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Moskau `80 oder Team-Silber für einen politischen Günstling... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Freitag, 31. Juli 2020 um 15:14

Post aus Warschau

(Foto: privat)

Moskau. Was Politik ermöglicht bis in die heutige Zeit, erlebte in Moskau bei den Olympischen Sommerspielen 1980 auch Bohdan Sas-Jaworksi. Am Abend vor dem Preis der Nationen wurde das von ihm ausgebildete Pferd einem anderen zugeteilt, 40 Jahre danach hatte anscheinend auch der Equipechef Gewissensbisse, aber wohl nicht wirklich…

Anfang der Woche traf im südbadischen Lottstetten ein Paket aus Warschau ein, adressiert an den polnischen Springreiter Bohdan Sas-Jaworski (64), darin enthalten eine Flasche Schampus, eine Turnierschleife in den polnischen Landesfarben, eine Urkunde als Beweis der Mitgliedschaft im Olympiateam  und der Stoffbär Mischa, das Maskottchen der Olympischen Spiele 1980 in Moskau, dazu ein Grußwort des Präsidenten  Marcin Szczypiorski. Dazwischen lagen 40 Jahre Schweigen seitens der nationalen Föderation, und Bohdan Sas-Jaworski machte nun so etwas wie weißen Rauch als Zeichen der Annäherung aus. Aber dann sah er via Facebook, wie sich der jetzige Präsident und Marian Kozicki auf die Olympische Silbermedaille von Moskau zuprosteten, da kam der ganze Groll wieder hoch, Bitterkeit, Hilflosigkeit, 40 Jahre Vergangenheit waren zurück.

Am Abend vor dem Preis der Nationen im Reiterzentrum Bitsa war Meeting der polnischen Mannschaft. Dort wurde Bohdan Sas-Jaworski von Equipechef Szczypiorski eröffnet, den Wallach Bremen werde Marian Kozicki reiten, „wir wollen auf sicher gehen um eine Medaille“, er sei aber für das Einzelspringen mit dem Vollblüter am Schlusstag der Spiele vorgesehen, was auch gelogen war. Sas-Jaworski: „Alle Reiter saßen da mit geduckten Köpfen und guckten nur zu Boden.“ Er verstand die Welt nicht mehr, hatte er auch noch mit Bremen das eigens angesetzte Trainingsspringen in Bitsa gewonnen.

 

Bohdan Sas-Jaworski in der polnischen Ausgehkleidung bei Olympia in Moskau

(Foto: privat)

Hinter der UdSSR kam die polnische Equipe mit Marian Kozicki, Jan Kowalczyk auf Artemor, Wieslaw Hartman auf Norton und Janusz Bobik auf Szampan zu Silber. Kozicki hatte auf Bremen im ersten Umlauf  nicht weniger als 33,50 Strafpunkte, dass Sas-Jaworski in der Pause zu Kozicki hinlief und ihm helfend sagte, er solle im zweiten Durchgang dem Pferd mehr eigene Entscheidungsfreiheit überlassen – Bremen kam mit nur einem Abwurf aus dem Parcours. Abends veranstaltete die polnische Mannschaft eine kleine Feier – Bohdan Sas-Jaworski war nicht eingeladen. Bis heute hat  Marian Kozicki keinmal Bedauern geäußert, dass er durch politisches Manöver zu einer Olympischen Silbermedaille kam, der er sich auch im Parcours als unwürdig erwies.

Was eine Uniform ausmacht…

Alle, die in der polnischen Equipe ritten, waren Uniformträger, nur im Roten Rock startete Bohdan Sas-Jaworski immer schon. Sein olympisches Pech, in Moskau reichte Können nicht ohne den Segen von irgendwelchen Politruks. Bohdan Sas-Jaworski, von altem polnischen Adel, gehörte nur auf dem Papier zur Mannschaft, sonst nicht. Jeder Starter der Spring-Equipe kassierte nach Olympia vom Staat eine Prämie von 5.000 US-Dollar – das monatliche Einkommen in Polen betrug vor 40 Jahren im „Schnitt“ 120 Dollar. Und bezahlten Urlaub in Griechenland gab es auch noch, damals für Menschen des Ostblocks das Höchste der Gefühle und Träume, davon durfte Bohdan Sas-Jaworski weiter nur träumen, er gehörte einfach nicht dazu.

Für die polnischen Podeststeher wurde Olympia in Moskau zusätzlich pekuniär bedeutsam. Nach dem Gesetz steht nämlich inzwischen jedem Medaillengewinner - ob Sommer oder Winter -  eine Leibrente von inzwischen 1.000 Euro im Monat zu. Bohdan Sas-Jaworski, der 65-mal für Polen ritt und damit auf der Liste der Rekord-Nationen-Preisreiter seines Landes ziemlich oder sogar ganz vorne stehen müsste, ist nicht dabei, aber Marian Kozicki. Und dagegen kämpft Sas-Jaworski an. Weil ihm bewusst und bösartig die Möglichkeit zum Medaillengewinn genommen wurde.  

Für Los Angeles qualifiziert

 

 

Bohdan Sas-Jaworski, der in Aachen bei Willibert Mehlkopf und Peter Weinberg trainierte. nach wie vor Kontakte hält zu den Tierärzten Dr. Peter Cronau und Dr. Rüdiger Brems, auf dem Vollblüter Bremen bei der Europameisterschaft 1981 in München. Bremen ging aufgrund einer Lungenentzündung 14-jährig 1984 ein.

(Foto: Werner Ernst)

Sein Vater Jerzy, 40 Jahre Direktor des Gestüts Kozienice und gestorben vor zwölf Jahren, hatte sechs Wochen nach Ende der Olympischen Veranstaltung in Moskau einen Dankesbrief vom Verband erhalten – und kommentarlos zurückgeschickt. Er hatte Bremen für die Laufbahn eines Galoppers gezüchtet, doch der Vollblüter war nicht schnell genug. Nach drei Jahren wurde er aus dem Rennsport genommen und zum Springpferd umfunktioniert. Sohn Bohdan, der Touristik-Management studierte mit Abschluss („darf ein Hotel führen zum Beispiel“),  übernahm ihn bald und kam mit Bremen weit nach oben. Nachdem er nach Moskau den Blüter wieder reiten durfte, belegte er zum Beispiel 1984 in Aachen im Großen Preis den zehnten Rang, war auf der gerade erfundenen Weltrangliste auf Platz 30 und hatte sich für Olympia in Los Angeles im gleichen Jahr qualifiziert. Doch dorthin nun -  nach dem Boykott der Westnationen von Moskau - fuhren die Ostblockstaaten nicht.

Seit 1985 lebt Bohdan Sas-Jaworski in Deutschland, in Klepptau-Bühl nahe der Schweizer Grenze  hat er Boxen bei Madeleine Müller gemietet. Er unterrichtet Schüler aus verschiedenen Nationen, bildet Pferde aus, seine Tochter Hanna (12) legte – auf den Tag genau 40 Jahre nach Moskau - die Prüfung zum Reitabzeichen ab. Für Bohdan Sas-Jaworski gab es nur das Reitabzeichen zu feiern…

 

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