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Der märchenhafte Aufstieg eines Springreiters namens Elad Yaniv PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Dienstag, 16. Juli 2019 um 22:10

Elad Yaniv mit Ehefrau Anne

(Foto: privat)

Willich-Anrath. Nach Norbert Koof 1984 in Los Angeles hat Willich-Anrath unweit von Düsseldorf erneut einen in der Stadt wohl kaum bekannten Olympia-Kandidaten im Springreiten, Elad Yaniv. Der Israeli qualifizierte sich mit der Equipe für Olympia in Tokio im nächsten Jahr beim russischen Offiziellen Turnier in Moskau.

Sein Vorname Elad heißt aus dem Hebräischen übersetzt so in etwa „für immer gut“, das wäre er gerne, doch Elad Yaniv (41) darf durchaus als Vorbild für viele gelten, die ebenfalls wollen. Der Israeli kommt aus einem Land, „wo Fußball ganz oben steht, auch Judo“, sagt er. Als er sich nun mit der israelischen Equipe in Moskau durch den Gewinn des Nationen-Preises für Olympia im nächsten Jahr in Tokio qualifizierte, „machten wir wahrlich keine Schlagzeilen in Tel Aviv“, sagt er, „man versteht von diesem Sport einfach zu wenig bei uns zuhause.“ Die Mannschaft wäre wahrlich mehr als eine dicke Überschrift in den großen Medien wert gewesen, „denn noch nie hat sich eine israelische Mannschaft speziell für einen Teamwettbewerb bei Olympischen Spielen in der Geschichte unseres Landes qualifizieren können“.

Sein Vater, ein Bauunternehmer aus einem kleinen Dorf bei Tel Aviv, steckte ihn an. Der ritt, „aber keine Turniere, nichts Besonderes, der hatte Araberpferde zum Spazierenreiten, und die waren ein Hochzeitsgeschenk gewesen.“ Zuhause auf dem kleinen Hof mit Kühen und Ziegen aber legten die Yanivs ein kleines Viereck an, Elad war neun Jahre alt, mit elf bekam er ein Pferd „das aus Deutschland stammte“.  Bei einem kleinen Turnier hieß der Sieger irgendwann Elad Yaniv. „in einem Springen über Hindernisse von einem Meter Höhe“. Er wollte nun langsam mehr, vor allem weiter, nach oben, „das ging ja bei uns nicht, weil eben Reiten nicht der Sport ist, zu dem alles drängt.“ Aber er wusste, „dass der Sport in Europa ganz anders läuft, einen ganz anderen Stellenwert besitzt, und das nahm ich vor allem wahr, als mich mein Vater mitnahm in den Urlaub in die Niederlande“. Doch für ihn wurde auch klar: „Ich wollte den Beruf eines Springreiters ergreifen.“ Mit 15 Jahren war er Israels Bester in mittelschweren Springen. Er merkte jedoch, „ich musste weg, um höher zu kommen“. Er ging mit vier Pferden und einem Wohnwagen in die Niederlande, „ich nahm eine Stelle an als Pfleger und Bereiter in einem Verkaufsstall bei Arnheim. Ich musste für alles selbst sorgen, waschen, bügeln, Pferde reiten des Arbeitgebers, die eigenen Pferde versorgen - aber ich war nicht unzufrieden“.  Er erzählt über sein Leben ohne Selbstgefälligkeit, mit einer gewissen Demut, fern jeder Überheblichkeit. Aus dem kleinen Freizeitreiter ohne große Lehrmeister am Anfang bis nach Olympia - da hätten andere wirklich auf den Putz gehauen, und nicht zu Unrecht.

„Franke Sloothaak mein Glücksfall“

In einem Handelsstall werden Pferde gehalten, trainiert oder direkt  weiter verscherbelt. Wer davon leben muss und nicht gerade auf einem Kopfkissen gefüllt mit Euroscheinen einschläft, hat keine Zeit und keinen Gedanken, auch Reiten als Sport zu fördern. Da bleibt logischerweise kein Platz für einen, der den Turniersport will, nicht den Verkauf in einem Stall fördern.

Schon als Kind war Elad Yaniv Deutschland ein Begriff, dorthin wollte er auch trotz der Greueltaten in der Hitler-Zeit. Elad Yaniv ging strikt einen direkten Weg. 1997 heuerte er bei Ulli Kirchhoff in Rosendahl an, der war ein Jahr davor Doppel-Olympiasieger in Atlanta geworden, 1998 erhielt Franke Sloothaak in Borgholzhausen einen Anruf von Elads Vater. Der dreimalige Weltmeister sagt: „Wie alles gelaufen ist, weiß ich gar nicht mehr. Jedenfalls stand eines morgens Elad vor der Tür.“ Und der sagt: „ Franke wurde für mich zum Glücksfall. Ich werde ihm immer dankbar sein.“ Er bewundere nach wie vor neben dessen Können auch seine Disziplin und er werde immer davon soviel wie möglich weitergeben. Über Sloothaak sagte mal der große Alwin Schockemöhle und sein Entdecker: „Hätte Franke auch noch den Sinn für Geschäft und Management gehabt– es hätte für alle Zeiten nie einen Größeren gegeben.“ 2003 verließ Elad Yaniv den gebürtigen Niederländer und bezog Quartier bei Alois Pollmann-Schweckhorst in Warstein.

Bekanntlich lebt der Reiter erst in zweiter Linie von Turnieren und Preisgeldern, vor allem jener, der nicht zur Hautevolee von Haus aus gehört, wie eben auch Elad Yaniv. Der Springreiter macht sein Geld mit Ankauf, Ausbildung und Verkauf von Pferden, und am besten, wenn er dazu noch einen guten Namen in der Branche besitzt. Und da hatte Elad Yaniv natürlich in den Niederlanden die beste Schule durchlaufen. Aber auch das hatte er rasch geschnallt, dass viele Pferdegeschäfte in Grenznähe leichter zu händeln sind, beispielsweise zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Also machte er sich schlau auf der Suche nach einem guten Turnierstall in dieser Ecke. So kam er vor 15 Jahren zu Exweltmeister Norbert Koof. Dort mietete er sich auf dem Vierkanthof ein, mit Boxen für sich und Kunden,  dort lernte er auch seine spätere Ehefrau Anne aus Anrath kennen, die beim Weltmeister von 1982 ebenfalls ritt, für beide eine wunderschöne Fügung, Dank der Pferde.

Qualifikation ist nicht Olympia

Nach der Heirat bauten die beiden eine geschmackvolle und funktionelle  Turnieranlage in Anrath auf, mit 33 Boxen, acht davon für Trainingsgäste,  dazu ließen sie anlegen einen Sandplatz (70 mal 50 m), einen Rasenplatz (90 mal 40) und eine Halle (25 mal 50 m). Zum Training kommt immer noch Franke Sloothaak.

Die israelische Föderation (FN) machte ebenfalls alles richtig. Sie holte für das Management entsprechende Fachkräfte, so wurden Hans Horn als Equipechef und als Coach der Allesgewinner – bis auf den Weltcup – Jeroen Dubbeldam verpflichtet. Sie müssen beide nicht eigens vorgestellt werden. Sie haben das Sagen, und sie bestimmten auch, wer in Moskau ritt. Zum Einsatz kamen neben Elad Yanif, der neben Hebräisch auch Duetsche und Englisch "und ein bisschen Holländisch" spricht, der 29 Jahre Daniel Bluman, der für sein Geburtsland Kolumbien bei Olympia in London 2012 und Rio 2016 antrat, „der aber unbedingt in Zukunft für Israel reiten wollte“, so Yaniv, die Heimat dessen Mutter, „und der inzwischen mein echter Freund ist und den ich auch in Aachen beim CHIO in dieser Woche besuchen werde.“ Nominiert wurden außerdem die beiden US-Amerikanerinnen Ashley Bond (34) und Danielle Goldstein (34), die seit Juni Frau Waldman heißt, nachdem sie den Pferdehändler Alan Waldman ehelichte. Ashley Bond startet seit einem Jahr für das Gelobte Land, Dani Waldman bereits seit neun Jahren.

Die Teilnahme für Olympia in Tokio ist geschafft, doch wer in der japanischen Hauptstadt im nächsten Jahr reitet, ist mit der Qualifikation in Moskau längst nicht geschafft. Näheres bringt die Europameisterschaft im nächsten Monat in Rotterdam…

 

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