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"Lekkerli" Karl Klösters gestorben PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Montag, 28. Dezember 2020 um 20:24

Karl Klösters ist ganz leise gegangen

(Foto: privat)

Essen. Der über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannte Karl Klösters, genannt „Lekkerli-Karl“, ist am zweiten Weihnachtstag gestorben. Der Firmengründer von „Pharmaka“ wurde 93 Jahre alt.

 

100 Jahre alt wollte er werden, gar noch ein Buch schreiben, „ich weiß doch so viel“, sagte er noch Anfang des Jahres. Dann kam die Corona-Seuche über die Welt. Das öffentliche Leben erlahmte, für vor allem für die, die gewohnt waren, jeden Tag irgendwo auch unangemeldet aufzutauchen, einen kleinen „Sprech“ zu halten bei einem Kaffee. Dazu gehörte auch Karl Klösters, den alle nur Lekkerli-Karl nannten. Und weil die Corona-Krise alles lähmte seit März, wurde er auch nicht mehr groß vermisst. Nun ist Karl Klösters in einem Krankenhaus in Essen gestorben, wie seine Tochter Sabine Klösters sagt, am Zweiten Weihnachtstag, er wurde 93 Jahre alt. Auf seinen Wunsch findet eine Feuerbestattung statt, das Datum steht noch nicht fest.

Vor einem halben Jahrhundert gründete Karl Klösters die Firma „Pharmaka“,  produziert werden hochwertige Naturprodukte zur Pflege und Futter-Ergänzungsmittel für Pferde. Sein Leben lang hatte er immer Tiere um sich – weltbekannt wurde er allein durch seine Lekkerwürfel…

Er war stolz auf alles, was er geschaffen hatte. Vor allem auch auf das Werksgebäude. Auf dem flachen Dach wächst Gras, die Kollektoren zur Stromgewinnung stehen in der richtigen Richtung. Statt mit Putz ist der Bau mit viel Glas, Stahl und Holz verkleidet, es könnte gar das Hauptquartier der Grünen sein, die er jedoch nie wählte. Dort im Tenderweg 13 in Essen ist Pharmaka daheim. Der international bekannte Konzern hat das Wohl des Pferdes im Sinn. Pflegemittel für das Fell, die Mähne, den Schweif, den Sattel, das ganze Lederzeug, Waschmittel für Decken und Schabracken, Nahrungsergänzungsmittel als erlaubtes „Doping der Natur“ wie Konditionsdragees, Vitamintraubenzucker, mit Mineralien angereicherter Sirup, Wiesenkräuter, Leinsamenkonzentrat oder Lecksteine, Biotin, Magnovit oder Elysel (Vitamin E – Selen – Lysin), Creme für das Lederzeug und Stiefel.

Inzwischen wird eine Produktreihe auch zur Hundepflege angeboten, und dem Menschen kann ebenfalls geholfen werden. Pharmaka vertreibt über Apotheken die Pferdesalbe „Refreshing“, nach der gerne gegriffen wird nicht nur von Sportlern bei Muskel, Sehnen- und Gelenkschmerzen. Ganz stolz, und wahrscheinlich wirklich zu Recht, war Klösters auf die Entwicklung des Huföls Pedocan, das er von Tierärzten und Schmieden testen ließ „und das sich in den USA mehr als gut verkaufen lässt. Und dort ist offiziell im Handel kein Huffett zugelassen, nur Huföl“.

Was in Dosen, Tuben oder Flaschen maschinell gedrückt wird, darüber wacht ein Diplomchemiker, der kam aus der kosmetischen Sparte zu Pharmaka. „Arzneimittel werden keine hergestellt oder vertrieben“, sagte Klösters vor fünf Jahren. Das Unternehmen – im Angebot 98 Produkte - wurde zuletzt gelenkt von seiner Tochter Sabine Klösters, der früheren Leichtathletin und 1983 Deutschen Meisterin über 100 m.  

Vor 20 Jahren bezog Pharmaka das eigene Haus in Essen, das unter strengen ökologischen Aspekten errichtet wurde. Dafür gab es bereits mehrere Preise. Inzwischen wurde auch das Verpackungsmaterial aus Plastik auf natürliches Material umgestellt. Pharmaka-Niederlassungen gibt es in den USA, Kanada, Australien, Russland, Polen, Ungarn in den Arabischen Ländern und Westeuropa.

 

Bis zuletzt im Sattel…

 

Karl Klösters selbst stieg bis zuletzt immer noch in den Sattel. Er hatte überall in der engeren Umgebung seine eigenen Pferde stehen, so bekam er über den Stallklatsch jeweils alle Neuigkeiten in der Szene mit. Als seinen besten Freund nannte er stets Dr. Reiner Klimke, der wiederum besorgte ihm auch auf großen Veranstaltungen wie Weltcupfinals, in Aachen beim deutschen CHIO oder Olympia wie in Barcelona 1992 die entsprechenden Bändchen oder Abzeichen für den Zugang zur Befriedigung der Neugierde.   

 

Karl Klösters (links) war gerne auch der freundschaftliche Schatten von Dr. Reiner Klimke - wie auf dem Foto von 1989 auf der EQUITANA in Essen

(Foto: Raimund Hesse)

 

Karl Klösters stammte aus Essen-Altenessen, das Viertel ländlich, geprägt von Bergleuten. Jeder hatte irgendwie auch Vieh, Hühner, Schweine. Sein Vater besaß eine kleine Landwirtschaft, wie schon die Großeltern, ebenfalls Hühner, Schweine, auch Pferde. Früher betrieb jeder seine eigene Tierzucht, im Gegensatz zum Heute konnte man nicht so nebenbei irgendwohin und kaufen. Es fehlte auch das Geld. Vor allem im Ruhrgebiet. Man hatte sich eben selbst zu helfen. Und da Karl Klösters überaus pfiffig war, lernte er, experimentierte auch, damals schon mit Pflegemitteln und Zusatzfutter.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er noch eingezogen, war Meldereiter bei einer Einheit bespannter Artillerie im Osten und ein Jahr in russischer Gefangenschaft. Nach der Rückkehr bekam er eine Stelle in Düsseldorf bei „deuka“ (Geflügelfutter), wechselte dann zu Höveler („Dem Pferd das Liebste“), wo er vier Jahre bis 1960 einen Job hatte. Dann „sagte ich mir: Jetzt machst Du Dich selbstständig“. Seine permanente Neugierde in den Jahren davor und bis zuletzt erleichterten ihm den Wechsel in eine unsichere Zukunft, machten ihn auch aber auch stark. Dazu kam, dass er ständig unterwegs war, getrieben von einem Willen, noch Besseres für Pferde auf den Markt zu bringen. Überall aber sah er auch Konkurrenz, das trieb ihn an. Seine Parole: Qualität gegen Billigprodukte, „wir wollen uns abheben gegen billig, billig, billig“. Die Rohstoffe für die Produkte, wie Rapsöl, Sonnenblumenöl oder Bienenwachs, rund 1000 t im Jahr, bezieht Pharmaka zu 90 Prozent aus Deutschland.

Der ganz große Wurf gelang ihm mit der Erfindung der Lekkerwürfel vor 45 Jahren, die brachten ihm den Beinamen „Lekkerli-Karl“ ein. Teilweise karrte er selbst bei Turnieren Lekkerwürfel als Zugaben während der Übergabe von Schleifen in einer Schubkarre in den Parcours, „manchmal nicht weniger als acht Tonnen im Jahr“ (Klösters).

 


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