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Bern. Die Mitgliederversammlung des Schweizer Reitsportverbandes „Swiss Equestrian“ setzt ein klares Zeichen: Der Verband steht finanziell stabil da, gewinnt neue Partner und stoppt den jahrelangen Rückgang im Pferdesport. Jetzt geht es darum, wieder zu wachsen.
Die Jahresrechnung der Schweizer Pferdesport-Föderation schließt für 2025 mit einem Gewinn von CHF 6’506 ab. Gleichzeitig konnten neue Partnerschaften aufgebaut werden – ein wichtiges Signal für die Zukunftsfähigkeit des Pferdesports in der Schweiz. Diese solide Basis schafft Vertrauen und eröffnet Handlungsspielraum für gezielte Investitionen. Erstmals seit 2010 ist zudem die Zahl der Starts in 2025 nicht weiter gesunken, sondern hat sich stabilisiert. Und obwohl in diesem Jahr bisher sieben Turniere weniger stattgefunden haben als im Vorjahr, erreicht der Schweizer Pferdesport bis heute die gleiche Gesamtzahl an Starts wie 2025. Dies zeigt eine wachsende Nachfrage: Ein Turnier zählt dieses Jahr durchschnittlich 617 Starts, gegenüber 543 im Vorjahr. Besonders deutlich zeigt sich dies im Springen, wo trotz vier weniger Turnieren gleich viele Starts verzeichnet wurden. Mit 46 bisher durchgeführten Turnieren, was lediglich 10% der jährlichen Gesamtzahl entspricht, bleibt noch erhebliches Potenzial für die kommenden Monate. Gleichzeitig zeigt sich die Realität: Es gibt zu wenige Veranstaltungen, da diesen die Helfer und Sponsoren fehlen. Ohne genügend Turniere fehlt die Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Mehr Möglichkeiten statt weniger Hürden Die Analyse ist eindeutig: Die Schweiz verfügt über eine breite Basis an engagierten Reiterinnen und Reitern. Viele von ihnen möchten starten, tun dies aber zu selten. Genau hier setzt Swiss Equestrian an. Es geht darum, den Zugang zum Sport einfacher zu machen, bestehende Hürden abzubauen und wieder mehr Dynamik in den Alltag des Pferdesports zu bringen. Mit gezielten Massnahmen werden neue Einstiegsmöglichkeiten geschaffen. Formate wie die «Liberty Rookie Tour» sprechen gezielt neue Zielgruppen an und ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zum Turniersport. Gleichzeitig werden bestehende Angebote weiterentwickelt und besser auf die Bedürfnisse der Basis ausgerichtet. Ein wichtiger Schritt ist auch die gezielte Ausweitung von Startmöglichkeiten in den Wintermonaten, wo heute ein klares Defizit besteht. Ziel ist ein ganzjähriges, attraktives Angebot. Ein starkes Zeichen setzt dabei auch die Unterstützung aus der Wirtschaft: Mit Liberty Vorsorge konnte ein nationaler Partner für die «Rookie Tour» gewonnen werden. Dieses Engagement zeigt, dass der Pferdesport als Plattform überzeugt und Entwicklungspotenzial hat. Michel Sorg, CEO von Swiss Equestrian: « Wir sehen es klar: Das Interesse am Pferdesport ist deutlich vorhanden. Nun gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit mehr Menschen tatsächlich an den Start gehen können. Dafür müssen wir den Veranstaltern die notwendigen Instrumente in die Hand geben, damit die Anzahl der Turniere wieder steigt. Wachstum entsteht nicht von selbst – wir müssen es ermöglichen.» Klarheit beim Nennsystem Das Nennsystem bleibt ein zentrales Element für die Organisation des Sports. Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Die Veranstalter sind mit einer steigenden Zahl an Meldungen konfrontiert. Das System trägt dazu bei, diese Nachfrage besser zu steuern und Planungssicherheit zu schaffen. Gleichzeitig ist klar: Ein System muss sich in der Praxis bewähren. Konkrete Rückmeldungen aus der Basis werden aufgenommen und fliessen laufend in Anpassungen ein. Die fachliche Verantwortung für den Teil Springen des Nennsystems liegt beim Technischen Komitee Springen, das über die notwendige Kompetenz verfügt, um gezielte Verbesserungen umzusetzen. Der Vorstand hat sich an seiner Sitzung vertieft mit der Situation auseinandergesetzt und unterstützt den eingeschlagenen Weg. «Das Nennsystem ist kein starres Konstrukt. Es ist ein Instrument, das den Sport unterstützen soll. So kurz nach Saisonbeginn ist jedoch nicht der Zeitpunkt, um etwas komplett über den Haufen zu werfen. Mit einer dringlichen Reglementsanpassung, die vom TK Springen der Reglementskommission und dem Vorstand beantragt wurde, ist es ab sofort erlaubt, dass Spring-Veranstalter neu Prüfungen bis 100 Teilnehmende mit einem Klassement durchführen dürfen. Wir erhoffen uns, dass die Veranstalter den Reiter:innen so mehr Startplätze zur Verfügung stellen», unterstreicht Sportmanagerin Evelyne Niklaus. Fokus 2026: Breite stärken, Spitze sichern Finanziell steht der Verband auf soliden Beinen: Die Jahresrechnung 2025 schliesst mit einem Gewinn von CHF 6'506 ab. Rund 41 Prozent der Mittel fliessen direkt in den Sport. Diese konsequente Disziplin im Finanzbereich schafft den notwendigen Spielraum, um gezielt in die Weiterentwicklung des Pferdesports zu investieren. Die strategische Ausrichtung ist klar: Die Basis wird gestärkt, der Nachwuchs gezielt gefördert und bestehende Strukturen weiterentwickelt. Gleichzeitig bleibt der Anspruch bestehen, international auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zu sein und wichtige Meilensteine in Richtung der kommenden Olympischen Spiele zu erreichen. Klare Botschaft: Mehr Veranstaltungen Der entscheidende Hebel liegt auf der Hand: Es braucht mehr Turniere. Nur so entstehen mehr Starts, mehr Erfahrung und mehr Entwicklung im Sport. Swiss Equestrian wird die Rahmenbedingungen für Veranstalter gezielt verbessern und neue Initiativen ermöglichen. Der Auftrag ist klar: Der Stillstand ist gestoppt. Jetzt muss der Pferdesport in der Schweiz wieder wachsen.
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