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Kevin Babington seit einem Jahr gelähmt - vermisst vor allem die tägliche körperliche Nähe zum Pferd PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Judith Faherty/ Sascha Dubach/ DL   
Freitag, 16. Oktober 2020 um 17:48

New York. Vor über einem Jahr zog sich der irische Springreiter Kevin Babington (52) bei einem Sturz im Grand Prix der Hampton Classic Horse Show bei New York einen Bruch des Halswirbels zu, seither ist er querschnittgelähmt. Die irische Journalistin Judith Faherty unterhielt sich mit Kevin Babington, hier Auszüge ihres Berichtes für The Irish Field, veröffentlicht in der Schweizer PferdeWoche, übersetzt von Sascha Dubach.

 

Das Schicksal des irischen Team-Europameisters von 2001 in Arnheim erinnert auch wieder schmerzlich an Norbert Koof (Willich). Der jetzt 65 Jahre alte Weltmeister von 1982 in Dublin war am 24. Februar 1994 im Training in der eigenen Halle so unglücklich zu Fall gekommen, dass ein gestauchter Halswirbel die Nervenbahnen abdrückte, seither sitzt er im Rollstuhl. Ähnlich liegt der Fall von Iren Kevin Babington, der 1987 in die USA wechselte. Der Ire stürzte im Großen Preis des Turniers im August im Grand Prix des CSI von Bridgehampton/ New York, seither ist auch sein Leben nicht mehr so, wie es einmal war. Von der Brust abwärts ist er gelähmt, 40 Jahre saß er im Sattel, nun im Rollstuhl.

Die Rückenmarksverletzung erforderte fünf Operationen mit anhaltender intensiver Physiotherapie, und nachdem er gerade für eine klinische Stammzellenstudie angenommen worden war, sieht ein bemerkenswert optimistischer Kevin Babington nur noch das Positive. „Ich versuche es, sonst würde man ziemlich depressiv werden“, sagt er.

Babington wohnte zuerst in Vermont, später südlich von New York. Er hat einen vollen Terminkalender. In echter «Babington-Manier» wird jede Minute des Tages gezählt zwischen Reha, dem Coaching von Kunden – persönlich und online – und der Aufrechterhaltung zweier Geschäfte. An drei Vormittagen in der Woche reist Babington zur Physiotherapie. „Es ist sehr intensiv, aber ich genieße es wirklich. Sie ‘pushen’ mich.“

„Vielleicht drei Monate nach dem Unfall begann ich mit Übungen für die Finger meiner rechten Hand, jetzt funktioniert auch der rechte Arm wieder ganz ordentlich. Ich vermag noch keine Dinge aufzuheben, doch ich bin guter Dinge, den Rollstuhl bald mit der Hand steuern zu können.“

Vor Kurzem erhielt Babington auch die Nachricht, dass er in eine klinische Stammzellenstudie an der Mayo Clinic in Minnesota aufgenommen wurde. Was bedeutet dies? „Im Grunde genommen nehmen sie Fettzellen aus dem Bauch und schleudern sie. Sie injizieren dann die eigenen Zellen zurück in die Wirbelsäule, ganz tief unten. Sie tun es im Lendenbereich, dann hoffen sie, dass sie den Weg durch die Verletzung ins Gehirn finden und alles in Bewegung kommt. Das Positive daran ist, wenn man in der Studie drin ist, hat man die Chance, dass es funktioniert“, so Babington.

Der Moment des Unfalls

Es war nur wenige Tage nach seinem 51. Geburtstag, als der Springreiter sein Zuhause in New Jersey für die «Hampton Classic» in Bridgehampton (New York) verließ. Seine Frau Dianna entschied sich, zu Hause zu bleiben. Zum ersten Mal seit vielen Jahren, dass sie nicht mitfuhr. Er hatte seine beiden Spitzenpferde mit dabei, den irischen Wallach Wallach Super Chilled und die damals 14-jährige Hannoveranerstute Shorapur, mit der er 2015 im Fünf-Sterne-Grand Prix von Dublin den zweiten Platz belegte.

Er setzte zuerst Super Chilled ein und tags darauf in einer Prüfung der schweren Tour die Stute. „Es war in der Dreifachen Kombination, die war vor dem Aussprung sehr eng gebaut. Zudem ging die Sonne unter, und die letzte Hürde lag im Schatten“, erinnert er sich. „Shorapur verhedderte sich ein bisschen am Steilsprung und brachte die Vorderläufe nicht rasch genug nach vorne zum Landen. So wurde ich nach vorne katapultiert, landete auf meinem Kopf und nach einer Rolle auch noch auf dem Hals. Das Erste, was ich versuchte, war, der Stute aus dem Weg zu gehen, weil ich wusste, dass sie auf mich fallen würde. Aber ich  konnte mich nicht mehr bewegen. Zum Glück hat sie mich verfehlt, aber ich ahnte in der Sekunde, beim Aufprall auf den Boden, dass etwas Schlimmes passiert war. Normalerweise würde ich sofort aufspringen, aber als die Leute auf mich zukamen, sagte ich: ‘Bewegt mich nicht’. Ich spürte meine Biene nicht mehr, ich fühlte nichts mehr, ich wusste einfach, dass es ernst war.“ Man flog ihn ins Krankenhaus, die Diagnose war alles andere als ermutigend. „Gott sei Dank hat meine Frau das alles nicht mitbekommen“, sagt er.

Seine Frau Dianna, die daheim einen Grillplausch mit Freunden genoss, erhielt eine SMS von einem Bekannten, in der stand: „Wir sind hier, wenn du etwas brauchst.“ Dianna fand das seltsam, dachte sich aber nichts weiter oder gar an etwas Schreckliches, einen Unfall. Es kam ihr dennoch seltsam vor. „Ich hatte die Prüfung im TV nicht gesehen, doch plötzlich schien mein Telefon zu explodieren“,  erinnert sie sich. „Leute boten mir an, mich von New Jersey nach Long Island zu fliegen,  und da wusste ich, dass etwas Schreckliches passiert war.“

Dianna Babington eine starke Frau

Als jüngstes von elf Kindern zog Kevin im Alter von 18 Jahren in die USA und lernte Dianna 1990 bei einem Reitturnier kennen. Dianna und die beiden Töchter Gwyneth (17) und Marielle (14) gehen den Umständen entsprechend mit der neuen Lebensform großartig um“, sagt Kevin Babington. Dianna sei wirklich stark, er wisse nicht, ob andere Personen solche Situationen so durchstehen könnten. Sie sei nun verstärkt in den täglichen Arbeitsablauf eingebunden, gebe Unterricht und fahre zu Turnieren „und sie hilft der ebenfalls pferdebegeisterten Tochter Gwyneth und anderen Reitschülern“.

Das Coaching hilft Kevin Babington, aktiv in der Szene zu bleiben. Er wurde als Berater für die irischen Springreiter engagiert. „Es ist ja nun nicht so, dass ich viel Einfluss hätte, aber ich liebe es, ein Teil davon zu sein, und ich liebe es, involviert zu bleiben.“ Während er jede Gelegenheit genießt, Reitunterricht zu erteilen, hat sich das «Geschäftsmodell» natürlich geändert. „Klar ist vieles nicht mehr so wie früher, ein großer Teil meiner Arbeit bestand darin, dass ich ritt, an Turnieren teilnahm und coachte. Durch den Unfall haben wir auch viele Kunden verloren…“

Hohe Arzt- und Klinik-Kosten

Nach dem Unfall wurde die «Kevin Babington Foundation» gegründet. Zum einen zur finanziellen Unterstützung für seine Therapien, zum anderen aber auch für Präventionsprojekte für andere Reitsportler. Im Februar dieses Jahres gab es diesbezüglich in Wellington (Florida) eine Wohltätigkeitsveranstaltung, bei der über 200.000 US-Dollar zusammenkamen. Das war für die Familie Babington unschätzbar wertvoll.

Die Gelder ermöglichten ein behindertengerechtes Fahrzeug zu kaufen, und das Haus in Florida konnte rollstuhlgerecht umgebaut werden. Freunde und Bekannte stellten ihre Privatflugzeuge für Reisen zur Verfügung, bei Auktionen wurden ihm Pferde zugeschlagen, Reitturniere zu seinen Gunsten hat man organisiert und vieles mehr kam dazu. Mit dieser Großzügigkeit und Herzenswärme hätten er und seine Familie nicht gerechnet.

„Wir hatten eigentlich eine sehr gute Versicherung, aber es fielen und  fallen ja weitere Kosten an, zum Beispiel betrug die erste Operation 100.000 US-Dollar. Dann Folgekosten, die von der Versicherung nicht abgedeckt waren oder sind. Zum Beispiel die Gymnastikgeräte für das tägliche Üben zuhause, die werden nicht von einer Versicherung bezahlt. Zudem bin ich auf sehr viele Medikamente angewiesen, die nur zu einem Teil übernommen werden. Auch die Physiotherapie – ohne die ich keine Chance auf Heilung habe – wird nicht vergütet“, sagt Babington. Ebenfalls braucht er Pflege von außen, die ebenfalls zusätzlich bezahlt werden muss.

Die Stiftung hilft aber nicht nur ihm, auch anderen Betroffenen. So konnte man ein Mädchen, das in Tryon stürzte und ebenfalls gelähmt war, während der Reha finanziell unterstützen. „Hoffentlich braucht niemand die Unterstützung der Stiftung. Doch unser Ziel ist es, mit Spendensammlungen weiter Mittel aufzubringen, um Menschen zu helfen, wenn sie uns brauchen.“

Er vermisst die Stallarbeit…

Der Horseman Babington klingt keineswegs mutlos, „ich gebe Depressionen einfach keinen Platz und keine Zeit“, sagt er. Sein Tag sei ausgefüllt, drei Tage Physiotherapie, Dehnungsübungen zuhause, auf dem Hometrainer arbeiten und Reitstunden geben, auch online. Was ihn schmerzt, dass er den Pferden körperlich nicht mehr so nahe kommen kann wie früher über so viele Jahre hinweg, „aber was ich wirklich noch zusätzlich vermisse,  ist die Arbeit am Abend im Stall. Dianna ist immer wütend geworden, weil sie das Abendessen schon fertig hatte und ich ewig brauchte, um reinzukommen. Doch ich war eben draußen am Füttern oder am Reparieren eines Zaunes oder ich machte an der Führanlage rum. Das alles gehörte zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.“ Sein größter Wunsch: „Wieder reiten zu können…“

 


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