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Prinzessin Haya - in erster Linie auch Springreiterin PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Dienstag, 09. Juli 2019 um 16:06

Prinzessin Haya als FEI-Präsidentin ehrt Königin Elizabeth II mit einem Orden des Reiter-Weltverbandes  2014

(Foto: FEI/ Offz)

Wassenberg. Prinzessin Haya (45) von Jordanien beherrscht zur Zeit die Schlagzeilen jenseits des Sports,  kein Wunder, hat sie doch ihren Ehemann Scheich Al Maktoum mit den beiden Kindern durch Flucht verlassen und die männlich beherrschte Herrschaft verletzt. Wo sie ist, wissen nur Freunde, ihr Leben ist jedenfalls kaum sicher. Die sie aus ihrer deutschen Zeit kennen, wissen, sie war Sportlerin, angenehme Kollegin und vor allem Springreiterin…

Am 1. Mai 2006 wurde Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Haya Bint Al Hussein von Jordanien in Kuala Lumpur zur neuen Präsidentin des Weltverbandes (FEI) gewählt, 82 von 132 Stimmen entfielen im zweiten Durchgang auf sie, 52 auf den Griechen Freddy Serpieri, lediglich 16 votierten beim ersten Wahlgang  für die dänische Prinzessin Benedicte. Auf eine Stichwahl wurde verzichtet, da Serpieri nicht mehr wollte. Frank Kemperman, damals in den Springausschuss der FEI aufgestiegener Generalsekretär des Aachen-Laurensberger Rennvereins, sagte: “Sie lieferte eine starke Präsentation ab. Ich glaube, sie wird frischen Wind in die FEI bringen, denn sie kommt ja auch aus dem Sport.” Die neue Chefin sagte, sie werde alles in ihrer Kraft unternehmen, um den Pferdesport weiter zu bringen, ihn aber auch vor Angriffen schützen. Ihr Amt wurde 2010 um vier Jahre verlängert, danach trat sie nicht mehr an.

In dem Buch “Das Pferd im zwanzigsten Jahrhundert – 100 Jahre in 100 Interviews” erzählt Prinzessin Haya: “Mein Vater sagte immer zu mir: Wenn endlich Frieden im Mittleren Osten sein wird, entsteht ein Vakuum. Das Vakuum muss gefüllt werden. Es wird endlich Platz sein für den professionellen Sport. Und für ein Aufblühen der Kultur. Dann musst Du Vorbild für unser Land sein. Jordanien kennt keine professionellen Athleten. Und schon gar keine weiblichen. Ich kann keine Vorbildfunktion für mich beanspruchen, aber ich hoffe, dass die Menschen in Jordanien mich doch so sehen werden.” Ihre Mutter Alia Al Hussein war 1977 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen.

Mit 14 Jahren erlebte die Königstochter erstmals den deutschen CHIO in Aachen. Sie fand die Veranstaltung „phantastisch“. Sechsjährig saß sie auf einem Pony, mit zwölf bestritt sie bereits Wettkämpfe. Ihr Vater begeisterte sie für diesen Sport. Als erste Frau der arabischen Welt trat sie bei einem Turnier auf. 1994 gewann sie bei den Pan-Arabischen Reiterwettkämpfen Bronze im Springen. Sie besuchte das Gymnasium in Bristol und studierte in England mit Examen Politik, Philosophie, Geschichte und Wirtschaftswissenschaft. Dann intensivierte sie das Reittraining. Zunächst zwei Jahre bis 1997 bei Paul Darragh in Irland, dort ritt sie auch Galopprennen. Sie merkte, um etwas im Turniersport zu erreichen, „musste ich auf  das Festland.“ Sie hatte zwei Trainer im Auge, den Niederländer Hans Horn und den Deutschen Paul Schockemöhle aus Mühlen in Oldenburg. „Ich ging zu Schockemöhle. Er arbeitete viel im Mittleren Osten, er kennt unsere Kultur.“ Und weiter sagte sie: „Die Pferde, die ich bei Paul Schockemöhle kaufte, hatten alle eines gemeinsam: Sie wollten springen, sie hatten Herz und Seele.“  Den wunderbaren Schimmelhengst Come On leaste sie von Ludger Beerbaum und dessen früherem Geschäftspartner und Reiterkollegen Ralf Schneider. „Ich fühlte mich geehrt, auf einer solchen Pferde-Persönlichkeit reiten zu dürfen“, meinte sie damals. Auf Come On nahm sie 1998 beim CHIO von Deutschland  teil. Sie gab keine schlechte Figur ab.

Die Prinzessin lebte während ihrer Mühlener Zeit bescheiden in einem Ein-Zimmer-Appartement in Steinfeld bei Mühlen. Dort wollte sie dem Reiterkollegen Ralf Schneider mal etwas kochen. Am Herd hatte sie jedoch vorher nie gestanden. Also versuchte sie, Ratschläge zuhause zu holen, wo jedoch niemand wusste, was man in Europa brutzelt. Zuletzt rief sie ihren Vater in den USA an, der dort wegen seiner Krebserkrankung gerade behandelt wurde. König Hussein hatte dann diesen Spruch parat: „Eine Königstochter muss nicht kochen können.“ 1998 war der König selbst in Mühlen. Paul Schockemöhle: „Ein ganz bescheidener Mann. Er saß mit uns in der Kantine des Turnierstalles.“ Es gab Züricher Geschnetzeltes. Ein Jahr später starb er.

Schon als Kind interessierte sie sich „wie Spitzenathleten ganz nach oben kommen“. Sie kam zur Überzeugung: „Durch Konzentration in erster Linie.“ Auf  Reiten umgesetzt:  „Die Spitzenreiter übertragen die Konzentration auf ihr Pferd.“ Eines wurde ihr auch bewusst, “reines Lesen kluger Bücher bringt einen nicht unbedingt weiter, man muss sich sein eigenes Konzept ausarbeiten.”

Der Start bei Olympia war der Wunschtraum ihres Vaters, ihn zu erfüllen, wurde für sie fast Gesetz. Sie schaffte es, wenn auch ein bisschen mit Goodwill anderer. Obwohl sie die offiziellen Auflagen der FEI nicht erfüllte, konnte sie in Sydney 2000 starten. Wie Olaf Petersen, Parcoursbauer und damals Vorsitzender des Spring-Komitees, erklärte, habe man „sportpolitische Gründe gelten lassen, da die vom Internationalen Olympischen Komitee zugestandenen Plätze nicht voll genutzt wurden“. Bei der für sie festgelegten Qualifikation in Falsterbo (Schweden) war die Königstochter mit 52,5-Fehlerpunkten aus dem Parcours gekommen und hatte das Limit um 44,5 Fehlerpunkte übertroffen, doch dann beim Juli-Turnier hatte sie sich auf der Stute Lucilla im Großen Preis in San Patrignano bei Rimini kurz vor dem absoluten Nennungsschluss für Sydney platziert, „so dass man sagte, sie habe den Befähigungsnachweis für Olympia erbracht“ (Petersen). Prinzessin Haya, die vor dem Abflug in Paris trainierte, quartierte ihr Pferd im als Quarantäne-Station ausgewiesenen Aachener CHIO-Stadion ein.  In einer normalen Frachtmachine wurde das Pferd am 2.September nach Sydney geflogen. „Alles war nicht so einfach“, wie der auf den Flugdienst für Pferde spezialisierte Irländer Martin Atock erklärte, „denn viele Botschaften schalteten sich ein. Haya war eben keine normale Person.“ Die Kosten in einer Linien-Frachtmaschine musste die Prinzessin selbst tragen, so um die 30.000 Euro. Auf der anderen Seite der Erde schied sie auf der Holsteiner Landgraf-Tochter Lucilla in der dritten Qualifikation nach Sturz aus, doch schlecht sah sie keineswegs im olympischen Parcours aus. Es gab hässlichere Bilder.

Bei den Asienspielen 1994 in Hiroshima war die Prinzessin der absulote Medienstar. Sie knallte im Einzelspringen zwar in einen Oxer und brach eine Rippe, doch sie ging nach der Behandlung im Krankenhaus sofort zurück zum Turnierplatz, ergriff das Mikrofon und sprach die Dankesworte der Reiter für die Organisation. Ihren ersten sportlichen Auftritt in Deutschland hatte die zweimalige jordanische „Sportlerin des Jahres“ 1995 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyerhalle. Sie ritt mit dem Österreicher Hugo Simon die Shownummer „Profi und Amateur“. Erstmals „im Geld“ war sie 1997 beim Turnier in Rostock, “wo ich erstmals nicht zuzahlen musste”, den ersten Sieg in einer schweren Prüfung feierte sie am 1.Mai 1999 in Kirchdorf bei Celle, als sie auf dem Wallach Mustafa erfolgreich war.

Ihre Ehrungen und Auszeichnungen sind nicht auswendig zu lernen. Nur um einige zu nennen:  Fünfmal wurde sie jordanische Landesmeisterin im Springreiten, die spanische Föderation ehrte sie als „Reiter-Persönlichkeit des Jahres 1996“, sie erhielt von der „Tourismus-Gesellschaft“ Jordaniens den “Goldenen Helm” 2000 für ihre Werbung um deutsche Gäste, und sie wurde geehrt als „legendäre weibliche Persönlichkeit“, sie saß in der Athleten-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees, sie ist nach wie vor  Mitglied der von Prof. Dr. Arno Gegeo und Olaf Petersen gegründeten „Aachen School of Course Design“, und sie blieb Vorsitzende im Dubai Equestrian Club. Neben ihrer Muttersprache spricht sie Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und auch ein wenig Russisch. Auch ein paar Brocken Deutsch. Als erste Frau Jordaniens machte sie einen LKW-Führerschein. Sie schreibt Gedichte, läuft Ski, segelt und schwimmt gerne, sie gärtnert und hat Fotografieren als Hobby.

Am 20.April 2004 heiratete sie – wurde seine Zweitfrau - in Amman den 25 Jahre älteren Emir Mohammad Ibn Rashid al Maktoum von Dubai, einen leidenschaftlichen Distanzreiter, der bei jedem Wettbewerb immer die Nummer 7 erhält. Als er mit der Equipe Team-Weltmeister 2010 in Kentucky wurde, verzichtete er auf seinen Auftritt bei der Medaillenvergabe. Wie später erzählt wurde, wollte er sich von keiner weiblichen Person gratulieren lassen…

 

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