Sie befinden sich hier: Home Porträts Otto Becker - Moment der Seligkeit...

Wer ist Online

Wir haben 1714 Gäste online

Suche

Anzeige

Anzeigenschaltung

Google Translate

German Chinese (Simplified) Chinese (Traditional) Czech Danish Dutch English French Galician Greek Hungarian Italian Japanese Norwegian Polish Portuguese Romanian Russian Spanish Swedish Turkish Ukrainian

Zugriffe seit 16.09.2009

Anmeldung



Anzeige

Banner

Anzeige

Anzeige

Banner

Anzeige

Anzeige

Anzeige

Fotoanfragen über KHFrieler@aol.com

Anzeige

Banner

Anzeige

Banner
Anzeige



Otto Becker - Moment der Seligkeit... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Samstag, 25. Mai 2024 um 14:42

(Foto: Stefano Grasso)

Seit 1926 veranstaltet der Italienische Reiterverband ein Internationales Offizielles Springreiterturnier (CSIO) - bis auf 1960 -  jeweils in Rom. Deutsche Equipen gewannen den Nationen-Preis 1931, 1932, 1933, 1940, 1958, 1969, 1971, 1993, 2000, 2012 und nun 2024. Von einem deutschen Serie kann nicht gesprochen werden. Umso größer nun die Freude vor allem von Bundetsrainer Otto Becker (Foto), der mit einer fast ausschließlichen Damen-Equipe plus Daniel Deußer - einmalig im deutschen Reitsport -  nach zwölf Jahren wieder auf der Piazza di Siena einen Erfolg bejubeln durfte. Kein Wunder, dass Otto Becker regelrecht liebevoll den gewonnenen Pokal in den Armen hielt. Dazu passt auch ein Portät über den Franken Becker aus dem Jahre 2007, den Werdegang des gelernten Winzers aus Großostheim, der vor allem Springreiter werden wollte, deshalb seine gewohnte Umgebung verließ und bei Paul Schockemöhle anheuerte.

 

Vor zwanzig Jahren war Paul Schockemöhle (damals 62) der absolute Platzhirsch im Revier der deutschen Springreiter. Er ordnete an, bitten brauchte er recht selten. Manchmal doch. So zum Beispiel im Juni 1989. Da hatte der Multiunternehmer mit Schwerpunkt Turnierstall gerade seinen „Kronprinzen“ Ludger Beerbaum vom Hof gejagt. Ihm fehlte also ein Spitzenjockey. Er griff zum Telefon und sagte zu Otto Becker: „Du kennst ja das ganze Theater, Du könntest mir helfen, hier geht alles drunter und drüber. Komm` bitte.“ Otto Becker antwortete: „Gut, ich komme, aber nur für ein Vierteljahr.“ Der gelernte Winzer verließ die vertraute Umgebung im fränkischen Großostheim bei Aschaffenburg, wo die Beckers damals noch selbst Wein produzierten, ein eigenes Wirtshaus betrieben, „ich wollte einfach die Bestätigung, dass ich besser war als mein Pferdematerial, mit dem ich zwar ganz erfolgreich in Bayern ritt, aber eben nicht oben in der wahren Spitze.“

Wenige Monate später gewann er auf der Westfalen-Stute Pamina in Mannheim 1990 erstmals die deutsche Meisterschaft vor Franke Sloothaak und Dirk Hafemeister, alle aus dem Stall Schockemöhle. Der damalige Bundestrainer Herbert Meyer lobte: „Otto hat Gefühl für Rhythmus und Tempo, das kann man nicht lernen, das ist angeboren.“ Pamina hatte Paul Schockemöhle für sich selbst und die eigene weitere Karriere nach der Pensionierung von Deister ausgesucht, für die Polydor-Tochter in den USA gar 600.000 Mark ausgegeben, doch wegen einer nicht ausgeheilten Schädelprellung – Folge eines Kopfschlags eines jungen Pferdes – konnte der dreimalige Europameister selbst nicht mehr in den Sattel steigen. Glück für Otto Becker, der 1990 mit der Equipe bei den 1. Weltreiterspielen in Stockholm Silber gewann und wegen lediglich 0,47 Fehlerpunkten das Finale der besten Vier verpasste. Dafür wurde er im Herbst, wiederum auf Pamina, erster deutscher Sieger im Großen Preis des CSIO von Spruce Meadows vor den Toren Calgarys. Damalige Prämie: Für europäische Verhältnisse schier unglaubliche 250.000 Mark.

Als der ebenfalls absolute Pferdemann wie Geldmensch Schockemöhle 1992 die damals elfjährige braune Stute für geschätzte zwei Millionen Mark an den italienischen Springreiter Valerio Sozzi verkaufte und seinen angestellten Spitzenreiter schwächte - ein halbes Jahr vor den Olympischen Reiterspielen in Barcelona war Becker sichtlich enttäuscht. In der katalanischen Metropole ritt er auf Lucky Luke chancenlos in der Mannschaft mit, nach dem enttäuschenden elften Rang sagte er: „Mit Pamina wäre sicherlich einiges anders gelaufen.“

Im Oktober nach Olympia verließ er Mühlen und zog ins Leistungszentrum Warendorf um, wo er sich mit einem Handels- und Ausbildungsstall versuchte. Otto Becker damals. „Ich gehe nicht im Zorn aus Mühlen weg, Paul Schockemöhle hat mich immer fair behandelt. Er kennt die Materie wie kein anderer, als Reiter, als Trainer und als Geschäftsmann.“ Zur eigenen Situation meinte er: „Ich habe keine Sponsoren, keine Pferde. Ich fange bei Null an.“

Der Aufstieg des Otto Becker in die Weltspitze war alles andere als sensationell. In den Weinbergen wurde früher mit Pferden gearbeitet, ehe das Zeitalter mit Motoren begann. Vater Robert Becker hatte deshalb immer Pferde, er ritt auch selbst Turniere. Den Sohn setzte er sechsjährig bereits aufs Pferd. Nun war Otto Becker plötzlich in Warendorf nach der Zeit bei Schockemöhle in Mühlen selbst Unternehmer, die Kosten stiegen, Sponsoren blieben aus.

Da trafen sich Otto Becker und Paul Schockemöhle wieder. Sie schlossen 1997 per Handschlag einen Vertrag „auf unbefristete Zeit“ (Becker). Der dreimalige deutsche Meister wurde freier Mitarbeiter im Stall Schockemöhle, vor allem Trainer. Er pendelte zwischen Warendorf und Mühlen.

Die Stute Pamina war der eigentliche Anfang für eine große Karriere des Otto Becker, der Holsteiner Hengst Cento wurde die Vollendung, der Jahrhunderthengst des Gestüts Dobel unweit von Baden-Baden. Den Capitol I-Nachkommen kaufte zweijährig Gestütsbesitzer Horst Karcher, Otto Becker formte den Schimmel zum Star. Er gewann mit Cento 2002 den Weltcup, 2003 in Calgary zum zweiten Mal den Großen Preis des CSIO von Kanada wenige Tage nach dem Gewinn der Mannschafts-Europameisterschaft in Donaueschingen, die Olympische Goldmedaille mit dem Team 2000 in Sydney und beinahe auch 2004 in Athen, wäre daraus wenige Wochen später nicht Bronze  geworden wegen der Salbenaffaire um Goldfever von Ludger Beerbaum. Mehr jedenfalls geht mit einem einzigen Pferd kaum.

Otto Becker, der 57-Mal für Deutschland in einem Preis der Nationen ritt, sagte damals zurecht: „Ich muss keinem mehr etwas beweisen.“ Und er sagte: „Die sportliche Zukunft liegt somit sicherlich hinter mir, aber ein bisschen mitreiten, das will ich noch.“

Sein Zuhause ist inzwischen in Albersloh bei Münster, dort lebt er mit Frau Julia und seinen drei Töchtern Mia, Marlene und Helena („das Zimmer ist jetzt voll“) - alle auch Springreiterinnen -  in einem überaus gemütlichen 100 Jahre alten Bauernhaus. Drum herum nichts als Natur. Die helle Reithalle misst 65 mal 25 m, 24 Boxen daneben, 6 ha Land. Otto Becker, der zweifellos nicht zu jenen gehört, die auf dem falschen Fuß Hurra schreien, hatte immer mehr zu sagen.

Seit 2009 ist er Bundestrainer. Man müsse aufpassen, „dass nicht die besten Sportpferde und ganze Stutenstämme ins Ausland verkauft werden“, sagte er, deshalb sei eine der ersten Pflichten, „Sponsoren zu hegen und zu pflegen“, jedes gute Pferd, das weggehe, „fehlt uns.“ Und dabei halte Deutschland drei starke Trümpfe in der Hand: „Die beste Zucht der Welt, gute Turniere und ein ausgezeichnetes Ausbildungssystem.“ Er plädiert dafür, die Superliga im Nationen-Preis für weniger Mannschaften zu reservieren, „statt für acht in Zukunft nur noch für sechs, das gäbe einen gewissen Spielraum, dass die einzelnen Equipen auch jeweils mit den besten Reitern antreten könnten.“

Er verhehlte damals seine Enttäuschung nicht, dass nirgendwo in Deutschland – bis auf den CSIO in Aachen – ein Fünf-Sterne-Turnier aufgezogen werde, das große Geld werde im Ausland kassiert, bei der Global Champions Tour beispielsweise, in Calgary, in Frankreich und Italien. Keinem sei zu verdenken, dort zu starten, sei doch ein ganz normales Turnierwochenende für den einzelnen Reiter – Fahrt, Unterkunft, Verpflegung, Boxenmiete und Startgelder - unter 4.000 Euro kaum zu haben. „Unser Sport ist konservativ, das bedeutet aber auch Stärke, wir müssen darauf achten, die Tradition zu erhalten, aber uns auch nach außen öffnen, einem gewissen Neuen nicht verweigern“, sagte Becker. Wirtschaftlichen Interessen und Zwängen könne sich der Reitsport sicherlich nicht verschließen, „aber er darf sich nicht verkaufen“, so Becker, und dürfe sich nicht in Abhängigkeit der Fernsehanstalten begeben, so ist ihm der CHIO von Deutschland in Aachen inzwischen „zu TV-lastig“. Reiten werde sicherlich nie das große Publikum erreichen wie Fußball oder einige andere wenige Sportarten, "dennoch soll dem Zuschauer der Sport so vermittelt werden, dass er ihn auch versteht, dass er Freude daran hat, dass Interesse geweckt wird.“

Und er sagte damals 2007 auch, für die alljährlichen deutschen Meisterschaften sollten feste Termine bestimmt werden, beispielsweise Anfang Juni, „allein schon im Hinblick zur Nominierung für den CHIO in Aachen“. Sichtungsturniere wie bisher zur Mannschaftsnominierung für Championate und Olympische Spiele seien nicht mehr zeitgemäß, ließ der dreimalige deutsche Meister wissen. Dass eines Tages Springen und Dressur nicht mehr als gemeinsame Veranstaltung organisiert werden, wie beispielsweise auch in der Niederlande, ist für ihn durchaus denkbar.

Otto Becker war für den nicht gerade leichten Job als Bundestrainer geradezu berufen, er hatte jedoch damals auch noch einen ungewöhnlichen Traum: „Einen Hügel vor meinem Haus mit Weintrauben.“

 

 

 

 

 


Um die Nutzbarkeit unserer Seiten zu verbessern, verwenden wir Cookies. Falls Sie mit der Speicherung von Cookies nicht einverstanden sind, finden Sie hier weitere Informationen. Weitere Informationen >>> Cookie-Hinweis.

Hinweis >>>