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Von den Ursprüngen der sportlichen Reiterei... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Max E.Amann/ DL   
Samstag, 26. Mai 2018 um 10:31

Ittigen/ Schweiz. Den Ursprüngen der sportlichen Reiterei ging in der Schweizer PferdeWoche auch Max E.Ammann nach. Mit der Dressur begann alles…

 

 

Vereinfacht kann man sagen, dass der olympische Pferdesport sich aus drei Quellen entwickelt hat: Der höfischen Reiterei (Dressur), dem Militär (Vielseitigkeit) und dem Bauernstand (Springen). Die ersten verbürgten Prüfungen der drei Disziplinen kann man auf 1872 (Dressur), 1902 (Vielseitigkeit) und 1868 (Springen) datieren.

Es mag sein, dass es vor 1868 Spring- oder Dressurprüfungen gab. Aber wahrscheinlicher ist, dass die „Pferdeschauen“ sich früher darauf beschränkten, die vorgeführten Pferde unter dem Sattel oder an der Hand nach „Conformation und Manners“ zu richten. Anders gesagt: Sie waren „Horse Shows“, wie die Bezeichnung für Reitturniere - Concours Hippiques - noch heute in den englischsprachigen Ländern lautet. Diese „Horse Shows“ waren ursprünglich reine Pferdemärkte. Legendär war dabei der Rossplatz in Leipzig. Bereits 1625 erteilte Kurfürst Johann Georg der Stadt das Privileg, zweimal jährlich einen Rossmarkt durchzuführen. Einige Jahrzehnte später kam, wiederum vom Kürfürsten, die Verordnung, dass der Verkauf von Pferden außerhalb des Pferdemarktes nicht zulässig sei. Zu Zeiten von Kurfürst August dem Starken, um 1720, wurden jeweils bis zu 2000 Pferde angeboten. Alle mussten im Beisein des Oberstallmeisters vorgeritten werden. Mitte des 19. Jahrhunderts verminderte sich die Bedeutung des Leipziger Pferdemarktes, bis er ganz verschwand. Die Leip­ziger Messe, in deren Rahmen der Pferdemarkt stattfand, überlebte und prosperierte – in den heutigen Messehallen wird alljährlich im Januar das große internationale Reitturnier durchgeführt.



Springen

Am 13. April 1868 war die Royal Dublin Society (RDS) bereits 137 Jahre alt, als sie im Rahmen der jährlichen „Horse Show“ erstmals zwei Springen ausschrieb: einen „High Leap“ und einen „Wide Leap“. Diese beiden ersten verbürgten Springkonkurrenzen fanden noch in der Kildare Street in Dublin statt. Erst 1881 zog die RDS nach Ballsbridge.

 

Drei Jahre zuvor war in Frankreich die „Société Hippique Française“ (SHF) gegründet worden, die bereits im darauffolgenden Jahr, 1866, den ersten Concours Hippique organisier­te. Allerdings waren sämtliche Konkurrenzen reine Präsentationen. Die ersten Springprüfungen der SHF kamen 1870, also zwei Jah­re nach der RDS in Dublin.


In der Folge schuf die SHF ab 1874 in Frankreich ein beispielhaftes Turniersystem mit fünf regionalen Concours in Nantes, Bordeaux, Lille (später Bou­logne-sur-Mer), Nancy und Lyon und einem Finale in Paris. Dieser Concours Central fand bis 1897 im dann abgebrochenen „Palais de l’Industrie“ statt, darnach im Grand Palais.

Dressur

Gehen die Ursprünge des Springsports auf den Bauernstand zurück, oder, überspitzt gesagt, auf den alten Landadel und den neuen Industrieadel, so stammt die Dressur von den adeligen Höfen. An diesen, vor allem in Italien, Frankreich oder Österreich, gehörten die Karussells – Gruppendressurvorführungen – zu geschätzten Attraktionen. 1872 erkannte man bei einer Reitvorführung im Rahmen einer wohltätigen Veranstaltung in zum österreichischen-ungarischen Reich gehörenden Pressburg (heute Bratis­lava), was man auf gut durchgerittenen Pferden zu leisten imstande war. Noch im gleichen Jahr wurde in Wien, der Hauptstadt des Kaiserreiches, eine „Gesellschaft zur Prämierung gut dressierter Campagnepferde“ gegründet. Am 25. April 1873 führte die Gesellschaft in Pressburg ihr erstes Preisreiten durch. Im folgenden Jahr wechselte man in die Krieau bei Wien und fügte 1875 ein Preisspringen bei. 1868, 1870 und 1875 hatten somit Irland, Frankreich und Österreich ihre ersten Springprüfungen. Österreich seit 1873 auch die erste Dressurprüfung, dem bald Frankreich mit durch den L’Etrier organisierten Dressurprüfungen folgte.


In Belgien ist der erste Concours Hippique 1881 erwähnt, organisiert vom „Royal Cercle Equestre“ im Bois de la Cambre. 1886 folgten die Niederlande. In Italien wurde 1884 anlässlich der internationalen Ausstellung in Turin ein Concours Hippique organisiert, an dem auch Reiter der italienischen Kavallerieschule von Pinerolo teilnahmen. In Deutschland gab es wohl bereits in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts Leistungsprüfungen für das Ostpreußenpferd. Verbürgt ist ein Turnier von 1895 in München, bald darauf von Anlässen in Frankfurt, Hamburg, Köln und Berlin.


Über die Anfänge des Springsports in den USA streiten sich drei Turniere: Upperville in Virginia, Lake­field in Connecticut und Springfield in Massachusetts. Upperville, 1853 erstmals durchgeführt, ist wohl die älteste „Horse Show“ der USA. Aber gesprungen wurde dort in den ersten Jahrzehnten nicht. 1883, als die erste „National Horse Show“ in einem alten Eisenbahndepot am Madison Square in New York durchgeführt wurde, gehörten die Springprüfungen zu den Hauptattraktionen.


Was die Schweiz betrifft, glaubt man, dass die ers­ten Spring- und Dressurprüfungen 1900 in Yverdon durchgeführt wurden. Es war die dortige „Société pour l’Amélioration de la Race Chevaline“, die im Rahmen der jährlichen Rennen erstmals Springen und Dressur ausschrieb. Max de Rham, später ein geschätzter Pferdesportillustrator, wur­de der erste Springsieger.

Vielseitigkeit

Das französische Militär war verantwortlich für die Schaffung einer Vielseitigkeitsprüfung. Im Jahre 1902 wurde das erste „Championat du Cheval d’Armes“ ausgetragen. Es bestand aus einer Dressurprüfung in der Reithalle der Kriegsschule gefolgt von der 4000 Meter „Steeple Chase“ über 14 Hindernisse in neun Minuten auf der Rennbahn von Vincennes und dem 60-Kilometer-Dauerritt, bei dem die Offiziere in Gruppen auf die Reise geschickt wurden. Erlaubte Zeit: drei Stunden 45 Minuten. Am dritten Tag folgte das Springen im Grand Palais. Nach 1902, als der Sieger Lt. de Saint Phalle dank seiner Dressur gewann, wurde ab 1903 neu gewertet. Die Dressur verlor an Gewicht, aber die Geländeprüfung blieb weiterhin ein Konditionstest mit nur geringem Einfluss auf die Endklassierung.

 

Bei den fünften Olympischen Spielen von 1912 in Stockholm wurden die drei Disziplinen erstmals in das Olympia-Programm aufgenommen - mit einem von Clarence von Rosen konzipierten Reglement, das beispielhaft war.

 

 

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