zahlreiche Seminare. Für sein außerordentliches Engagement um den Pferdesport wurde Heinz Schütte von der FN mit dem Deutschen Reiterkreuz in Gold geehrt. 

 

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