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Isabell Werth hält Hof auf dem Schindlhof in Tirol PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Dienstag, 25. Juni 2019 um 15:43

Isabell Werth mit der Stute Bella Rose bei der Deutschen Meisterschaft in Balve, die sie vor zwei Wochen mit dem 15. Titel beendete. Neben 15-mal Deutsche Meisterin, einsamer Rekord, gewann sie bei Europameisterschaften bisher 17 Goldmedaillen, neunmal die wertvollste Medaille bei einer Weltmeisterschaft, und dazu wurde sie sechsmal Olympiasiegerin

(Foto: Kalle Frieler)

Fritzens/ Österreich. Seit über 30 Jahren reitet Isabell Werth international vorne mit an der internationalen Spitze, sie führt ungefühlt seit ewigen Zeiten die Weltrangliste an, am Wochenende startet sie beim 25. Swarovski-Turnier auf dem Schindlhof in Tirol, einem ihrer Lieblingsturniere, „weil die Veranstaltung mit viel Herz organisiert wird, weil dort alles stimmt.“

 

 

Sie sagt voller Überzeugung: „Ich habe sie entdeckt“, und sie sagt: „Pferde sprechen mit mir.“ Die Rede ist von Josta Frohning (Wesel). Zehn Jahre lang war sie Isabell Werths Lehrerin, sie führte die Schülerin beim Reit- und Fahrverein Graf von Schmettow Eversael-Rheinberg  in die zunächst kleine Welt der Dressur ein, die viele Jahre später zur Tetereiterin dieser Sportart aus Leidenschaft, Disziplin, Zucht und Ordnung werden sollte. Aber auch das erzählte nun Josta Frohning, dass sie nämlich mal an einem Abend alle Eltern und Geschwister ihrer Schüler aufs Pferd setzte, Mutter Brigitte habe viel Fleiß und Ehrgeiz offenbart, Schwester Claudia wäre mit der idealen Reitfigur aufgefallen, „aber Vater Heinrich Werth, das war ein echtes Talent“. Dem Sport verschrieben hat sich mit Herz und Seele Isabell Werth, die alles in sich vereint, was einen Großen dieser Reitdisziplin ausmacht, nämlich Talent, Ehrgeiz, Weitsicht, Fleiß und Durchhaltevermögen sowie Liebe zu Pferd und Dressur.

Josta Frohning hat sie entdeckt, aber nach oben in den Olymp des Sports führte und dirigierte sie Dr. Uwe Schulten-Baumer, der Mann,. der die Champions machte. Der Silvesterabend 1986 war für beide eine Sternstunde. Als „Der Doktor“, wie er in der Dressur genannt wurde, nach altem Brauch in der Nachbarschaft ein Gutes Neues Jahr wünschte, war dort auch Isabell Werth. Es wurde für beide eine glückliche Fügung. Da er nämlich gerade keinen erstklassigen Bereiter mehr im Stall hatte, fragte er die junge Isabell, ob sie nicht Lust hätte, bei ihm zu reiten. Er hatte ihr einzigartiges Talent längst erkannt und ihren Werdegang beobachtet. Er war bereits einer, sie wurde eine. Beide verschmolzen zu einer Einheit. Schulten-Baumer später mal: „Ich war verblüfft, wie Isabell als Neunjährige auf die unterschiedlichen Temperamente der Pferde einging und auf sie Einfluss nahm. Vor allem aber, wie sie mit jungen Pferden arbeitete.“ Und was er besonders an ihr schätzte, was nicht erlernbar ist: „Sie erahnt im voraus kommende Reaktionen eines Pferdes – und dementsprechend ist sie gewappnet.“

Schulten-Baumer, der nie zu damals bekannten Geheimbünden der Dressur gehörte, als auch Richter kleinen Präsenten durchaus zugänglich waren, stand am 3. August 1996 erstmals dort auf jenem Gipfel, den er ein Leben lang vor Augen hatte. In der alles entscheidenden Kür um Einzelgold – erstmals im olympischen Programm - in der Kleinstadt Conyers, 53 km außerhalb der Olympiastadt Atlanta, gewann Isabell Werth auf Gigolo vor der nach Grand Prix und Grand Prix Special führenden Niederländerin Anky van Grunsven auf Bonfire. Vier der fünf Juroren setzten die Deutsche auf Platz 1, sogar der niederländische Unparteiische. Isabell Werth: „Ich habe damals nur eines beim Einritt in das Stadion gedacht: Reiten, reiten, reiten…“ Und später sagte sie: „Ich war nach Atlanta gefahren, um zu gewinnen - oder zum Depp der Nation zu werden.“ Dressurreiten im großen Sport heißt in Deutschland gleichzeitig auch siegen, denn der Zweite gilt als Verlierer.

Isabell Werth und der „Doktor“ trennten sich 2001, 2003 bezog sie ihre eigene Anlage direkt neben dem Elternhaus in Rheinberg. Uwe Schulten-Baumer starb im Alter von 88 Jahren am 28. Oktober 2014, die Trauerfeier organisierte seine Musterschülerin, die wie niemand anderer seine Ideen umsetzte und auch seinen Gedankengängen folgen konnte und durch ihn letzten Endes zur erfolgreichsten Dressurreiterin der Welt wurde: „Er war ein außergewöhnlicher Mensch, dem ich ewig dankbar bin, ihm habe ich unglaublich viel zu verdanken.“ Sie könne sich noch gut erinnern, als sie in der kleinen Reithalle des Vereins in Budberg ritt, und sie sagte: „Ich kenne niemanden, der sich auch selbst so hinterfragte wie er.“ Aber auch das vergaß sie nicht zu erwähnen: „Es war wahrlich nicht immer Zuckerschlecken mit ihm.“ Sie hat natürlich auch jene ungeschriebenen Gesetze übernommen von ihm, „Pferde müssen verstehen, was der Reiter will“, oder: „Immer mit, nie gegen das Pferd arbeiten“, oder: „Das Arbeiten mit der Hand muss ständig bekämpft werden“.

Niemand wie sie kannte den Doktor so von innen. Er sei immer von Existenzängsten geplagt gewesen, sagt sie, wohl auch deshalb, weil seine Eltern mit ihm als Kind aus finanziellen Gründen den Hof bei Essen verlassen mussten. Er habe sich auch immer als Ausbilder gesehen, „nie als Coach oder Trainer“. Und er hasste es, wenn in Berichten nach Turnieren gestanden habe, „Isabell Werth auf ihrem Gigolo“, da er ja Besitzer des Fuchswallachs war. Er habe immer auch gut beim Verkauf von Pferden verdient, „aber er investierte auch stets wieder in Pferde. Ihm war immer wichtig, seine Reiterin auf seinen Pferden zu sehen.“

Isabell Werth wird am 21. Juli 50 Jahre alt, an dem Tag also, an dem vor eben 50 Jahren der US-Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat. Über einen Abschied vom Leistungssport hat sie noch nicht nachgedacht, „doch ich weiß, dass der Tag kommen wird, um kein Turnier mehr zu reiten“. Mit dem Sport jedoch werde sie immer verbunden bleiben, „Pferde, Sport, Ausbildung von jungen Pferden und jungen Reitern – das ist und bleibt mein Leben“. Doch bis dahin hat die Konkurrenz noch weiter zu warten…

 

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