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Hanko - ein Grabstein für ein Pferd PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Hans-Joachim Begall/ DL   
Mittwoch, 24. Juni 2020 um 18:23

 

Rostock. Das legendäre deutsche Springderby in Hamburg hat mehrere ganz große und inzwischen legendäre Sieger, den Brasilianer Nelson Pessoa, Fritz Thiedemann oder Hugo Simon zum Beispiel. Aber über keinen wurde später so viel und manchmal auch so ergreifend geschrieben wie über Carl-Friedrich Freiherr von Langen.

Das 100. Deutsche Springderby in Hamburg-Klein Flottbek wäre vor genau zwei Monaten geritten worden. Die Corona-Pandemie machte alles zunichte, visuelle Auftritte und Erzählungen konnten das wahre Derby und das Flair nicht ersetzen, wann der 100. Gewinner feststeht, bleibt ungewiss. In der 100-jährigen Geschichte des Deutschen Spring-Derbys in Hamburg bekamen 73 verschiedene Pferde den Lorbeerkranz als Zeichen des Triumphes umgehangen, während der Reiter mit dem Blauen Band geschmückt wurde. Bei den 90 Entscheidungen (1940 bis 1948 und 1972 fand kein Turnier statt) waren sieben Vierbeiner zweimal und fünf sogar dreimal erfolgreich.

 

Nach Paul Heil auf Cyrano 1920 als erstem Sieger im Deutschen Spring-Derby war Carl-Friedrich von Langen auf dem Franzosen-Wallach Hanko der fünfte Gewinner dieser Konkurrenz, die seit Beginn nach wie vor über einen Kurs von 1.220 m mit 17 teilweise der Natur nachempfundenen Hindernissen führt

(Fotos: Achim Begall) 

Aber nur für eines der Siegerpferde wurde auch ein Grab geschaufelt, im Turniersport sowieso außergewöhnlicher als im Turf. Und jenes besagte Grab hat auch einen Grabstein, seit über 80 Jahren. Es befindet sich in Alt Plestlin, einem kleinen unscheinbaren Dorf in Vorpommern mit rund 200 Einwohnern, zwischen Demmin und Jarmen an der Peene gelegen. Das Gutshaus sieht etwas verlassen aus. Geht man jedoch an dem Gebäude am Park westwärts in Richtung Wasserwanderplatz, so findet der Besucher das besagte Grab. Es wird von Frau Deutscher liebevoll gepflegt, verrät der Eigentümer des Herrenhauses. Auf dem Granitstein unter den schattigen Parkbäumen steht nur ein Name – Hanko, sonst nichts. 

Kenner der Pferdesportszene wissen, dass sich hinter diesem Namen kein Mensch, sondern ein berühmtes Pferd verbirgt. In den Ergebnissen des Hamburger Spring-Derbys ist Hanko mehrmals in den Platzierungslisten zu finden. Bereits im zweiten Jahr des von Eduard Pulvermann konzipierten Turniers ist er mit 15 Fehlerpunkten viertbestes Pferd im Parcours. Zwei Jahre danach verbessert er sich um einen Platz. 1924 schließlich galoppiert der Braune mit fünf Strafpunkten unter dem Mecklenburger Carl-Friedrich Freiherr von Langen (geboren am 25. Juli 1887 in Klein Belitz südlich von Bad Doberan) als Sieger von 39 Teilnehmern vom Platz. Sein Reiter konnte als erster Derbystarter  dreimal diese außergewöhnliche Prüfung für sich entscheiden, Erfolge zwei und drei  1927 und 1928 mit dem Brandenburger Wallach Falkner. Während das zweimalige Derby-Siegerpferd im Olympischen Parcours von Amsterdam 1928 mit acht Fehlerpunkten nur auf Platz 28 kam, konnte Freiherr von Langen auf Draufgänger in der Dressur die erste Goldmedaille im Reitsport für Deutschland gewinnen. 

Berühmt wurde der Reiter dennoch durch Hanko, so dass er selbst diesen Spitznamen erhielt. Anfang der 1920er Jahre gewann das Paar national und im Ausland viele Jagdspringen. Angefangen hat die innige Verbundenheit von Reiter und Pferd mit dem Ende des Ersten Weltkrieges. Freiherr von Langen kam als Invalide nach einer erlittenen Infektion, hüftabwärts an beiden Beinen gelähmt, von der Front zurück. Sein Freund, Rittmeister von Knobelsdorff, schenkte ihm ein französisches Beutepferd. Mit diesem kämpfte er sich wieder ins Leben zurück - und eine großartige Reiterkarriere begann. Hanko bescherte seinem Reiter nicht nur den ersten Derbysieg und weitere Platzierungen in Hamburg. Auch international eilte das Paar von Erfolg zu Erfolg.

Der Gutsbesitzer aus Parow bei Stralsund war in allen Sätteln zu Hause. In der Military fand jedoch sein Leben ein Ende. Am 25. Juli 1934 stürzte Freiherr von Langen, der von den Nationalsozialisten vereinnahmt worden war, auf der Stute Irene im vorolympischen Gelände von Döberitz bei Berlin und starb am 2. August in Potsdam.

Sein treuer Vierbeiner Hanko hat ihn wohl drei Jahre überlebt. In einem Buch wird sogar beschrieben, dass das Pferd bei der Beerdigung seines Reiters in Neuhof bei Bibow dabei war. Als der Sarg niedergelasse wurde, sei Hanko langsam und fast feierlich in die Hinterhand gesunken und habe sich zur Levade erhoben. Fortan sorgte die Witwe für das Pferd und nahm es auch mit nach Alt Plestlin, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbrachte.

Das Herrenhaus hatten die von Langens 1920 von der Familie Keffenbrinck geerbt. Der Legende nach soll Hanko an jenem Tag eingegangen sein, als Marie Louise von Langen in dem Herrenhaus ein weiteres Mal geheiratet hat. Glaubt man den verschiedenen Schriften, so müsste der französische Wallach 36 Jahre alt geworden sein…

 

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