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Simone Blum - oder "Alice in Wonderland" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Alexandra Koch/ Dieter Ludwig   
Montag, 24. September 2018 um 14:59

Tryon. Seit 1978 starten Damen und Herren gemeinsam um die Springreiterweltmeisterschaft, erste Siegerin in Konkurrenz mit dem männlichen Geschlecht die Kanadierin Gail Greenough, nun folgte als Zweite beim elften Championat in Tryon Simone Blum.

 

Unmittelbar nach dem Triumph titelte eine amerikanische Presse-Agentur „Alice in Wonderland“ und meinte natürlich vor allem auch die Reiterin Simone Blum aus dem bayerischen Zolling, Deutschlands erste Weltmeisterin in der Landschaft aus Oxern, Steilsprüngen, Wassergraben, Mauer und Kombinationen, was das Reglement so vorschreibt. Der irische Parcourschef Alan Wade steht auch für das Credo des früheren deutschen Ausnahme-Könners Hans-Heinrich Brinckmann, der da mal sagte: „Wie immer bei einem solchen Ereignis bereiten vor allem die schwächeren Nationen Sorgen, nämlich ihnen Aufgaben zu stellen, denen sie nicht gewachsen sind. Doch darauf darf man ein solches Spitzenereignis wie eine Weltmeisterschaft nicht ausrichten. … Als geglückt darf jeder Parcoursbauer seine Arbeit dann betrachten, wenn am Ende tatsächlich die Besten vorne stehen – und es muss erkennbar sein, warum ein solches Resultat herauskam und dass die Leistung der betreffenden Reiter einer gewissen Form entspricht, die sie über das gesamte Championat gezeigt haben.“ Und danach wurde Simone Blum mit der elfjährigen Stute Alice die wahrlich würdige Weltmeisterin. In fünf Durchgängen kullerte kein einziges Mal eine Stange in den Sand. Und neben den zahlreichen Ehrengaben wurde ihr auch ein Scheck von umgerechnet rund 100.000 Euro in die Hand gedrückt.

Interessenten des internationalen Springsports kannten den Namen Simone Blum schon früher. Als Tochter des Vielseitigkeitsreiters Jürgen Blum, der 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta dabei war, und als Enkelin von Gustav Adolf Blum, der zusammen mit Theo Steinle das Vielseitigkeitsturnier in Achselschwang am Ammersee über Jahre organisierte. In den Blickpunkt  regelrecht vehement ritt Simone Blum doch erst in den letzten drei Jahren, sie wurde 2016 Deutsche Meisterin der Amazonen, ein Jahr danach startete sie gegen die Herren und fegte sie in Balve ab. Im Sattel der Stute Alice gehörte sie plötzlich zur Elite, auch wenn sie erst dreimal für Deutschland einen Nationen-Preis ritt. Sie reitet nicht nur mit feiner Hand, auch erfolgreich.

Simone Blum betonte 2017 zwar, dass die Chancen für alle Reiter bei den Deutschen Meisterschaften in der Herrenkonkurrenz ja gleich wären, aber dennoch war sie mächtig stolz darauf, den Titel geholt zu haben. „Dass ich dies als zweite Frau nach Meredith Michaels-Beerbaum geschafft habe, ist eigentlich fast unglaublich“, sagte sie. Danach folgte der Start beim Internationalen Offiziellen Turnier (CHIO) von Deutschland in Aachen, „dort mal zu starten, war immer ein Traum von mir.“

Bei den Europameisterschaften in Göteborg 2017 war sie Ersatz, sie nutzte die Zeit doch bestmöglich. „Ich nehme auf jeden Fall dieses tolle Erlebnis mit dem großartigen Team-Zusammenhalt und ganz viel Spaß, den wir zusammen hatten, mit. Eigentlich fand ich es auch ganz gut, dass ich die Möglichkeit hatte  hineinzuschnuppern.“ Und sie gewann dort mit Alice den außerhalb der EM ausgetragenen Großen Preis. Und sie sagte: „Ich denke, wir haben dem Bundestrainer gezeigt, dass wir es können, denn wir waren die erfolgreichsten Teilnehmer des Rahmenprogramms. Und so gab es auch gleich die Startzusage für Barcelona.“

Auch an das Nationenpreis-Finale in der katalonischen Metropole denkt Simone Blum gern zurück: „Barcelona war für mich dann auch ein bisschen der krönende Abschluss meiner Saison. Mein Traum war immer, eines Tages in Aachen zu reiten. Diesen konnte ich mir schon erfolgreich erfüllen. Aber für das deutsche Team zu reiten war natürlich ein weiterer Traum, den ich immer hatte. Er ist nun wirklich in Erfüllung gegangen.“

Und als wäre das nicht genug gewesen, drehte die junge Dame zum Ende des Jahres hin nochmals so richtig auf. Erster Fünf-Sterne-Sieg und Auto in Lausanne, Sieg im German Masters in Stuttgart und der vierte Platz im Weltcup-Springen. „Das war ja mein erster Weltcup überhaupt und meine erste Teilnahme am Masters-Springen. Und dann diese Top-Leistung. Ich musste alles erstmal sacken lassen“, sagte sie und  lacht.

 Im November reiste Blum mit ihrem Lebensgefährten Hans-Günther - Hansi -  Goskowitz, ebenfalls Springreiter, auf die Malediven. Eine gute Woche nur Palmen, Strand, Schnorcheln, Relaxen. Danach fühlt sie sich erholt und bereit für die neuen Aufgaben. „Alice hatte aber nun erstmal eine wohlverdiente Winterpause und durfte auch die Seele baumeln lassen. Dafür beschäftigte ich mich umso intensiver mit meinen jungen Pferden, die im vergangenen Jahr aufgrund der vielen Reisen etwas hatten zurückstecken müssen.“

Springreiten aus Leidenschaft

Simone Blum gibt zu, dass sie sich an den neuen Turnierrhythmus auch erst hatte gewöhnen müssen. „Wir waren ja viel mehr auf Reisen als sonst. Somit mussten wir alles zuhause neu organisieren.“ Erfolgsstute Alice kam übrigens vor vier Jahren zu den Blums. Simones Lebensgefährte hatte sie entdeckt. „Als ich sie aus dem Hänger steigen sah, war das schon ein wenig Liebe auf den ersten Blick für mich. Ich hatte mich sofort in ihren Typ verliebt. Als ich sie dann geritten habe, war sie wirklich wild. Hansi rief nur brr, brr, weil sie so losging.“ Am Sprung sei ihr aber sofort das immense Talent der kleinen Diva aufgefallen, erinnert sich Simone Blum. Und so nahm eine wahrhaft traumhafte Geschichte ihren Lauf.

Vielleicht ist es ja die Belohnung, die Alice mittlerweile zu solch einem Superstar hat werden lassen. Denn nach jedem Erfolg gibt es eine Flugmango, die die bildhübsche Stute abgöttisch liebt.

In Pferde war Simone Blum schon immer verliebt gewesen. „Ich glaube, das hatte ich schon zu meiner Geburt in mir“, sagt sie. „Bis zwölf Jahre habe ich auch Vielseitigkeitsprüfungen im Ponybereich geritten. Allerdings denke ich, dass ich dafür letztendlich nicht mutig genug gewesen bin. So fragten mich eines Tages, ich glaube, ich war 13, meine Eltern, ob wir lieber ein spring- oder vielseitigkeitsbetontes neues Pony suchen sollten. Ich entschied mich für das Springen, da es mir einfach furchtbar viel Spaß gemacht hatte. Schon in der Vielseitigkeit war es meine absolute Lieblingsdisziplin. Dressur langweilte mich ein wenig, und im Gelände fühlte ich mich immer etwas unsicher. Dazu kam, dass ich mit meinem Vater auf Turnieren viele Stürze und Unfälle sah. Das brachte mich doch etwas von dieser Disziplin ab.“

Sie und ihr Partner Hans-Günther Goskowitz (42) – Heirat wohl in den nächsten Wochen - haben zur Zeit 15 Pferde unter dem Sattel. Alle Pferde werden am Vormittag geritten, kommen auf die Koppel oder an die Führmaschine oder an die Longe. Am Nachmittag werden alle nochmals rausgeholt und spazierengeritten, gerne am Berg, das halte fit.  Danach werden alle geputzt und abgepflegt. „Ich sage immer, dass sie bettfertig gemacht werden. Nachmittags mache ich dann schon öfters mal im Stall sauber, organisiere unsere Turnierstarts, erledige Büroarbeit und was sonst alles anfällt.“

Entspannen kann Simone Blum beim alljährlichen Skiurlaub mit der ganzen Familie oder im Alltag mit ganz einfachen Dingen. „Zuhause höre ich gern mal „Gute-Laune-Musik“, um abzuschalten, ob Oldies, Schlager oder aktuelle Hits ist eigentlich egal, da ist alles mit dabei. Abends schauen wir alle gern gemeinsam fern, mal Tatort oder Wilsberg. Zum Lesen oder anderen Hobbys komme ich kaum. Mich hat nur einmal ein Buch wirklich nicht mehr losgelassen: Illuminati von Dan Brown. Das musste ich einfach zu Ende lesen, es war so toll geschrieben.“

Ihre Heimat Bayern möchte sie außerdem niemals missen, auch wenn sie Vor- und Nachteile mit sich bringt. „Ich liebe es wirklich, in Bayern zu leben. Es ist ein unglaublich schönes Bundesland. Wir haben die Berge vor der Nase, und es ist auch nicht weit nach Italien. Zuhause haben wir ein wunderschönes Anwesen. Eigentlich könnte es also nicht besser sein. Aber man muss sagen, dass es für uns Bayern nicht so einfach ist, uns im Spitzensport zu etablieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass man als Reiter aus Bayern schon außergewöhnlich gut sein muss, um nach ganz oben zu kommen. Man sieht uns einfach nicht so häufig wie andere. Deshalb ist es zunächst schon etwas schwieriger, beachtet zu werden. Aber wenn man ganz oben ankommen möchte, ist das vermutlich dann doch egal. Da geht es dann viel eher um Leistung, und die Herkunft spielt wohl eine eher untergeordnete Rolle. Der Weg zum Gipfel führt vielleicht einfach für uns über ein paar Umwege mehr...“ Bei ihr war der Umweg deutlich kürzer – oder sie nahm eben die Abkürzung über Tryon…

 

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