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"Wolf und Pferd" - das zum Teil überhitzte Thema in Deutschland PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dieter Ludwig   
Freitag, 22. Juni 2018 um 19:38

Verden/ Aller. Die Rückkehr des Wolfes spaltet Deutschland in zwei Lager: Die sich darüber freuen – und jene, die den international geschützten Beutegreifer zum Abschuss freigeben wollen. Unentschiedene Gruppen gibt es nicht.

 

Nach neuesten Erkenntnissen leben in Deutschland augenblicklich rund 1.000 Wölfe, genaue Zahlen gibt es nicht. Wahrlich nicht der Großteil der Bevölkerung fordert radikal den Abschuss des Beutegreifers, der streng geschützt ist. Das Erlegen eines Wolfes ist eine Straftat, für einen Jäger hätte somit der unerlaubte Abschuss den Entzug des Jagdscheins neben einer Buß- oder Gefängnisstrafe zur Folge.

 

Die Rückkehr des Wolfes, der seit 150 Jahren in Deutschland als ausgerottet galt, brachte vor allem für Bauern, Schafhalter und eben auch Pferdezüchter und Pferdehalter  Probleme mit. Die Gemüter sind erhitzt, sachliche Diskussionen werden längst nicht mehr geführt, eher oft voller Hass. Um die angesammelte Schärfe herauszunehmen, alles auf eine sachliche, vernünftige und würdige Ebene zu heben, wurde im Hinblick auf das Verhalten des Pferdes zum Wolf in Niedersachsen ein Arbeitskreis „Wolf und Pferd“ ins Leben gerufen. In einer in Auftrag gegeben wissenschaftlichen Studie soll herausgefunden werden, wie sich beide zueinander verhalten. Geleitet wird das Projekt von Prof. Konstanze Krüger von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (Nürtingen-Geislingen), einer international renommierten Expertin für Pferdepsyche und Pferdeverhalten. Zu den Mitinitiatoren gehört auch der frühere Marketingleiter im Landesverband Niedersachsen, der rührige Dr. Enno Hempel. Hempel, inzwischen bei „Pferdeland Niedersachsen GmbH“. Er sagt: „Das Pferd ist ja etwas anders geartet als Gatterwild, Schafe oder auch Rinder.“ Und außerdem spiele der individuelle Wert bei Pferden eine ganz andere Rolle als bei anderen Nutztieren. Da viel in das Reich der Vermutung falle, halte er die Untersuchung für wichtig.

Ab Herbst 2018 soll die Anwesenheit von Wölfen an einer Pferdeweide eines großen Pferdebetriebs mittels Wildtierkameras erfasst werden. Daten und Informationen sollen öffentlich machen, wie Pferde und Wölfe aufeinander reagieren.  Der Arbeitskreis Pferd und Wolf besteht aus unabhängigen Wildtier- und Pferdeexperten, die auch mittels Voruntersuchungen das Konzept erarbeitet haben. Die Studie ist auf zwei Jahre angelegt. Der Arbeitskreis Pferd und Wolf besteht aus unabhängigen Wildtier- und Pferdeexperten, die auch mittels Voruntersuchungen das Konzept erarbeitet haben.

 

Zum Thema „Wolf und Pferd“ unterhielten wir uns mit Dr. Enno Hempel.

 

Herr Dr. Hempel, ist das Wiederkommen des Wolfes unnatürlich, oder sollte man nicht erfreut sein über seine Rückkehr. Warum schlägt dem Wolf eine solche Feindseligkeit besonders auch aus Pferdekreisen, gar Hass, entgegen?

Enno Hempel: „Die Ausbreitung des Wolfsvorkommens in Deutschland begann um die Jahrhundertwende im Südosten von Polen kommend in Richtung Nordwesten. Entgegen provokanten und unbewiesenen Behauptungen, Wölfe seien transportiert und ausgesetzt worden, handelt es sich um einen natürlichen Prozess. Dieser wurde möglich durch die Grenzöffnungen und den hohen Schutzstatus, der aus internationalen Vereinbarungen stammt und letztlich im Europäischen und deutschen Recht und Gesetz verankert ist. Freude oder Hass gegenüber der Entwicklung sind nach meiner Auffassung weniger angebracht als intensive , professionelle Beobachtung mit wissenschaftlicher Begleitung. Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit ist das am ersten betroffene Bundesland Sachsen strategisch besser vorgegangen als beispielsweise Niedersachsen ein paar Jahre später. Damit wurde der Polarisierung und Emotionalisierung Tür und Tor geöffnet. Verunsicherungen, nachvollziehbare Befürchtungen und ernstzunehmende Sorgen stammen aus der tatsächlichen Betroffenheit der Nutztierhalter von Schafen, Ziegen, Gatterwild und Rindern, mit den sich die Pferdehalter solidarisch fühlen.“  

Sie waren maßgebend beteiligt an der Schaffung  des Projektes Pferd und Wolf. Was war der Grund zur Schaffung einer solchen Initiative, denn um den Wolf zu vertreiben gibt es doch nach der stark verbreiteten Jägermeinung nur die Kugel?

E.H.: „Zum einen gibt es keine für unsere Kulturlandschaft anwendbare Basisforschung zum Verhältnis von Wildtieren, insbesondere Wölfen zu Pferden. Zum anderen fehlen wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse zur möglichen Interaktion zwischen Wölfen und Pferden. Anhand der oben genannten Belastungen müssten den Pferdehaltern Informationen darüber an die Hand gegeben werden, wie die Entwicklung einzuschätzen ist, welche Maßnahmen in Frage kommen und welche Strategie für die Zukunft realistisch ist. Das Töten von Wölfen ist eine Straftat und das Naturschutzgesetz hat den Korb für Ausnahmegenehmigungen sehr hoch gehängt. Die Meinung hierzu ist übrigens in der Jägerschaft durchaus gespalten.“

Hat der Wolf als Lebewesen - wie alle anderen auch - nicht ein Bleiberecht in unseren Breiten, wo er mal heimisch war?

E.H.: „Der Beutegreifer Wolf ist ein Teil der Natur und der Umgang des Menschen mit der Natur ist bei uns ein breites Feld, welches in der Gesellschaft durchaus kontrovers betrachtet und diskutiert wird. Verantwortungsbewusstsein, Respekt und Weitsicht sollten federführend sein.“

Beispiel Frankreich, dort werden laut Statistik  von rund acht Millionen Ziegen oder Schafen durch Wölfe nicht einmal ein Prozent getötet, aber 10,000 durch herrenlose Hunde, doppelt so viele. Ist man dort weiter als in Deutschland?

E.H.: „Wir haben Informationen aus mehreren Ländern wie aus Frankreich, aber z. B. auch aus Italien, Schweden, Spanien oder den USA und müssen feststellen, dass die Vergleichbarkeit begrenzt ist, sowohl was das Wolfsvorkommen, als auch die Rahmenbedingungen und das Management betrifft. Dennoch kann der Austausch von Wissen und Erfahrungen, der zum Teil schon stattfindet, nützlich sein. Die Kulturlandschaft speziell in Niedersachsen begründet besondere Herausforderungen, der kürzlich überarbeitete Wolfsmanagementplan wird als ein dynamisch weiter zu entwickelndes Konzept gesehen. Der zuständige Umweltminister Olaf Lies will einen „Niedersächsischen Weg“ in Brüssel vertreten.“

Der Wolf muss ja von etwas leben, wie soll er sich ernähren, wenn er kein Wild zur Nahrung findet?

E.H.: „Der Wolf ist Ernährungsopportunist und findet in Deutschland ausreichend Nahrung im Wildbestand. Wenn ihm der Zugang zu Nutztieren mittels Herdenschutz verwehrt wird, macht er sich auf die Suche nach günstigeren Bedingungen. Da das Pferd sich in der Wehrhaftigkeit von anderen Nutztierarten unterscheidet, dennoch Zaun an Zaun mit den bislang in der Rissstatistik auftauchenden Weidetieren gehalten wird, ist ein Schulterschluss mit den Tierhalterverbänden sinnvoll. Das Ziel muss sein, eine gesetzeskonforme, naturgerechte und breite Akzeptanz findende Strategie zu entwickeln. Ob Steuerung hier der richtige Begriff ist, sei dahingestellt, es ist ja wie gesagt, ein äußerst komplexes Geschehen.“ 

Wer Tiere liebt, kann doch den Wolf nicht hassen, oder sind Pferdebesitzer oder Reiter anders gelagert,  oder ist der Mensch  nicht klug genug, seine Tiere zu schützen, oder kann er nicht, oder will er nicht aus irgendwelchen Gründen?

E.H.: „Pferdebesitzer betreiben fast ausnahmslos aktiven Tierschutz. Mit der Pferdehaltung ist ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, emotionalem und wirtschaftlichem Engagement verbunden. Unter den Nutztierhaltern liegt hier eine Sonderstellung vor. Die Möglichkeiten wolfsabweisenden Herdenschutzes weichen von denen der anderen Nutztierarten ab, die vom Gesetzgeber geforderte Hütesicherheit eignet sich nicht unbedingt als sicherer Wolfsschutz. Aus dieser Diskrepanz ist eine ablehnende Haltung gegenüber dem Wolfsvorkommen nachvollziehbar. Die Pferdehalter sind insgesamt in gewisser Weise ein Spiegel der Gesellschaft, so sind die Motive für die Einstellung zum Wolfsthema genauso vielgestaltig. Aber gerade durch den hohen wirtschaftlichen und emotionalen Einsatz für die Pferde ist das Streben nach Sicherheit stark ausgeprägt und da helfen zuverlässige Information und seriöse Kommunikation.“

Schönen Dank für das Interview.   

 

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